Lexus LX 700h (2026): Der japanische König lernt endlich sparen (ein bisschen)

Lange Zeit war der Lexus LX ein Dinosaurier. Groß, schwer, durstig. Ein Auto für Ölscheichs und texanische Rancher. In Deutschland war er ein Exot, den man nur fuhr, wenn man einen Tankwart im Freundeskreis hatte. Doch das Modelljahr 2026 ändert alles. Lexus bringt – endlich! – den LX 700h. Verstecken Sie Ihre Prius-Witze. Das hier ist kein Spar-Hybrid. Das ist das i-FORCE MAX System aus dem Toyota Tundra: Ein 3,5-Liter-V6-Biturbo, gekoppelt mit einem E-Motor zwischen Motor und Getriebe. Systemleistung? Massive 463 PS und 790 Nm Drehmoment. Damit zielt der LX nicht mehr nur auf den Cadillac Escalade, sondern direkt auf den Range Rover P550e. Ich bin den neuen Hybrid-Koloss in der rustikalen „Overtrail“-Version gefahren. Ist das der beste Geländewagen der Welt, oder nur ein Toyota Land Cruiser im Smoking?

Der Antrieb: LX 700h vs. LX 600

Der LX 600 (V6 Biturbo, 415 PS) bleibt im Programm. Der neue LX 700h nutzt denselben Motor, addiert aber einen 48-PS-Elektromotor und eine kleine 1,87-kWh-Batterie. Das System erlaubt rein elektrisches Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten und boostet beim Beschleunigen. Wichtig: Lichtmaschine und Anlasser bleiben erhalten (Redundanz für Offroad-Einsätze).

Lassen Sie uns rechnen. Der LX 600 ist ein toller Motor. Aber er hat ein Turboloch. Der LX 700h füllt dieses Loch mit Strom. Wenn Sie das Gaspedal streicheln, schiebt der E-Motor sofort an. Das 2,7-Tonnen-Schiff fühlt sich plötzlich leichtfüßig an. Der Verbrauch? Erwarte keine Wunder. Im Test sank der Durchschnitt von 14 Litern (LX 600) auf ca. 11-12 Liter (LX 700h). Das ist keine Revolution. Aber die Reichweite steigt. Und das Drehmoment von fast 800 Nm macht das Ziehen von schweren Hängern (bis 3,5 Tonnen) zum Kinderspiel. Der Clou: Lexus hat das Hybridsystem wasserdicht verpackt. Die Wattiefe (700 mm) bleibt identisch zum Benziner. Das ist Ingenieurskunst, die Vertrauen schafft.

Overtrail Edition: Luxus trifft Matsch

Die „Overtrail“-Ausstattung bringt 33-Zoll-All-Terrain-Reifen, sperrbare Differenziale (vorne, mitte, hinten) und ein spezielles Fahrwerks-Setup. Optisch erkennbar an schwarzen Akzenten und der exklusiven Farbe „Moon Desert“.

Das ist mein Favorit. Der normale LX auf 22-Zoll-Felgen sieht aus wie ein Rapper-Auto. Der Overtrail auf 18-Zoll-Felgen mit viel Gummi sieht aus wie ein UN-Fahrzeug für den Mars. Der Fahrkomfort auf den dicken Reifen ist himmlisch. Gullideckel? Bordsteine? Existieren nicht mehr. Und im Gelände ist dieser Wagen unaufhaltsam. Dank der drei Sperren klettert er Wände hoch, während Sie im klimatisierten Massagesitz „Havana Brown“ Leder streicheln. Es ist die absurdeste, aber schönste Kombination aus Grobheit und Feinheit.

Innenraum: Endlich auf Augenhöhe?

Das Cockpit wurde zum Modelljahr 2026 leicht überarbeitet. Das 12,3-Zoll-Kombiinstrument ist neu, das 14-Zoll-Infotainment bleibt. Die Materialien sind Lexus-typisch perfekt („Takumi“).

Wenn Sie in einen Range Rover steigen, denken Sie: „Schickes Design.“ Wenn Sie in den Lexus steigen, denken Sie: „Das hält 100 Jahre.“ Die Tasten klicken satt. Das Leder ist weich. Nichts knistert. Aber: Das Infotainment wirkt im Vergleich zum riesigen Curved-Display eines BMW X7 etwas altbacken. Die Menüs sind verschachtelt. Dafür gibt es echte Tasten für die Klima und die Offroad-Modi. Der Platz im Fond (besonders in der 4-Sitzer „Ultra Luxury“ Version) ist First Class. Aber der Kofferraum leidet beim Hybrid leicht unter der Batterie (der Ladeboden ist etwas höher). Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der Kinderwagen noch passt!

Preis & Konkurrenz: Teurer, aber wertstabiler

Der LX 700h wird in Deutschland (über offizielle Händler oder Importeure wie Auto Seredin/Geiger) voraussichtlich zwischen 120.000 und 140.000 Euro kosten.

Das ist viel Geld. Ein Range Rover kostet ähnlich viel (oder mehr). Aber ein Range Rover steht oft in der Werkstatt. Ein Lexus LX steht nur zum Service in der Werkstatt. Die Zuverlässigkeit (Lexus führt regelmäßig die J.D. Power Listen an) ist der wahre Luxus dieses Autos. Wer das Auto kauft, um es 10 Jahre zu fahren, fährt mit dem Lexus am günstigsten. Der Hybrid-Antrieb ist komplexer, aber da er von Toyota stammt, mache ich mir um die Haltbarkeit keine Sorgen.

Das Duell der Giganten

Feature
Lexus LX 700h Overtrail (2026)
Range Rover P550e
Mercedes GLS 580
Motor
V6 Biturbo Hybrid (463 PS)
R6 PHEV (550 PS)
V8 Biturbo (517 PS)
Drehmoment
790 Nm
800 Nm
730 Nm
Offroad
3 Sperren + Leiterrahmen
Luftfederung + Terrain Response
Luftfederung
Zuverlässigkeit
Legendär (Toyota-Basis)
Fraglich
Mittel
Infotainment
Solide (14 Zoll)
Modern (Pivi Pro)
Hyperscreen (MBUX)
Preis (Real)
ca. 135.000 €
ca. 150.000 €
ca. 140.000 €

Fazit: Der Land Cruiser für den Vorstandsvorsitzenden

Der Lexus LX 700h (2026) ist kein Auto für Menschen, die das Neueste vom Neuen brauchen. Er hat kein 50-Zoll-Display und fährt nicht autonom. Er ist ein Auto für Menschen, die ankommen wollen. Immer. Egal wo. Mit dem neuen Hybrid-Antrieb ist er spritziger und (etwas) sparsamer geworden, ohne seine Unzerstörbarkeit zu opfern. Die „Overtrail“-Version ist der coolste Luxus-SUV des Jahres 2026. Er sagt: „Ich könnte die Wüste durchqueren, aber heute fahre ich nur zur Oper.“ Und genau diese Souveränität macht ihn unwiderstehlich.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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