Škoda startet den Vorverkauf des Epiq. Das kleine Elektro-SUV soll die Elektromobilität demokratisieren – ein Versprechen, das der Volkswagen-Konzern seit Jahren gibt. Mit dem Epiq will Škoda nun liefern: ein praktisches E-Auto für die breite Masse.
Doch der Start verläuft anders als erwartet. Die zunächst bestellbare Version, der Epiq 55 mit 211 PS und 441 Kilometern WLTP-Reichweite, kostet mindestens 32.100 Euro. Der eigentliche Preisbrecher für rund 25.000 Euro lässt auf sich warten.
Die 25.000-Euro-Frage und die Realität zum Start
Monatelang geisterte die magische 25.000-Euro-Marke durch die Medien. Sie sollte den Škoda Epiq als neues Erfolgsmodell im B-SUV-Segment etablieren.
Zum Bestellstart im Mai 2026 zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Verfügbar ist zunächst nur der Škoda Epiq 55, dessen Einstiegspreis bei 32.100 Euro liegt – eine Differenz von über 7.000 Euro zum Versprechen. Das eigentliche Basismodell, der Epiq 35 mit kleinerem Akku und LFP-Chemie, wird erst ab Ende September 2026 bestellbar sein und soll dann tatsächlich die 25.900 Euro anpeilen. Für frühe Käufer ist der Einstieg in die Epiq-Welt damit deutlich teurer als kommuniziert.
| Modellvariante | Leistung | Akku (netto) | Preis (UVP) |
| Epiq 55 Essence | 155 kW / 211 PS | 51,7 kWh | 32.100 € |
| Epiq 55 Selection | 155 kW / 211 PS | 51,7 kWh | 35.600 € |
| Epiq 55 First Edition | 155 kW / 211 PS | 51,7 kWh | 38.950 € |
Der Aufpreis von 3.500 Euro für die „Selection“-Linie gegenüber der „Essence“-Basis ist substanziell. Dafür erhält der Kunde allerdings wertige Upgrades wie Matrix-LED-Scheinwerfer und erweiterte Assistenzsysteme. Rechnet man den Preis des Epiq 55 Essence auf seine Batteriekapazität herunter, zahlt der Kunde rund 621 Euro pro Kilowattstunde. Dieser Wert relativiert die anfängliche Enttäuschung über den hohen Einstiegspreis. Kunden auf der Suche nach einem E-SUV für deutlich unter 30.000 Euro werden sich jedoch enttäuscht abwenden und landen möglicherweise bei der Hybrid-Konkurrenz. Wer hingegen bereit ist, rund 32.000 Euro für ein gut ausgestattetes, reichweitenstarkes Kompakt-SUV auszugeben, findet im Epiq 55 einen der interessantesten Newcomer des Jahres.
Technik, Raum und Bedienung im Detail
Unter dem Blech des Epiq arbeitet erstmals bei Škoda die weiterentwickelte MEB+-Plattform mit Frontantrieb. Der Elektromotor leistet in der 55er-Version 155 kW (211 PS), die Höchstgeschwindigkeit wird bei 160 km/h elektronisch begrenzt. Offizielle Angaben zum Drehmoment oder zur Beschleunigung von 0 auf 100 km/h hält Škoda zum jetzigen Zeitpunkt noch zurück. Eine finale Bewertung der Antriebsdynamik ist daher noch nicht möglich, was für ein bereits bestellbares Serienmodell ungewöhnlich ist und wohl auf eine letzte Feinabstimmung der Software hindeutet. Die 400-Volt-Architektur ermöglicht eine maximale DC-Ladeleistung von 133 kW. Damit füllt sich der 51,7 kWh große Netto-Akku (brutto: 55 kWh) unter idealen Bedingungen in nur 23 Minuten von 10 auf 80 Prozent – ein Spitzenwert in dieser Preisklasse. Die NMC-Batteriechemie verspricht zudem eine hohe Energiedichte und stabile Leistung auch bei kühleren Temperaturen.
Entscheidend ist die Effizienz im realen Fahrbetrieb. Škoda gibt eine WLTP-Reichweite von 441 Kilometern an. Erste Praxistests aus dem Konzernumfeld mit der MEB+-Plattform zeigen jedoch, dass auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit (130 km/h) mit einem Mehrverbrauch von 18 bis 25 Prozent zu rechnen ist. Die reale Reichweite auf Langstrecken dürfte sich daher eher bei 330 bis 360 Kilometern einpendeln. Das ist immer noch ein sehr guter Wert für ein Fahrzeug dieser Größe, aber eben weit entfernt von den Prospektangaben. Der cW-Wert von 0,275 ist für ein SUV ordentlich, aber kein aerodynamisches Wunder – ein klarer Kompromiss aus kompakter Form und hohem Aufbau.
Im Innenraum spielt der Epiq seine Škoda-Tugenden voll aus. Trotz einer kompakten Außenlänge von nur 4,17 Metern bietet er ein fürstliches Raumangebot. Der Kofferraum fasst beeindruckende 475 Liter, mehr als viele Fahrzeuge eine Klasse höher.
Zusätzlich gibt es einen 25 Liter großen Frunk unter der Fronthaube, perfekt für das Ladekabel. Das Cockpit folgt der neuen „Modern Solid“-Designlinie: Es ist reduziert und funktional. Ein freistehender 13-Zoll-Zentraldisplay dominiert die Ansicht. Die Bedienung läuft primär über den Touchscreen, wird aber durch physische Tasten für wichtige Funktionen ergänzt. Dieser Mittelweg ist eine Stärke des Konzepts. Die Materialien sind hochwertig. Sie bestehen teils aus recycelten Kunststoffen und sind komplett lederfrei, was den Anspruch unterstreicht, auch bei einem günstigeren Modell keine billige Anmutung aufkommen zu lassen.
Allerdings gibt es Berichte über Kinderkrankheiten. Frühe Modelle sollen mit Software-Verzögerungen im Android-basierten Infotainmentsystem und gelegentlichen Inkompatibilitäten mit bestimmten DC-Schnellladesäulen zu kämpfen haben. Škoda verspricht, diese Probleme zeitnah durch Over-the-Air-Updates zu beheben. Ob diese Updates allerdings alle gemeldeten Inkompatibilitäten, insbesondere mit älteren Ladesäulen-Modellen, vollständig ausräumen können, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Es bleibt ein Risiko für Erstkäufer.
Der Wettbewerb im B-Segment
Der Škoda Epiq tritt in ein hart umkämpftes Feld ein. Der schärfste Konkurrent kommt aus dem eigenen Haus: der VW ID. Cross, der mit einem Einstiegspreis von 27.995 Euro angekündigt ist. Auch der Cupra Raval und der künftige VW ID.Polo basieren auf der gleichen Plattform. Die Markendifferenzierung wird hier über das Design und das Innenraumkonzept entschieden; die Preisgestaltung ist dabei der entscheidende Hebel. Der Epiq punktet mit seinem riesigen Kofferraum und dem pragmatischen Design. Gegenüber asiatischen Wettbewerbern wie dem Leapmotor B05 (ab 27.900 Euro) muss der Epiq mit seiner höheren Verarbeitungsqualität und dem etablierten Händlernetz punkten. Zudem bleibt die Hybrid-Konkurrenz relevant, allen voran der Toyota Yaris Cross Hybrid, der bereits ab 27.640 Euro zu haben ist.
Ein starkes Auto mit riskantem Marketing
Der Škoda Epiq 55 ist ein hervorragendes Elektroauto. Er ist geräumig und schnellladefähig. Seine Reichweite ist absolut alltagstauglich. Das alles zu einem Preis, der vor zwei Jahren für diese Leistungsklasse undenkbar gewesen wäre. Für mich ist der Epiq aber auch ein Lehrstück in Sachen Marketing. Die Fokussierung auf die 25.000-Euro-Marke hat Erwartungen geweckt, die das jetzt verfügbare Produkt nicht einlöst. Das ist schade, denn der Epiq 55 braucht diese psychologische Stütze nicht – er ist auch für 32.100 Euro ein starkes Angebot.
Für Käufer, die ein kompaktes E-SUV mit viel Platz und Langstreckenqualitäten suchen, ist der Epiq 55 eine gute Wahl, sofern sie eine gewisse Toleranz für anfängliche Software-Schwächen mitbringen. Kunden mit einem überwiegend urbanen Fahrprofil sollten hingegen unbedingt auf das Basismodell Epiq 35 warten. Dessen LFP-Akku und geringere Ladeleistung sind im urbanen Raum kein Nachteil, der Preisvorteil hingegen ein gewaltiges Argument. Ein Škoda-Sprecher fasst die Strategie zusammen: „Der Epiq ist unser klares Bekenntnis, Elektromobilität für eine breite Käuferschicht zugänglich und alltagstauglich zu machen.“

