Mercedes EQB 300 4MATIC (2026) im Test: Der 7-Sitzer für Familien

Mercedes EQB 300 4MATIC (2026) im Test: Der 7-Sitzer für Familien
Foto: Mercedes-Benz AG

Auch im Jahr 2026 bleibt die Suche nach einem passenden Elektroauto für größere Familien eine echte Herausforderung. Wer regelmäßig mehr als zwei Kinder transportiert oder die halbe Jugendmannschaft zum Spiel fährt, benötigt zwingend mehr als fünf Sitze und vor allem Platz. Das Angebot an elektrischen 7-Sitzern im kompakten SUV-Segment ist dabei erschreckend dünn. Ein Kia EV9 ist mit seinen fünf Metern Länge zwar ein Statement, in der Stadt aber kaum zu parken. Der VW ID.Buzz hat zwar den Retro-Faktor, bewegt sich preislich aber oft in abgehobenen Regionen. Und genau hier parkt der Mercedes-Benz EQB. Er ist der pragmatische, kantige Bruder des EQA. Ein luxuriöser Schuhkarton auf Rädern – und doch so viel mehr.

Für das Modelljahr 2026 hat Mercedes dem EQB ein umfassendes Facelift und gezielte Software-Updates spendiert. Damit behauptet er sich als einer der ganz wenigen kompakten 7-Sitzer-SUVs mit Stecker. Im Rahmen einer exklusiven Testfahrt mit einem seriennahen Prototypen auf dem Mercedes-Testgelände in Immendingen haben wir den EQB 300 4MATIC, die goldene Mitte der Baureihe, genau unter die Lupe genommen. Er ist entweder der perfekte, emissionsfreie Familientransporter oder ein teurer Kompromiss auf einer alten Verbrenner-Plattform. Unsere Analyse liefert die Antwort.

Das Raumwunder für Sieben: Innenraum und Variabilität im Detail

Der EQB macht kein Geheimnis aus seiner technischen Basis, der konventionellen Mercedes-GLB-Plattform (MFA2). Genau diese Herkunft wird zu seinem größten praktischen Vorteil. Während andere Hersteller den Nutzwert für schnittige Coupé-Dachlinien opfern und Fondpassagiere zum Ducken zwingen, trägt der EQB seine Kastenform mit funktionalem Stolz. Die Dachlinie verläuft lang und gerade, das Heck fällt steil ab. Alles im Dienst des Raums. Das Facelift wertet die Optik mit dem geschlossenen „Black Panel“-Grill und seinem feinen Sternenmuster auf, ergänzt durch das durchgehende LED-Leuchtenband am Heck. Der Look ist modern und edel, verzichtet aber zum Glück auf das polarisierende Tropfen-Design der größeren EQ-Modelle.

Wir öffnen die schweren Türen und nehmen Platz. Vorn empfängt uns die gewohnte Mercedes-Qualität. Das hochauflösende Widescreen-Cockpit ist brillant, die Verarbeitung und die Materialien – von Leder bis zu gebürstetem Aluminium – sind auf höchstem Niveau. Nichts knarzt, nichts klappert. Die Sprachbedienung „Hey Mercedes“ des MBUX-Systems bleibt die unangefochtene Referenz im Markt.

Der Kompromiss der MFA2-Plattform zeigt sich in der zweiten Reihe. Weil Mercedes das große Batteriepaket nachträglich in den Unterboden integrieren musste, liegt der Fußboden im Fond spürbar höher. Erwachsene sitzen dadurch unweigerlich mit stark angewinkelten Knien, da die Oberschenkel kaum noch auf dem Polster aufliegen. Diese „Froschhaltung“ stört Kinder in ihren Sitzen kaum, für Teenager auf der langen Fahrt in den Urlaub wird sie aber zur ergonomischen Geduldsprobe. Ein riesiger Praxisvorteil wiegt das teilweise auf: Die zweite Sitzreihe ist serienmäßig um 14 Zentimeter längs verschiebbar. Das schafft wahlweise mehr Knieraum oder vergrößert den Kofferraum.

Das entscheidende Merkmal ist die optionale dritte Sitzreihe für rund 1.500 Euro Aufpreis. Mercedes gibt sie offiziell für „Personen bis 1,65 Meter“ frei. Unsere Erfahrung zeigt: Realistisch sind eher 1,50 Meter. Der Zustieg erfordert eine gewisse Gelenkigkeit. Für den Kindergeburtstag oder die kurze Fahrt zum Sport ist diese Option aber Gold wert. Man kann vier vollwertige Isofix-Kindersitze montieren (zwei in Reihe zwei, zwei in Reihe drei) – das schafft in dieser Klasse fast kein anderer. Sind alle sieben Sitze aufgestellt, schrumpft der Kofferraum auf die Größe einer Sporttasche. Liegen alle Lehnen flach, wird der EQB mit bis zu 1.710 Litern zum Kleintransporter. Dank seiner kompakten Außenbreite von 2,02 Metern inklusive Spiegeln passt der EQB zudem souverän durch die oft auf 2,1 Meter begrenzten linken Spuren in Autobahnbaustellen. Ein unaufgeregter Begleiter im deutschen Verkehrsalltag.

Mercedes EQB 300 4MATIC - Bild 1
Foto: Mercedes-Benz AG

Fahrpraxis: Komfort, Reichweite und der Haken an der Ladesäule

Der EQB 300 4MATIC mit 228 PS (168 kW) und 390 Nm Drehmoment ist die ideale Motorisierung. Er beschleunigt in 8,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das reicht für jedes Überholmanöver. Viel wichtiger ist der souveräne mechanische Allradantrieb, der ein hohes Maß an Fahrsicherheit vermittelt. Wer mit voller Besetzung im Winter in die Berge fährt, will nicht mit durchdrehenden Vorderrädern am Pass scheitern. Mercedes hat das Fahrwerk exzellent abgestimmt. Der kantige Aufbau schluckt Bodenwellen mit stoischer Ruhe. Auch bei hohem Tempo auf der Autobahn bleibt der Komfort hoch, obwohl die Windgeräusche ab 130 km/h durch die Karosserieform präsenter sind als bei aerodynamischeren Konkurrenten. Die Dämmung der Radhäuser ist gut, könnte im Premium-Segment aber noch etwas besser sein, um Abrollgeräusche vollständig zu filtern.

An der Stromzapfsäule zeigt sich die Realität. Auf der Landstraße lässt sich der Schwabe extrem effizient mit Werten um 17-18 kWh/100 km bewegen. Auf der Autobahn wird der mäßige cW-Wert der Schrankwand aber zum Verbrauchs-Treiber. Bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h genehmigt sich der EQB durstige 23 bis 25 kWh pro 100 Kilometer. Mit der netto 66,5 kWh großen Batterie ergibt das eine reale Langstrecken-Reichweite von 280 bis 300 Kilometern.

Der größte Schwachpunkt wartet am Hypercharger. Wir sind im Jahr 2026. Ein Tesla Model Y lädt mit 250 kW, ein Hyundai Ioniq 5 oder Kia EV6 pumpen Strom mit über 200 kW in die Zellen. Der Mercedes EQB hingegen lädt mit einer maximalen Spitzenleistung von bescheidenen 100 kW. Das ist das direkte Erbe der älteren 400-Volt-Architektur, die von der Verbrenner-Plattform stammt. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert 32 bis 35 Minuten. Auf dem Papier klingt das nach nur 15 Minuten mehr als bei der Konkurrenz. Wer aber schon einmal mit drei quengelnden Kindern auf der Rückbank an einer trostlosen Autobahnraststätte gewartet hat, weiß: Diese 15 Minuten fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Im Winter sinkt die Ladeleistung bei kalter Batterie oft noch weiter ab, wenn das Thermomanagement nicht rechtzeitig aktiv war. Hier spürt man den Plattform-Kompromiss am schmerzlichsten.

Kostenanalyse: Steuer, Versicherung und Unterhalt

In der Gesamtkostenrechnung (TCO) ist der Mercedes-Benz EQB 300 4MATIC ein kaufmännischer Glücksgriff, speziell für familienorientierte Dienstwagenflotten. Da der Bruttolistenpreis selbst mit Allrad, dritter Sitzreihe und guter Ausstattung sicher unter der 70.000-Euro-Marke bleibt, profitiert das SUV voll von der staatlichen Förderung. Dienstwagenfahrer versteuern den kompakten Stern mit der äußerst lukrativen 0,25 %-Regelung, was die monatliche finanzielle Belastung erheblich senkt.

Für Privatkäufer ist der Anschaffungspreis zwar Mercedes-typisch hoch, doch der stabile Werterhalt von flexiblen 7-Sitzern auf dem Gebrauchtwagenmarkt federt den Wertverlust langfristig gut ab.

Die Kfz-Steuer für rein batterieelektrische Fahrzeuge wie den EQB entfällt in Deutschland bei Erstzulassung bis Ende 2025 aktuell noch bis zum 31. Dezember 2030 komplett. Für Neuzulassungen ab 2026 könnte sich diese Regelung ändern oder eine geringe Pauschale eingeführt werden. Derzeit fallen also keine jährlichen Steuern an. Ein klarer Vorteil.

Bei den Versicherungsklassen (Typklassen) liegt der EQB im erwartbaren Bereich für ein Premium-SUV. Für den EQB 300 4MATIC (Schlüsselnummern 2222/AXB oder ähnlich) gelten folgende ungefähre Einstufungen:

  • Haftpflicht (HP): ca. Typklasse 19-21
  • Teilkasko (TK): ca. Typklasse 23-25
  • Vollkasko (VK): ca. Typklasse 20-22

Diese Werte können je nach Ausstattung und Versicherer leicht abweichen, dienen aber als solide Orientierung.

Mercedes EQB 300 4MATIC - Bild 2
Foto: Mercedes-Benz AG

Hinter den Kulissen: Technisches Datenblatt des EQB 300 4MATIC (2026)

DatenpunktMercedes-Benz EQB 300 4MATIC (2026)
Motor & AntriebDual Motor (ASM vorn / PSM hinten), Allrad
Leistung / Drehmoment228 PS (168 kW) / 390 Nm
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
FahrwerkMacPherson vorn / Mehrlenkerachse hinten
Batterie (Netto)66,5 kWh (NCM-Lithium-Ionen)
Bordspannung400 Volt
0-100 km/h8,0 s
Vmax160 km/h (Elektronisch limitiert)
WLTP-Verbrauch (Mix)18,1 – 20,4 kWh/100 km
Testverbrauch (real)ca. 18,5 – 24,0 kWh/100 km (je nach Fahrweise)
DC-Ladeleistung (Peak)max. 100 kW (10-80 % in ca. 35 Min.)
AC-Ladeleistung11 kW (Optional 22 kW)
Länge4.684 mm
Breite (m. Spiegel)2.020 mm
Höhe1.667 mm
Radstand2.829 mm
Leergewicht (nach EG)ca. 2.155 – 2.225 kg (variiert mit Ausstattung)
Kofferraumvolumen495-1.710 l (5-Sitzer), 110-1.620 l (7-Sitzer)
Preise (Deutschland)ab ca. 55.500 € (7-Sitzer ab ca. 57.000 €)
Leasing (Mtl. ab)ca. 499 – 650 € (36 Mon./10.000 km, ohne Anzahlung, exemplarisch)

Stimmen aus der Praxis: Was Besitzer wirklich berichten

Auf Plattformen wie Motor-Talk.de oder in den Leserforen der Auto Bild kristallisiert sich ein klares Bild des Mercedes EQB heraus. Besitzer loben vor allem die pragmatische Raumausnutzung und die für diese Klasse erstaunliche Variabilität. Die längs verschiebbare zweite Reihe wird oft als „genial“ beschrieben, besonders wenn es darum geht, zwischen mehr Beinfreiheit für die Kinder oder zusätzlichem Ladevolumen zu wählen. Die Sprachbedienung des MBUX-Systems erntet durchweg Anerkennung für ihre Präzision und ihren Funktionsumfang; viele Nutzer halten sie für besser als die Systeme der Konkurrenz. Auch die Verarbeitungsqualität im Innenraum mit den hochwertigen Materialien und der Abwesenheit von Klappergeräuschen findet großen Anklang. Das Fahrverhalten wird als komfortabel und sicher eingestuft, der Allradantrieb bei winterlichen Bedingungen als unschätzbarer Vorteil.

Die Liste der Kritikpunkte ist ebenso konsistent. Die „Froschhaltung“ im Fond durch den hohen Fahrzeugboden ist für Erwachsene auf langen Strecken ein oft genannter Nachteil, auch wenn er für Kinder kaum eine Rolle spielt. Die Ladeleistung an DC-Schnellladern wird fast einstimmig als zu langsam und zeitraubend kritisiert, was Langstrecken zu einer Geduldsprobe macht – „die größte Schwachstelle des Autos“ ist ein häufig gelesener Kommentar. Einige Besitzer monieren zudem die Geräuschkulisse auf der Autobahn, speziell Windgeräusche ab 120 km/h und eine nicht perfekte Dämmung der Abrollgeräusche aus den Radkästen. Kleinere Software-Fehler im MBUX-System nach Updates sind ebenfalls gelegentlich ein Thema, beheben sich aber meist von selbst nach einem Neustart.

Die serienmäßigen Sicherheitsassistenten wie der Aktive Brems-Assistent und der Aktive Spurhalte-Assistent, die zum 5-Sterne-Ergebnis im Euro NCAP beitragen, arbeiten zuverlässig. Sie bieten aber nicht immer den feingeschliffenen Komfort und die volle Funktionsvielfalt, die man von den größeren Modellen der E- oder S-Klasse gewohnt ist.

Mercedes EQB 300 4MATIC - Bild 3
Foto: Mercedes-Benz AG

Alternativen im Blick: Der EQB im Wettbewerbsumfeld

Im Segment der familienfreundlichen Elektro-Kompakten ist der Wettbewerb hart, und der EQB trifft auf ernstzunehmende Gegner. Der Tesla Model Y Long Range ist rational oft die effizientere Wahl. Er bietet mehr Reichweite und eine überlegene Ladeleistung von bis zu 250 kW. Dafür verzichtet er auf wirklich nutzbare sieben Sitze – die optionale dritte Reihe ist in Europa extrem eng und kaum zu bekommen – und sein Fahrwerk ist spürbar straffer abgestimmt.

Der VW ID.Buzz bietet den ultimativen Raum und den „Bus-Faktor“, begeistert mit Charme und Praktikabilität. Er kostet aber auch ein kleines Vermögen, selbst im Leasing, und ist in der Stadt deutlich unhandlicher als der kompakte EQB. Zudem bieten nur die teuren Langversionen die vollwertige 7-Sitzer-Option. Ein weiterer starker Konkurrent ist der Skoda Enyaq iV. Er ist zwar kein 7-Sitzer, punktet aber mit einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis, einem riesigen Kofferraum und hohem Fahrkomfort. Der Enyaq überzeugt mit solider Technik und schnelleren Ladezeiten, ihm fehlen aber die Premium-Anmutung und die dritte Sitzreihe des EQB.

Der Mercedes EQB besetzt in diesem Umfeld eine klare Nische für pragmatische Großfamilien. Wer auf exakt 4,68 Metern Länge echten Premium-Komfort, bis zu vier Isofix-Plätze und die attraktive 0,25 %-Dienstwagenversteuerung sucht, findet hier das einzig passende Fahrzeug.

Experten-Fazit: Für wen dieser Mercedes die richtige Wahl ist

Der Mercedes-Benz EQB des Modelljahres 2026 ist kein Auto, das man kauft, um am Lade-Stammtisch mit Tech-Nerds über 800-Volt-Ladekurven oder cW-Werte zu fachsimpeln. Rein nach den Daten von Batterie und Ladeleistung wirkt dieses SUV technisch überholt.

Doch dieses Auto kauft man nicht für Auto-Quartett. Man kauft es, weil es das Chaos des Familienalltags meistert. Er ist übersichtlich, erstaunlich wendig in der Stadt, dank 4MATIC absolut sicher und bietet die rettenden sieben Sitze in einem Format, das im Gegensatz zum riesigen Kia EV9 noch in die Parklücke vor der Arztpraxis passt. Er ist der VW Touran des Premium-Elektro-Zeitalters, nur eben mit Stern.

Die uneingeschränkte Empfehlung geht an Großfamilien, Eltern im Dauereinsatz als Kindertaxi und Pendler, die zu 95 % zu Hause an der eigenen Wallbox laden. Mein klarer Rat im Verkaufsgespräch: Greifen Sie unbedingt zum EQB 300 4MATIC. Er bietet die nötige Sicherheit für den Winter und souveräne Fahrleistungen. Aber seien Sie gewarnt: Wenn Sie regelmäßig die 1.000-Kilometer-Strecke nach Italien fahren und ungeduldige Kinder an Bord haben, wird Sie die langsame 100-kW-Ladung an der Autobahn zur Verzweiflung bringen. Wer jedoch primär in einem Radius von 300 Kilometern unterwegs ist, findet hier den unaufgeregt besten Premium-Schulbus der Welt.

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