BMW 320d Touring (2026) im Test: Der Langstrecken-König vor der Elektro-Ära

BMW 320d Touring (2026) im Test: Der Langstrecken-König vor der Elektro-Ära
Foto: BMW Group

Mit dem zweiten Facelift (LCI II) schickt BMW den 320d Touring (G21) ins Modelljahr 2026: Der bewährte 2,0-Liter-Turbodiesel (B47) leistet dank 48V-Mildhybrid-Unterstützung 140 kW (190 PS) bei 400 Nm Drehmoment und bleibt mit der separat öffnenden Heckscheibe und 500 bis 1.510 Litern Ladevolumen der Inbegriff des bayerischen Business-Kombis.

Auf der freien Autobahn glänzt der Selbstzünder mit einem Testverbrauch von 5,1 l/100 km, was in Kombination mit dem 59-Liter-Tank eine Nonstop-Reichweite von über 1.150 km ermöglicht. Bei einem Einstiegspreis von 55.400 € markiert der G21 die vielleicht letzte Gelegenheit, pure Diesel-Perfektion vor dem Start der Neuen Klasse zu erwerben.

Technische Daten & Spezifikationen

Technische Kennzahl
BMW 320d Touring (G21 LCI II)
Mercedes C 220 d T-Modell
Audi A4 Avant 40 TDI
Motorleistung & Drehmoment
140 kW / 190 PS (400 Nm)
145 kW / 197 PS (440 Nm)
150 kW / 204 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit
233 km/h (0–100 in 7,2 s)
242 km/h (0–100 in 7,4 s)
236 km/h (0–100 in 7,1 s)
Normverbrauch (WLTP)
5,0 l/100 km (Diesel)
5,1 l/100 km (Diesel)
5,3 l/100 km (Diesel)
Kofferraumvolumen
500 bis 1.510 Liter
490 bis 1.510 Liter
495 bis 1.495 Liter
Einstiegspreis (Deutschland)
ab 55.400 €
ab 56.882 €
ab 54.100 €
BMW 320d Touring - Bild 1
Foto: BMW Group

Die Zukunft: Doppelstrategie und das Ende des Werks München

Die Frage, die derzeit an vielen Stammtischen diskutiert wird, ob BMW den klassischen 3er nun gänzlich einstellen wird, kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Die Verantwortlichen in München agieren mit der notwendigen Weitsicht, um ihre profitabelste und loyalste Kundschaft, insbesondere die Flottenbetreiber, nicht zu verprellen. BMW setzt daher auf eine sogenannte „Doppelstrategie“, was bedeutet, dass die aktuelle G20/G21-Baureihe noch über etliche Jahre hinweg parallel zur neuen elektrischen i3-Limousine produziert und vertrieben wird.

Dennoch zeichnet sich ein signifikanter Einschnitt ab: Das traditionsreiche Stammwerk in München wird ab Ende 2027 zu einer gänzlich „Verbrenner-freien“ Produktionsstätte umfunktioniert und sich fortan ausschließlich der Fertigung der elektrischen Modelle der Neuen Klasse widmen. Wer also in den kommenden Jahren einen klassischen 3er als Diesel oder Benziner bestellt, wird ein Fahrzeug erhalten, das aus Werken wie Dingolfing oder San Luis Potosí in Mexiko stammt. Dies verdeutlicht, wie der Verbrennungsmotor sowohl logistisch als auch technologisch sukzessive in den Hintergrund gedrängt wird.

Das Cockpit: Die letzte Bastion des heiligen iDrive-Controllers

Betrachtet man die Renderings und Vorserienmodelle des kommenden elektrischen i3, so fällt der Blick unweigerlich auf eine beinahe minimalistische Fläche, ergänzt durch das innovative „Panoramic Vision“-Display, das sich über die gesamte Windschutzscheibe erstreckt. Klassische Tachoanzeigen oder physische Knöpfe sucht man dort nahezu vergeblich.

Im aktuellen 3er der G20-Generation hingegen begegnet uns noch die vertraute Welt des Übergangs. Zwar dominiert auch hier inzwischen das ausladende „Curved Display“ mit dem Betriebssystem OS 8.5, welches bedauerlicherweise die physischen Klimatasten zugunsten von Touch-Eingaben geopfert hat, doch mein Blick fällt unweigerlich auf die Mittelkonsole: Dort residiert er noch immer, der für mich heilige Gral automobiler Ergonomie – der iDrive-Dreh-Drück-Steller! Dieses Bedienelement ermöglicht es mir, blind durch komplexe Menüs zu navigieren und Kartenausschnitte zu zoomen, selbst wenn ich mit 200 km/h über die Autobahn gleite, ohne dabei einen wackeligen Touchscreen präzise ansteuern zu müssen. Mit der Einführung der Neuen Klasse wird dieser Controller jedoch sein Ende finden, weshalb ich den aktuellen 3er als den allerletzten Rettungsanker für all jene betrachte, die das unverzichtbare haptische Feedback schätzen.

Die Verarbeitungsqualität im G20 erweist sich auch nach all diesen Produktionsjahren als absolut makellos. Ich finde hier weiche, unterschäumte Materialien vor, die Spaltmaße sind perfekt ausgeführt, und die fantastischen Sportsitze bieten auf langen Fahrten einen hervorragenden Komfort, der meinen Rücken spürbar entlastet. Obwohl das Platzangebot im Fond des Touring für großgewachsene Erwachsene nach wie vor keine überbordende Großzügigkeit bietet, schluckt der äußerst praktisch geschnittene 500-Liter-Kofferraum das gesamte Familiengepäck ohne jegliche Mühe.

BMW 320d Touring - Bild 3
Foto: BMW Group

Antrieb und Fahrwerk: Die ungebrochene Macht des Diesels

Wenden wir uns nun dem Herzstück des Fahrzeugs zu, dem Maschinenraum. Während der neue i3 mit seiner 800-Volt-Technologie und einer schier unglaublichen Ladeleistung von 400 kW beeindruckt, setzt mein 320d xDrive auf die bewährte und unkomplizierte Physik: Ein 60-Liter-Tank versorgt einen äußerst effizienten Vierzylinder-Dieselmotor, der zusätzlich von einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System beim Anfahren unterstützt wird.

Die praktische Konsequenz dieser Konfiguration ist für mich im Alltag unschlagbar: Ich steuere eine Tankstelle an und fülle den Tank in exakt drei Minuten mit ausreichend Energie für beeindruckende 1.000 Kilometer Reichweite. Dabei benötige ich weder eine spezielle Smartphone-App, noch muss ich mich mit einer launischen Ladekarte auseinandersetzen oder im strömenden Regen auf eine freie Ladesäule warten. Für mich stellt dies die denkbar unkomplizierteste Form des Reisens dar.

Das Fahrwerk des 3er G20 hat im Jahr 2026 einen Reifegrad erreicht, der bei einem sportlich orientierten Fahrer wahre Begeisterung hervorrufen kann. Die beeindruckende Bandbreite zwischen einem tiefenentspannten Gleiten im Comfort-Modus und einer messerscharfen, präzisen Agilität im Sport-Modus ist in dieser Fahrzeugklasse für mich bis heute unerreicht. Die ZF-Achtgang-Automatik schaltet dabei mit einer bemerkenswerten Telepathie; wo beispielsweise ein VW-Doppelkupplungsgetriebe beim Anfahren gelegentlich zögert oder ruckelt, wechselt der BMW die Gänge seidenweich und blitzschnell. Und selbst mit einem Leergewicht von über 1,7 Tonnen lenkt der Touring dank seiner heckbetonten Auslegung mit der Direktheit eines reinrassigen Sportwagens ein. Für mich verkörpert dies die unverfälschte Essenz dessen, wofür BMW in seiner Geschichte bekannt geworden ist.

BMW 320d Touring - Bild 5
Foto: BMW Group

Konkurrenz-Check: BMW 320d Touring gegen Audi A4 Avant und Mercedes C 220 d T-Modell

  • Mercedes-Benz C 220 d T-Modell: Der traditionelle Rivale aus Stuttgart präsentiert sich noch eine Nuance sänftenartiger im Fahrverhalten und überzeugt mit seinem großformatigen, vertikal ausgerichteten MBUX-Touchscreen, dessen Bedienung sich als äußerst flüssig erweist. Allerdings vermisse ich bei der C-Klasse die sportliche Präzision und Direktheit, die das BMW-Fahrwerk auszeichnet. Zudem empfinde ich den Vierzylinder-Diesel im Mercedes unter Volllast als hörbar rauer im Vergleich zum äußerst kultivierten Aggregat aus Bayern.
  • Audi A5 Avant 2.0 TDI: Ja, Sie haben richtig gelesen; der A4 firmiert bei Audi aufgrund der jüngsten Nomenklatur-Anpassung, die gerade Zahlen ausschließlich für Elektrofahrzeuge vorsieht, nun als A5. Dieses neue Modell besticht durch ein ästhetisch ansprechendes Karosserie-Design und eine bemerkenswert aufgeräumte Innenraumgestaltung. Der bei den Basismodellen vorhandene Frontantrieb führt jedoch dazu, dass er sich fahrerisch etwas weniger involvierend und tendenziell kopflastiger anfühlt als der hecklastig ausgelegte xDrive-Allradantrieb des 3ers.

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Das Fahrwerk, das ich als überragend empfinde, bietet eine nahezu perfekte Balance zwischen sportlicher Agilität und dem Komfort, den man auf langen Reisen schätzt.
  • ✅ Pro: Der physische iDrive-Controller stellt für mich nach wie vor das sicherste und intuitivste Bedienkonzept in der gesamten Automobilgeschichte dar.
  • ✅ Pro: Ich habe einen sensationell niedrigen Autobahn-Verbrauch von deutlich unter 6,5 Litern pro 100 Kilometer festgestellt, was eine beeindruckende Reichweite von 1.000 Kilometern ermöglicht.
  • ✅ Pro: Ich erwarte für diesen Diesel-Kombi eine sehr hohe Wertstabilität auf dem Gebrauchtwagenmarkt, was ihn zu einer klugen Investition macht.
  • ❌ Contra: Die Basispreise empfinde ich als sehr selbstbewusst kalkuliert, und die Aufpreislisten sind, wie bei BMW üblich, traditionell unverschämt teuer.
  • ❌ Contra: Der Wegfall der physischen Klima-Tasten zugunsten des Curved Displays erweist sich für mich im täglichen Gebrauch als störend.
  • ❌ Contra: Ich befürchte, dass das Image dieser Baureihe in naher Zukunft vom deutlich futuristischeren i3 überschattet werden wird.
BMW 320d Touring - Bild 7
Foto: BMW Group

Fazit von Alex Wind: Der BMW 320d Touring vor dem Elektro-Umbruch

Alex Wind zieht Bilanz: Um es ganz klar auszudrücken: Wer sich in dieser Phase noch für einen BMW 3er G20 entscheidet, erwirbt meiner Einschätzung nach das vielleicht ausgereifteste und fahrerisch perfekteste Verbrenner-Automobil, das die Münchner Ingenieure jemals konstruiert haben. Für mich repräsentiert dieses Fahrzeug einen mobilen Rückzugsort für all jene, die sich von der aktuellen gesellschaftlichen Elektro-Euphorie, den endlosen Debatten über Ladeleistungen und den radikalen Touch-Bedienkonzepten wie dem „Panoramic Vision“ schlichtweg überfordert fühlen.

Trotz des unaufhaltsam näher rückenden E-Booms wage ich die Prognose, dass dieser 320d Touring auf dem Gebrauchtwagenmarkt eine bemerkenswerte Wertstabilität aufweisen wird, da ich davon überzeugt bin, dass unzählige Fahrer diese ausgereifte und intuitiv bedienbare Technik bewahren möchten. Ich empfehle dieses Automobil insbesondere klassischen Außendienstmitarbeitern, regelmäßigen Autobahn-Pendlern und all jenen automobilen Traditionalisten. Wenn Sie die haptische Rückmeldung von Drehreglern schätzen, den charakteristischen Geruch von Diesel mögen und einfach in aller Ruhe 800 Kilometer am Stück zurücklegen möchten, dann sollten Sie jetzt zugreifen. Dieser 3er wird meiner festen Überzeugung nach als eine Legende in die Automobilgeschichte eingehen.

Abzuraten ist dieses Fahrzeug meiner Meinung nach allen Technologie-Vorreitern und sogenannten Early Adoptern. Denn wenn Sie im Herbst 2026 an einer Ampel direkt neben dem neuen BMW i3 halten, wird Ihr G20-3er sowohl optisch als auch konzeptionell schlagartig veraltet wirken. Wer die beeindruckende Ladeleistung von 400 kW und das minimalistische Cockpit der Zukunft erleben möchte, sollte sein Geld noch einige Monate zurückhalten.

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