Nissan Murano (2026) im Import-Check: Der Designer-Anzug aus Amerika

Wenn man in Deutschland „Nissan“ sagt, denken die Leute an den pragmatischen Qashqai oder den kleinen Juke. Wenn man in den USA „Nissan“ sagt, denken viele an den Murano. Er war immer der „schöne“ Nissan. Der SUV für Leute, die eigentlich keinen Offroader wollten, sondern eine rollende Lounge. Im Modelljahr 2026 rollt die vierte Generation (Z53) über die US-Highways. Und Nissan hat alles auf links gedreht. Das Design ist spektakulär, der alte V6-Motor ist tot, und – man höre und staune – das gehasste CVT-Getriebe ist Geschichte. Offiziell gibt es den Murano in Deutschland nicht mehr (zuletzt wurde die zweite Generation hier verkauft und scheiterte grandios). Aber als Grauimport taucht er auf. Wir haben uns den Luxus-Gleiter angesehen. Ist er eine Alternative zum VW Touareg oder Lexus RX?

Das Design: Ariya mit Auspuff

Stellen Sie den neuen Murano neben den elektrischen Nissan Ariya. Sie sehen aus wie Zwillinge. Der Murano 2026 ist glattgezogen. Keine wilden Kanten mehr, sondern fließende Linien. Die Front wird dominiert von extrem schmalen LED-Leisten („Split Headlights“), die nahtlos in den Kühlergrill übergehen. Das Heck ist breit und minimalistisch, mit einem durchgehenden Leuchtenband. Er sieht nicht aus wie ein Werkzeug. Er sieht aus wie ein Konzeptfahrzeug, das versehentlich in Serie ging. Auf einem deutschen Supermarkt-Parkplatz zwischen kantigen VW Tiguans und aggressiven BMW X3 wirkt der Murano wie ein Ufo. Er hat Eleganz. Und er ist groß – knapp 4,90 Meter. Damit kratzt er an der Oberklasse.

Der Antrieb: Die Revolution (V6 und CVT sind tot!)

Jahrzehntelang war der Murano definiert durch zwei Dinge: Einen sahnigen 3.5-Liter V6 und ein furchtbares Gummiband-CVT-Getriebe. 2026 ist alles anders. Unter der Haube steckt jetzt der 2.0-Liter VC-Turbo (Variable Compression). Dieser Vierzylinder kann seine Verdichtung ändern – für Leistung oder Effizienz. Die Daten: 244 PS (241 hp) und 353 Nm Drehmoment. Das sind 20 PS weniger als beim alten V6, aber deutlich mehr Drehmoment. Die Sensation ist aber das Getriebe: Nissan verbaut endlich eine klassische 9-Gang-Wandlerautomatik. Das verändert den Charakter des Autos komplett. Kein Aufheulen mehr beim Beschleunigen. Der Murano schaltet jetzt knackig und direkt. Er wirkt lebendiger. Der Motor hat Kraft, auch wenn ihm der sonore Klang des alten Sechszylinders fehlt. Der Vierzylinder klingt unter Last etwas profan, aber dank massiver Dämmung hört man ihn kaum. Der Allradantrieb (Intelligent AWD) ist Standard oder optional (je nach US-Trim), aber er ist für Schnee auf dem Highway gemacht, nicht für den Matsch im Wald.

Innenraum: Wellness-Oase statt Cockpit

Nissan zielt mit dem Murano auf Lexus. Und das merkt man innen. Das Armaturenbrett ist eine einzige geschwungene Linie mit zwei 12,3-Zoll-Displays unter einer Glasfläche (Google built-in ist auch hier an Bord). Aber das Highlight sind die Materialien. Im Top-Modell „Platinum“ finden Sie semi-anilin gestepptes Leder, Echtholz-Dekor und eine Ambiente-Beleuchtung, die durch das Armaturenbrett schimmert („Murano Glass“-Effekt). Und dann die Sitze. Vorne und hinten (!) gibt es die „Zero Gravity“-Sitze. Sie sind weich, breit und unglaublich bequem. Vorne gibt es jetzt sogar eine Massagefunktion. Hinten ist der Platz fürstlich. Da der Murano keine dritte Sitzreihe hineingequetscht hat (anders als der Pathfinder), haben die Passagiere in Reihe 2 Beinfreiheit wie in einer Limousine. Es ist ein Auto zum Reisen. Ein „Cruiser“. Wer sportlichen Seitenhalt sucht, ist hier falsch. Wer nach 800 Kilometern entspannt aussteigen will, ist hier richtig.

Das Import-Dilemma: Warum tut man sich das an?

Der Murano ist faszinierend, aber in Deutschland ein Problemkind.

  1. Die Größe: Mit fast 2 Metern Breite (inkl. Spiegel oft breiter) ist er für deutsche Altstädte unhandlich.
  2. Der Verbrauch: Der VC-Turbo ist effizienter als der V6, aber erwarten Sie keine Wunder. 9 bis 10 Liter Super sind realistisch. Ein Diesel (wie im VW Touareg) fehlt, ein Hybrid (wie im Lexus RX) fehlt auch.
  3. Teile & Service: Der VC-Turbo ist ein technisches Meisterwerk, aber auch extrem komplex (Pleuel-Mechanik). Wenn da etwas kaputt geht, schauen viele deutsche Nissan-Mechaniker erst mal ratlos ins Handbuch, da der Motor hier selten ist (nur im X-Trail/Qashqai als Generator oder im Infiniti bekannt). Karosserieteile müssen aus den USA kommen.
  4. Preis: Ein importierter Murano Platinum kostet zulassungsfertig schnell 60.000 Euro. Dafür bekommt man auch junge gebrauchte deutsche Premium-SUVs.

Fazit: Der Lexus für Individualisten

Der Nissan Murano (2026) ist das beste Auto, das Nissan aktuell baut (neben dem GT-R und Z). Er sieht fantastisch aus, der Innenraum ist echtes Premium-Niveau, und der neue Antriebsstrang (Turbo + 9-Gang-Automat) beseitigt den größten Kritikpunkt des Vorgängers. Er ist die perfekte Alternative für jemanden, der den Komfort eines Lexus RX will, aber das Design eines Range Rover Velar sucht – und beides nicht bezahlen möchte. Er ist ein Gleiter für die Langstrecke. Ein Statement gegen den deutschen Einheitsbrei.

Kaufen Sie ihn (Import), wenn:

  • Sie Design lieben. Der Murano ist ein Kunstwerk auf Rädern.
  • Sie Komfort über alles stellen. Die Sitze und das Fahrwerk sind sänftenartig.
  • Sie CVT-Hasser waren. Die neue 9-Gang-Automatik ist die Erlösung.

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie Sprit sparen wollen. Ohne Hybrid-Technik ist er im Jahr 2026 nicht mehr zeitgemäß durstig.
  • Sie sportlich fahren wollen. Er wankt in Kurven, er will nicht hetzen.
  • Sie Angst vor komplexer Motortechnik haben (VC-Turbo).

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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