Es ist der Moment, vor dem sich die „Bulli“-Gemeinde gefürchtet hat. Der legendäre T6.1 ist Geschichte. Sein Nachfolger rollt auf den Hof, trägt stolz das VW-Logo so groß wie ein Pizzateller, aber wenn man die Motorhaube öffnet, riecht es nach Köln-Niehl, nicht nach Hannover-Stöcken. Der neue VW Transporter des Modelljahres 2026 ist, machen wir uns nichts vor, ein Ford Transit Custom. VW nennt es „Synergie“. Fans nennen es „Verrat“. Aber als Nutzfahrzeug-Tester muss ich die Emotionen kurz ausschalten. Denn Handwerker, Kurierfahrer und Flottenmanager bezahlen nicht mit Nostalgie, sondern mit Euro. Ich habe den „Ford-Wagen“ getestet, um die harte Wahrheit herauszufinden: Ist er vielleicht sogar das bessere Auto, auch wenn er seine Seele verkauft hat?
Technik: Ford liefert, VW klebt das Logo drauf
Der neue Transporter teilt sich die Karosserie, die Motoren und das Chassis zu fast 100% mit dem Ford Transit Custom. Verfügbar sind Dieselmotoren (110 bis 170 PS), ein Plug-in-Hybrid (232 PS Systemleistung) und eine reine Elektroversion (E-Transporter). Die Nutzlast liegt bei bis zu 1,3 Tonnen.
Lassen Sie uns fair sein: Der Ford Transit Custom ist ein verdammt gutes Basisfahrzeug. Das Fahrwerk ist komfortabler als das des alten T6.1. Die Hinterachse (Schräglenker statt Starrachse beim Alten) poltert weniger, wenn der Laderaum leer ist. Die Lenkung ist präzise. Wer blind fährt, wird denken: „Wow, VW hat das Fahrwerk toll hinbekommen.“ Nein, haben sie nicht. Ford hat das gemacht. Der Diesel (TDI genannt, aber eigentlich ein EcoBlue-Derivat) ist rau, aber kräftig. Die 150-PS-Version mit der 8-Gang-Automatik ist der Sweetspot für jeden Handwerker. Er zieht, er schaltet weich, und er verbraucht real um die 7,5 bis 8 Liter. Das ist solide Arbeit.
Innenraum: Wolfsburger Design auf Kölner Hartplastik
Das Cockpit versucht, VW-Flair zu versprühen. Das digitale Instrumentarium (12 Zoll) hat VW-Grafiken, das Lenkrad ist ein typisches VW-Teil. Aber der 13-Zoll-Touchscreen und die Tastenanordnung schreien „Ford“.
Hier knirscht es im Getriebe der Markenidentität. Sie greifen an ein VW-Lenkrad, aber bedienen einen Ford-Touchscreen. Die Materialqualität? Robust. Hartplastik überall. Das ist in einem Transporter okay („kärcherbar“), aber wer den T6.1 Multivan gewohnt war, wird enttäuscht sein. Ein riesiger Vorteil gegenüber dem T6.1 ist jedoch der Platz: Da die Handbremse elektrisch ist und der Wählhebel am Lenkrad sitzt (bei Automatik), ist der Durchstieg von links nach rechts völlig frei. Endlich. Das ist im Lieferalltag Gold wert.
Das Caravelle-Dilemma: Shuttle oder Familienkutsche?
Den neuen Transporter gibt es auch als „Caravelle“ für den Personentransport (bis zu 9 Sitze). Er ersetzt den alten T6.1 Caravelle, aber nicht den Multivan (der auf MQB-Basis weiterläuft).
Das ist 2026 die große Verwirrung für Kunden.
- Wollen Sie Luxus, Einzelsitze auf Schienen und PKW-Feeling? Kaufen Sie den VW Multivan (T7).
- Wollen Sie 9 Leute billig zum Flughafen bringen oder eine Fußballmannschaft transportieren? Kaufen Sie die neue Caravelle (Ford-Basis). Die neue Caravelle ist riesig. Sie ist breiter und länger als der Vorgänger. Aber sie ist rustikaler. Es ist ein Bus, kein Lifestyle-Van. Wer hier „California-Feeling“ sucht, ist falsch.
Elektro & Hybrid: Die ID. Buzz Alternative?
Der „E-Transporter“ nutzt die Ford-Technik mit 64 kWh Akku und bis zu 285 PS (Heckantrieb). Reichweite: ca. 330 km.
Hier wird es absurd. VW hat den ID. Buzz Cargo. Ein stylisches, reines Elektroauto. Warum sollten Sie den E-Transporter kaufen? Antwort: Nutzlast und Anhängelast. Der ID. Buzz ist ein Lifestyle-Laster. Der E-Transporter (Ford) ist ein Arbeitstier. Er darf mehr ziehen (bis zu 2,3 Tonnen beim Diesel, beim E-Modell immerhin noch beachtlich) und er hat das quadratischere Ladevolumen. Wenn Sie Paletten schubsen, nehmen Sie den Transporter. Wenn Sie Werbung für Ihre Bio-Bäckerei machen, nehmen Sie den Buzz.
Preis-Check 2026: Der „VW-Aufschlag“
Ein VW Transporter Kastenwagen startet 2026 bei ca. 44.000 Euro (brutto). Ein vergleichbarer Ford Transit Custom kostet oft 2.000 bis 4.000 Euro weniger.
Das ist die 4.000-Euro-Frage: Ist das VW-Logo am Grill und das etwas schickere Lenkrad diesen Aufpreis wert? Rational: Nein. Der Ford Transit Custom „Trend“ oder „Limited“ bietet das gleiche Auto für weniger Geld. Und Ford-Händler geben oft aggressivere Rabatte an Gewerbetreibende. Emotional/Wirtschaftlich: Vielleicht. Der Wiederverkaufswert eines „VW Transporter“ ist in Deutschland traditionell höher als der eines Ford. Es könnte sein, dass Sie die 4.000 Euro beim Verkauf in 5 Jahren wieder reinholen, weil der Markt einfach geil auf das VW-Zeichen ist. Das ist die „Bulli-Steuer“, die auch beim Ford-Klon funktioniert.
Das Bulli-Chaos sortiert
Modell | Basis | Zweck | Status 2026 |
VW Transporter (Neu) | Ford Transit Custom | Lastesel / Handwerk | Neu auf dem Markt |
VW Caravelle (Neu) | Ford Transit Custom | Shuttle / Taxi | Neu auf dem Markt |
VW Multivan (T7) | VW MQB (Golf-Basis) | Familie / Luxus | Etabliert (aber teuer) |
VW ID. Buzz Cargo | VW MEB (Elektro) | Image / City-Logistik | Lifestyle-Laster |
Ford Transit Custom | Ford (Original) | Das Original | Preis-Leistungs-Sieger |
Fazit: Der Kopf sagt Ja, das Herz weint
Der VW Transporter (2026) ist objektiv betrachtet ein besseres Nutzfahrzeug als der alte T6.1. Er ist größer, fährt moderner und bietet bessere Assistenzsysteme (danke, Ford). Aber er ist beliebig geworden. Er ist ein Werkzeug, kein Kultobjekt mehr. Mein Rat an Handwerker: Holen Sie sich Angebote von Ford UND VW. Wenn der VW-Händler beim Leasingfaktor zaubert (um Marktanteile zu halten), nehmen Sie den VW wegen des Wiederverkaufs. Wenn nicht, fahren Sie Ford. Es ist dasselbe Auto. Kleben Sie sich für das gesparte Geld lieber Ihr Firmenlogo riesig auf die Seite.

















