Mercedes EQC 400 (Gebrauchtwagen-Check 2026): Der Pionier als Schnäppchen?

Wir schreiben das Jahr 2026. Mercedes hat das Kürzel „EQ“ bei neuen Modellen wie dem elektrischen G-Klasse (G 580) oder dem neuen GLC EV langsam in den Hintergrund gerückt. Der Mercedes EQC (Baureihe N293) war 2019 der erste Versuch von Mercedes, Tesla Paroli zu bieten. Er war ein umgebauter Verbrenner-GLC. Er war schwer. Er war durstig. Aber jetzt, als Gebrauchtwagen, wird er plötzlich interessant. Während neue E-SUVs oft 70.000 Euro kosten, sind gebrauchte EQC 400 Preise massiv gefallen. Man bekommt echte Mercedes-Qualität zum Preis eines neuen VW ID.3. Ist der „alte“ EQC im Jahr 2026 noch fahrbar, oder ist seine Ladetechnik hoffnungslos veraltet? Ich habe den Pionier als Gebrauchtwagen unter die Lupe genommen.

Design: Der „Black Panel“ Look altert gut

Der EQC sieht anders aus als die aktuellen „Seifenstein“-Designs der EQE/EQS SUVs. Er hat noch eine Motorhaube. Er hat noch Kanten. Der schwarze Grill („Black Panel“), der nahtlos in die Scheinwerfer übergeht, wirkt auch 2026 noch modern. Das durchgehende Leuchtenband hinten war damals neu, heute Standard. Der Plattform-Nachteil: Da er auf dem Verbrenner-GLC basiert, hat er einen langen Vorbau (wo früher der Motor war) und einen Kardantunnel im Innenraum, obwohl er keinen Kardan hat. Das kostet Platz. Aber: Er sieht aus wie ein „echtes Auto“, nicht wie ein Raumschiff. Das mögen viele.

Innenraum: Das letzte „echte“ Mercedes-Cockpit?

Ich steige ein. Kein Hyperscreen. Keine Touch-Wüste. Stattdessen: Das klassische Widescreen-Cockpit (zwei 10,25 Zoll Displays) und – Gott sei Dank – echte Tasten für die Klimaanlage. Die Mittelkonsole ist breit, die Materialien sind (anders als bei manchen neueren EQ-Modellen) absolut erstklassig. Leder, Metall, weiche Kunststoffe. Hier knarzt nichts. Die bronzefarbenen Lüftungsdüsen sind ein Design-Highlight. Das MBUX-System ist zwar die erste Generation, läuft aber flüssig genug für Spotify und Navi. Die Sprachsteuerung („Hey Mercedes“) funktioniert immer noch gut. Platzangebot: Vorne sitzt man fürstlich. Hinten ist es enger als in einem modernen Ioniq 5 oder Tesla Model Y. Der Kardantunnel stört den mittleren Passagier. Der Kofferraum (500 Liter) ist okay, aber die Ladekante ist hoch und es gibt keinen Frunk (vorne ist der E-Motor und Leistungselektronik unter einer riesigen Plastikabdeckung).

Fahrbericht: Ruhe ist die wahre Stärke

Wir starten den EQC 400 4MATIC. Zwei Asynchron-Motoren (einer vorne, einer hinten). 300 kW (408 PS) und 760 Nm. Das ist auch 2026 noch viel Holz. Der EQC springt in 5,1 Sekunden auf 100. Aber er ist kein Sportler. Er wiegt 2,5 Tonnen. Das Fahrwerk ist auf maximalen Komfort getrimmt. Er wiegt schwer, er federt schwer, er liegt satt. Er ist leiser als fast alles andere in dieser Klasse. Windgeräusche? Fehlanzeige. Das ist die alte Mercedes-Schule: Isolation von der Außenwelt.

Der Verbrauch (Das Problem): Die alte Asynchron-Technik und die Kastenform fordern Tribut.

  • Verbrauch (Sommer): 22 – 24 kWh/100km.
  • Verbrauch (Winter/Autobahn): 28 – 30 kWh/100km. Die 80 kWh Batterie (netto) ist eigentlich groß genug, aber der Durst frisst die Reichweite. Realistische Reichweite: 300 bis 330 km. Im Winter auf der Autobahn eher 230 km. Das ist für 2026er Standards (wo 500 km normal sind) wenig.

Laden (Der Geduldstest): Maximal 110 kW (DC). Das war 2019 okay. 2026 ist es langsam. Von 10 auf 80 % dauert es 40 Minuten. Und: Er nutzt oft nicht mal die 110 kW lange. Die Ladekurve fällt schnell ab. Wer Langstrecke fährt, steht lange. Wer zu Hause lädt (11 kW AC Lader ist oft an Bord, bei frühen Modellen nur 7,4 kW – Achtung beim Kauf!), dem ist es egal.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Mercedes EQC 400 4MATIC (2019-2023)
Alex Wind Kommentar
Leistung
300 kW (408 PS) / 760 Nm
Bärenstarker Antritt, säuft aber Strom.
0-100 km/h
5,1 Sekunden
GTI-Schreck an der Ampel.
Vmax
180 km/h
Abgeregelt.
Batterie
80 kWh (Netto)
Eigentlich groß, aber ineffizient genutzt.
Laden (DC)
max. 110 kW
Das größte Manko. 40 Min Wartezeit.
Laden (AC)
7,4 kW (bis 2020) / 11 kW (ab 2021)
Wichtig: Ab Ende 2020 wurde der 11kW Lader verbaut. Darauf achten!
Reichweite (Real)
~300 km
Autobahn im Winter <250 km.
Kofferraum
500 – 1.460 Liter
Nutzwert okay, aber kein Raumwunder.
Anhängelast
1.800 kg
Ein Pluspunkt! Zieht Pferdeanhänger gut.
Gebrauchtpreis (2026)
ca. 28.000 – 35.000 €
Extrem viel Luxus für den Preis eines VW ID.3.

Pro & Contra (Gebrauchtwagen)

  • Komfort: Federung und Geräuschdämmung sind immer noch Oberklasse.
  • Qualität: Materialien und Verarbeitung sind besser als bei vielen Neuwagen 2026.
  • Preis: Hoher Wertverlust macht ihn zum Schnäppchen.
  • Audio: Das Burmester-System (Option) ist fantastisch.
  • Reichweite: 300 km sind heute wenig.
  • Laden: 110 kW sind an der Raststätte eine Ewigkeit.
  • Effizienz: Er verbraucht so viel wie ein Panzer.
  • Platz: Hinten eng und kein Frunk.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Mercedes EQC 400 ist im Jahr 2026 der Geheimtipp für Wenigfahrer mit Komfortanspruch.

Vergessen Sie ihn, wenn Sie Vertreter sind und täglich 600 km fahren. Die Ladepausen nerven.

Aber wenn Sie:

  1. Zu Hause laden können.
  2. Meistens Pendeln (50-100 km).
  3. Einen echten Mercedes mit Leder, Ruhe und Kraft wollen.Dann kaufen Sie einen gepflegten EQC (am besten ab Baujahr 2021 mit dem 11 kW Lader).Sie zahlen den Preis eines nackten Kompaktwagens und fahren S-Klasse-Niveau (zumindest was die Ruhe angeht).Achtung: Der Nachfolger (Mercedes GLC EV) kommt 2026 neu auf den Markt. Er kann alles besser (800V, 700km Reichweite), kostet aber auch das Doppelte.

FAQ (Gebrauchtwagen)

1. Worauf muss ich beim gebrauchten EQC achten?

Achten Sie auf das Baujahr! Modelle vor November 2020 hatten oft nur einen 7,4 kW On-Board-Charger (1-phasig/2-phasig). Damit dauert das Laden an der Wallbox ewig (über 10 Stunden). Ab Ende 2020 gab es den 11 kW Lader (3-phasig). Das ist ein Muss!

2. Hat der EQC Akku-Probleme?

Bisher zeigt sich der Akku als robust, aber es gab einen Rückruf wegen undichter Gehäuse (Feuchtigkeit). Prüfen Sie, ob alle Rückrufe erledigt wurden. Da Mercedes beim EQC sehr konservativ mit der Ladeleistung war (nur 110 kW), wurden die Zellen selten gestresst.

3. EQC 350 oder EQC 400?

Es gab kurzzeitig einen EQC 350 (286 PS). Er ist kaum sparsamer, aber deutlich schwächer. Da der Preisunterschied gebraucht minimal ist: Nehmen Sie immer den EQC 400. Der Spaßfaktor ist viel höher.

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    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.