Audi Q6 e-tron (2026) im Test: Besser spät als nie – Der Porsche-Bruder im Maßanzug

Lange war es still in Ingolstadt. Zu lange. Während BMW mit dem iX und Mercedes mit der EQ-Flotte den Markt flutete, kämpfte Audi mit Software-Problemen und Verzögerungen. Doch das Warten hat sich gelohnt. Der Audi Q6 e-tron ist da (seit 2024 auf dem Markt). Er steht auf der PPE-Plattform (Premium Platform Electric). Das ist die gleiche Technik, die unter dem neuen Porsche Macan steckt. Im Jahr 2026 ist der Q6 e-tron der wichtigste Pfeiler im Audi-Portfolio. Er positioniert sich genau zwischen dem „kleinen“ Q4 (MEB-Plattform) und dem großen Q8 e-tron. Ist er der „Goldilocks“-Audi – genau richtig? Oder nur ein weichgespülter Porsche zum Apothekenpreis? Ich habe den Ingolstädter Hoffnungsträger getestet.

Design: Vorsprung durch Licht?

Audi bleibt sich treu. Der Q6 e-tron sieht aus wie ein Audi. Keine Experimente wie bei BMW („Biber-Zähne“). Der Singleframe-Grill ist geschlossen und invertiert (Farbe innen, Rahmen schwarz). Die Proportionen sind klassisch SUV: Lange Haube, flaches Dach, muskulöse Schultern. Das Licht-Spiel: Audi ist stolz auf seine aktive digitale Lichtsignatur. Vorne und hinten können Sie im Menü aus bis zu 8 verschiedenen Tagfahrlicht-Designs wählen. Mehr noch: Die OLED-Rückleuchten können mit dem nachfolgenden Verkehr kommunizieren (z.B. Warndreiecke anzeigen, wenn eine Gefahr droht). Ist das Spielerei? Ja. Sieht es im Dunkeln verdammt cool aus? Absolut. Mit 4,77 Metern Länge ist er perfekt dimensioniert. Groß genug für Prestige, klein genug für deutsche Parkhäuser.

Innenraum: Die „Digitale Bühne“

Ich steige ein. Vergessen Sie den alten Audi-Innenraum mit den vielen Knöpfen. Vor mir erstreckt sich das „Digital Stage“. Ein gebogenes OLED-Display (11,9 Zoll Tacho + 14,5 Zoll Touch) dominiert das Cockpit. Daneben: Ein 10,9-Zoll-Display für den Beifahrer. Dank „Active Privacy Mode“ kann der Beifahrer Filme schauen, ohne dass der Fahrer abgelenkt wird (das Display wirkt für den Fahrer schwarz). Qualität: Hier zeigt Audi dem Tesla Model Y und auch dem Mercedes EQE, wo der Hammer hängt. Die Materialien (Softwrap im Cockpit, Stoffe, Leder) sind exzellent verarbeitet. Alles fasst sich satt an. Nichts knarzt. Platzangebot: Dank der PPE-Plattform gibt es keinen Mitteltunnel. Hinten sitzt man fürstlich. Viel Beinfreiheit, bequeme Bank. Der Kofferraum (526 Liter) ist gut nutzbar. Und endlich: Es gibt einen Frunk (64 Liter) unter der Haube für das Ladekabel!

Fahrbericht: Der Komfort-König mit 800 Volt

Wir starten. Quattro-Antrieb. 285 kW (387 PS). (Es gibt auch den SQ6 mit bis zu 517 PS, aber der „normale“ reicht völlig). 0-100 km/h in 5,9 Sekunden. Der Antritt ist souverän, aber nicht brachial. Audi hat die Kennlinie sanft abgestimmt. Fahrwerk: Hier unterscheidet er sich vom Bruder Porsche Macan. Während der Porsche „Attacke“ schreit, flüstert der Audi „Entspannung“. Die (optionale) Luftfederung bügelt alles weg. Querfugen, Schlaglöcher – der Q6 schwebt darüber. Es ist eines der komfortabelsten Autos, die ich je gefahren bin. Die Lenkung ist präzise, aber leicht und entkoppelt.

Das Technik-Highlight: 800 Volt Das ist der „Killer“ gegen die Konkurrenz. Dank 800-Volt-Architektur lädt der Q6 e-tron extrem schnell. Wir fahren an den Hypercharger. Akkustand 10%. Stecker rein. Peak: 270 kW. Die Ladekurve ist ein Plateau. Er hält die hohe Leistung lange. Von 10 auf 80 % in 21 Minuten. Das ist Benchmark. Man holt sich einen Kaffee, geht kurz austreten, und das Auto ist fertig. So wird E-Mobilität langstreckentauglich.

Verbrauch: Der Q6 ist kein Leichtgewicht (ca. 2,4 Tonnen).

  • Autobahn (130 km/h): 22,5 kWh/100km.
  • Stadt/Land: 18,5 kWh/100km. Mit der 100 kWh Batterie (94,9 kWh netto) sind auf der Autobahn echte 400-420 km drin. Im Mix über 500 km.

Software: E3 1.2 – Fluch oder Segen?

Das war das Sorgenkind. Im Jahr 2026 läuft die Android Automotive Software stabil. Das System ist schnell, die Sprachbedienung („Hey Audi“) nutzt ChatGPT-Integration und versteht natürliche Sprache. Der Routenplaner für Ladestopps (e-tron route planner) ist exzellent. Er berechnet auch, wie lange man laden muss und konditioniert den Akku vor. Ein Highlight: Das Augmented Reality Head-up Display. Pfeile werden virtuell auf die Straße projiziert. Man kann sich praktisch nicht mehr verfahren.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Audi Q6 e-tron quattro (2026)
Alex Wind Kommentar
Plattform
PPE (800 Volt)
Technik-Bruder des Porsche Macan.
Leistung
285 kW (387 PS)
Die goldene Mitte.
0-100 km/h
5,9 Sekunden
Schnell genug für jede Situation.
Batterie
100 kWh (Brutto) / 94,9 kWh (Netto)
Endlich ein richtig großer Akku.
Laden (DC)
max. 270 kW
Das beste Feature. 21 Min (10-80%).
Laden (AC)
11 kW (22 kW optional)
Standard.
Reichweite (Real)
~420 – 500 km
Echte Langstrecken-Maschine.
Kofferraum
526 – 1.529 Liter
+ Frunk (64 L). Sehr gut.
Preis (Basis)
ca. 74.700 €
Teuer. Mit Ausstattung schnell 90k.
Preis (Testwagen)
92.500 €
S-Line, Tech-Paket, Luftfederung.

Pro & Contra

  • Ladeleistung: 270 kW und 800V machen Ladepausen kurz.
  • Komfort: Luftfederung und Geräuschdämmung auf Luxusklasse-Niveau.
  • Qualität: Innenraum-Materialien sind top.
  • Licht: Matrix-LED und OLED-Rückleuchten sind das beste Licht am Markt.
  • Preis: Die Aufpreisliste ist lang und unverschämt (Audi-typisch).
  • Gewicht: 2,4 Tonnen merkt man in engen Kurven.
  • Bedienung: Viele Touch-Flächen am Lenkrad sind gewöhnungsbedürftig.

Konkurrenz-Check

  • Porsche Macan Electric: Der sportliche Zwilling. Fährt dynamischer, lenkt schärfer, ist aber innen etwas enger und noch teurer. Wer fahren will, nimmt Porsche. Wer gleiten will, nimmt Audi.
  • BMW iX3 (Neue Klasse): Der neue Gegner (ab Ende 2025/26). Wird technisch ähnlich stark sein (800V), aber im Design polarisieren.
  • Tesla Model Y Performance: Kostet fast die Hälfte (!). Hat mehr Platz, bessere App, aber fährt sich polteriger und ist innen zwei Klassen schlechter verarbeitet.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Audi Q6 e-tron (2026) ist das beste Elektroauto, das Audi je gebaut hat. Er lässt den Q4 e-tron (VW-Technik) alt aussehen und schlägt den großen Q8 e-tron (alte Verbrenner-Plattform) in Sachen Ladetechnik und Software um Längen. Er ist der „Sweet Spot“. Ja, er ist teuer. 90.000 Euro für einen gut ausgestatteten Mittelklasse-SUV sind heftig. Aber Sie bekommen dafür ein Auto, das keine Schwächen mehr hat. Es lädt rasend schnell (800V), es fährt extrem komfortabel und die Software funktioniert endlich. Wem empfehle ich ihn: Dienstwagen-Fahrern mit Budget, die viel Langstrecke fahren und Komfort suchen. Wem rate ich ab: Sportlichen Fahrern (dann lieber Macan) und Preis-Leistungs-Rechnern (dann lieber Tesla).

FAQ

1. Heckantrieb oder Quattro? Audi hat den Q6 e-tron performance (Heckantrieb) nachgeschoben. Er hat auch den großen 100 kWh Akku, aber „nur“ 326 PS. Er kommt weiter (über 600 km WLTP) und ist günstiger. Wenn Sie nicht in den Alpen wohnen: Nehmen Sie den Hecktriebler! Er ist der Reichweiten-König.

2. Was ist der Unterschied zum Porsche Macan? Technisch sind sie zu 90% gleich (Motoren, Akku, Chassis). Porsche hat: Hinterachslenkung (optional), sportlicheres Fahrwerk, Performance-Software. Audi hat: Mehr Platz, komfortableres Fahrwerk, klassischeres Bedienkonzept.

3. Hat er „Plug & Charge“? Ja. An Ionity oder Aral pulse (und vielen anderen) einfach Stecker reinstecken. Das Auto identifiziert sich selbst und der Strom fließt. Keine Karte, keine App nötig.

Galerie


    ⚠️ Fehler im Artikel entdeckt?


    Helfen Sie uns kurz mit einem anonymen Hinweis:

    Spam-Schutz:

    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.