Volvo EX60 (2026) im Test: Der wichtigste Volvo seit 20 Jahren – Kann er den Bestseller XC60 ersetzen?

Wir schreiben den Februar 2026. Der Volvo XC60 war jahrelang das Rückgrat der Marke. Der „Cash Cow“. Das Auto, das jeder Architekt und jeder Arzt fahren wollte. Jetzt kommt der Nachfolger: Der Volvo EX60. Er ist vollelektrisch. Er steht auf der brandneuen SPA3-Plattform (mit Megacasting, wie bei Tesla). Er muss in riesige Fußstapfen treten. Und er hat mächtige Gegner: Der Audi Q6 e-tron ist etabliert, der neue BMW iX3 (Neue Klasse) rollt gerade an und das Tesla Model Y ist der Preisbrecher. Hat Volvo das Erfolgsrezept des XC60 (Sicherheit, Komfort, skandinavisches Design) erfolgreich ins Jahr 2026 gerettet? Ich habe das neue Volumenmodell getestet.

Design: Der glatte Monolith

Der EX60 sieht aus wie ein geschliffener Eisblock. Die Verwandtschaft zum großen Bruder EX90 ist unverkennbar, aber der EX60 wirkt dynamischer. Die „Thors Hammer“-Scheinwerfer sind digitalisiert (sie „blinzeln“ beim Aufschließen). Der Kühlergrill ist weg, ersetzt durch eine glatte Fläche mit beheiztem Logo. Der „Knubbel“ auf dem Dach: Ja, auch der EX60 hat ihn serienmäßig (in höheren Ausstattungen): Den LiDAR-Sensor von Luminar. Er sieht aus wie ein Taxi-Schild, ist aber das Auge für das autonome Fahren der Zukunft. Mit 4,75 Metern Länge ist er gewachsen. Er wirkt satter und breiter als der alte XC60. Die Türgriffe fahren bündig ein. Alles dient der Aerodynamik (cw-Wert 0,26).

Innenraum: Wohnzimmer statt Cockpit

Ich steige ein. Volvo nennt es „Scandinavian Living Room“. Es gibt kein Leder mehr (nur „Nordico“ und Wollmischungen). Das fühlt sich extrem hochwertig und warm an, viel besser als das kalte Plastik mancher Konkurrenten. Das Zentrum: Ein vertikaler 15-Zoll-Screen mit Google Automotive OS. Das System ist 2026 rasend schnell (dank neuem NVIDIA Core Computer). Google Maps ist tief integriert. Aber: Fast keine Tasten mehr. Selbst die Fensterheber sind kapazitiv (man muss umschalten zwischen vorne/hinten). Das nervt. Auch die Spiegelverstellung über das Display ist unnötig kompliziert. Dafür ist das Bowers & Wilkins High Fidelity Audio System (optional) immer noch das Beste, was man für Geld kaufen kann. Der „Göteborger Konzerthalle“-Modus ist Gänsehaut pur. Platzangebot: Dank der neuen Plattform ist der Boden hinten flach. Drei Erwachsene sitzen bequem. Der Kofferraum: ca. 530 Liter. Plus ein ordentlicher Frunk (45 Liter) für die Kabel. Das ist besser als beim Audi Q6, aber weniger als beim Model Y.

Fahrbericht: Ein fliegender Teppich

Ich fahre den Twin Motor Performance. 380 kW (517 PS) und 910 Nm. Das ist eigentlich zu viel für einen Volvo. 0-100 km/h in 4,2 Sekunden. Aber der EX60 will nicht rasen. Er will gleiten. Das Fahrwerk (Luftfederung optional) bügelt alles weg. Es ist „satter“ als beim alten XC60. Man merkt, dass die Karosserie dank Megacasting (große Gussteile statt vieler Bleche) extrem steif ist. Nichts knarzt. Die Lenkung ist leicht, entkoppelt. One-Pedal-Drive: Perfekt abgestimmt. Man braucht die Bremse fast nie. Assistenz: Der Pilot Assist nutzt jetzt das LiDAR. Er erkennt Hindernisse im Dunkeln auf 250 Meter. Auf der Autobahn fährt er extrem souverän, hält die Spur wie auf Schienen und wechselt selbstständig. Das ist Sicherheits-Level 2026.

Verbrauch & Reichweite: Batterie: 100 kWh (netto). (Es gibt auch eine 82 kWh Version).

  • Autobahn (130 km/h): 20 – 22 kWh/100km.
  • Stadt: 16 – 18 kWh/100km.
  • Reichweite (Real):
    • Sommer: ca. 500 – 550 km.
    • Winter: ca. 420 km. Das ist absolut langstreckentauglich.

Laden (Das große Upgrade): Endlich 800-Volt-Technik! Der EX60 lädt mit bis zu 250 kW. 10 auf 80 % in unter 20 Minuten. Das war der große Kritikpunkt am alten XC40/C40. Jetzt spielt Volvo in der Liga von Porsche und Hyundai.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Volvo EX60 Twin Motor Performance (2026)
Alex Wind Kommentar
Leistung
380 kW (517 PS) / 910 Nm
Power im Überfluss.
0-100 km/h
4,2 Sekunden
Sportwagen-Schreck im Familien-Gewand.
Batterie
100 kWh (Netto)
Endlich ein großer Akku für die Mittelklasse.
Reichweite (WLTP)
ca. 630 km
Realistisch 500 km.
Laden (DC)
250 kW (800V)
Das wichtigste Feature! Kaffeepause reicht.
Laden (AC)
22 kW (Option)
Serie meist 11 kW.
Länge
4.750 mm
Perfekte Größe.
Anhängelast
2.200 kg
Zieht ordentlich was weg.
Preis (Basis)
ca. 62.000 €
Premium-Preis.
Preis (Testwagen)
ca. 86.500 €
Ultra Ausstattung.

Pro & Contra

  • Komfort: Sitze und Fahrwerk sind Wellness für den Rücken.
  • Laden: Dank 800V-System endlich zukunftssicher.
  • Audio: Bowers & Wilkins ist nach wie vor ungeschlagen.
  • Sicherheit: LiDAR und Sensorik sind Benchmark. Man fühlt sich wie in einem Panzer.
  • Bedienung: Zu viel Touch, zu wenig Tasten. Fensterheber-Umschalter nervt.
  • Preis: Mit Ausstattung extrem teuer.
  • Verbrauch: Trotz guter Aerodynamik kein Sparwunder (er ist schwer).
  • Vmax: Wie alle Volvos abgeregelt bei 180 km/h.

Konkurrenz-Check

  • Tesla Model Y (Juniper): Der Preis-Leistungs-Sieger. Viel billiger, mehr Platz, effizienter, aber Fahrwerk und Dämmung sind schlechter als beim Volvo.
  • Audi Q6 e-tron: Der direkte Rivale. Fährt sportlicher, hat mehr „Knöpfe“ (gut!), aber das Google-System im Volvo ist intuitiver.
  • BMW iX3 (Neue Klasse): Das Design-Experiment. Technisch extrem fortschrittlich (Head-up über ganze Scheibe), aber das Design polarisiert stark.
  • Porsche Macan Elektro: Der Sportler. Fährt in einer anderen Liga, kostet aber auch 30k mehr.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Volvo EX60 (2026) ist der perfekte Nachfolger. Er macht genau das, was der XC60 gemacht hat: Er beruhigt. In einer hektischen Welt ist der EX60 ein Rückzugsort („Sanctuary“). Er ist nicht der Sportlichste (Audi) und nicht der Effizienteste (Tesla). Aber er ist der Wohlfühl-Meister. Die 800-Volt-Technik merzt die letzte Schwäche aus. Wer es sich leisten kann, bekommt hier das vielleicht beste Gesamtpaket aus Sicherheit, Design und Ladegeschwindigkeit. Meine Empfehlung: Verzichten Sie auf den „Performance“. Nehmen Sie den Single Motor Extended Range (Heckantrieb, ca. 300 PS). Der kommt weiter (600 km real), ist leichter und entspannter. Und investieren Sie das gesparte Geld in das Bowers & Wilkins System und die Woll-Sitze.

FAQ

1. Was ist mit dem alten XC60? Der wird (als Hybrid) noch eine Weile parallel weitergebaut (ähnlich wie beim XC90/EX90). Wer noch Verbrenner will, kann den „Classic“ XC60 kaufen.

2. Was bringt das LiDAR wirklich? Stand 2026: Es verbessert die Assistenzsysteme drastisch (Nachtsicht, Phantombremsungen vermeiden). In Zukunft (per Update) soll es echtes Level 3 (Autobahn-Pilot ohne Hände und Augen) ermöglichen, sobald die Gesetze es erlauben.

3. Wo wird er gebaut? Der EX60 für Europa kommt aus dem Werk in Torslanda (Schweden), das für die neue Plattform mit Megacasting umgerüstet wurde. Ein echter Schwede also.

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    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.