Die Kleinstwagen sterben aus. Der Smart Fortwo? Geschichte. Der Renault Twingo? Nur noch elektrisch (und teuer). Die Margen sind zu klein, die Abgasvorschriften zu streng. Aber Toyota – der Weltmeister der Hybrid-Technik – geht einen anderen Weg. Sie haben den Aygo X (sprich: „Aygo Cross“) gebaut. Er ist kein Elektroauto. Er ist kein Hybrid. Er ist ein klassischer Verbrenner mit 3 Zylindern, aber verpackt als trendiger Mini-SUV. Im Jahr 2026 ist er einer der letzten Mohikaner im A-Segment. Ist er der perfekte Stadt-Begleiter für Singles, die keine Ladesäule suchen wollen? Oder ist er mit Preisen um die 20.000 Euro einfach nur überteuert? Ich habe den City-Flitzer mit dem Faltdach („Air“) getestet.
Design: Chili, Ingwer und Wacholder
Der Aygo X sieht unverschämt gut aus. Toyota hat verstanden: Wer kleine Autos kauft, will keine Verzichtserklärung fahren. Er will Lifestyle. Die zweifarbige Lackierung (bei meinem Testwagen „Persian Salt“ – ein Beigeton mit schwarzem Dach und Heck) steht ihm super. Die großen 18-Zoll-Räder (Serie in hohen Ausstattungen) füllen die Radhäuser komplett aus. Das sieht wuchtig aus. Er ist 3,70 Meter kurz. Er ist 12 cm länger als der alte Aygo, aber immer noch kürzer als ein VW Up. Die Bodenfreiheit ist leicht erhöht (deshalb das „X“ im Namen). Man sitzt etwas höher, was den Einstieg erleichtert und die Übersicht im Stadt-Dschungel verbessert.
Innenraum: Vorne Hui, hinten Pfui
Ich steige ein. Vorne fühlt es sich erwachsen an. Das Lenkrad stammt aus dem Yaris. Der 9-Zoll-Touchscreen (Toyota Smart Connect) sitzt in einem ovalen „Ei“ in der Mitte. Es gibt Wireless Apple CarPlay und Android Auto. Die Sitze mit integrierten Kopfstützen sehen sportlich aus und sind bequem. Das Cabrio-Feeling: Mein Testwagen ist die „Air“-Version. Ein Knopfdruck, und das riesige Stoff-Faltdach öffnet sich fast über die gesamte Länge. In der Stadt, bei 30 km/h, Sonne im Gesicht – das ist Lebensqualität. Es ist fast wie im Fiat 500 C. Die Schattenseite: Drehen wir uns um. Die Rückbank ist eine Strafbank. Der Einstieg durch die winzigen hinteren Türen ist eine Yoga-Übung. Wenn vorne jemand sitzt, der größer als 1,75 m ist, passt hinten niemand mehr rein, der Beine hat. Die Fenster hinten lassen sich nicht runterkurbeln, sondern nur einen Spalt ausstellen („Ausstellfenster“). Es ist dunkel und eng. Der Kofferraum: 231 Liter. Das ist okay. Zwei Getränkekisten passen rein (aber nur ohne Hutablage). Die Ladekante ist hoch.
Fahrbericht: 72 PS für die Geduldigen
Wir starten den Motor. Es ist der bekannte 1.0 Liter 3-Zylinder Saugmotor (72 PS). Kein Turbo. Kein Hybrid. Er knurrt typisch dreizylindrig. Ich fahre die S-CVT Automatik.
Szenario Stadt: Hier gehört er hin. Der Wendekreis ist sensationell (9,4 Meter). Man wendet praktisch auf dem Bierdeckel. Bis 50 km/h ist der Motor lebendig genug. Das CVT-Getriebe sorgt für ruckfreies Fahren. Ampelstarts gewinnt man nicht, aber man schwimmt gut mit. Das Fahrwerk ist straff, aber komfortabel genug für Kopfsteinpflaster.
Szenario Landstraße & Autobahn: Hier braucht man Leidensfähigkeit. 0 auf 100 km/h in 14,8 Sekunden (CVT). (Der Handschalter ist mit 14,9s auch nicht schneller). Wer auf die Autobahn auffährt und Vollgas gibt, erlebt den „Gummiband-Effekt“. Der Motor schreit bei 5.000 U/min, aber die Geschwindigkeit nimmt nur in Zeitlupe zu. An Steigungen geht ihm die Puste aus. Vmax ist 151 km/h. Aber ehrlich: Alles über 120 km/h ist laut und anstrengend. Der kurze Radstand macht ihn bei Spurrillen etwas nervös.
Verbrauch: Toyota kann effiziente Motoren.
- Stadt: 5,2 Liter.
- Landstraße: 4,5 Liter.
- Autobahn (Vollgas): 6,5 Liter. Im Schnitt sind 5,0 Liter realistisch. Das ist gut, aber ein Yaris Hybrid (mit viel mehr Leistung) verbraucht oft sogar weniger (ca. 4,0 L).
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Toyota Aygo X 1.0 VVT-i (2026) | Alex Wind Kommentar |
Motor | 1.0 R3 Sauger (Benzin) | Alte Schule. Robust, aber schwach. |
Leistung | 53 kW (72 PS) / 93 Nm | Das Drehmoment fehlt spürbar. |
0-100 km/h | 14,8 Sekunden | Geduld ist eine Tugend. |
Getriebe | S-CVT (Stufenlos) | Komfortabel in der Stadt, laut bei Last. |
Länge | 3.700 mm | Parkplatz-Garantie. |
Wendekreis | 9,4 m | Das beste Feature! |
Verbrauch (Test) | 5,1 l/100km | Sparsam. |
Kofferraum | 231 – 829 Liter | Reicht für den Single-Einkauf. |
Garantie | bis 15 Jahre (Toyota Relax) | Unschlagbar. |
Preis (Basis) | ca. 17.500 € | Teuer geworden. |
Preis (Testwagen) | 23.500 € | Air Explore mit CVT & JBL. |
Pro & Contra
- ✅ Design: Sieht cool, robust und hochwertig aus.
- ✅ Stadtverkehr: Unschlagbar wendig und kompakt.
- ✅ Sicherheit: Toyota Safety Sense (Notbrems, Spurhalte) ist Serie und top.
- ✅ Infotainment: Großes Display, Wireless CarPlay – sehr modern.
- ✅ Werterhalt: Toyota + Kleinwagen = stabile Preise.
- ❌ Motor: Der Saugmotor ist zäh und bei Last laut.
- ❌ Platz hinten: Eigentlich nur als Ablage nutzbar.
- ❌ Preis: Über 20.000 € für 72 PS sind eine Ansage.
- ❌ Kofferraum: Hohe Ladekante, kleine Öffnung.
Konkurrenz-Check
- Kia Picanto: Der Ernste. Fährt sich erwachsener, hat (als GT-line) bessere Sitze, ist günstiger und bietet 7 Jahre Garantie. Aber er sieht langweiliger aus.
- Suzuki Ignis: Der Allradler. Gibt es als echten 4×4! Sieht auch schrullig aus, bietet dank verschiebbarer Rückbank aber viel mehr Platz.
- Fiat 500 Hybrid: Der Kult. Immer noch der Charme-König. Technisch veraltet, Sitzposition zu hoch, aber als Cabrio („C“) der direkte Gegner zum Aygo X Air.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Toyota Aygo X (2026) ist kein Vernunftauto. Wenn Sie Vernunft wollen, kaufen Sie einen Kia Picanto oder einen gebrauchten Yaris Hybrid. Der Aygo X ist ein Mode-Accessoire. Er ist für Leute, die in der Stadt wohnen, meist alleine unterwegs sind und ein Auto wollen, das gut aussieht und in jede Lücke passt. Er ist technisch extrem sicher (Assistenzsysteme), top vernetzt und dank der 15-Jahre-Garantie eine Burg an Zuverlässigkeit. Der Motor ist seine Schwäche. Er ist laut und lahm. Aber wenn Sie im Stau stehen, das Faltdach offen ist und Ihre Playlist über das JBL-Soundsystem läuft, ist Ihnen das egal. Meine Empfehlung: Kaufen Sie ihn als Handschalter (spart Geld und nervt weniger als das CVT) und gönnen Sie sich das Faltdach („Air“). Dann macht er Sinn.
FAQ
1. Warum kein Hybrid? Ein Vollhybrid-System (wie im Yaris) ist teuer und schwer. Es würde den Preis des Aygo X auf über 25.000 € treiben und den Kofferraum noch kleiner machen. In dieser Klasse regiert der spitze Bleistift.
2. Ist er autobahntauglich? Bedingt. Er schafft 130 km/h problemlos und liegt auch stabil. Aber es ist laut und man braucht viel Anlauf. Für die Fahrt in den Urlaub nach Italien? Eher nicht. Für die 50 km zur Arbeit? Ja.
3. Passt ein Kindersitz hinten rein? Theoretisch ja (Isofix ist da). Praktisch nein. Die Türöffnung ist so klein, dass man das Kind kaum hineinbekommt, und wenn vorne jemand sitzt, ist kein Platz für die Beine des Kindes. Betrachten Sie ihn als 2-Sitzer mit Notsitzen.






















































