Dieses Fahrzeug, das ich hier vor mir sehe, dürfte wohl das kontroverseste Automobil des laufenden Jahres sein. Über Jahrzehnte hinweg verkörperte der Name „Ford Explorer“ jene gigantischen, amerikanischen Fünf-Meter-Kolosse mit ihren brüllenden V8-Motoren, die wir aus unzähligen Filmen kennen, in denen FBI-Agenten über die Leinwand jagten. Doch nun, in einer gänzlich neuen Ära, präsentiert sich uns der vollelektrische Ford Explorer, der mit seinen bescheidenen 4,47 Metern – und damit sogar kürzer als ein VW ID.4 – eine völlig andere Philosophie verfolgt, nicht mehr in Chicago, sondern in Köln-Niehl gefertigt wird und unter seiner Karosserie die bewährte MEB-Plattform von Volkswagen beherbergt.
Während dies für manch eingefleischten Ford-Enthusiasten beinahe einem automobilen Hochverrat gleichkommt, stellt sich für mich und viele andere eine überaus fesselnde Frage: Ist es Ford tatsächlich gelungen, die Wolfsburger Technik derart raffiniert zu adaptieren und zu gestalten, dass sie sich am Ende wie ein authentischer, charakterstarker Ford anfühlt? Könnte dieses Fahrzeug am Ende sogar den ursprünglichen Volkswagen in den Schatten stellen? Um genau das herauszufinden, habe ich diesen „Kölner Amerikaner“ einem gründlichen Test im anspruchsvollen Alltag unterzogen.
Technische Daten & Spezifikationen
Kategorie | Ford Explorer Extended Range RWD (2026) |
Motor & Antrieb | E-Motor an der Hinterachse, Heckantrieb |
Leistung / Drehmoment | 286 PS (210 kW) / 545 Nm |
Batteriekapazität (netto) | 77 kWh (Lithium-Ionen) |
0-100 km/h / Vmax | 6,4 s / 180 km/h (abgeregelt) |
Testverbrauch (Mix) | ca. 18,5 kWh/100 km |
Reichweite (WLTP / Real) | bis zu 602 km / ca. 380 – 420 km |
Max. Ladeleistung (DC) | bis zu 135 kW (10-80 % in ca. 28 Min.) |
Kofferraumvolumen | 450 bis 1.422 Liter |
Fahrzeuglänge | 4.468 mm |
Basispreis (Schätzung DE) | ab ca. 49.500 € |
Design und Karosserie: Endlich Kante zeigen im Windkanal
Wenn ich einen VW ID.4 unmittelbar neben den neuen Explorer stelle, offenbart sich ein Unterschied, der kaum größer sein könnte. Während der VW für mich wie ein aerodynamisch optimiertes, aber optisch gänzlich charakterloses Stück Seife wirkt, das seine Effizienz über jegliche Formensprache stellt, geht Ford hier einen anderen Weg.
Der Ford Explorer hingegen verkörpert genau jene Ästhetik, die viele Kunden heutzutage suchen: einen robusten, kantigen „Adventure“-Look. Seine Front steht entschlossen im Wind, die Scheinwerfer sind durch eine markante schwarze Spange, die ich als „Ford-Schild“ bezeichne, elegant miteinander verbunden, und die Motorhaube verläuft angenehm flach. Obwohl dieses Fahrzeug mit seinen knapp 4,47 Metern erstaunlich kompakt ist und, im krassen Gegensatz zu seinem wuchtigen US-Vorgänger, mühelos in jede deutsche Norm-Garage passt, vermittelt es auf der Straße einen massiven und bulligen Eindruck. Ein entscheidender Vorteil dieser kastenförmigen Gestaltung ist die exzellente Übersichtlichkeit; ich sehe beim Einparken präzise, wo die Motorhaube endet – eine Qualität, von der Fahrer eines Tesla oft nur träumen können.
Innenraum und Ergonomie: Geniale Tricks und nerviges VW-Erbe
Sobald ich einsteige, beginne ich unweigerlich mit der Suche nach den VW-Komponenten. Und ja, ich finde sie – leider genau jene, die ich mir nicht gewünscht hätte. Die unbeleuchteten Touch-Slider für die Lautstärkeregelung unterhalb des Bildschirms empfinde ich bei Nacht als massiv störend. Auch der unsägliche Fensterheber-Schalter, der mit nur zwei Tasten vier Fenster bedienen soll und dafür eine haptische „Rear“-Umschalttaste erfordert, hat leider den Weg nach Köln gefunden; für mich ist das eine klare ergonomische Fehlkonstruktion.
Doch der überwiegende Teil des Interieurs ist zu hundert Prozent Ford – und hier hat Ford meiner Meinung nach wirklich Großartiges geleistet. Das absolute Highlight ist für mich der „My Private Locker“. Der beeindruckende 14,6-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole lässt sich manuell in seiner Neigung verstellen. Schiebe ich ihn ganz nach unten, verriegelt er mechanisch ein dahinterliegendes, großzügiges Staufach. Sobald das Auto abgeschlossen ist, bleibt dieses unsichtbare Fach für Unbefugte unerreichbar – eine perfekte Lösung für Geldbörse und Smartphone, wenn ich beispielsweise ein Bad im See nehme.
Zusätzlich dominiert zwischen den äußerst bequemen Sportsitzen, die sogar eine Massagefunktion bieten, die sogenannte „MegaConsole“. Dieses geräumige 17-Liter-Fach schluckt mühelos einen 15-Zoll-Laptop oder gleich drei große Wasserflaschen. In Kombination mit der darüberliegenden Soundbar-Optik wirkt der Innenraum des Explorer für mich deutlich wohnlicher und moderner als das oft sterile Plastik-Ambiente, das ich aus Wolfsburg kenne.
Platzangebot: Das Frunk-Problem der MEB-Plattform
Obwohl die Front des Explorer steil aufragt und er eine ausgeprägte SUV-Optik besitzt, empfinde ich das Platzangebot als angemessen, wenngleich nicht als überbordend. Im Fond finden Erwachsene dank des entfallenen Kardantunnels und der geraden Dachlinie einen sehr komfortablen Platz vor.
Der Kofferraum fasst 450 Liter, was für den täglichen Bedarf einer vierköpfigen Familie ausreicht, jedoch spürbar weniger ist als bei seinem Konzernbruder ID.4 oder dem Raumwunder Tesla Model Y. Da der Explorer auf der MEB-Plattform aufbaut, übernimmt er leider auch deren architektonische Eigenheit: Ein Frunk, also ein zusätzlicher Kofferraum unter der vorderen Haube, fehlt gänzlich. Das bedeutet für mich, dass das nasse Ladekabel zwangsläufig unter dem doppelten Ladeboden im Heckabteil verstaut werden muss, was sich auf einer vollgepackten Urlaubsfahrt schnell als umständlich erweist.
Antrieb und Fahrwerk: Fährt er wie ein echter Ford?
Die entscheidende Frage, die sich mir stellte, war, ob Ford tatsächlich in der Lage ist, aus einem schweren, adaptierten Elektro-Chassis von VW ein dynamisch ansprechendes Auto zu formen. Meine kurze und prägnante Antwort darauf lautet: Ja, das ist ihnen absolut gelungen.
Ich habe den Extended Range RWD (Heckantrieb) mit seinen 286 PS und der 77-kWh-Batterie ausgiebig getestet. Ford hat hier die Dämpfer, die Federn und insbesondere die Lenkung in Eigenregie komplett neu abgestimmt, und das Resultat ist für mich beeindruckend. Der Explorer lenkt wesentlich zackiger und präziser ein, als ich es von einem ID.4 gewohnt bin. Er zeigt in Kurven deutlich weniger Wankbewegungen und federt zwar etwas straffer, wirkt dabei aber niemals unkomfortabel. Er vermittelt genau jenen direkten „Ford-Flow“, den ich persönlich von Modellen wie einem Focus oder Fiesta kenne und schätze.
Auf der Autobahn konnte ich mit dem Hecktriebler bei einer Richtgeschwindigkeit von 130 km/h und bei kälteren Temperaturen solide reale Reichweiten von 380 bis 420 Kilometern erzielen, was im Vergleich zum WLTP-Wert von 602 km eine realistische Einschätzung darstellt. Das Laden des RWD erfolgt mit maximal 135 kW DC, wobei der stärkere Allradler immerhin 185 kW erreicht. Um von 10 auf 80 Prozent Ladestand zu gelangen, vergehen am Schnelllader etwa 26 bis 28 Minuten. Dies ist im Jahr 2026 ein guter, absolut alltagstauglicher Durchschnitt, stellt jedoch kein technologisches 800-Volt-Ladefeuerwerk dar, wie ich es beispielsweise vom Hyundai Ioniq 5 kenne.
Assistenzsysteme: Der Spurwechsel-Profi
Im Bereich der Assistenzsysteme profitiert der Kölner Explorer meiner Einschätzung nach massiv von der bereits ausgereiften VW-Technik. Der aktive Spurhalte- und Abstands-Assistent funktioniert auf der Autobahn phänomenal gut und vermittelt ein hohes Maß an Sicherheit. Eine Neuerung für Ford in Europa ist die Fähigkeit des Explorer, auf der Autobahn automatische Spurwechsel durchzuführen. Ein kurzes Antippen des Blinkers genügt, und das System überprüft mittels Radarsensoren den toten Winkel, um das Fahrzeug anschließend geschmeidig auf die Überholspur zu lenken. Auch die Matrix-LED-Scheinwerfer arbeiten nachts extrem präzise und blenden den Gegenverkehr flüssig und zuverlässig aus, was ich als sehr angenehm empfinde.
Konkurrenz-Check
- VW ID.4: Als direkter Genspender bietet er zwar etwas mehr Kofferraumvolumen, doch optisch empfinde ich ihn als völlig beliebig und rundgelutscht. Dem VW mangelt es an einem cleveren Innenraum-Konzept, wie es der Explorer mit seinem verstellbaren Screen und der MegaConsole bietet, und zudem fährt er sich spürbar entkoppelter und weniger dynamisch, was ich persönlich als Nachteil empfinde.
- Tesla Model Y (RWD): Für mich ist das Model Y nach wie vor der unbestrittene Maßstab in vielen Bereichen. Es ist effizienter, bietet massiv mehr nutzbaren Raum, inklusive eines riesigen Frunks, und eine meiner Meinung nach überlegene Software. Allerdings rollt das Tesla-Fahrwerk deutlich poltriger ab, und die Assistenzsysteme, insbesondere der Autopilot, agieren auf europäischen Straßen oft extrem nervös, was ich als störend empfinde.
- Hyundai Ioniq 5: Diesen bezeichne ich gerne als den Retro-Ladekönig. Dank seines 800-Volt-Systems lädt der Koreaner drastisch schneller, oft in nur 18 Minuten, was ein echter Vorteil ist. Optisch polarisiert er jedoch stark, und die Ergonomie im Innenraum ist meiner Ansicht nach weniger auf ein ausgeprägtes „SUV-Gefühl“ ausgerichtet als beim Explorer.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Ich schätze das überragende Karosseriedesign mit seinen echten Kanten und die daraus resultierende perfekte Übersichtlichkeit.
- ✅ Pro: Die Fahrdynamik und die Lenkung empfinde ich als spürbar besser und direkter im Vergleich zum VW ID.4.
- ✅ Pro: Der geniale, mechanisch verschließbare „Private Locker“ hinter dem Touchscreen ist für mich ein echtes Highlight.
- ✅ Pro: Die Assistenzsysteme agieren auf der Autobahn hervorragend und vermitteln ein sehr sicheres Gefühl.
- ❌ Contra: Die sehr kleinen, unbeleuchteten Touch-Slider für Klima und Radio empfinde ich bei Nacht als störend.
- ❌ Contra: Der für mich katastrophale, kostenoptimierte VW-Fensterheberschalter wurde leider übernommen, was ich als ergonomischen Rückschritt sehe.
- ❌ Contra: Die MEB-Plattform bedingt das Fehlen eines vorderen Kofferraums (Frunk), was die Alltagstauglichkeit in manchen Situationen einschränkt.
Alex Wind meint:
Für mich persönlich stellt der Ford Explorer des Modelljahres 2026 die größte automobile Überraschung dieses Jahres dar. Viele Enthusiasten hatten im Vorfeld befürchtet, es könnte sich hierbei lediglich um einen lustlosen „Umlabel“-Job handeln, der die Eigenständigkeit Fords vermissen lässt. Doch Ford hat diesem Fahrzeug derart viel eigenen Charakter, Charme und eine spürbar eigenständige Fahrdynamik verliehen, dass ich die Wolfsburger Verwandtschaft bereits nach wenigen Kilometern Fahrt komplett vergesse. Dieses Auto richtet sich an all jene, die eine vernünftige und solide elektrische Fortbewegung wünschen, sich jedoch weigern, in den oft als rundgelutscht empfundenen „Seifenstücken“ der Konkurrenz Platz zu nehmen. Wer den gigantischen Fünf-Meter-Raum des alten US-Explorers sucht, wird hier zwar enttäuscht sein, doch wer einen stylischen, clever durchdachten und europäisch abgestimmten Elektro-SUV sucht, findet im Ford meiner Überzeugung nach das emotional weitaus ansprechendere Automobil als im VW ID.4. Die Kooperation mit Volkswagen hat sich für Ford – und letztlich auch für den Käufer – in diesem Fall absolut ausgezahlt.z Platz zu nehmen. Ja, wer den gigantischen Fünf-Meter-Raum des alten US-Explorers sucht, wird hier enttäuscht. Doch wer einen stylischen, cleveren und europäisch abgestimmten Elektro-SUV sucht, findet im Ford das emotional weitaus bessere Auto als im VW ID.4. Die Kooperation mit Volkswagen hat sich für Ford – und letztlich für den Käufer – absolut gelohnt.



















































