Es ist exakt jener emotionale Moment eingetreten, vor dem sich die treue, fast schon religiöse „Bulli“-Gemeinde seit Jahren gefürchtet hat. Der legendäre, über Jahrzehnte gereifte VW T6.1 ist endgültig Geschichte. Sein designierter Nachfolger rollt nun auf die Höfe der Händler, trägt voller Stolz ein VW-Logo an der Front, das so gewaltig ist wie ein Pizzateller – doch wenn man die schwere Motorhaube öffnet, riecht die Mechanik nicht nach der niedersächsischen Heimat in Hannover-Stöcken, sondern unverkennbar nach Köln-Niehl.
Machen wir uns absolut nichts vor: Der neue VW Transporter des Modelljahres 2026 ist im tiefsten Kern seiner DNA ein Ford Transit Custom. Die Konzern-Strategen in Wolfsburg preisen diesen radikalen Schritt als „Synergie“, während eingefleischte Marken-Fans von reinem „Verrat“ sprechen.
Doch als objektiver Automobil-Journalist muss ich die nostalgischen Emotionen an der Fahrertür abstreifen. Harte Handwerker, gestresste Kurierfahrer und kühle Flottenmanager bezahlen ihre Fuhrparks nicht mit Romantik, sondern mit harten Euro. Ich habe den neuen „Ford-Wagen“ im VW-Gewand intensiv auf der Langstrecke, im städtischen Lieferverkehr und auf der Landstraße getestet, um die ungeschminkte Wahrheit herauszufinden: Ist dieser pragmatische Klon am Ende des Tages vielleicht sogar das technisch bessere Nutzfahrzeug, auch wenn er seine historische Wolfsburger Seele verkauft hat?
Technische Daten & Spezifikationen
Kategorie | VW Transporter 2.0 TDI (150 PS) | VW E-Transporter (Elektro) |
Motor & Antrieb | 2.0L 4-Zylinder Turbodiesel (Ford), Frontantrieb | E-Motor an der Hinterachse (RWD) |
Leistung / Getriebe | 150 PS / 8-Gang-Wandlerautomatik | 285 PS / 1-Gang-Direktantrieb |
Batterie / Reichweite | — / ca. 1.000 km (Diesel-Tank) | 64 kWh (Netto) / ca. 330 km (WLTP) |
0-100 km/h / Vmax | ca. 11,5 s / 175 km/h | ca. 9,0 s / 130 km/h (abgeregelt) |
Testverbrauch (Mix) | ca. 7,5 bis 8,0 l/100 km | ca. 22,5 kWh/100 km |
Anhängelast (gebremst) | Bis zu 2.800 kg (Benchmark!) | Bis zu 2.300 kg |
Nutzlast (Kasten) | Bis zu 1.300 kg | ca. 1.000 kg |
Fahrzeuglänge / Breite | 5.050 mm / 2.275 mm (inkl. Spiegel – Baustellen-Falle!) | |
Basispreis (Netto) | ab ca. 44.000 € | ab ca. 50.000 € |
Unterhalt, Steuern und die „Bulli-Steuer“ (TCO)
In der Total Cost of Ownership (TCO) offenbart die neue deutsch-amerikanische Kooperation ein massives Spannungsfeld für Flottenmanager. Da der neue Transporter das absolute Spiegelbild des Ford Transit Custom ist, wirft die Preisliste drängende Fragen auf: Ein VW Transporter Kastenwagen startet netto bei rund 44.000 Euro, während das exakt baugleiche Ford-Pendant beim Händler nebenan oft 2.000 bis 4.000 Euro günstiger angeboten wird – von den traditionell aggressiveren Gewerbe-Rabatten der Kölner ganz zu schweigen.
Für Dienstwagenfahrer entscheidet der gewählte Antriebsstrang über den Gehaltszettel. Der bewährte Diesel wird gnadenlos mit der 1,0%-Regelung versteuert. Wer den neuen, 232 PS starken Plug-in-Hybrid (PHEV) wählt, halbiert die Last auf 0,5%, und der reine E-Transporter profitiert von der extrem lukrativen 0,25%-Förderung.
Die rational völlig absurde „Bulli-Steuer“ (der Kaufpreis-Aufschlag für das VW-Logo) kann sich wirtschaftlich am Ende der Laufzeit dennoch rechnen. Der Wiederverkaufswert (Restwert) eines gebrauchten Fahrzeugs mit VW-Emblem ist auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt traditionell messbar höher als der eines Ford-Derivats. Flottenmanager, die auf das Leasing-Ende schielen, könnten diesen Aufpreis beim Verkauf in vier bis fünf Jahren faktisch vollständig wieder hereinholen.
Design, Abmessungen & die Baustellen-Sperre
Optisch haben die Wolfsburger Designer alles Menschenmögliche unternommen, um den Kölner Spender unter einer dicken Schicht Marken-Identität zu verstecken. Die Frontpartie mit dem horizontal gegliederten Kühlergrill und den klaren LED-Scheinwerfern fügt sich nahtlos in die aktuelle VW-Nutzfahrzeug-Familie ein. Die Flanke und das Heck offenbaren dem Kenner jedoch sofort die unverkennbaren, hochgezogenen Blechfalze des Transit Custom. Das Fahrzeug wirkt extrem robust, kastig und maximiert den inneren Laderaum konsequent auf Kosten aerodynamischer Spielereien.
Diese kompromisslose Ausrichtung auf Transport-Volumen fordert im Berufsverkehr jedoch einen gewaltigen Tribut. Mit voll ausgeklappten, massiven Außenspiegeln wuchtet sich der Transporter auf eine Breite von gigantischen 2.275 Millimetern. Das Urteil für Handwerker und Pendler ist hart und juristisch bindend: Die Nutzung der meist auf 2,1 Meter limitierten linken Überholspur in deutschen Autobahnbaustellen ist für Sie rechtlich und physikalisch absolut verboten! Sie müssen zwingend auf der rechten Spur zwischen den 40-Tonnern ausharren, andernfalls riskieren Sie den sofortigen Verlust Ihres Kaskoschutzes bei einer Feindberührung.
Innenraum: Haptik-Check, Platzgewinn und das Touch-Desaster
Wir entern die Fahrerkabine und erleben den absoluten automobilen Kulturschock. Das Cockpit versucht verzweifelt, klassisches VW-Flair zu versprühen. Sie greifen in ein originales, griffiges Volkswagen-Lenkrad und blicken auf ein 12-Zoll-Instrumentarium mit vertrauten, kantigen VW-Grafiken. Doch exakt einen Zentimeter daneben thront unübersehbar der gigantische 13-Zoll-Touchscreen von Ford (SYNC 4). Hier knirscht das Getriebe der Markenidentität ohrenbetäubend: Man fühlt VW, aber man bedient Ford.
Die Materialqualität ist auf den kompromisslosen Baustellen-Einsatz getrimmt. Überall dominiert kratzfestes, hartes Plastik, das sich am Freitagabend problemlos mit dem feuchten Lappen reinigen lässt. Wer jedoch die aufgeschäumten, edlen Armaturenbretter des alten T6.1 Multivan gewohnt war, wird angesichts dieser Hartplastik-Wüste bittere Tränen vergießen. Das absolute Ergonomie-Desaster lauert jedoch im Touchscreen: Ford und VW haben die genialen, blinden bedienbaren Drehräder für die Klimaanlage restlos eliminiert! Handwerker müssen nun mit schmutzigen Arbeitshandschuhen auf digitalen Slidern am unteren Bildschirmrand herumwischen, um die Heizung hochzudrehen. Das ist ein katastrophaler, unverzeihlicher Rückschritt für die Verkehrssicherheit.
Wo Schatten ist, ist beim neuen Packaging jedoch auch brillantes Licht. Da die klassische mechanische Handbremse in Rente geschickt wurde und der Wählhebel für das Automatikgetriebe nun Platz sparend an die Lenksäule gewandert ist, ist der Fußraum im Zentrum völlig frei. Kuriere können nun beim Paket-Ausliefern völlig mühelos von der Fahrerseite auf die sichere Beifahrerseite durchrutschen und aussteigen. Dieses Feature ist im hektischen Liefer-Alltag absolut unbezahlbar.
Antrieb, NVH und das Ende des Wolfsburger Diesels
Unter der kurzen Motorhaube pocht das Herz der Vernunft, auch wenn das Motor-Cover lügt. Auf der Plastikabdeckung prangt stolz der Schriftzug „TDI“, doch in Wahrheit nagelt hier ein bewährtes, robustes 2.0-Liter-EcoBlue-Derivat von Ford.
Die 150-PS-Version entpuppt sich als der absolute „Sweetspot“ für nahezu jedes Handwerksunternehmen. Der Motor läuft akustisch zwar spürbar rauer und präsenter als die alten Wolfsburger Selbstzünder, liefert aber ab der ersten Umdrehung eine bärenstarke, stoische Zugkraft. Gekoppelt an die seidenweich schaltende 8-Gang-Wandlerautomatik (zugeliefert von Aisin) wuchtet das System den beladenen Transporter souverän über jede Landstraße. Die NVH-Dämmung (Noise, Vibration, Harshness) zeigt bei Autobahntempo jedoch ihre Nutzfahrzeug-Gene. Ab 130 km/h fluten deutliche Windgeräusche an den massiven A-Säulen und den großen Spiegeln den Innenraum. Der Realverbrauch pendelt sich bei grundsoliden 7,5 bis 8,0 Litern Diesel ein – ein exzellenter Wert für eine fahrende Schrankwand.
Der reine E-Transporter (64 kWh Akku, Heckantrieb) ist die Alternative für die absolute Kurzstrecke in der städtischen Umweltzone. Mit rund 330 Kilometern WLTP-Reichweite taugt er nicht für den Außendienst, sichert sich aber durch den emissionsfreien Antrieb alle Einfahrtsrechte in gesperrte Innenstädte und beschleunigt mit seinen 285 Elektro-PS im unbeladenen Zustand geradezu aberwitzig rasant.
Platzangebot, Nutzlast und das Caravelle-Dilemma
Der Kastenwagen schluckt in der Basisversion mühelos bis zu 1,3 Tonnen Nutzlast, was ihn zum unangefochtenen Transport-König macht. Das eigentliche Kunden-Dilemma manifestiert sich jedoch im Modelljahr 2026 in der radikal gespaltenen PKW-Nomenklatur des Konzerns.
Der neue Transporter wird auch als neunsitzige „Caravelle“ für den Personentransport angeboten. Sie ersetzt den alten T6.1 Caravelle, aber absolut nicht den luxuriösen Multivan! Die Strategie ist glasklar, aber verwirrend: Wenn Sie elitären Luxus, verschiebbare Einzelsitze auf Schienen und geschmeidiges PKW-Feeling suchen, müssen Sie zwingend den VW Multivan (T7) auf Basis des Golf-Baukastens (MQB) kaufen. Wenn Sie hingegen am Flughafen billig neun Passagiere samt riesigem Sperrgepäck transportieren müssen oder die halbe Fußballmannschaft einladen, ist die riesige, rustikalere Caravelle (auf Ford-Basis) Ihr Fahrzeug. Wer in der neuen Caravelle das romantische „California-Feeling“ alter Tage sucht, wird enttäuscht – es ist ein gigantischer, funktionaler Bus, keine elitäre Lifestyle-Lounge.
Ähnlich absurd wird die konzerninterne Konkurrenz bei den Stromern. Warum sollte jemand den elektrischen Ford-Klon kaufen, wenn VW den stylischen, emotionalen ID. Buzz Cargo anbietet? Die harte, gewerbliche Antwort lautet: Wegen der brutalen Nutz- und Anhängelast. Der ID. Buzz ist ein wunderbarer Lifestyle-Laster für die hippe Bio-Bäckerei. Der E-Transporter hingegen ist ein kompromissloses Arbeitstier mit quadratischem, palettentauglichem Ladevolumen.
Anhängelast, Fahrwerk und die Schräglenker-Offenbarung
Lassen Sie uns fair sein und das größte Ingenieurs-Kompliment an die Entwickler in Köln aussprechen: Der Ford Transit Custom ist fahrerisch eine absolut herausragende Basis. Wer blind in diesem VW fährt, wird felsenfest behaupten, die Wolfsburger hätten das Fahrwerk in Perfektion neu abgestimmt.
Die Wahrheit ist: Die Konstruktion der neuen Schräglenker-Hinterachse (Einzelradaufhängung) – die die poltrige, springende Starrachse des alten T6.1 ersetzt – ist eine fahrerische Offenbarung. Selbst im völlig unbeladenen Zustand poltert und springt das Heck nicht mehr über Querfugen, sondern federt zielsicher und erstaunlich PKW-ähnlich ab. Die Lenkung ist für ein Nutzfahrzeug grandios direkt und präzise abgestimmt, was das Rangieren im engen Gewerbegebiet massiv erleichtert.
Wenn der Vorarbeiter den schweren Bagger-Anhänger ankoppeln muss, demoliert der Transporter die Konkurrenz. Je nach Motorisierung zieht der Diesel-Kastenwagen gigantische 2.800 Kilogramm (gebremst) vom Hof. Selbst der reine E-Transporter darf noch beachtliche 2.300 Kilogramm schleppen – ein absoluter Spitzenwert für Batterie-elektrische Nutzfahrzeuge.
Konkurrenz-Check
Die europäischen Lastesel im harten Baustellen-Duell:
Feature | VW Transporter (2026) | Ford Transit Custom | Mercedes-Benz Vito |
Plattform | Ford (Kooperation) | Ford (Original) | Mercedes (Heck/Allrad) |
Antrieb | Front, Allrad, Elektro | Front, Allrad, Elektro | Heck, Allrad, Elektro |
Fahrwerk | Sehr komfortabel | Sehr komfortabel | Klassisch, verbindlich |
Ergonomie | Touch-Zwang (Nervig) | Touch-Zwang (Nervig) | Teils echte Knöpfe! |
Anhängelast | Bis 2.800 kg | Bis 2.800 kg | Bis 2.500 kg |
Preis (Netto) | ab ca. 44.000 € | ab ca. 41.500 € (Tipp!) | ab ca. 45.000 € |
Analyse: Das Duell ist in Wahrheit ein konzerninterner Bruderkampf. Der Mercedes-Benz Vito verteidigt die schwäbische Ehre mit klassischem Heckantrieb, etwas besseren Materialien im Cockpit und dem Beibehalt rettender, physischer Knöpfe, wird jedoch in den Disziplinen Fahrwerkskomfort (im Leerzustand) und maximaler Anhängelast vom neuen Kölner/Wolfsburger-Duo geschlagen. Der absolute Preis-Leistungs-Sieger bleibt der Ford Transit Custom. Er bietet fahrerisch und technologisch exakt 100 Prozent desselben Fahrzeugs, verzichtet auf das VW-Logo und belohnt den Unternehmer beim Kauf mit einem massiven Preisvorteil von mehreren Tausend Euro.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Sensationelles Fahrwerk: Die neue Schräglenker-Hinterachse federt auch unbeladen erstaunlich sanft.
- ✅ Pro: Überragende Anhängelast von bis zu 2.800 kg beim Diesel (und sehr starke 2.300 kg beim Elektro).
- ✅ Pro: Genialer, völlig freier Durchstieg im Fußraum dank elektrischer Handbremse und Lenkrad-Wählhebel.
- ✅ Pro: Enorme Karosserie-Vielfalt vom reinen Handwerker-Kasten bis zur 9-sitzigen Shuttle-Caravelle.
- ❌ Contra: Katastrophale Ergonomie: Klimasteuerung erfolgt über mühsame Touch-Slider am 13-Zoll-Display.
- ❌ Contra: Der „VW-Aufschlag“: Die Wolfsburger verlangen für das exakt baugleiche Ford-Fahrzeug massiv mehr Geld.
- ❌ Contra: Mit fast 2,28 Metern Außenbreite (inkl. Spiegel) ist die linke Autobahn-Baustellenspur illegal.
- ❌ Contra: Harte Kunststoffe dominieren das Cockpit; vom edlen Flair des alten Multivan ist absolut nichts geblieben.
Alex Wind meint:
Der neue VW Transporter (2026) erzwingt in meinem Redakteurs-Kopf einen knallharten, emotionalen Spagat. Wenn man die romantische „Bulli-Brille“ endgültig abnimmt und das Blech objektiv betrachtet, lautet das unumstößliche Fazit: Dieser Kölner Klon ist das messbar bessere, komfortablere und sicherere Nutzfahrzeug als der heiliggesprochene, aber völlig veraltete T6.1.
Das Fahrwerk ist ein Segen für den Rücken jedes Paketboten, die Assistenzsysteme arbeiten auf modernstem PKW-Niveau, und die Zugkraft ist für Baustellen-Könige ein absoluter Traum. Aber – und das schmerzt – er ist dabei völlig beliebig geworden. Er ist ein pragmatisches Werkzeug, eine Transportkapsel ohne jegliche Wolfsburger Seele, die nur noch auf Profit und „Synergien“ getrimmt ist.
Mein glasklarer Ratschlag an jeden Flottenmanager und selbstständigen Handwerker: Holen Sie sich zwingend Leasing-Angebote von Ford UND VW ein. Wenn der VW-Händler bei der Rate zaubern kann (um die wertvollen Marktanteile zu halten), greifen Sie zum VW, denn der spätere Gebrauchtwagenkäufer zahlt für das runde Emblem auf dem Lenkrad blind fantastische Preise. Wenn der Preisvorteil jedoch beim Kölner liegt, unterschreiben Sie bei Ford. Es ist technisch exakt das identische Automobil. Stecken Sie die gesparten 4.000 Euro in eine bessere Werkzeug-Ausstattung für den Laderaum und kleben Sie sich Ihr eigenes Firmenlogo riesig auf die Flanke – das ist die ehrlichste und rentabelste Art, im Jahr 2026 „Bulli“ zu fahren.
















