Wenn Sie Kinder haben, kennen Sie das Problem: Egal wie groß das Auto ist, es ist immer voll. Hier kommt der Skoda Kodiaq (2. Generation) ins Spiel. Er ist der unangefochtene Liebling deutscher Familienväter. Während VW beim Tiguan jahrelang mit Touch-Slidern die Kunden vergrault hat, sind die Tschechen schlau geblieben. Im Modelljahr 2026 hat sich der Kodiaq etabliert. Er ist gewachsen, er ist teurer geworden, und er sieht mit seiner neuen „Modern Solid“-Designsprache und dem beleuchteten Grill fast schon protzig aus. Aber ist er immer noch der „Preis-Leistungs-Sieger“, oder ist er mittlerweile so teuer, dass man auch gleich einen Audi kaufen kann? Ich habe den 193 PS starken Diesel-Allradler vollgepackt bis unter das Dach, um zu sehen, ob er der ultimative Familientransporter bleibt.
Design: Ein Klotz, aber ein schicker
Der neue Kodiaq ist eine Wuchtbrumme. Er streckt sich auf 4,76 Meter. Das sind 6 Zentimeter mehr als früher. Die Motorhaube ist hoch, der Grill steht steil im Wind. Er wirkt nicht mehr wie der „günstige Bruder“ des Tiguan, sondern wie der Chef im Ring. Besonders cool: Die C-Säule in „Dark Chrome“ (optional), die das Dach optisch schweben lässt. Aber die Größe fordert ihren Tribut. Parkhaus-Check: In engen Parkhäusern merkt man jeden Zentimeter. Die Breite von 1,86 Metern (ohne Spiegel) ist okay, aber die Länge macht das Rangieren zur Arbeit. Der Wendekreis ist durchschnittlich. Zum Glück sind die Kamerasysteme mittlerweile auf Premium-Niveau. In der Autobahnbaustelle ist er entspannter als ein Audi Q8 oder RAM. Er passt noch gut auf die linke Spur (2,13 Meter mit Spiegeln – knapp, aber machbar), ohne dass man Schweißausbrüche bekommt.
Innenraum: Die Rückkehr des gesunden Menschenverstandes
Ich setze mich hinein und möchte Skoda umarmen. Warum? Wegen drei kleiner Drehregler in der Mittelkonsole. Skoda nennt sie Smart Dials. Es sind physische Knöpfe mit kleinen Displays drin.
- Der linke regelt Temperatur und Sitzheizung Fahrer.
- Der rechte regelt Temperatur und Sitzheizung Beifahrer.
- Der mittlere ist programmierbar (Lautstärke, Lüftung, Fahrmodi, Map-Zoom). Das ist genial. Es ist intuitiv. Man bedient es blind. Während Audi und VW alles auf Touch umstellen, beweist Skoda, dass haptisches Feedback der König ist. Das große 13-Zoll-Display darüber ist gestochen scharf und schnell. Das Menü ist logisch. Der Knock-Test zeigt: Skoda hat aufgeholt. Das Armaturenbrett ist mit nachhaltigen Stoffen bezogen, es fühlt sich wohnlich an. Hartplastik findet man erst ganz unten im Fußraum. Die Verarbeitung ist – ich wage es kaum zu sagen – besser als im aktuellen VW Passat. Das Raumwunder: Der Kofferraum ist ein schwarzes Loch. 910 Liter beim 5-Sitzer. Das ist absurd viel. Wir haben den Kinderwagen, zwei Koffer, das Laufrad und eine Kühlbox eingeladen, und ich musste nicht einmal Tetris spielen. Die Rückbank ist verschiebbar. Beinfreiheit? S-Klasse-Niveau. Wenn hier jemand meckert, liegt es nicht am Platz, sondern an der Pubertät.
Fahrbericht: Schweben statt Rasen
Wir starten den 2.0 TDI (193 PS). Er ist leise. Deutlich leiser als im Vorgänger. Skoda hat bei der Dämmung nachgelegt. Akustikverglasung ist an Bord.
Szenario Autobahn: Wir gleiten mit 160 km/h dahin. Das neue Fahrwerk DCC Plus (Dynamic Chassis Control mit zwei Ventilen pro Dämpfer) ist ein Traum. Im „Comfort“-Modus schwingt der Kodiaq sanft nach, bügelt jede Bodenwelle weg. Er ist kein Sportler, er will auch keiner sein. Er ist eine Sänfte. Der Diesel drückt mit 400 Nm souverän. Er hat Kraftreserven für den Überholvorgang am Berg, auch voll beladen. Der Verbrauch: Skoda hat an der Aerodynamik gefeilt.
- Vollbeladen, Tempomat 140 km/h: 7,2 Liter.
- Landstraße: 6,1 Liter. Mit dem 60-Liter-Tank kommt man locker 800 bis 900 Kilometer weit. Das ist der Grund, warum Familien den Diesel lieben.
Szenario Stadt: Hier merkt man das Gewicht (ca. 1,8 Tonnen) und die Größe. Das 7-Gang-DSG sortiert die Gänge meist sauber, hat aber beim schnellen Anfahren immer noch eine kleine Gedenksekunde. Es ist besser geworden, aber nicht perfekt. Wer sportlich fahren will, sitzt im falschen Auto. Der Kodiaq entschleunigt.
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Skoda Kodiaq 2.0 TDI 4×4 (2026) | Alex Wind Kommentar |
Motor | 2.0 TDI (EA288 evo) | Der bewährte Dauerläufer. |
Leistung | 142 kW (193 PS) / 400 Nm | Die stärkste Diesel-Option. |
0-100 km/h | 7,8 Sekunden | Fühlt sich entspannter an. |
Vmax | 220 km/h | Reicht völlig. |
Antrieb | Allrad (4×4) | Bringt Sicherheit im Winter & bei Nässe. |
Verbrauch (Test) | 6,9 l/100km | Mix-Wert. Sehr effizient für die Größe. |
Kofferraum | 910 – 2.105 Liter | Ein Laderaum-Monster. |
Anhängelast | 2.500 kg | Top! Zieht mehr als der Vorgänger. |
Preis (Basis) | ca. 49.500 € (für 193 PS) | Kein Schnäppchen mehr. |
Preis (Testwagen) | 64.800 € | Selection, Leder, Pano, alles drin. |
Konkurrenz-Check:
- VW Tayron: Der Nachfolger des Tiguan Allspace. Technisch identisch, aber oft etwas teurer und bedientechnisch „digitaler“ (weniger Knöpfe). Der Skoda ist das pragmatischere Auto.
- Hyundai Santa Fe: Sieht aus wie ein Land Rover Defender aus Lego. Kantig, riesig, futuristisch. Bietet oft mehr Ausstattung fürs Geld, säuft aber als Benziner/Hybrid deutlich mehr als der TDI.
- Mazda CX-80: Der Exot mit dem Reihensechszylinder-Diesel (!). Fährt sich mechanischer, edler, aber das Infotainment ist altbacken.
Pro & Contra
- ✅ Smart Dials: Die beste Bedienung im ganzen VW-Konzern.
- ✅ Platz: Unschlagbares Kofferraumvolumen.
- ✅ Fahrkomfort: Das DCC Plus Fahrwerk ist extrem komfortabel.
- ❌ Preis: Mit Ausstattung sind 65.000 € schnell erreicht.
- ❌ Größe: 4,76m sind in der Innenstadt manchmal lästig.
- ❌ Anfahrts-Ruckeln: DSG-typisch manchmal etwas unharmonisch.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Skoda Kodiaq (2026) ist das vielleicht vernünftigste Auto, das man aktuell kaufen kann. Er macht nichts spektakulär anders, aber er macht alles richtig. Er korrigiert die Fehler, die VW gemacht hat (Touch-Wahn), bietet mehr Platz als die Konkurrenz und fährt sich dank DCC Plus wie eine Oberklasse-Limousine. Ja, er ist teuer geworden. Aber er ersetzt problemlos einen Audi Q5 oder einen VW Passat. Wem empfehle ich ihn: Familien mit 2+ Kindern, Hundebesitzern und Wohnwagen-Campern. Der 193 PS TDI ist die perfekte Allzweckwaffe. Wem rate ich ab: Singles (zu groß), Sportfahrern (zu weich) und Pfennigfuchsern (greifen Sie lieber zum Vorgänger-Modell, das ist auch gut).
FAQ
1. Gibt es den Kodiaq auch als Plug-in-Hybrid (iV)? Ja, und der ist gut! Der neue Kodiaq iV hat eine riesige Batterie (25,7 kWh netto) und schafft echte 100 km elektrisch. Zudem kann er am Schnelllader (DC) mit 50 kW laden. Für Pendler eine echte Alternative zum Diesel. Nachteil: Es gibt ihn nicht als 7-Sitzer (Akku braucht Platz) und nur mit Frontantrieb.
2. Taugt die dritte Sitzreihe? Nur für Kinder. Der Kodiaq ist kein VW Bus. Wer hinten sitzt, sollte nicht größer als 1,60m sein. Zudem schrumpft der Kofferraum bei aufgestellten Sitzen auf Handgepäck-Niveau (340 Liter).
3. Kodiaq oder Superb Combi? Die ewige Frage. Der Superb fährt sich noch etwas satter, sparsamer und leiser (bessere Aerodynamik). Der Kodiaq bietet den bequemeren Einstieg und die bessere Übersicht. Platz haben beide im Überfluss. Es ist eine Frage des Geschmacks: Kombi oder SUV?


















