Mit dem über 5,12 Meter langen Luxus-Großraumvan LM 350h zielt Toyota-Edeltochter Lexus direkt auf vermögende Shuttle-Kunden und Vorstände. Ausgestattet mit Viersitzer-First-Class-Kabine, Trennwand und 48-Zoll-Bildschirm, setzt der Japaner ab 122.000 Euro neue Maßstäbe für Chauffeur-Limousinen.
Angetrieben wird der Luxusliner von einem 2,5-Liter-Vollhybrid mit 184 kW (250 PS) und elektronischem Allradantrieb E-Four. Doch unter dem Unterboden droht ein bekanntes Toyota-Risiko: Das sogenannte Cablegate – korrodierende Hochvolt-Steckverbindungen zum hinteren Elektromotor durch winterliches Streusalz. Unser Technik-Check zeigt, was Besitzer wissen müssen.
Hintergründe und Tragweite des Hochvoltkabel-Problems beim Lexus LM
Das als „Cablegate“ bekannte Problem ist keine theoretische Schwachstelle, sondern ein in der Praxis nachgewiesener Mangel bei Fahrzeugen des Toyota-Konzerns, die auf der GA-K-Architektur basieren. Der Kern des Problems liegt in der Konstruktion der Steckverbindung, die das Hochvoltkabel mit dem hinteren Elektromotor des E-Four-Allradantriebs verbindet. Diese Verbindung ist am Unterboden des Fahrzeugs platziert und somit permanent Spritzwasser, Schmutz und vor allem aggressivem Streusalz ausgesetzt.
Die Schutzabdeckung des Steckers erweist sich als unzureichend, sodass Feuchtigkeit eindringen kann. Das Gehäuse des Steckers besteht aus Aluminium, während die interne Abschirmung des Kabels aus Kupfer gefertigt ist. Gelangt salzhaltiges Wasser als Elektrolyt zwischen diese beiden Metalle, entsteht eine galvanische Korrosion. Dieser elektrochemische Prozess zersetzt das unedlere Aluminium mit alarmierender Geschwindigkeit. Die Folge ist eine Zerstörung der Abschirmung und der Dichtungen, was zu Isolationsfehlern im Hochvoltsystem führt. Das Fahrzeug erkennt diesen Fehler und gibt typischerweise eine Warnmeldung wie „Hybrid-System prüfen“ aus, bevor es im schlimmsten Fall den Antrieb komplett deaktiviert.
Die Reparatur ist aufwendig und teuer, da die Korrosion oft nicht nur den Stecker, sondern auch den Kabelbaum selbst angreift. In vielen Fällen muss der gesamte Kabelstrang, der unter dem Fahrzeugboden verläuft, ausgetauscht werden. Werkstätten veranschlagen für diese Reparatur Kosten, die sich auf bis zu 4.500 Euro summieren können. Das Problem ist dabei nicht auf eine bestimmte Modellreihe beschränkt. Unsere Analyse zum Toyota Corolla Cross AWD im Check hat bereits gezeigt, dass auch andere Modelle des Konzerns mit einer ähnlichen Heckmotor-Anbindung von diesem Korrosionsproblem betroffen sind, was auf einen systemischen Designfehler hindeutet.
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Merkmal
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Lexus LM 350h Executive (7-Sitzer)
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Lexus LM 350h Luxury (4-Sitzer)
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Preis (DE)
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ab 128.000 €
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ab 153.850 €
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Motor
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A25A-FXS, 2,5-Liter-Saugbenziner
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A25A-FXS, 2,5-Liter-Saugbenziner
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Systemleistung
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184 kW (250 PS)
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184 kW (250 PS)
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Batterie
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Lithium-Ionen
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Lithium-Ionen
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Antrieb
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E-Four Allradantrieb
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E-Four Allradantrieb
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Abmessungen (L/B/H)
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5.125 / 1.890 / 1.940 mm
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5.125 / 1.890 / 1.940 mm
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Breite mit Außenspiegeln
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ca. 2.140 mm
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ca. 2.140 mm
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Kofferraumvolumen
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110 L (alle Sitze aufrecht) / 1.191 L (3. Reihe geklappt)
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752 L
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Typklasse Haftpflicht
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19
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19
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Typklasse Teilkasko
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31
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31
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Typklasse Vollkasko
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33
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33
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Kfz-Steuer (jährlich)
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ca. 207 €
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ca. 207 €
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Die GA-K-Plattform als Achillesferse: Eine technische Analyse
Die Entscheidung von Lexus, den LM auf der weit verbreiteten GA-K-Plattform aufzubauen, bringt zwar Skaleneffekte in der Produktion, aber sie vererbt eben auch bekannte Schwachstellen. Der Lexus LM 350h trägt den Chassis-Code AAWH10. Die enge technische Verwandtschaft zu Modellen wie dem Lexus NX (Chassis-Code u.a. AZ10) oder dem Toyota RAV4, bei denen das „Cablegate“-Problem bereits ausführlich dokumentiert ist, bildet die Grundlage für unsere Risikoanalyse. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass die gleiche oder eine sehr ähnliche, anfällige Konfiguration der Hochvoltkabel-Steckverbindung auch im Luxus-Van verbaut wurde.
In Online-Foren fragen sich viele Besitzer betroffener Toyota- und Lexus-Modelle, ob eine nachträgliche Versiegelung der Steckverbindung Abhilfe schaffen kann. Während einige Werkstätten und Privatpersonen versuchen, den Stecker mit Korrosionsschutzfett oder speziellen Dichtmassen zu schützen, gibt es seitens des Herstellers keine offizielle Anweisung oder ein anerkanntes Verfahren dafür. Eine solche Maßnahme könnte im Garantiefall sogar zu Problemen führen. Die Anfälligkeit ist nicht auf SUV-Modelle beschränkt; selbst Limousinen auf verwandten Plattformen sind betroffen, wie unsere Untersuchung zum Lexus ES 300h AWD im Check aufdeckte, was die systemische Natur des Problems unterstreicht.
Für deutsche Halter ist das Risiko besonders hoch. Die Kombination aus langen, kalten Wintern mit intensivem Einsatz von Streusalz (Natriumchlorid) und der hohen Luftfeuchtigkeit schafft ideale Bedingungen für die galvanische Korrosion. Während das Problem in trockeneren Klimazonen möglicherweise erst nach vielen Jahren oder gar nicht auftritt, kann der Korrosionsprozess im DACH-Raum erheblich beschleunigt werden. Ein Fahrzeug, das wenige Jahre alt ist, könnte bereits erhebliche Schäden am Unterboden aufweisen, die bei einer oberflächlichen Inspektion nicht sofort sichtbar sind.
Offizielle KBA-Rückrufe: Software-Mängel trüben das Zuverlässigkeitsversprechen
Unabhängig vom latenten Korrosionsrisiko ist der Lexus LM bereits kurz nach seiner Markteinführung in Deutschland durch handfeste, vom Kraftfahrt-Bundesamt registrierte Mängel aufgefallen. Diese offiziellen Rückrufe betreffen sicherheitsrelevante Funktionen und stehen im klaren Widerspruch zum Premium-Anspruch der Marke. Die Tatsache, dass es sich um Software-Probleme handelt, zeigt die wachsende Komplexität moderner Fahrzeuge und die damit verbundenen Herausforderungen in der Qualitätssicherung.
Folgende Rückrufe sind für den Lexus LM in der KBA-Datenbank hinterlegt:
- KBA-Rückruf 15347R (Hersteller-Code: 25SD-063): Hierbei besteht die Gefahr eines plötzlichen und vollständigen Ausfalls des Kombiinstruments. Der Bildschirm, der Tacho, Warnleuchten und andere fahrrelevante Informationen anzeigt, bleibt schwarz. Dies stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, da der Fahrer keine Informationen über Geschwindigkeit oder Fahrzeugstatus mehr erhält. In Deutschland sind von diesem Rückruf insgesamt rund 63.000 Fahrzeuge der Baureihen LBX, LM und LS betroffen. Für den LM gilt der Produktionszeitraum vom 15. Februar 2023 bis zum 18. April 2024. Die Abhilfemaßnahme besteht in einem Software-Update oder, falls erforderlich, dem Austausch des Steuergeräts.
- KBA-Rückruf 15777R (Hersteller-Code: 25SD-108): Dieser Rückruf adressiert einen Fehler in der Rückfahrkamera. Das Kamerabild kann während des Rückwärtsfahrens einfrieren oder komplett ausfallen. Dies beeinträchtigt die Sicherheit beim Manövrieren erheblich, insbesondere bei einem Fahrzeug dieser Größe und mit eingeschränkter direkter Sicht nach hinten. Der betroffene Produktionszeitraum erstreckt sich vom 31. März 2021 bis zum 9. September 2024. Auch hier wird das Problem durch ein Software-Update des zuständigen Steuergeräts behoben.
Diese Software-Pannen sind zwar durch Werkstattbesuche lösbar, doch sie werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen sich auch Premium-Hersteller stellen müssen. Für Käufer, die sechsstellige Beträge investieren, sind solche Mängel besonders ärgerlich. Sie summieren sich zu einem komplexen Gesamtbild der Zuverlässigkeit, das potenzielle Kunden von Modellen wie dem kompakten Lexus UX 300h im Stadt-Crossover bis zur repräsentativen Lexus ES 350h im Business-Limousine bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen müssen.
Alltags-Tücken und Kostenfalle: Was der Prospekt verschweigt
Jenseits der technischen Risiken offenbart der Lexus LM bei genauerer Betrachtung einige Eigenheiten, die seine Praxistauglichkeit im deutschen Alltag einschränken und die Unterhaltskosten in die Höhe treiben. Ein entscheidender, aber oft übersehener Punkt sind die Abmessungen. Mit einer Breite von circa 2,14 Metern inklusive der Außenspiegel ist der LM für die Nutzung der linken Fahrspur in vielen Autobahnbaustellen in Deutschland ungeeignet. Diese sind häufig auf 2,10 Meter oder sogar 2,00 Meter begrenzt. Für einen Vielfahrer, der den LM als mobiles Büro nutzen möchte, ist dies eine erhebliche Einschränkung der Reisedynamik.
Ein weiterer kritischer Punkt ist das Kofferraumvolumen, das stark von der gewählten Konfiguration abhängt. Während der viersitzige „Luxury“ mit 752 Litern einen üppigen Laderaum bietet, kollabiert das Volumen beim siebensitzigen „Executive“ bei voller Bestuhlung auf magere 110 Liter. Dieser Wert liegt auf dem Niveau eines Kleinstwagens und ist für eine Reise mit sieben Personen und Gepäck völlig unzureichend. Erst wenn die dritte Sitzreihe umgeklappt wird, entsteht mit 1.191 Litern ein praxistauglicher Stauraum. Familien oder Shuttle-Dienste müssen diesen Kompromiss einkalkulieren.
Die wahren Betriebskosten werden durch die Versicherungseinstufung demaskiert. Die Typklassen für die Kaskoversicherungen sind mit 31 (Teilkasko) und 33 (Vollkasko) extrem hoch. Diese Einstufungen spiegeln nicht nur den hohen Fahrzeugwert wider, sondern auch die von den Versicherern erwarteten hohen Reparaturkosten im Schadensfall sowie ein potenziell hohes Diebstahlrisiko. Ein kleiner Parkrempler kann bei einem Fahrzeug mit dieser aufwendigen Karosserie und Technik schnell zu einer fünfstelligen Schadenssumme führen. Diese hohen Versicherungskosten, gepaart mit Leasingraten, die bei über 1.700 Euro netto pro Monat beginnen, positionieren den LM als ein Nischenprodukt für eine sehr spitze Zielgruppe. Er konkurriert preislich nicht nur mit Luxuslimousinen, sondern auch mit dem kommenden Flaggschiff-SUV der Marke, dem Lexus LX 700h, was die Kaufentscheidung zusätzlich verkompliziert.
Fazit von Alex Wind: Trotz Luxus vor dem Kauf abwarten
Der Lexus LM 350h ist ein faszinierendes Fahrzeug, das den Begriff des Reisekomforts neu definieren will. Der opulente Innenraum, insbesondere in der viersitzigen Konfiguration, sucht im Van-Segment seinesgleichen. Doch unter der Hülle aus Luxus und Hightech verbergen sich ernstzunehmende Risiken, die potenzielle Käufer nicht ignorieren dürfen. Das „Cablegate“-Problem ist mehr als nur ein Schönheitsfehler; es ist eine konstruktive Schwachstelle mit dem Potenzial für extrem teure Folgeschäden, die gerade im salzreichen deutschen Winter zu einer kostspieligen Schwachstelle werden kann. Die Tatsache, dass Lexus das Problem bei Schwestermodellen kennt, aber für den LM noch keine offizielle Lösung oder Garantieerweiterung für Europa kommuniziert hat, ist besorgniserregend.
Die offiziellen KBA-Rückrufe wegen Software-Fehlern mögen behebbar sein, doch sie kratzen am Lack der makellosen Zuverlässigkeit, für die die Marke bekannt ist. In der Summe ergibt sich ein ambivalentes Bild: Auf der einen Seite steht ein unvergleichliches Raum- und Komforterlebnis, auf der anderen Seite stehen hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten, praktische Einschränkungen im Alltag und vor allem ein unkalkulierbares technisches Risiko. Positiv hervorzuheben ist jedoch die Ergonomie im Cockpit. In einer Zeit, in der viele Hersteller fast alle Funktionen in unübersichtliche Touchscreen-Menüs verbannen, behält Lexus erfreulicherweise physische Tasten und Regler für essenzielle Funktionen wie Klimatisierung und Lautstärke bei. Dieser direkte und ablenkungsfreie Zugriff ist ein klarer Sicherheits- und Komfortgewinn. Dennoch: Wer mit dem Gedanken spielt, über 128.000 Euro für diesen Van auszugeben, sollte sich der potenziellen Folgekosten und der technischen Problematik bewusst sein und auf eine umfassende Garantie pochen.
