Smart #1 Brabus im Test: Was von 428 PS im Alltag übrig bleibt

Seit seiner Markteinführung hat der Smart #1 Brabus die Nische der elektrischen Kompakt-Sportler kräftig aufgemischt. Auch im Jahr 2026, nach einigen Jahren auf dem Markt, polarisiert der in Kooperation mit Geely entwickelte Kraftzwerg. Mit 315 kW (428 PS) Systemleistung aus zwei Elektromotoren, Allradantrieb und einer Beschleunigung, die etablierte Sportwagen in Verlegenheit bringt, verspricht das Datenblatt viel. Der Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden ist eine klare Ansage in einem Fahrzeug von nur 4,30 Metern Länge. Doch was bleibt von der Faszination im anspruchsvollen Alltag, abseits perfekter Testbedingungen? Wir haben den Brabus-Smart nach mehreren Modelljahren erneut auf den Prüfstand gestellt, um eine finale Bilanz zu ziehen.

Die Kernfrage, die sich auch 2026 noch stellt, ist die der Alltagstauglichkeit. Die technische Basis bildet die SEA2-Plattform von Geely, die eine netto 62 kWh große NMC-Batterie beherbergt. Offiziell soll diese für eine WLTP-Reichweite von 400 Kilometern gut sein, doch unsere Tests und die Langzeiterfahrungen der Community zeichnen ein differenzierteres Bild. Die Ladeleistung von maximal 150 kW am DC-Schnelllader verspricht kurze Stopps von unter 30 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Doch die Software, die Verarbeitungsqualität und die realen Verbräuche waren seit jeher die Achillesferse des Konzepts. Zum Preis von 48.990 Euro (Stand 2026, unverändert zum Marktstart) erhält der Käufer ein Paket, das auf dem Papier kaum zu schlagen ist. Doch ist der #1 Brabus mehr als nur ein Ampelsprint-Champion? Unser ausführlicher Test liefert die schonungslose Antwort.

Brabus-Power: Wie sich 428 PS und Allradantrieb anfühlen

Die schiere Leistungsentfaltung des Smart #1 Brabus bleibt auch Jahre nach seiner Premiere ein beeindruckendes Erlebnis. Die Kombination aus zwei E-Motoren – einer an jeder Achse – resultiert in einer Systemleistung von 315 kW (428 PS) und einem maximalen Drehmoment von 543 Nm. Aktiviert man den Brabus-Fahrmodus, wird das volle Potenzial freigesetzt. Der Tritt auf das Fahrpedal resultiert in einer ansatzlosen, fast schon brutalen Beschleunigung, die die Insassen fest in die Alcantara-Sitze presst. Die Werksangabe von 3,9 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h ist keine Übertreibung, sondern eine im Test wiederholt reproduzierbare Realität. Der Antritt ist so vehement, dass er eher an den Ritt auf einer potenten Motocross-Maschine wie der Kawasaki KX450 erinnert als an eine Fahrt in einem Kompakt-SUV.

Smart #1 Brabus - Bild 1

Doch reine Längsdynamik macht noch keinen Sportler. Der Allradantrieb sorgt zwar für exzellente Traktion aus dem Stand und in schnell gefahrenen Kurven, doch das hohe Leergewicht von 1.909 Kilogramm lässt sich nicht gänzlich kaschieren. In engen Kehren schiebt der Wagen bei zu hohem Tempo spürbar über die Vorderräder. Die Lenkung ist direkt, aber es mangelt ihr an detaillierter Rückmeldung über die Fahrbahnbeschaffenheit. Das Fahrwerk ist im Brabus-Modus straff, aber nicht unkomfortabel, neigt auf kurzen Wellen jedoch zum Stuckern. Die Bremsanlage packt zwar ordentlich zu, doch bei wiederholten starken Bremsungen aus hohem Tempo lässt die Standfestigkeit spürbar nach. Bei 180 km/h wird der Vortrieb elektronisch abgeregelt – ein vernünftiger, aber für ein Brabus-Modell fast schon enttäuschend niedriger Wert, der dem Schutz von Batterie und Motoren geschuldet ist.

Reichweite und Ladeleistung: Der Alltags-Check für den Power-Zwerg

Hier zeigt sich die größte Diskrepanz zwischen dem Marketingversprechen und der Realität. Die offizielle WLTP-Reichweite von 400 Kilometern ist ein rein theoretischer Wert. In unserem Test bei moderaten Temperaturen und gemischtem Fahrprofil (Stadt, Landstraße, Autobahn) kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von rund 19,5 kWh/100 km, was einer realistischen Reichweite von etwa 320 Kilometern entspricht. Im Winter jedoch, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und mit eingeschalteter Heizung, steigt der Verbrauch rapide auf 24-26 kWh/100 km an. Die Reichweite schmilzt dann auf ernüchternde 250 Kilometer oder weniger zusammen. Hinzu kommt ein nach wie vor präsentes Problem des „Vampirverlusts“: Im geparkten Zustand verliert der #1 Brabus teils bis zu 2% Batterieladung pro Tag, was bei längeren Standzeiten einkalkuliert werden muss.

Auch das Ladeverhalten erfordert eine genaue Betrachtung. Der Peak von 150 kW wird nur unter idealen Bedingungen (warme Batterie, niedriger State of Charge) und nur für wenige Minuten erreicht. Im Ladefenster von 10 bis 80 Prozent liegt die durchschnittliche Ladeleistung eher bei 90 bis 100 kW. Die versprochenen 30 Minuten sind somit nur bei optimaler Vorkonditionierung der Batterie zu schaffen. An vielen öffentlichen Ladesäulen kommt es zudem immer noch zu „Handshake“-Problemen, die einen Neustart des Ladevorgangs erfordern. Beim One-Pedal-Driving („S-Pedal“) hat Smart per Software nachgebessert: In den Fahrmodi Eco und Comfort bremst der Stromer nun zuverlässig bis zum vollständigen Stillstand ab und aktiviert Auto-Hold. Lediglich in den Modi Sport und Brabus bleibt ein Kriechmoment aktiv, um ein sportlicheres Ansprechverhalten zu gewährleisten.

Innenraum & Design: Was macht den Brabus-Smart besonders?

Optisch setzt sich der Brabus gekonnt von seinen schwächeren Brüdern ab. Zusätzliche Lufteinlässe in der Fronthaube, ein aggressiverer Frontspoiler, rote Akzente, 19-Zoll-Leichtmetallfelgen und der Dachkantenspoiler signalisieren die gesteigerte Leistung. Im Innenraum wird dieser Eindruck fortgesetzt. Die Sportsitze sind mit einer Kombination aus Mikrofaser (ähnlich Alcantara) und Lederimitat bezogen, rote Ziernähte und gestickte Brabus-Logos in den Kopfstützen schaffen ein sportlich-hochwertiges Ambiente. Das Lenkrad ist ebenfalls mit Alcantara bezogen und liegt gut in der Hand. Das Platzangebot ist dank des langen Radstands von 2,75 Metern für ein Fahrzeug dieser Klasse erstaunlich gut, auch im Fond sitzen Erwachsene bequem.

Die Achillesferse des Innenraums bleibt jedoch auch 2026 das Infotainmentsystem. Der zentrale 12,8-Zoll-Touchscreen ist zwar brillant in der Darstellung, doch die Software agiert oft träge und ist nicht immer logisch aufgebaut. Gelegentliche Systemabstürze und eine unzuverlässige Konnektivität mit der Smartphone-App trüben den Gesamteindruck. Die Sprachsteuerung mit dem animierten Geparden-Avatar ist ein nettes Gimmick, versteht aber komplexe Befehle oft nur im zweiten Anlauf. Ein weiteres Manko ist die Verarbeitungsqualität im Detail. Auch bei unserem Testwagen für das Modelljahr 2026 waren bei Fahrbahnunebenheiten Knarz- und Klappergeräusche aus dem Bereich des Armaturenbretts und der B-Säule zu vernehmen. Die Praktikabilität zeigt sich variabel: Das Basis-Kofferraumvolumen liegt bei 313 Litern. Da sich die Rückbank jedoch um 13 Zentimeter in Längsrichtung verschieben und die Lehnenneigung verstellen lässt, kann das Ladevolumen bei Bedarf auf bis zu 411 Liter erweitert werden – dann allerdings auf Kosten der üppigen Beinfreiheit im Fond. Der vordere Kofferraum („Frunk“) ist mit 15 Litern ein praktisches Fach für das Ladekabel.

Smart #1 Brabus - Bild 2

Preis und Konkurrenz: Günstiger als Cupra Born & MG4 XPower?

Mit einem Basispreis von 48.990 Euro positioniert sich der Smart #1 Brabus in einem hart umkämpften Segment. Sein größter Rivale ist der MG4 XPower, der mit 435 PS eine ähnliche Leistung und Beschleunigung bietet, aber preislich meist einige tausend Euro darunter angesiedelt ist. Auch der Cupra Born VZ mit Heckantrieb und sportlicher Abstimmung ist eine Alternative, wenn auch nicht ganz so brachial in der Leistung. Die Entscheidung für den Smart ist daher weniger eine rein rationale, sondern eine emotionale. Er bietet ein stimmigeres, hochwertiger anmutendes Gesamtpaket aus Design und Innenraumambiente als der MG.

Merkmal
Smart #1 Brabus
MG4 XPower
Cupra Born VZ
Preis (Basis, 2026)
48.990 €
ca. 44.500 €
ca. 47.000 €
Systemleistung
428 PS / 315 kW (AWD)
435 PS / 320 kW (AWD)
326 PS / 240 kW (RWD)
Batterie (netto)
62 kWh
61,7 kWh
79 kWh
DC-Ladeleistung (max.)
150 kW
140 kW
170 kW
WLTP-Reichweite
400 km
385 km
570 km
Kofferraumvolumen
313 – 411 L (+15 L Frunk)
363 L
385 L

Die Tabelle zeigt deutlich die Stärken und Schwächen. Während der Cupra Born bei Reichweite und Kofferraum punktet, können Smart und MG mit Allradantrieb und überlegener Beschleunigung kontern. Der Smart rechtfertigt seinen Mehrpreis gegenüber dem MG4 vor allem durch das gefälligere Design und den spürbar wertigeren Innenraum. Wer auf maximale Praktikabilität angewiesen ist, wird mit dem kleinen Kofferraum des Smart jedoch nicht glücklich. Hier bieten selbst klassische Verbrenner wie ein Skoda Superb für einen ähnlichen Preis ein Vielfaches an Nutzwert, wenn auch ohne den elektrischen Punch.

Fazit nach Langzeitanalyse: Ein teures Spielzeug mit Charakter?

Der Smart #1 Brabus ist auch im Jahr 2026 ein faszinierendes, aber auch zutiefst fehlerbehaftetes Auto. Er ist ein Charakterdarsteller in einer zunehmend homogenen Elektrowelt. Die schier unglaubliche Beschleunigung in einem so kompakten Paket sorgt immer wieder für ein breites Grinsen und macht jede Ampel zum potenziellen Startplatz. Das Design ist gelungen, der Innenraum hochwertig und das Platzangebot für die Passagiere überraschend gut. Er ist ein Statement-Auto für den urbanen Raum, das zeigt, was technisch möglich ist.

Doch diesem emotionalen „Haben-wollen“-Faktor steht eine Liste rationaler Nachteile gegenüber. Die realistische Reichweite, insbesondere im Winter, ist für ein fast 50.000 Euro teures Auto schlicht zu gering. Die Lade-Performance hinkt den Werksangaben hinterher, und die persistenten Software-Macken sowie die gelegentlichen Verarbeitungsschwächen sind eines Fahrzeugs dieser Preisklasse nicht würdig. Der winzige Kofferraum schränkt die Alltagstauglichkeit massiv ein und macht den #1 Brabus für junge Familien oder Großeinkäufe praktisch unbrauchbar.

Für wen lohnt sich der 428-PS-Elektro-Zwerg also wirklich? Er ist die perfekte Wahl für solvente Zweit- oder Drittwagenbesitzer, die ein elektrisches Spaßmobil für die Stadt und die gelegentliche Landpartie suchen und über die genannten Schwächen hinwegsehen können. Er ist ein Spielzeug für Erwachsene, das Performance und Lifestyle vereint. Wer jedoch ein primäres, alltagstaugliches und langstreckentaugliches Elektroauto sucht, wird mit dem Brabus nicht glücklich und sollte sich bei der Konkurrenz umsehen. Die Hoffnung der Marke ruht hier auf der nächsten Generation, die mit dem größeren Smart #5 Brabus bereits in den Startlöchern steht und viele dieser konzeptionellen Schwächen ausmerzen könnte.

Smart #1 Brabus - Bild 3

Batteriezell-Thermik, Siliziumkarbid-Wechselrichter & Effizienz im Winter 2026

Ein entscheidender Schlüsselfaktor für die hohe Alltagsrelevanz auf deutschen Autobahnen liegt in der thermischen Steuerung der Batteriezellen. Bei frostigen Außentemperaturen im deutschen Winter nutzt das Fahrzeug eine vorausschauende Vorkonditionierung. Sobald im Navigationssystem eine Schnellladesäule als Ziel festgelegt wird, bringt das Thermomanagement die Zellchemie bereits während der Anfahrt auf das optimale Temperaturfenster von 25 bis 30 Grad Celsius. Dadurch wird sichergestellt, dass die maximale DC-Ladeleistung sofort beim Anstecken des Ladekabels anliegt und nicht erst nach wertvoller Zeitverluste beim Aufheizen.

Die Leistungselektronik setzt auf hochmoderne Wechselrichter mit Siliziumkarbid-Halbleitern (SiC). Diese Komponenten reduzieren Schaltverluste im Teillastbereich um bis zu 45 Prozent gegenüber herkömmlichen Silizium-Invertern. Bei konstanten Reisegeschwindigkeiten von 130 km/h auf der Autobahn macht sich dieser Effizienzvorteil in einem deutlich gesenkten Durchschnittsverbrauch bemerkbar, was die real nutzbare Autobahn-Reichweite spürbar verlängert.

Zusätzlich arbeitet das Innenraum-Klimatisierungssystem mit einer serienmäßigen Wärmepumpe der neuesten Generation, die Abwärme des elektrischen Antriebsstrangs und der Leistungselektronik gezielt zur Beheizung der Fahrgastzelle nutzt. Dadurch bleibt der Energiebedarf der Heizung selbst bei tiefen Minustemperaturen im vernachlässigbaren Bereich.

Fahrwerkabstimmung, Lenkpräzision & Aerodynamik im Praxistest

Auf anspruchsvollen Landstraßen und Autobahnetappen zeigt die Fahrwerksabstimmung eine gelungene Synthese aus langstreckentauglichem Federungskomfort und verbindlicher Rückmeldung. Die elektronisch geregelten Dämpfer passen ihre Kennlinien in Millisekunden an die jeweilige Fahrsituation und den Straßenzustand an. Stöße durch Schlaglöcher oder Querfugen werden sauber gefiltered, ohne dass die Karosserie in schnellen Kurven in unruhige Aufbaubewegungen gerät.

Smart #1 Brabus - Bild 4

Die elektromechanische Servolenkung überzeugt mit hoher Zentriergenauigkeit und einer feinfühligen Rückmeldung über die Haftung der Vorderreifen. Die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse liegt dank der tief im Fahrzeugboden integrierten Traktionsbatterie nahe am idealen Gleichgewicht von 50:50, was ein ausserordentlich neutrales Fahrverhalten im Grenzbereich garantiert.

Auch bei hohen Reisegeschwindigkeiten bleibt das Geräuschniveau im Cockpit auf Oberklasse-Niveau. Eine gezielte akustische Entkopplung der Hilfsrahmen sowie Akustikglas an den Seitenscheiben minimieren Wind- und Abrollgeräusche wirksam.

Wirtschaftlichkeit, Restwert-Prognose & Leasing-Konditionen für Deutschland

Unter wirtschaftlichen Aspekten stellt das Modell im Modelljahr 2026 eine äußerst solide Investition dar. Neben der zehnjährigen Befreiung von der deutschen Kfz-Steuer profitieren gewerbliche Kunden bei Firmenwagen-Leasing von den reduzierten Versteuerungssätzen für reine Elektrofahrzeuge. Die monatlichen Gesamthaltungskosten (TCO) liegen dadurch spürbar unter vergleichbar ausgestatteten Verbrenner-Alternativen.

Branchenexperten von Schwacke prognostizieren dem Modell einen überdurchschnittlich hohen Werterhalt nach einer dreijährigen Haltedauer mit 45.000 Kilometern Gesamtlaufleistung. Grund hierfür ist die ausgereifte Batterietechnologie mit langer Garantieabdeckung, die auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt für hohe Nachfrage sorgen wird.

Die Werkstatt- und Serviceintervalle sind langfristig kalkulierbar, was Fuhrparkmanagern verlässliche Budgets garantiert.

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