Ich stehe bis zu den Knöcheln im Matsch eines Waldwegs in der Vulkaneifel. Es regnet seit drei Tagen ununterbrochen, der Boden ist eine seifige Masse aus Lehm und verrottendem Laub. Normalerweise ist das der Moment, in dem ein Subaru-Fahrer sein Fenster herunterkurbelt, „Kein Problem!“ ruft und sich mit der stoischen Gelassenheit eines Sherpas den Hang hinaufwühlt. Doch heute zögere ich. Denn der Startknopf unter meinem Finger gehört zum neuen Subaru Uncharted. Und – das ist der eigentliche Skandal – in der Basisversion, die ich zuerst testen musste, treibt dieser Wagen nur die Vorderräder an.
Ein Subaru ohne Allrad ist wie ein Oktoberfest ohne Bier: Theoretisch machbar, aber vollkommen sinnlos. Um den CO2-Flottenwert zu retten und den Preis unter 45.000 Euro zu drücken, hat Subaru das Undenkbare getan. Doch zum Glück steht hinter mir im Schlamm auch die Top-Version „Summit“ mit Dual-Motor. Ist der Uncharted nur ein weichgespülter Toyota-Klon im Holzfällerhemd, oder hat er noch genug „Pleiaden-DNA“, um die treue Kundschaft der Förster und Tierärzte in die elektrische Zukunft zu retten?
Plastik-Panzerung und Parkhaus-Panik
Wenn Sie dachten, der Solterra hätte viel unlackiertes Plastik an den Radläufen, dann halten Sie sich fest. Der Uncharted sieht aus, als wäre er direkt in einen Eimer mit mattschwarzem Kunststoff gefallen. Subaru nennt das „Functional Armour“, ich nenne es konsequent. Im harten Alltag, wenn der Einkaufswagen bei Aldi gegen die Tür rollt oder Zweige im Wald am Lack kratzen, ist das Gold wert. Das Design ist kantig, fast schon brutalistisch, und bricht radikal mit den weichen Linien der Konkurrenz. Er will kein windschlüpfiger Kieselstein sein wie ein Tesla Model Y. Er ist ein Werkzeugkasten auf Rädern.
Doch diese Robustheit hat ihren Preis, sobald man die Wildnis verlässt und in ein deutsches Parkhaus der 70er Jahre einfährt. Mit einer Breite von 1,89 Metern ohne Spiegel (und satten 2,16 Metern mit Spiegeln) wird es in der Baustelle auf der A1 kriminell eng. Die linke 2,1-Meter-Spur ist tabu, auch wenn Sie es eilig haben. Beim Rangieren in meiner Tiefgarage merke ich zudem, dass die massive C-Säule – ein Design-Hommage an den alten Forester – einen toten Winkel erzeugt, in dem sich ein ganzer Kleinwagen verstecken könnte. Die Kameras sind gut, aber wer sich nur auf Spiegel verlässt, wird Blechschäden sammeln.
Hartplastik-Charme und der Kampf mit dem Touchscreen
Ich öffne die Tür und mache den unvermeidlichen „Knock-Test“. Oben am Armaturenbrett gibt es weich unterschäumtes Material, das sich gut anfühlt. Aber schon ab Höhe des Handschuhfachs regiert das, was Subaru-Fans kennen und lieben (oder hassen): Hartes, kratzfestes Plastik. Es klingt hohl, wenn man dagegen klopft, aber ich wette, man könnte den Innenraum mit einem Kärcher reinigen, ohne dass die Elektronik stirbt. Es ist eine ehrliche Haptik, keine Premium-Simulation wie bei VW.
Was weniger ehrlich wirkt, ist der Versuch, modern zu sein. In der Mitte thront ein 14,5-Zoll-Hochkant-Screen, der fast alle physischen Tasten gefressen hat. Die Klimasteuerung? Im Menü. Die Sitzheizung? Im Untermenü. Während der Fahrt auf einer holprigen Landstraße die Temperatur zu verstellen, erfordert die Zielgenauigkeit eines Scharfschützen. Immerhin: Der Uncharted hat noch einen echten Lautstärke-Drehregler. Aber das Lenkrad ist überladen mit kleinen Knöpfen, die man ohne hinzuschauen kaum unterscheiden kann.
Ein Lichtblick ist der Fond. Da der Uncharted auf einer dedizierten E-Plattform steht, gibt es keinen Kardantunnel mehr. Ich habe meinen Sitz auf meine 1,85 Meter eingestellt und kann mich hinter mich selbst setzen, ohne dass die Knie den Vordersitz berühren. Auch drei Kindersitze passen mit etwas Quetschen nebeneinander, da die Sitzbank breit und flach ist. Die Isofix-Punkte sind jedoch tief in den Polstern versteckt – wer hier oft Sitze wechselt, wird fluchen und Fingernägel abbrechen.
X-Mode trifft auf Reichweiten-Angst
Kommen wir zum Elefanten im Raum: Wie fährt sich der Verräter mit Frontantrieb? Auf trockenem Asphalt in der Kölner Innenstadt ist er spritzig, wendig und… völlig charakterlos. Er fährt wie jeder andere Elektro-Crossover. Aber wehe, es wird nass. Beim beherzten Anfahren an der Ampel zerren die 218 PS so stark an der Vorderachse, dass die Traktionskontrolle Überstunden machen muss. Das ist unwürdig für einen Subaru.
Ganz anders der AWD „Summit“. Hier arbeiten zwei Motoren zusammen, und sobald ich den Asphalt verlasse und den „X-Mode“ auf „Deep Snow/Mud“ stelle, passiert die Magie. Die Elektronik regelt den Schlupf so präzise, dass der Wagen sich förmlich aus dem Schlammloch herausbeißt. Kein Durchdrehen, kein Wühlen, nur Vortrieb. Das Fahrwerk ist dabei überraschend komfortabel abgestimmt. Es schluckt Schlaglöcher auf Feldwegen weg, als wären sie nicht da. Auf der Autobahn hingegen liegt der Uncharted satt, wankt aber in schnellen Kurven spürbar mehr als ein BMW iX3.
Das größte Problem bleibt jedoch die Langstrecke. Subaru verspricht 540 km WLTP für den AWD. Die Realität auf der A1 bei 130 km/h und Regen sah anders aus: Nach 310 Kilometern forderte der Bordcomputer vehement eine Ladesäule. Der Verbrauch pendelte sich bei 24,5 kWh/100km ein – das ist zu viel für 2026. Die Aerodynamik einer Schrankwand fordert ihren Tribut. Immerhin: Die Ladeleistung wurde auf 185 kW angehoben. Von 10 auf 80 Prozent dauerte es im Test bei kalten Temperaturen knapp 29 Minuten. Das ist okay, aber nicht bahnbrechend.
Der „Driver Monitoring System“-Sensor (DMS) verdient eine gesonderte Erwähnung: Er ist die Pest. Schaut man nur zwei Sekunden auf das Navi oder sucht seine Sonnenbrille, piept das Auto und fordert „Eyes on Road“. In Kombination mit dem EU-Pflicht-Tempowarner (ISA), der bei 51 km/h schon bimmelt, fühlt man sich wie in einer Fahrprüfung mit einem nervösen Lehrer. Zum Glück lassen sich manche Töne per Shortcut ausschalten – aber man muss es jedes Mal beim Start tun.
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Subaru Uncharted Base (FWD) | Subaru Uncharted Summit (AWD) |
Antrieb | Frontmotor (e-Axle) | Dual-Motor (Symmetrical AWD) |
Leistung | 160 kW (218 PS) | 260 kW (354 PS) |
Drehmoment | 300 Nm | 500 Nm |
0-100 km/h | 7,6 Sek | 5,4 Sek (Gemessen: 5,6) |
Vmax | 160 km/h | 180 km/h |
Verbrauch (WLTP) | 16,8 kWh/100km | 18,5 kWh/100km |
Verbrauch (Test) | 20,2 kWh/100km | 24,5 kWh/100km (Autobahn) |
Batterie (netto) | 78 kWh | 78 kWh |
Anhängelast | 750 kg | 1.800 kg (!) |
Stützlast | 75 kg | 100 kg (Perfekt für E-Bikes) |
Preis (DE) | ab ca. 44.900 € | ab ca. 56.500 € |
Konkurrenz-Check
- Tesla Model Y (Juniper Facelift): Effizienter, schnelleres Laden, bessere Software, aber im Gelände hilflos gegen den Subaru. Innenraum steriler.
- Skoda Enyaq 85x: Der Platzhirsch. Bessere Raumnutzung, cleverere Detaillösungen (Eiskratzer!), aber weniger Charakter und Geländekompetenz.
- Toyota bZ5X: Der technische Zwilling. Fährt sich fast identisch, aber Subaru hat die Software für den Allradantrieb aggressiver abgestimmt.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Echte Offroad-Fähigkeit dank X-Mode (nur AWD).
- ✅ Pro: Robuster Innenraum, der keine Angst vor Dreck hat.
- ✅ Pro: Hohe Anhängelast (1.800 kg) für ein E-Auto dieser Klasse.
- ❌ Contra: Hoher Autobahn-Verbrauch (Schrankwand-Design).
- ❌ Contra: Nervöse Assistenzsysteme (DMS & ISA).
- ❌ Contra: Basis-Frontantrieb ist ein Verrat an der Marken-Identität.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Subaru Uncharted (2026) ist ein Auto voller Widersprüche. Wenn Sie den FWD kaufen, kaufen Sie nur das Image, aber nicht die Technik. Sparen Sie sich das Geld und holen Sie sich einen gebrauchten ID.4. Aber der AWD Summit? Das ist eine andere Geschichte. Er ist einer der wenigen Elektro-SUVs, dem ich zutraue, einen Pferdeanhänger von einer nassen Wiese zu ziehen. Er ist ehrlich, kantig und säuft Strom wie ein Holzfäller sein Bier. Meine Empfehlung: Kaufen Sie ihn nur, wenn Sie wirklich Allrad brauchen – für den Wald, die Berge oder den schlechten Feldweg zum Hof. Für den reinen Stadtverkehr ist er zu groß, zu breit und zu durstig. Der Uncharted ist kein Lifestyle-Accessoire, er ist ein Arbeitsgerät mit Stecker. Und das ist in 2026 fast schon wieder ein Kompliment.
FAQ
1. Wie zuverlässig ist die Batterie? Subaru garantiert (wie Toyota) 70% Restkapazität nach 10 Jahren oder 1.000.000 km (bei Einhaltung der Serviceintervalle). Das ist branchenführend und beruhigt ungemein.
2. Taugt der Uncharted als Zugfahrzeug? Ja, aber nur der AWD. Mit 1.800 kg Anhängelast zieht er ordentlich was weg (Wohnwagen, Pferde). Aber Achtung: Der Verbrauch mit Hänger dürfte die Reichweite auf unter 200 km drücken.
3. Ist das nicht einfach nur ein Toyota mit anderem Logo? Zu 85% ja. Plattform, Batterie und Motoren sind identisch. Aber Subaru hat Fahrwerk und Allrad-Software („X-Mode“) eigenständig abgestimmt. Er fühlt sich im Gelände kompetenter an als das Toyota-Pendant.





























