Der Lexus RX ist der Urvater aller Premium-SUVs. Als er Ende der 90er startete, lachten viele über die Idee eines höhergelegten Luxusautos. Heute lacht niemand mehr. In der aktuellen, fünften Generation hat Lexus das Konzept verfeinert. Er will nicht der Sportlichste sein (dafür gibt es den BMW X5). Er will nicht der Protzigste sein (dafür gibt es den Mercedes GLE). Er will der Perfekte sein. Wir haben den Lexus RX 500h – das sportliche Topmodell mit Turbo-Hybrid – und den vernünftigen RX 450h+ (Plug-in-Hybrid) getestet. Ist der Japaner inzwischen gut genug, um die deutsche Premium-Dreifaltigkeit zu sprengen?
Das Design: Der Grill ist geschmolzen
Lexus hat jahrelang mit dem riesigen „Diabolo“-Kühlergrill polarisiert. Beim aktuellen RX ist dieser Grill in die Karosserie „hineingeschmolzen“ („Spindle Body“). Oben ist er geschlossen und in Wagenfarbe lackiert, nach unten hin öffnet er sich. Das sieht futuristisch und deutlich eleganter aus als früher. Die Seitenlinie mit der scheinbar schwebenden C-Säule („Floating Roof“) bleibt das Erkennungszeichen. Der RX wirkt gestreckt (4,89 Meter), aber nicht wuchtig. Er kaschiert seine Größe geschickt. Er ist das SUV für Leute, die Stil haben, aber nicht „Hoppla, hier komm ich“ schreien wollen.
Die Antriebe: Drei Wege zum Glück
Lexus bietet in Europa keine reinen Benziner mehr an. Alles ist elektrifiziert.
- Der Vernünftige: RX 350h Ein Vollhybrid mit 250 PS. Er ist kein Rennwagen, aber er verbraucht im Alltag 6,0 bis 6,5 Liter. Für ein Auto dieser Größe ist das physikalisch beeindruckend.
- Der Pendler: RX 450h+ (Plug-in-Hybrid) Er kombiniert den Hybrid-Antrieb mit einer großen 18,1 kWh Batterie. 309 PS Systemleistung. Reichweite elektrisch: ca. 65 km. Das Geniale: Ist der Akku leer, säuft er nicht 10 Liter wie die deutsche Konkurrenz, sondern arbeitet als sparsamer Vollhybrid weiter (ca. 6,5 – 7 Liter). Das ist das beste PHEV-System auf dem Markt.
- Der Sportler: RX 500h (Turbo-Hybrid) Hier wird es spannend. Statt des heulenden CVT-Getriebes verbaut Lexus eine 6-Gang-Automatik. Vorne arbeitet ein 2.4-Liter Turbomotor, hinten ein starker E-Motor (eAxle). 371 PS und 550 Nm. Dank des Direct4-Allradsystems verteilt er die Kraft blitzschnell. Er drückt mächtig aus der Kurve, nickt beim Beschleunigen kaum ein. Er fühlt sich nicht wie ein Hybrid an, sondern wie ein kräftiger V6-Turbo.
Innenraum: Omotenashi und riesige Screens
„Omotenashi“ ist japanisch und bedeutet so viel wie „vorausshauende Gastfreundschaft“. Und so fühlt sich der Innenraum an. Die Materialqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Das Leder ist weich, die Nähte sind perfekt, die Hölzer echt. Der zentrale 14-Zoll-Touchscreen ist brillant und schnell. Die Klimaanlage hat – Gott sei Dank – noch Drehregler mit kleinen Displays darin. Ein Highlight ist das optionale Mark Levinson Soundsystem mit 21 Lautsprechern. Es spielt so klar und druckvoll, dass man im Stau gerne sitzen bleibt. Die Türen öffnen per E-Latch (elektrischer Taster). Das verhindert, dass man die Tür öffnet, wenn ein Radfahrer kommt. Das Platzangebot? Vorne üppig, hinten Business-Class-Niveau. Die Rücksitzlehnen lassen sich elektrisch verstellen. Der Kofferraum (461 Liter) ist allerdings nur Durchschnitt. Wegen der schrägen Heckscheibe und dem hohen Boden passt weniger rein als in einen GLE oder X5.
Fahrverhalten: Schweben statt Rasen
Auch als sportlicher RX 500h mit Hinterachslenkung (ja, die hat er!) wird der Lexus kein Rennwagen. Die Lenkung ist präzise, aber leichtgängig. Das Fahrwerk filtert Bodenwellen souverän weg. Es ist die Ruhe, die beeindruckt. Dank „Active Noise Control“ und Dämmglas ist es im Innenraum still wie in einer Bibliothek. Der RX entschleunigt. Man fährt gelassener, defensiver. Der 500h kann zwar sportlich (0-100 in 6,2 Sekunden), aber er wirkt dabei immer souverän, nie krawallig.
Fazit: Die kluge Alternative
Der Lexus RX (2026) ist kein Auto für Adrenalin-Junkies. Er ist ein Auto für Perfektionisten. Er bietet nicht das Prestige eines Mercedes-Sterns, aber er bietet die Gewissheit, dass dieses Auto vermutlich auch in 15 Jahren noch problemlos fährt (Lexus-Zuverlässigkeit ist legendär). Der RX 450h+ ist dabei der beste Allrounder: Genug E-Reichweite für den Alltag und maximale Effizienz auf der Langstrecke. Wer deutsche Premium-Preise zahlt, aber keine Lust auf deutsche Premium-Arroganz (und Werkstattpreise) hat, landet beim RX.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie Langzeit-Qualität suchen. Nichts hält länger als ein Lexus.
- Sie einen Plug-in-Hybrid wollen, der auch mit leerem Akku sparsam ist.
- Sie ein stressfreies, extrem leises Reiseauto suchen.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie maximalen Kofferraum brauchen. Ein Mercedes GLE schluckt deutlich mehr.
- Sie sportliche Härte lieben. Ein BMW X5 fährt dynamischer.
- Sie das CVT-Getriebe (im 350h/450h+) akustisch stört. Bei Vollgas wird es laut.





















