Tesla Model X (2026): Der Dinosaurier, der immer noch sprinten kann wie ein Gepard

Man hatte ihn schon abgeschrieben. “Zu alt”, “zu teuer”, “zu amerikanisch”. Im Sommer 2025 verschwand das Model X kurzzeitig aus manchen europäischen Konfiguratoren, und die Gerüchteküche brodelte: Ist das das Ende für den Flügel-SUV? Nein. Es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Pünktlich zum Modelljahr 2026 ist das Model X zurück. Und Tesla hat genau dort nachgebessert, wo es den deutschen Kunden wehtat: Beim Ambiente. Der neue Jahrgang hat endlich eine durchgehende Ambiente-Beleuchtung (wie im Model 3 Highland), echte Matrix-LED-Scheinwerfer, die Kurven ausleuchten, und eine Frontkamera, die das Einparken ohne Sensoren endlich wieder sicher macht. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Der Kia EV9 GT kostet 30.000 Euro weniger und bietet mehr Platz. Ist das Model X Plaid also nur noch ein Spielzeug für Youtuber, oder ist es immer noch der König der elektrischen Familien-Raketen? Ich bin das 1.020-PS-Ufo gefahren.

Das Plaid-Paradoxon: 1.020 PS für den Schulweg

Der Antrieb bleibt unverändert brachial: Drei Motoren (einer vorne, zwei hinten mit Carbon-Rotoren) leisten 750 kW (1.020 PS). 0-100 km/h in 2,6 Sekunden. Die Reichweite liegt bei ca. 543 km (WLTP).

Lassen Sie uns kurz innehalten. 2,6 Sekunden. In einem 2,5-Tonnen-SUV. Das ist nicht schnell. Das ist Körperverletzung. Wenn Sie im “Drag Strip Mode” starten, faltet das Auto Ihr Gesicht neu. Es ist eine Erfahrung, die jeder Auto-Fan einmal gemacht haben muss. Aber im Jahr 2026 ist das nicht mehr genug. Ein Kia EV9 GT schafft es in 4 Sekunden. Ein Lotus Eletre in 3. Braucht man die 1,4 Sekunden Unterschied? Nein. Aber man will sie. Das Model X Plaid ist immer noch das einzige Auto, das einen Lamborghini an der Ampel stehen lässt und danach sechs Personen zum Fußballtraining fährt. Diese Spreizung ist weltweit einzigartig.

Das Komfort-Update: Endlich Ruhe im Karton

Neu für 2026: “Active Road Noise Cancellation” über die Lautsprecher, verbesserte Dichtungen und ein leichteres Chassis (ca. 100 kg gespart durch neue Gussteile).

Hier hat Tesla geliefert. Das alte Model X war eine Klapperkiste im Vergleich zum Audi Q8 e-tron. Der 2026er ist leise. Auf der Autobahn bei 160 km/h können Sie sich flüsternd unterhalten. Die neuen Materialien im Innenraum wirken hochwertiger (weniger Hartplastik, mehr Stoff). Und das neue Ambiente-Licht, das sich über das ganze Armaturenbrett zieht, nimmt dem Cockpit endlich die Kälte. Es fühlt sich abends nicht mehr an wie in einem Büro, sondern wie in einer Lounge. Einziges Manko: Das Yoke-Lenkrad (das eckige Steuerhorn) ist immer noch Geschmackssache. Zum Glück bietet Tesla das runde Lenkrad jetzt als kostenlose Option an. Mein Rat: Nehmen Sie das runde. Im Kreisverkehr ist das Yoke ein Albtraum.

Falcon Wings: Show oder Showstopper?

Die hinteren Flügeltüren öffnen elektrisch nach oben. Sensoren verhindern Kollisionen.

Nach 10 Jahren muss man fragen: Ist das noch cool? Ja und Nein. Wenn Sie vor der Schule parken: Cool. Alle Kinder staunen. Wenn Sie in einer niedrigen Duplex-Garage parken: Horror. Die Sensoren sind zwar besser geworden, aber die Türen sind langsam. Wenn es regnet, warten Sie 6 Sekunden, bis Sie aussteigen können, während es in den Innenraum regnet. Der Kia EV9 hat normale Türen. Das ist langweiliger, aber im Alltag 100-mal praktischer. Die Falcon Wings sind ein Party-Trick, der im Alltag manchmal nervt. Aber sie sind der Grund, warum dieses Auto eine Ikone ist.

Der “Free Supercharging” Joker

Um den Absatz anzukurbeln, bietet Tesla Ende 2025 für Lagerfahrzeuge und Neubestellungen oft wieder lebenslanges (oder mehrjähriges) kostenloses Supercharging an.

Das ist das Argument, das alle anderen schlägt. Rechnen Sie mal nach: Wenn Sie 30.000 km im Jahr fahren und immer öffentlich laden, sparen Sie ca. 3.000 bis 4.000 Euro Stromkosten pro Jahr. In 5 Jahren sind das 20.000 Euro. Das relativiert den hohen Kaufpreis massiv. Dazu kommt das Netzwerk: Tesla hat immer noch die zuverlässigsten Ladesäulen. Anstecken, laden. Keine Karten, keine Apps. Das ist Luxus, den man bei Kia oder Mercedes (noch) nicht in dieser Konsequenz hat.

Der Kampf der Giganten

Feature
Tesla Model X Plaid (2026)
Kia EV9 GT
Lotus Eletre R
Leistung
1.020 PS
585 PS
905 PS
0-100 km/h
2,6 s
4,0 s
2,95 s
Türen
Falcon Wings (Show)
Normal
Normal
Laden
250 kW (Supercharger)
210 kW (800V, flacher)
350 kW (800V)
Sitze
bis zu 6 (Einzelsitze)
bis zu 7
4 oder 5
Preis (Start)
ca. 114.990 €
ca. 85.000 €
ca. 155.000 €

Fazit: Nur für Menschen, die das Besondere suchen

Das Tesla Model X (2026) ist objektiv betrachtet zu teuer und zu unpraktisch (Türen!). Der Kia EV9 ist das bessere Familienauto. Aber der Kia ist ein Kühlschrank. Das Model X ist ein Raumschiff. Wer die brachiale Beschleunigung will, wer den Show-Effekt der Türen liebt und wer das nahtlose Supercharger-Netzwerk (gratis!) schätzt, kommt am Model X nicht vorbei. Es ist kein Auto für Vernunftmenschen. Es ist ein Auto für Menschen, die beim Elternabend sagen wollen: “Meiner hat 1.000 PS.”

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.