Eine aktuelle Analyse der Verkaufsplattform Carwow offenbart eine bemerkenswerte Entwicklung für die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns: 61 Prozent der potenziellen Kunden, die auf der Plattform einen Volkswagen konfigurieren, entscheiden sich letztlich für den Kauf eines Fahrzeugs einer anderen Marke. Diese signifikante Zahl ist weit mehr als eine Randnotiz; sie deutet auf eine wachsende Kluft zwischen dem anfänglichen Markeninteresse und der finalen Kaufentscheidung hin. Es scheint, als würde Volkswagen in der entscheidenden Phase des Verkaufsprozesses den direkten Draht zum Kunden verlieren, während Wettbewerber diese Lücke geschickt für sich nutzen.
Die zugrunde liegenden Daten, die aus einer umfassenden Auswertung von Plattform-Konfigurationen, KBA-Zulassungszahlen und Brandwatch-Informationen stammen, zeichnen ein detailliertes Bild dieser Abwanderungsströme. Während lediglich 39 Prozent der Interessenten Volkswagen treu bleiben, wählt der größte Anteil der Wechsler, nämlich 15 Prozent, die konzerneigene Schwestermarke Skoda. Weitere sechs Prozent wechseln zu Kia, wodurch die südkoreanische Marke als einer der Hauptprofiteure dieser Entwicklung hervorgeht. Im direkten Vergleich zeigt Skoda eine beachtliche Kundenbindung: 62 Prozent der Nutzer, die einen Skoda konfigurieren, erwerben diesen auch tatsächlich – ein Wert, der die Loyalitätsrate von VW deutlich übertrifft und die Attraktivität der tschechischen Marke unterstreicht.
Besonders aufschlussreich ist zudem der Erfolg neuerer Marktteilnehmer. Der chinesische Hersteller BYD erreicht eine Konfigurations-Loyalität von 59 Prozent, was ihn fast auf Augenhöhe mit Skoda und deutlich vor Volkswagen positioniert. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass Marken, die vor wenigen Jahren in Deutschland noch kaum präsent waren, inzwischen fest im Bewusstsein der Käufer verankert sind. Sie werden von einer zunehmend preis- und technikbewussten Kundschaft als ernsthafte und vollwertige Alternative zu den etablierten deutschen Herstellern wahrgenommen. Die Gründe für diese umfassende Abwanderung sind vielschichtig und reichen weit über einen bloßen Preisvergleich hinaus; sie spiegeln eine tiefgreifende Veränderung der Kaufkriterien wider.
Die Anatomie der Abwanderung: Mehr als nur der Listenpreis
Die Entscheidung gegen einen Volkswagen und stattdessen für einen Skoda, Kia oder BYD ist selten auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Vielmehr handelt es sich um eine wohlüberlegte Abwägung, bei der informierte Kunden technische Spezifikationen, die Gesamtbetriebskosten (TCO) und die erwartete Langzeitqualität akribisch in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Die Zeiten, in denen das VW-Emblem allein einen automatischen Preisaufschlag rechtfertigen konnte, scheinen endgültig vorbei zu sein. Kunden erkennen zunehmend, dass sie bei der Konkurrenz technologisch ebenbürtige oder in manchen Aspekten sogar überlegene Produkte zu spürbar besseren Konditionen erhalten. Diese Entwicklung zwingt etablierte Marken wie Volkswagen dazu, ihre Preisstrategie und ihr Wertversprechen kritisch zu hinterfragen. Die folgende Tabelle stellt exemplarisch zwei Fahrzeugpaare aus dem Kompakt- und SUV-Segment gegenüber und verdeutlicht die signifikanten Preis- und Ausstattungsdifferenzen, die für viele Käufer den entscheidenden Ausschlag geben können, wenn sie sich zwischen den Marken entscheiden müssen.
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Parameter
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VW Golf VIII 1.5 eTSI
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Skoda Octavia IV 1.5 eTSI
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VW Tiguan 1.5 eTSI
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Kia Sportage 1.6 T-GDI 48V
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Motorisierung
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1.5L R4 Turbo, 48V MHEV
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1.5L R4 Turbo, 48V MHEV
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1.5L R4 Turbo, 48V MHEV
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1.6L R4 Turbo, 48V MHEV
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Leistung
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110 kW / 150 PS
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110 kW / 150 PS
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110 kW / 150 PS
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118 kW / 160 PS
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Getriebe
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7-Gang DSG (DQ200)
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7-Gang DSG (DQ200)
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7-Gang DSG (DQ200)
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7-Gang DCT
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Basispreis (jeweilige Ausstattungslinie)
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ca. 34.500 € (‚Life‘)
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ca. 36.900 € (‚Selection‘)
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ca. 41.100 € (‚Life‘)
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ca. 38.000 € (‚Vision‘)
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Wesentliche Serienausstattung (Vergleich)
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Digital Cockpit, LED-Scheinwerfer, Spurhalteassistent
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Digital Cockpit, LED-Scheinwerfer, Spurhalteassistent, 2-Zonen-Klimaautomatik
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Digital Cockpit Pro, LED-Scheinwerfer, Spurhalteassistent
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Digital Cockpit, LED-Scheinwerfer, Navi, 3-Zonen-Klimaautomatik
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Garantie
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2 Jahre
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2 Jahre
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2 Jahre
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7 Jahre
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Versicherungsklasse (KH/TK/VK)
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14 / 21 / 20
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13 / 21 / 19
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16 / 21 / 21
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17 / 22 / 22
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Die Tabelle verdeutlicht die Preispositionierung der Modelle. Obwohl der Skoda Octavia bei vergleichbarer Motorisierung preislich rund 2.400 Euro über dem VW Golf angesiedelt ist, rechtfertigt er diesen Aufpreis für viele Kunden durch sein größeres Platzangebot und eine oft umfangreichere Serienausstattung. Im SUV-Segment wird der Preisunterschied noch deutlicher: Der neue VW Tiguan ist in der verglichenen Ausstattungslinie rund 3.100 Euro teurer als der Kia Sportage. Dieser punktet zusätzlich mit einer erheblich längeren Herstellergarantie von sieben Jahren, die für viele Käufer ein entscheidendes Argument für die langfristige Kostensicherheit darstellt. Diese Unterschiede in Preis, Ausstattung und Garantieleistungen summieren sich über die Haltedauer eines Fahrzeugs erheblich und bewegen Kunden dazu, ihre Präferenzen neu zu bewerten und letztlich zum Wechsel zu einer anderen Marke.
Plattform-Kannibalismus: Wenn der Skoda Enyaq der bessere ID.4 ist
Ein wesentlicher Faktor für die Abwanderung innerhalb des Konzerns ist die Gleichteilestrategie, deren Transparenz für Kunden stetig zunimmt. Volkswagen hat mit dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) eine gemeinsame technische Basis für eine ganze Familie von Elektrofahrzeugen geschaffen. Ein potenzieller Käufer eines VW ID.4, der sich eingehender informiert, stellt jedoch schnell fest, dass der Skoda Enyaq auf exakt derselben Plattform basiert. Er nutzt die gleichen Batteriemodule, die gleichen E-Maschinen (APP310/APP550) und die gleiche grundlegende Fahrwerksarchitektur. Die primäre Differenzierung findet somit im Design, im Innenraumkonzept und vor allem im Preis statt, was die Frage nach dem Mehrwert des VW-Logos aufwirft.
Gerade in der Anfangsphase der ID.-Familie hatte Volkswagen mit erheblichen Softwareproblemen zu kämpfen. Dies führte zu einer Reihe von Herausforderungen, die das Nutzererlebnis trübten:
- Instabile Infotainmentsysteme, die häufig abstürzten oder nur verzögert reagierten.
- Fehlerhafte Over-the-Air-Updates, die nicht wie erwartet funktionierten oder neue Probleme verursachten.
- Eine teils unlogische und unintuitive Bedienung, die den Fahrer im Alltag frustrierte.
Diese Mängel sorgten für erheblichen Frust bei den Erstkunden. Obwohl der Skoda Enyaq auf derselben Software-Architektur basiert, wurde sein Marktstart von vielen als deutlich ausgereifter wahrgenommen. Es schien, als hätte Skoda aus den anfänglichen Schwierigkeiten der Wolfsburger gelernt und ein Produkt geliefert, das in der Praxis einen runderen und zuverlässigeren Eindruck hinterließ. Solche Erfahrungen werden in Foren und sozialen Medien intensiv geteilt und prägen das Bild der Marken nachhaltig. Der VW ID.3 im Check offenbarte viele dieser anfänglichen Schwächen, die das Vertrauen in die neue E-Auto-Generation von VW spürbar belasteten. Kunden fragen sich daher zu Recht, warum sie für das VW-Logo einen Aufpreis zahlen sollen, wenn das technisch identische Schwestermodell von Skoda nicht nur günstiger ist, sondern auch einen solideren Eindruck hinterlässt und oft mit praktischeren Details wie mehr physischen Tasten punktet, die den Alltag erleichtern.
Dieses Phänomen beschränkt sich keineswegs auf Elektrofahrzeuge. Im Verbrenner-Segment wiederholt sich das Muster mit dem Modularen Querbaukasten (MQB Evo). Ein VW Golf, ein Skoda Octavia, ein Seat Leon und ein Audi A3 teilen sich die grundlegende technische Struktur und viele Komponenten. Ein Kunde, der beispielsweise den VW Tiguan 1.5 eTSI im Check hatte und dessen Mildhybrid-System mitunter durch Ruckeln auffällt, wird bei seiner Recherche schnell feststellen, dass der gleiche Antrieb auch im günstigeren Skoda Karoq oder Seat Ateca verbaut ist. Die einst wahrgenommene technische Exklusivität von Volkswagen erodiert zusehends, sobald die Kunden die technischen Zusammenhänge durchschauen und erkennen, dass sie für das gleiche technische Paket bei anderen Konzernmarken weniger bezahlen müssen.
Ladekurve und Batteriezellchemie: Die neue Währung im E-Auto-Markt
Im Segment der Elektrofahrzeuge hat sich die Art der Kaufentscheidung grundlegend gewandelt. Während früher Hubraum und Zylinder als Maß aller Dinge galten, sind es heute Ladeleistung und Batterietechnologie, die im Fokus stehen. Doch auch hier schauen informierte Kunden genauer hin, denn die von Herstellern prominent beworbene Peak-Ladeleistung in Kilowatt (kW) erzählt oft nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend für die tatsächliche Langstreckentauglichkeit ist die sogenannte Ladekurve, also wie lange eine hohe Ladeleistung gehalten werden kann, bevor sie temperaturbedingt oder zum Schutz des Akkus einbricht. Ein Fahrzeug, das kurzzeitig 200 kW erreicht, dann aber schnell auf unter 100 kW abfällt, kann im Ergebnis eine längere Ladezeit für den wichtigen Hub von 10 Prozent auf 80 Prozent aufweisen als ein Fahrzeug, das konstant über 150 kW hält. Dies ist ein kritischer Aspekt für Vielfahrer und Urlaubsreisende.
Genau hier haben sich Wettbewerber wie Kia und Hyundai mit ihrer modernen 800-Volt-Architektur einen klaren technischen Vorteil erarbeitet. Modelle wie der Kia EV6 können nicht nur beeindruckend hohe Ladeleistungen erreichen, sondern diese auch über einen deutlich breiteren Ladezustandsbereich (SoC) konstant halten. Das führt zu nachweislich kürzeren Ladestopps auf der Autobahn, was den Reisekomfort erheblich steigert. Volkswagen setzt bei seinen MEB-Fahrzeugen auf eine 400-Volt-Architektur, die zwar stetig verbessert wurde und solide Leistungen bietet, aber physikalisch nicht die gleichen Potenziale wie ein 800-Volt-System entfalten kann. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Batteriezellchemie. Während VW in vielen Modellen auf NMC-Zellen (Nickel-Mangan-Cobalt) setzt, gewinnt die LFP-Technologie (Lithium-Eisenphosphat), wie sie von BYD in der sogenannten „Blade Battery“ eingesetzt wird, zunehmend an Bedeutung. LFP-Akkus kommen ohne Kobalt aus, gelten als thermisch stabiler und damit sicherer, und weisen oft eine höhere Zyklenfestigkeit auf, was eine längere Lebensdauer des Akkus verspricht. Für Kunden, die ein Fahrzeug lange halten wollen oder Wert auf Nachhaltigkeit legen, sind das überzeugende Argumente. Obwohl VW hier nachzieht und LFP-Akkus in Einstiegsmodellen anbietet, haben sich Konkurrenten wie BYD mit dieser Technologie bereits ein starkes und zukunftsorientiertes Image aufgebaut.
Die strategische Ausrichtung auf das untere Preissegment stellt Volkswagen vor eine echte Bewährungsprobe. Die geplante MEB Entry im Analyse-Check zeigt die immensen Herausforderungen, ein konkurrenzfähiges E-Auto für unter 25.000 Euro zu entwickeln, das bei Reichweite, Ladeleistung und Qualität mit der aggressiven chinesischen Konkurrenz mithalten kann. Scheitert VW in diesem entscheidenden Segment, droht eine weitere signifikante Abwanderungswelle in einem preissensiblen und rasant wachsenden Marktbereich, was die Position der Marke weiter schwächen könnte.
Total Cost of Ownership: Der versteckte Preisvorteil der Konkurrenz
Der reine Anschaffungspreis eines Fahrzeugs ist lediglich ein Teil der finanziellen Betrachtung. Viele Käufer, insbesondere im Flotten- und Leasinggeschäft, aber auch zunehmend Privatkunden, kalkulieren die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) über eine Haltedauer von drei bis fünf Jahren. Hier offenbaren sich oft die wahren Kostenvorteile der Konkurrenz, die auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich sind. Die detaillierte Analyse der TCO umfasst mehrere Faktoren, die in ihrer Summe den entscheidenden Ausschlag für einen Markenwechsel geben können:
- Restwertprognosen und Leasingraten: Skoda-Modelle gelten traditionell als sehr wertstabil, was sich direkt in niedrigeren monatlichen Leasingraten niederschlägt. Marken wie Kia und Hyundai stützen ihre Raten zusätzlich durch eine strategisch aggressive Preispolitik und die attraktive 7-Jahres-Garantie, die den Restwert für Gebrauchtwagenkäufer besonders attraktiv macht. Volkswagen leidet hier teilweise unter dem hohen Produktionsvolumen und den damit verbundenen Rabatten, die den Wiederverkaufswert tendenziell drücken können.
- Versicherungseinstufung: Wie die obige Tabelle eindrücklich zeigt, sind die VW-Modelle oft in ungünstigere Typklassen bei der Versicherung eingestuft als ihre direkten Pendants von Skoda oder anderen Wettbewerbern. Über mehrere Jahre können sich hier schnell einige hundert Euro an Mehrkosten ansammeln, die das Budget belasten.
- Wartungs- und Reparaturkosten: Obwohl viele Teile innerhalb des Konzerns identisch sind, gibt es in der Werkstattpraxis durchaus Preisunterschiede. Ein Scheinwerfer oder ein Steuergerät kann mit einer VW-Teilenummer teurer sein als das baugleiche Teil mit einer Skoda-Teilenummer. Zudem schafft die lange Garantie von Kia ein hohes Maß an Kostensicherheit und Planbarkeit, das Volkswagen mit seinen standardmäßigen zwei Jahren nicht bieten kann, was für viele Kunden ein wichtiges Kriterium ist.
- Verbrauch in der Praxis: Während die WLTP-Normwerte oft eng beieinander liegen, berichten viele Fahrer in der Praxis von einem tendenziell sparsameren Umgang mit Kraftstoff oder Strom bei den Skoda-Modellen. Ob dies an einer leicht abweichenden Software-Abstimmung, einem geringeren Gewicht oder anderen Faktoren liegt, ist schwer objektiv zu beweisen, doch die subjektive Wahrnehmung in der Community ist einflussreich und trägt zur Markenbildung bei.
Diese Kombination aus niedrigeren Anschaffungs- und Unterhaltskosten macht die Angebote der Wettbewerber für einen rational kalkulierenden Kunden äußerst attraktiv. Die strategischen Entscheidungen bei VW, wie zum Beispiel die Abkehr von bestimmten Antriebskonzepten oder die Konzentration auf bestimmte Segmente, spielen hier ebenfalls eine Rolle. Die Diskussion um Der VW ID.Buzz als Verbrenner? Eine technische und strategische Analyse des verworfenen Range Extender-Konzepts zeigt, wie solche weitreichenden Weichenstellungen das Portfolio beeinflussen und möglicherweise ganze Kundengruppen ausschließen, die bei anderen Marken eine passende Alternative finden.
Die Macht der Schwarmintelligenz: MIB3-Bugs und Software-Mängel im Foren-Gedächtnis
Das kollektive Gedächtnis von Automobil-Foren und Social-Media-Gruppen ist ein überaus mächtiger und oft unterschätzter Faktor im modernen Kaufprozess. Probleme, die in offiziellen Testberichten möglicherweise nur am Rande erwähnt werden, werden hier ungeschönt, detailliert und mit persönlichen Erfahrungen angereichert diskutiert. Ein potenzieller Käufer, der heute nach „VW Golf 8 Probleme“ sucht, wird unweigerlich auf seitenlange Diskussionen über die anfälligen Software-Stände des MIB3-Infotainmentsystems stoßen. Berichte über Systemabstürze, eine träge Bedienung, die den Fahrer im Alltag behindert, oder gar ausfallende Assistenzsysteme haben sich tief in das digitale Bewusstsein der Autokäufer eingebrannt und wirken als abschreckendes Beispiel.
Auch ältere, aber hartnäckige Probleme wirken noch lange nach und beeinflussen die Kaufentscheidung. Die Debatten über gelängte Steuerketten bei früheren TSI-Motorgenerationen oder die Trockenkupplungs-Problematik des 7-Gang-DSG (DQ200) sind in der Community nicht vergessen. Wenn ein Nutzer in einem Forum liest, dass ein bestimmter Fehlercode (z.B. P0401 für unzureichende Abgasrückführung) bei einem VW-Modell häufiger auftritt und die Reparatur kostspielig ist, während das technisch verwandte Skoda-Modell als unauffälliger und zuverlässiger gilt, beeinflusst das die Markenwahrnehmung erheblich. Es entsteht das Bild einer Marke, bei der der Kunde unfreiwillig als Beta-Tester für unausgereifte Technik fungiert – ein Vorwurf, der insbesondere bei der Einführung der ID.-Familie laut wurde und das Vertrauen nachhaltig erschütterte.
Dieses Misstrauen wird zusätzlich durch die allgemeine Wahrnehmung des Konzerns verstärkt. Skandale wie der Diesel-Abgasskandal und die damit verbundenen juristischen Auseinandersetzungen haben das Grundvertrauen in die Marke Volkswagen bei einem Teil der Kundschaft nachhaltig beschädigt. Selbst wenn es um andere Themen geht, wie der VW-Insiderhandel im Check zeigt, bleibt ein Gefühl der Skepsis zurück, das schwer zu überwinden ist. In einem solchen Klima sind Kunden weniger bereit, einer Marke einen Vertrauensvorschuss zu gewähren oder einen Preisaufschlag für ein Versprechen zu zahlen, das in der Vergangenheit nicht immer uneingeschränkt gehalten wurde. Sie wenden sich stattdessen Marken zu, die ein klareres und verlässlicheres Wertversprechen liefern, sei es durch eine lange Garantie wie bei Kia oder durch ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis wie bei Skoda, das sich im Alltag bewährt.
Alex Winds Urteil: Zu hohe Preise treiben VW-Käufer zur Konkurrenz
Die Carwow-Analyse ist keineswegs als Angriff auf Volkswagen zu verstehen, sondern vielmehr als ein präzises Stimmungsbarometer für den deutschen Automobilmarkt. Die hohe Wechselquote von 61 Prozent ist das folgerichtige Ergebnis einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: Der moderne Kunde ist informierter, preissensibler und kritischer denn je. Die Loyalität zu einer Marke muss heute hart erarbeitet und kontinuierlich bestätigt werden; sie lässt sich nicht mehr allein durch Tradition und geschicktes Marketing aufrechterhalten. Volkswagen verliert Kunden nicht, weil die Autos grundsätzlich schlecht wären, sondern weil der geforderte Preisaufschlag gegenüber der Konkurrenz immer schwerer zu rechtfertigen ist, insbesondere wenn die technischen Unterschiede marginal erscheinen.
Der interne Kannibalismus durch Skoda ist dabei nur ein Symptom eines tieferliegenden Problems. Skoda hat es meisterhaft verstanden, die solide Konzerntechnik in ein Paket zu schnüren, das pragmatischer, preislich attraktiver und in vielen Details durchdachter wirkt. Wenn Skoda beispielsweise im neuen Superb oder Kodiaq auf smarte Dreh-Drück-Steller mit integrierten Displays setzt, während VW im Golf oder ID.3 auf unbeleuchtete Touch-Slider für Temperatur und Lautstärke beharrt, ist das keine bloße Geschmacksfrage mehr. Es handelt sich um einen spürbaren ergonomischen Rückschritt, der im Alltag permanent stört und von Kunden als Bevormundung empfunden wird, da er die intuitive Bedienung erschwert. Volkswagen hat hier eine seiner Kernkompetenzen – die intuitive und sichere Bedienbarkeit – fahrlässig aufgegeben und damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber Wettbewerbern verspielt. Die Abwanderung ist somit auch eine klare Abstimmung mit den Füßen gegen eine Bedienphilosophie, die am Kunden vorbei entwickelt wurde und dessen Bedürfnisse ignoriert. Der Weg zurück an die Spitze führt für Volkswagen nur über Produkte, die in Technik, Preis und Ergonomie wieder einen unmissverständlichen und für den Kunden nachvollziehbaren Mehrwert bieten, der sich im täglichen Gebrauch beweist und das Vertrauen zurückgewinnt.
