Blicke ich als Automobil-Historiker in 20 Jahren auf den mitunter holprigen Übergang zur Elektromobilität in Europa zurück, so wird der Škoda Enyaq zweifellos einen prominenten Platz in meinen Analysen einnehmen. Dieses Fahrzeug hat dem deutschen Mittelstand die anfängliche Skepsis gegenüber dem Elektroauto genommen, indem es die Geräumigkeit eines Kodiaq mit der Pragmatik und dem praktischen Nutzen eines Octavia Kombi verband, dies jedoch in einem vollständig elektrischen Gewand präsentierte.
Für das Jahr 2026 hat der Enyaq seine anfängliche „Sturm-und-Drang“-Phase, die auch Software-Herausforderungen umfasste, erfolgreich hinter sich gelassen. Nach einem umfassenden technologischen Facelift zum Modelljahr 2024/25 beherbergt er nun die leistungsstarke neue Motorengeneration der VW-Gruppe, wodurch er sich nicht nur dem allgegenwärtigen Tesla Model Y stellen muss, sondern auch seinem jüngeren, dynamischen Bruder, dem Škoda Elroq. Meine Aufgabe war es, herauszufinden, ob dieser „alte Hase“ weiterhin die bevorzugte Wahl für Familien darstellt oder ob er technologisch ins Hintertreffen gerät. Ich habe den Enyaq 85 in der edlen „Laurin & Klement“ (L&K)-Ausstattung ausgiebig auf Herz und Nieren geprüft.
Technische Daten & Spezifikationen
| Kategorie | Škoda Enyaq 85 L&K (2026) |
| Motor & Antrieb | E-Motor an der Hinterachse (APP550), Heckantrieb |
| Leistung / Drehmoment | 286 PS (210 kW) / 545 Nm |
| Batteriekapazität (netto) | 77 kWh (Lithium-Ionen) |
| 0-100 km/h / Vmax | 6,7 s / 180 km/h |
| Testverbrauch (Mix) | ca. 18,5 kWh/100 km |
| Reichweite (real) | 380 bis 450 km (je nach Witterung und Gasfuß) |
| Max. Ladeleistung (DC) | 135 bis 175 kW (Software-abhängig) |
| Kofferraumvolumen | 585 bis 1.710 Liter (Kein Frunk!) |
| Fahrzeuglänge | 4.649 mm |
| Basispreis (Schätzung DE) | ab ca. 48.900 € (Testwagen L&K: 61.500 €) |
Design und Karosserie: Das beleuchtete Grinsen in der Nacht
Während der neue, kompaktere Elroq bereits mit dem futuristischen, glatten „Tech-Deck Face“ der Marke experimentiert, bewahrt der große Enyaq, zumindest vorerst, seine klassischere Linie, die ihn als massives SUV unverkennbar erscheinen lässt. Eine stolze Motorhaube und ein wuchtiger, aufrecht stehender Grill prägen dabei dominant seine Frontpartie.
Apropos Grill: Mein Testwagen war mit dem optionalen „Crystal Face“ ausgerüstet, dessen 131 LEDs die vertikalen Rippen des Kühlergrills effektvoll beleuchten. Ob das protzig wirkt? Absolut, doch im nächtlichen Rückspiegel entfaltet es eine beeindruckende Präsenz, die ich als das markanteste visuelle Statement gegenüber dem oft anonym-glatten Antlitz eines Tesla empfinde.
Bei meinem Größen-Check im Alltag stellte ich fest, dass der Enyaq mit seinen 4,65 Metern Länge zwar exakt dem neuen Opel Grandland entspricht, seinen Innenraum jedoch spürbar effizienter gestaltet. Im direkten Vergleich zum neuen, kompakteren Elroq (4,49 m) bietet der Enyaq genau jene entscheidenden Zentimeter mehr im Kofferraum und auf der Rückbank, die für Familien von unschätzbarem Wert sind.
Mein Tipp zur Karosserie-Wahl (SUV oder Coupé?): Das Enyaq Coupé präsentiert sich zwar dynamischer und gewährt dank seiner windschlüpfrigeren Aerodynamik bei Autobahngeschwindigkeit etwa 10 bis 15 Kilometer zusätzliche Reichweite. Obwohl der Kofferraum auf dem Papier mit 570 statt 585 Litern kaum kleiner erscheint, kollidieren extrem sperrige Gegenstände, wie beispielsweise eine Waschmaschine, schnell mit der flachen Heckscheibe. Des Weiteren gehört das Panoramadach beim Coupé zur Serienausstattung, jedoch ohne die Möglichkeit einer Verdunklung durch ein Rollo. Letztlich bleibt die Entscheidung zwischen den beiden Karosserievarianten eine primär ästhetische.
Innenraum: Das rollende Wohnzimmer und der Triumph der Tasten
Als ich einsteige, atme ich tief durch und denke: „Endlich Ruhe.“ Škoda verzichtet hier wohltuend auf das klinisch-sterile, oft kühle Ambiente eines Tesla oder das mitunter verspielte, bunte Design, das man von BYD kennt. Stattdessen setzt der Enyaq auf verschiedene „Design Selections“, wobei unsere L&K-Ausstattung mit einem satten, braunen Leder aufwartet, das sich nicht nur extrem weich, sondern auch überaus hochwertig anfühlt. Das Armaturenbrett ist ebenfalls mit Leder bezogen, und die Präzision der Spaltmaße sowie die Ausführung der Nähte zeugen von einer makellosen Verarbeitung.
Bedienung 4.0: Die Bedienung, einst die absolute Achillesferse dieses Fahrzeugs, hat sich grundlegend gewandelt: Wo die Software früher träge, absturzanfällig und unlogisch agierte, läuft im Jahr 2026 das stark überarbeitete OS 4.2 (oder eine neuere Version) auf dem großen 13-Zoll-Screen nun erfreulich flüssig, und die Menüs präsentieren sich logisch strukturiert. Für den täglichen Gebrauch erweist sich die Möglichkeit, frei belegbare Shortcuts zu nutzen, als besonders wertvoll; so kann ich am oberen Bildschirmrand wichtige Funktionen wie „One-Pedal-Driving“ oder die Lenkradheizung hinterlegen. Zudem ist die Klimaleiste nun fest am unteren Rand des Displays verankert, was die Zugänglichkeit erheblich verbessert.
Obwohl ich echte Drehregler für die Klimaanlage, wie sie im neuen Škoda Superb oder Kodiaq zu finden sind, weiterhin vermisse, feiern die Tschechen am Lenkrad einen wahren Triumph: Hier finden sich echte Tasten und klickende Walzen!, die eine haptisch befriedigende Bedienung ermöglichen – weit entfernt von dem fehleranfälligen Touch-Unfug, der die Lenkradspeichen des Bruder-Modells VW ID.4 plagt.
Das Raumwunder: Das Raumwunder im Enyaq ist beeindruckend: Auf der Rückbank herrscht eine wahre Ballsaal-Atmosphäre, da der Boden bauartbedingt völlig flach ist, weil ein Kardantunnel fehlt. Drei Kinder finden hier mühelos Platz, und der Kofferraum schluckt wuchtige 585 Liter Gepäck, was für mich den entscheidenden Kaufgrund für Familien gegenüber dem Elroq (470 Liter) darstellt. Hier lassen sich der große Kinderwagen und der gesamte Wocheneinkauf verstauen, ohne dass man sich in verzweifelten Tetris-Manövern üben muss. Einziges, für mich ärgerliches Manko, das er sich übrigens mit dem ID.4 teilt: Auch im Jahr 2026 fehlt weiterhin ein vorderer Kofferraum, ein sogenannter Frunk, für das nasse Ladekabel.
Antrieb und Fahrdynamik: Die Herrschaft des APP550-Motors
Ich starte den neuen Elektromotor an der Hinterachse, intern als APP550 bezeichnet, und spüre sofort den Unterschied: Man sollte den alten, etwas zähen „Enyaq 80“ mit seinen 204 PS getrost vergessen, denn der neue „Enyaq 85“ liefert nun satte 210 kW (286 PS) und gewaltige 545 Nm Drehmoment. Fahrerisch stellt dies für mich einen absoluten Quantensprung dar.
- Szenario Autobahn: Im Szenario Autobahn, wo dem Enyaq früher ab Tempo 120 merklich die Puste ausging, zieht der Neue nun massiv und völlig souverän bis zur erhöhten, abgeregelten Spitze von 180 km/h durch. Dabei bleibt er extrem leise; dank der Akustikverglasung, die in der L&K-Ausstattung Serie ist, dringen bei 130 km/h kaum Geräusche von der Außenwelt in den Innenraum. Er liegt satt auf der Straße, und das adaptive DCC-Fahrwerk bügelt selbst schlechte Betonplatten souverän weg. Für mich ist er kein hölzerner Sportwagen, sondern vielmehr ein exzellenter Gleiter, der Langstreckenkomfort neu definiert.
- Der RS-Vergleich: Beim RS-Vergleich stellt sich für mich die Frage, ob man den „Enyaq RS“ wirklich benötigt. Zwar bietet der RS Allradantrieb, 340 PS und eine sportlichere Optik, doch der normale „85er“ mit seinen 286 PS erweist sich im Alltag als kaum spürbar langsamer, dafür aber deutlich effizienter, was sich in einer größeren Reichweite niederschlägt. Mein Rat ist daher klar: Der RS mag das Ego und die Optik bedienen, doch der 85er ist die kluge Wahl für den Verstand.
Der Verbrauch: Meine Messungen zum Verbrauch zeigen, dass die neue Motorengeneration messbar effizienter geworden ist: In der Stadt benötigte ich etwa 14,5 kWh, auf der Landstraße 16,5 kWh und auf der kühlen Autobahn bei 130 km/h waren es faire 20,8 kWh. Mit der 77-kWh-Batterie (netto) erreicht man im Winter auf der Autobahn echte 350 km, während im Sommer im Mischverkehr 450 bis 500 km überhaupt kein Problem darstellen. Dies macht den Enyaq für mich uneingeschränkt langstreckentauglich.
Meine dringende Kaufwarnung: Achten Sie zwingend darauf, dass die Wärmepumpe verbaut ist! Sie ist oft aufpreispflichtig oder geschickt in Paketen versteckt. Ohne diese essenzielle Komponente saugt die elektrische Heizung im Winter auf Kurzstrecken den Akku gnadenlos leer, was unweigerlich zu massiven Reichweitenverlusten führt.
Laden und Langstrecke: Vorkonditionierung als Gamechanger
Škoda hat die Ladekurve des Enyaq massiv optimiert. Während der Standard-85 offiziell mit bis zu 135 kW lädt und der Allrad (85x) 175 kW erreicht, konnte ich dank konstanter Software-Updates beobachten, dass auch der Hecktriebler an der Säule nun oft schneller Strom zieht; ich sah im Test kurzzeitig sogar 170 kW. Für mich ist jedoch wichtiger als der reine Peak-Wert, dass er die Ladeleistung nun wesentlich länger auf hohem Niveau hält. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert somit verlässlich rund 28 Minuten.
Das für mich absolut wichtigste Feature der neuen Software-Generation ist die automatische Vorkonditionierung des Akkus, die das Fahrzeug selbstständig vornimmt, indem es ihn heizt oder kühlt, sobald man eine Schnellladesäule im Navigationssystem als Ziel eingibt. Alternativ lässt sich das Vorheizen auch manuell per Knopfdruck mit der Option („Ich will jetzt laden“) starten. Genau diese Funktion fehlte den frühen Enyaq-Modellen auf der winterlichen Langstrecke schmerzlich und stellt nun einen echten Fortschritt dar.Genau das fehlte den frühen Enyaq-Modellen auf der winterlichen Langstrecke schmerzlich.
Konkurrenz-Check
- Tesla Model Y: Dieser Wagen präsentiert sich als gnadenloser Preisbrecher, der an den markeneigenen Superchargern schneller lädt, beim Verbrauch noch etwas effizienter agiert und mit seinem riesigen Frunk vorn einen höheren Nutzwert bietet. Allerdings empfinde ich das Tesla-Fahrwerk als wesentlich holpriger abgestimmt, der Innenraum ist spürbar lauter, und die radikale Bedienung, die ohne klassischen Tacho auskommt und ausschließlich auf Touch setzt, bleibt für mich eine reine Geschmackssache.
- VW ID.4: Der Zwilling aus Wolfsburg wirkt im Innenraum, besonders in der Basisversion, wesentlich steriler und „plastiklastiger“ als der Enyaq. Zudem empfinde ich die Bedienung am Lenkrad mit ihren unsicheren Touch-Flächen als störend. Für mich ist der Enyaq in der Summe seiner Eigenschaften das deutlich wertigere und wohnlichere Auto.
- Ford Explorer (Elektro): Ironischerweise basiert dieser Wagen auf exakt derselben VW-MEB-Plattform wie der Enyaq. Er präsentiert sich zwar deutlich amerikanischer und robuster im Design, ist jedoch spürbar kürzer, was ihn für Familien mit einem enormen Platzbedarf im Kofferraum in meinen Augen zum klaren Verlierer gegenüber dem großen Škoda macht.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Das neue 286-PS-Triebwerk (APP550) verleiht ihm Agilität, Souveränität und eine bemerkenswerte Effizienz.
- ✅ Pro: Er bietet ein überragendes, flaches Platzangebot für Passagiere und einen gewaltigen Kofferraum von 585 Litern.
- ✅ Pro: Ich erlebe exzellenten Fahrkomfort, eine erstklassige Dämmung und endlich eine schnelle, logisch aufgebaute Software (V. 4.2).
- ✅ Pro: Die Vorkonditionierung der Batterie, ob automatisch oder manuell, sichert zuverlässig schnelle Ladezeiten auch im Winter.
- ❌ Contra: Die reine 400-Volt-Architektur bedeutet, dass das Laden länger dauert als bei Konkurrenten wie Hyundai/Kia mit 800 Volt.
- ❌ Contra: Ein vorderer Kofferraum (Frunk) für das Ladekabel fehlt leider immer noch.
- ❌ Contra: Mit entsprechender Ausstattung wird die 60.000-Euro-Grenze heute spielend überschritten.
Alex Wind meint:
Für mich ist der Škoda Enyaq 85 (2026) das automobile Äquivalent eines perfekt geölten Schweizer Taschenmessers. Im direkten Vergleich zur extrem starken Konkurrenz mag er vielleicht nicht die allerschärfste Klinge in puncto Ladespeed gegenüber Kia/Hyundai besitzen oder das extravaganteste Design aufweisen. Doch er liegt einfach perfekt in der Hand und meistert im Familien-Alltag verlässlich jede noch so anspruchsvolle Aufgabe.
Das Update auf den kräftigen „85er“-Antrieb empfand ich als absolut lebensnotwendig für dieses Fahrzeug. Nun verfügt der Enyaq endlich über die Power und souveräne Effizienz, die seinem wuchtigen Auftritt gerecht wird. In der Summe seiner Eigenschaften sehe ich ihn als den mit Abstand besten Allrounder im gesamten elektrischen Mittelklasse-Segment.
Wer maximale Tech-Spielereien sucht, wird sich wohl für einen Tesla entscheiden. Doch wer maximalen Komfort, kompromisslose Familientauglichkeit und eine klassischere, stressfreie Bedienung wünscht, kommt am Enyaq meiner Meinung nach nicht vorbei. Ich empfehle ihn allen Familien, die innerlich noch dem alten VW Passat TDI nachtrauern und beim Umstieg auf Elektromobilität absolut keine Experimente wagen möchten. Abzuraten ist er hingegen jenen, die extrem oft unter brutalem Zeitdruck quer durch Europa fahren, da hier die 400-Volt-Limitierung beim Laden störend wirken kann, sowie absoluten Pfennigfuchsern – denn in puncto Preis-Leistung ist das Tesla Model Y aktuell kaum zu schlagen.


















