Smart #5 Brabus (2026): 646 PS starkes Elektro-SUV mit 800V-Technik

Die Marke Smart vollzieht mit dem #5 ihren bisher radikalsten Wandel. Nachdem erste Daten aus dem chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) durchgesickert sind, bestätigen sich nun die Eckdaten der Topversion im vorzeitig online gegangenen Konfigurator für den chinesischen Markt. Der Smart #5 Brabus (2026) positioniert sich als mittelgroßes Elektro-SUV und greift mit einer Systemleistung von 475 kW (646 PS) und erstmals 800-Volt-Architektur direkt etablierte Performance-Modelle an. Das Fahrzeug, das auf der Sustainable Experience Architecture (SEA) von Geely aufbaut, markiert den Eintritt von Smart in das hart umkämpfte Segment um 4,70 Meter Länge, eine Klasse, in der Modelle wie der Tesla Model Y oder der Škoda Enyaq dominieren.

Die technischen Spezifikationen lesen sich wie eine Kampfansage: Zwei Motoren sorgen für Allradantrieb, eine Batterie mit einer Kapazität von über 100 kWh soll eine WLTP-Reichweite von mehr als 550 Kilometern ermöglichen. Dank der 800-Volt-Technik verspricht Smart, den Akku unter Idealbedingungen in nur 15 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden zu können. Damit würde der #5 zu den schnellsten ladenden E-Fahrzeugen auf dem Markt gehören. Doch die beeindruckenden Zahlen auf dem Papier stehen im Kontrast zu den bekannten Herausforderungen der Marke. Die kleineren Modelle #1 und #3 kämpfen seit ihrer Einführung mit Software-Instabilitäten und Lade-Inkompatibilitäten. Der Erfolg des neuen Flaggschiffs wird daher maßgeblich davon abhängen, ob Smart diese Kinderkrankheiten bis zum Marktstart Ende 2026 in den Griff bekommt. Preislich dürfte sich das Brabus-Modell in einer Spanne zwischen 60.000 und 65.000 Euro bewegen, ein selbstbewusster Tarif, der keinen Raum für Fehler lässt.

Antrieb und Leistung: 646 PS aus zwei Motoren

Das Herzstück des Smart #5 Brabus ist sein Dual-Motor-Allradantrieb. Während die Basisvarianten mit einem Heckmotor auskommen müssen, kombiniert die von Brabus veredelte Version einen Asynchronmotor an der Vorderachse mit einem Permanentmagnet-Synchronmotor an der Hinterachse. Zusammen erzeugen die beiden Aggregate eine Systemleistung von 475 kW, was 646 PS entspricht. Diese Konfiguration ist bereits von den kleineren Brabus-Modellen #1 und #3 bekannt, wird im #5 aber mit deutlich mehr Leistung und einer fortschrittlicheren Plattform kombiniert.

Beschleunigungswerte unter der Vier-Sekunden-Marke

Offizielle Beschleunigungswerte für den Sprint von 0 auf 100 km/h hat Smart noch nicht kommuniziert. In Anbetracht der Leistung und des Allradantriebs ist jedoch ein Wert von unter vier Sekunden, voraussichtlich im Bereich von 3,7 bis 3,9 Sekunden, realistisch. Damit positioniert sich das SUV auf Augenhöhe mit direkten Konkurrenten wie dem Tesla Model Y Performance oder dem Kia EV6 GT. Die Herausforderung für die Ingenieure wird darin bestehen, das hohe Fahrzeuggewicht von voraussichtlich über 2.300 Kilogramm fahrdynamisch zu kaschieren. Brabus-typisch dürfte das Fahrwerk eine straffere Abstimmung, eine direktere Lenkung und eine leistungsfähigere Bremsanlage erhalten, um der immensen Leistung gerecht zu werden. Die zugrundeliegende SEA-Plattform, die in ähnlicher Form auch im Polestar 3 im Test überzeugt, bietet prinzipiell eine gute Basis für ein ausgewogenes Fahrverhalten.

Batterie und Ladetechnik: 800-Volt-System für schnelles Laden

Der größte technologische Fortschritt des Smart #5 gegenüber seinen Geschwistern ist die Implementierung einer 800-Volt-Architektur. Dieses System, das bisher vor allem bei Premium-Herstellern wie Porsche, Audi und den koreanischen Marken Hyundai und Kia zum Einsatz kommt, ermöglicht signifikant höhere Ladeleistungen bei geringerer Stromstärke. Dies reduziert die thermische Belastung der Komponenten und erlaubt eine konstant hohe Ladekurve.

Über 100 kWh Kapazität für reale Langstreckentauglichkeit?

Die Basis für die Langstreckentauglichkeit bildet ein Akku mit einer nutzbaren Kapazität von über 100 kWh. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber den rund 62 kWh Netto-Kapazität des Smart #1 und #3. Die offizielle WLTP-Prognose von über 550 Kilometern für die reichweitenstärkste Variante erscheint damit plausibel. Für das leistungsorientierte Brabus-Modell mit breiterer Bereifung und höherem Verbrauch dürfte die reale Reichweite bei gemischter Fahrweise eher bei 450 bis 480 Kilometern liegen. Bei konstant 130 km/h auf der Autobahn wird der Wert erfahrungsgemäß weiter sinken und sich voraussichtlich im Korridor von 380 bis 420 Kilometern einpendeln. Als Zellchemie wird für die Topmodelle eine Nickel-Mangan-Kobalt-Mischung (NMC) erwartet, die eine hohe Energiedichte sicherstellt.

Die kritische Ladekurve: 15 Minuten als Laborwert

Smart wirbt mit einer Ladezeit von nur 15 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Rechnerisch impliziert dies eine durchschnittliche Ladeleistung von über 280 kW in diesem Fenster. Die maximale Peak-Ladeleistung muss demnach noch höher liegen. Ob dieser Wert in der Praxis an öffentlichen Ladesäulen von Anbietern wie Ionity oder EnBW erreicht werden kann, bleibt die entscheidende Frage. Besitzer der aktuellen 400-Volt-Modelle berichten wiederholt von Problemen bei der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladesäule („Handshake“-Probleme), die zu Ladeabbrüchen oder reduzierter Leistung führen. Ähnliche Software-bedingte Ladeprobleme sind auch aus dem Premium-Segment bekannt, wie der Fall des Audi A8 60 TFSI e zeigt. Smart muss beweisen, dass die neue 800-Volt-Ladeelektronik des #5 robuster und kompatibler ist, um das Versprechen der Ultraschnellladung im Alltag einzulösen.

Design und Interieur: Exklusive Brabus-Details

Mit einer Länge von 4.705 mm, einer Breite von 1.921 mm und einer Höhe von 1.705 mm tritt der Smart #5 in der Klasse der Mittelklasse-SUVs an. Das Design orientiert sich an der Studie Concept #5, wurde für die Serie jedoch deutlich entschärft. Die Brabus-Version wird sich durch spezifische Designmerkmale von den zivileren Varianten abheben. Zu erwarten sind eigenständige Stoßfänger mit größeren Lufteinlässen, rote Akzentlinien, ein markanterer Dachkantenspoiler sowie exklusive 21- oder sogar 22-Zoll-Schmiederäder. Diese Elemente verleihen dem an sich robust gezeichneten SUV eine deutlich aggressivere und sportlichere Note.

Cockpit mit Triple-Screen und bekannten Software-Risiken

Im Innenraum setzt der #5 auf ein völlig neues Cockpit-Layout. Dominierendes Merkmal ist eine breite Display-Landschaft, die aus einem digitalen Kombiinstrument für den Fahrer, einem großen zentralen Touchscreen und einem zusätzlichen Bildschirm für den Beifahrer besteht. Dieses Triple-Screen-Konzept kennt man bereits von Modellen wie dem Mercedes-Benz EQS. Die Brabus-Ausstattung wird das Interieur mit Sportsitzen samt Alcantara-Bezügen, roten Kontrastnähten, einem Sportlenkrad und zahlreichen Brabus-Logos aufwerten. Die entscheidende Frage wird jedoch die Performance der Software sein. Die Infotainmentsysteme in Smart #1 und #3 gelten als langsam, unzuverlässig und fehleranfällig. Ob Smart für den #5 eine komplett neue Software-Generation mit leistungsfähigerem Prozessor entwickelt hat, ist die größte Unbekannte und ein erheblicher Risikofaktor für die Kundenzufriedenheit.

Preis, Marktstart und Konkurrenz des Smart #5 Brabus

Die Markteinführung des Smart #5 in Deutschland wird für Ende 2026 erwartet. Eine offizielle Preisliste existiert noch nicht, doch eine Analyse der Preisstruktur der bisherigen Modelle erlaubt eine fundierte Schätzung. Der Smart #3 Brabus startet aktuell bei rund 51.000 Euro. Angesichts der größeren Fahrzeugklasse, der mehr als 50 Prozent größeren Batterie und der aufwendigen 800-Volt-Technik ist für den Smart #5 Brabus ein Einstiegspreis zwischen 60.000 und 65.000 Euro wahrscheinlich. Damit tritt er in ein extrem kompetitives Umfeld ein, wie der direkte Vergleich zeigt.

Modell
Preis (ca.)
Leistung
Batterie (netto)
Lade-Architektur
WLTP-Reichweite
Kofferraum
Smart #5 Brabus
63.000 €
646 PS
> 100 kWh
800 Volt
ca. 520 km
ca. 500 L
Tesla Model Y Perf.
60.990 €
534 PS
ca. 75 kWh
400 Volt
514 km
854 L + 117 L
Kia EV6 GT
72.990 €
585 PS
77,4 kWh
800 Volt
424 km
480 L + 20 L
Ford Mustang Mach-E GT
77.200 €
487 PS
91 kWh
400 Volt
490 km
402 L + 100 L
Tabelle 1: Technische Daten und Preise des Smart #5 Brabus im direkten Konkurrenzumfeld (Stand: Q3 2026, Preise und Daten für Smart #5 sind Schätzungen)

Die Tabelle verdeutlicht die Herausforderung: Der Smart #5 Brabus muss sich gegen starke Konkurrenten beweisen. Das Tesla Model Y Performance bietet ein überlegenes Raumangebot und ein etabliertes, hocheffizientes Ökosystem zu einem niedrigeren Preis. Der Kia EV6 GT verfügt ebenfalls über bewährte 800-Volt-Technik, auch wenn er bei Reichweite und Leistung leicht unterlegen ist. Der Preis wird somit ein entscheidender Faktor für den Erfolg des neuen Smart-Flaggschiffs sein. Alternative Finanzierungs- und Besitzmodelle wie sie diverse P2P Plattformen Deutschland 2026 anbieten, könnten für preisbewusste Käufer ebenfalls eine Rolle spielen.

Fazit: Technologischer Sprung mit bekannten Software-Risiken

Auf dem Papier ist der Smart #5 Brabus eine beeindruckende Erscheinung. Mit 646 PS, einer über 100 kWh großen Batterie und fortschrittlicher 800-Volt-Ladetechnik macht die Marke einen gewaltigen technologischen Sprung nach vorn. Das Paket aus Leistung, Reichweite und Lade-Performance ist absolut konkurrenzfähig und katapultiert Smart aus der Nische der Klein- und Kompaktwagen direkt in die automobile Mittelklasse. Das Hardware-Potenzial ist unbestreitbar hoch und könnte viele Kunden ansprechen, die ein leistungsstarkes Elektro-SUV abseits der etablierten Premium-Marken suchen.

Die Achillesferse des Vorhabens liegt jedoch nicht in der Hardware, sondern in der Software und der allgemeinen Ausführungsqualität. Die Erfahrungen mit den Modellen #1 und #3, die auf der gleichen, wenn auch einfacheren Plattform basieren, sind ein warnendes Beispiel. Berichte über träge und abstürzende Infotainmentsysteme, eine unzuverlässige Smartphone-App, Ladeabbrüche und übereifrige Fahrassistenzsysteme sind in Foren und Tests allgegenwärtig. Sogar offizielle Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), etwa wegen Problemen mit dem eCall-System (KBA-Ref. 013533), trüben das Bild der jungen Modellgeneration. Smart und der dahinterstehende Geely-Konzern müssen dringend beweisen, dass sie diese fundamentalen Probleme für ihr neues Flaggschiff gelöst haben.

Für einen Preis von über 60.000 Euro erwarten Kunden im Jahr 2026 ein ausgereiftes und fehlerfreies Produkt. Der Smart #5 Brabus kann sich keine Nachlässigkeiten bei der User Experience leisten, wenn er gegen die intuitive Software eines Tesla oder die bewährte Qualität eines Kia bestehen will. Der Bonus des niedlichen Designs, der den kleineren Modellen manchen Fehler verzeihen ließ, entfällt in dieser Preis- und Leistungsklasse. Wer sich für das Fahrzeug interessiert, sollte daher unbedingt die ersten unabhängigen Tests und idealerweise Der Smart #5 im Fahrbericht abwarten, um eine finale Kaufentscheidung zu treffen. Die Konkurrenz schläft nicht, und selbst ein exzellenter Verbrenner wie der Škoda Superb Combi 2.0 TDI im Test bleibt für viele Langstreckenfahrer aufgrund seiner Zuverlässigkeit und Reichweite eine valide Alternative.

Letztendlich hat der Smart #5 Brabus das Zeug zu einem Überraschungserfolg. Er kombiniert ein attraktives Leistungsversprechen mit modernster Batterietechnologie. Doch der Erfolg steht und fällt mit der Fähigkeit des Herstellers, ein nahtloses und stabiles digitales Erlebnis zu schaffen. Gelingt dies nicht, droht das ambitionierte Projekt trotz potenter Hardware an den gleichen Software-Problemen zu scheitern, die schon seine kleineren Brüder plagen.

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