Lexus NX (2026) im Test: Der Zen-Meister unter den Premium-SUVs

Wenn Sie einen BMW X3 kaufen, wollen Sie sportlich fahren. Wenn Sie einen Mercedes GLC kaufen, wollen Sie Prestige. Und wenn Sie einen Lexus NX kaufen? Dann haben Sie vermutlich keine Lust auf Werkstattbesuche, komplizierte Aufpreislisten oder böse Überraschungen an der Tankstelle. Der Lexus NX ist im Modelljahr 2026 die gereifte Alternative im Haifischbecken der Mittelklasse-SUVs. Er schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Er funktioniert einfach. Wir haben den Bestseller, den NX 350h (Vollhybrid), und das Topmodell, den NX 450h+ (Plug-in-Hybrid), unter die Lupe genommen. Ist japanische Perfektion langweilig oder genau das, was wir heute brauchen?

Das Design: Scharf, aber nicht bissig

Lexus hat seine Designsprache gefunden. Der riesige „Diabolo“-Kühlergrill (Spindle Grille) ist immer noch da, wirkt aber inzwischen harmonischer integriert als früher. Am Heck verbindet ein durchgehendes Leuchtenband die Rücklichter, der Markenname steht ausgeschrieben („L E X U S“) auf der Klappe. Er wirkt kompakter und muskulöser als ein Audi Q5. Die scharfen Kanten und Falten sorgen dafür, dass sich das Licht interessant bricht. Ein Detail, das man erst beim Einsteigen merkt: Die Türgriffe bewegen sich nicht. Es sind „E-Latch“-Taster. Man drückt einen kleinen Knopf auf der Innenseite des Griffs, und die Tür springt elektrisch auf. Das ermöglicht den „Safe Exit Assist“: Das Auto verhindert, dass Sie die Tür öffnen, wenn von hinten ein Radfahrer kommt. Genial sicher, aber für Neulinge gewöhnungsbedürftig.

Der Antrieb: Die Königsklasse des Sparens

Lexus (und Toyota) baut seit Jahrzehnten Hybride. Und das merkt man. 1. Der NX 350h (Vollhybrid): Das ist der Antrieb, den die meisten kaufen sollten. Ein 2.5-Liter Benziner + E-Motor. Systemleistung: 244 PS. Sie müssen ihn nie laden. Er lädt sich beim Bremsen und Rollen selbst. Der Verbrauch? Wir sind im Test mit 5,5 bis 6,2 Litern gefahren. Für ein 1,8-Tonnen-SUV mit Allrad (E-Four) ist das sensationell. Der Nachteil: Das stufenlose Getriebe (e-CVT). Bei Vollgas heult der Motor auf („Gummiband-Effekt“). Aber wer fährt einen Lexus schon ständig mit Vollgas? Beim Gleiten ist er flüsterleise.

2. Der NX 450h+ (Plug-in-Hybrid): Hier steckt die Technik des Toyota RAV4 Prime drin. 309 PS. Dank einer 18,1 kWh Batterie schafft er realistische 70 bis 80 Kilometer rein elektrisch. Und wenn der Akku leer ist? Dann arbeitet er so effizient wie der Vollhybrid weiter. Das ist der große Unterschied zu deutschen PHEVs, die mit leerem Akku oft saufen. Der Lexus bleibt sparsam.

Innenraum: Tazuna und der riesige Schirm

Vergessen Sie die Horror-Geschichten über das alte Lexus-Touchpad („Remote Touch“). Das ist Geschichte. Der aktuelle NX hat einen brillanten 14-Zoll-Touchscreen (in höheren Ausstattungen), der leicht zum Fahrer geneigt ist. Das System „Lexus Link Pro“ ist schnell, logisch und versteht natürliche Sprache („Hey Lexus, mir ist kalt“). Das Cockpit-Konzept nennt sich „Tazuna“ (die Zügel, mit denen man ein Pferd lenkt). Alles ist griffbereit. Die Materialqualität ist exzellent. Das Leder ist weich, die Spaltmaße sind perfekt. Es fühlt sich „dichter“ und solider an als in einem Tesla. Aber: Es ist etwas eng. Die Mittelkonsole ist breit, das Armaturenbrett wuchtig. Man fühlt sich „eingebaut“. Hinten ist die Kniefreiheit okay, aber nicht auf dem Niveau eines BMW X3. Der Kofferraum (545 Liter) ist gut nutzbar, da er keinen Absatz hat und auch beim Hybrid nicht schrumpft (Batterie liegt im Unterboden).

Fahrverhalten: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Der Lexus NX ist kein Kurvenräuber. Auch nicht als „F Sport“. Er ist eine Sänfte. Das Fahrwerk filtert Bodenwellen souverän weg. Die Dämmung ist fantastisch (besonders mit dem Akustikglas). Man wird im NX automatisch zu einem gelasseneren Fahrer. Die Lenkung ist präzise, aber leichtgängig. Der Allradantrieb (E-Four) hat hinten einen eigenen Elektromotor. Das reicht für verschneite Straßen und nasse Wiesen, aber es ist kein Offroad-System. Wer sportliche Härte sucht, ist hier falsch. Wer nach einem stressigen Tag entspannen will, findet hier sein Nirvana.

Fazit: Der rationale Luxus

Der Lexus NX (2026) ist das Auto für Menschen, die rechnen können und Qualität schätzen. Er bietet vielleicht nicht das prestige-trächtigste Logo für die linke Spur der Autobahn. Aber er bietet:

  1. Einen Verbrauch, der den Geldbeutel schont (besonders als 350h).
  2. Eine Verarbeitung, die für die Ewigkeit gemacht scheint.
  3. Ein Infotainment, das endlich konkurrenzfähig ist. Er ist der „Stressfrei-SUV“. Einsteigen, fahren, wohlfühlen. Ohne Drama.

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie Zuverlässigkeit über alles stellen (Lexus führt Pannenstatistiken regelmäßig an).
  • Sie effizient fahren wollen, ohne auf Diesel angewiesen zu sein.
  • Sie ein hochwertiges, ruhiges Interieur suchen.

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie oft mit Vollgas über die Autobahn jagen. Das CVT-Getriebe wird dann laut.
  • Sie maximalen Platz im Fond brauchen. Die Konkurrenz ist geräumiger.
  • Sie ein hochdynamisches Fahrwerk suchen. Nehmen Sie einen BMW X3 oder Porsche Macan.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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