Audi A5 Avant (2026) im Test: A4-Nachfolger mit MHEV plus im Langstrecken-Check

Audi A5 Avant (2026) im Test: A4-Nachfolger mit MHEV plus im Langstrecken-Check
Foto: Audi AG

Mit dem Modellwechsel vom bisherigen A4 auf den Audi A5 Avant (Generation B10) vollzieht die Ingolstädter Marke im Modelljahr 2026 eine tiefgreifende Neupositionierung ihres Mittelklasse-Kombis. Auf der neu entwickelten PPC-Plattform (Premium Platform Combustion) wächst das Modell auf 4,83 Meter Außenlänge und nähert sich bei Raumgefühl und Fahrwerksarchitektur der nächsthöheren Fahrzeugklasse an.

Das Herzstück unseres Langstreckentests bildet der 2.0 TDI mit 150 kW (204 PS) und 400 Nm Drehmoment, kombiniert mit dem neuen 48-Volt-MHEV-plus-System samt 18-kW-Triebstrang-Generator und Allradantrieb quattro. Auf der Autobahn und im gemischten Pendelverkehr prüfen wir den realen Verbrauch von rund 6,2 Litern Diesel, das Kofferraumvolumen von 476 Litern und die Ergonomie des gewölbten OLED-Panoramaschirms.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
Audi A5 Avant 2.0 TDI quattro (2026)
Motor & Antrieb
2.0L 4-Zyl.-Diesel + 48V MHEV plus (E-Motor), Allrad
Systemleistung
204 PS (150 kW) + 24 PS (18 kW) E-Boost / 400 Nm
Getriebe
7-Gang S tronic (Doppelkupplung, kein Handschalter mehr!)
0-100 km/h / Vmax
6,9 s / 242 km/h
Testverbrauch (Mix)
sparsame 6,2 l/100 km (Diesel)
Plattform
PPC (Premium Platform Combustion)
Kofferraumvolumen
476 bis 1.424 Liter
Fahrzeuglänge
4.829 mm (fast +7 cm zum alten A4)
Basispreis (Schätzung DE)
ab ca. 56.000 € (Testwagen: 78.500 €)
Audi A5 Avant - Bild 1
Foto: Audi AG

Design und Karosserie: Der Anzug sitzt, aber er spannt in der Garage

Wenn man frontal vor dem neuen A5 Avant steht, wirkt der alte A4 daneben plötzlich bieder wie ein langweiliger Buchhalter. Der Neue liegt extrem satt und breit auf der Straße. Die Kotflügel sind leicht ausgestellt (ein Zitat an den Ur-Quattro, sagt das Marketing-Handbuch), die Front ist aggressiv-flacher, die Motorhaube länger. Er sieht verdammt gut aus. Dynamisch, teuer, enorm präsent.

Aber diese Präsenz hat im Alltag ihren Preis. Der A5 ist auf 4,83 Meter Länge gewachsen. Das sind fast 7 Zentimeter mehr als früher. In meiner Münchner Standard-Duplex-Garage wird es nun schweißtreibend eng. Nicht nur die Länge, auch die Breite macht Sorgen. In der engen Autobahnbaustelle zuckt man unweigerlich zusammen: Mit Spiegeln misst der A5 satte 2,10 Meter. Das bedeutet Millimeterarbeit auf der linken Spur. Wo man früher im A4 locker durchzirkelte, fährt man im A5 mit zusammengekniffenen Pobacken.

Ein praktisches Design-Detail rettet jedoch die Laune: Die Türgriffe. Sie sind zwar aerodynamisch bündig ins Blech eingelassen, fahren aber elektrisch aus und bieten einen soliden Griff. Kein unergonomisches Fingernagel-Fummeln wie bei Tesla, sondern ein echtes „Anfassen“. Zur Technik: Es ist kein Facelift! Der A5 ist eine komplette Neuentwicklung auf der PPC-Plattform (Premium Platform Combustion) mit neuer E-Architektur. Er ist faktisch ein „kleiner A6“, kein „großer A4“.

Innenraum und Ergonomie: Digital Stage und der Kampf gegen Hartplastik

Ich steige ein und werde von der neuen „Digital Stage“ förmlich erschlagen. Ein massiv gebogenes OLED-Display zieht sich vom Lenkrad bis weit in die Mitte. Die Auflösung ist brillant, die Farben sind satt. Aber ergonomisch ist es eine spürbare Umstellung.

Audi hat auch hier – dem Zeitgeist folgend – fast alle physischen Tasten verbannt. Licht? Touch-Feld in der Tür. Klima? Touch im Display. Spiegel? Touch-Pad. Während der Fahrt blind die Temperatur zu ändern, ist reine Glückssache. Man muss zwingend hinschauen, und das lenkt bei 160 km/h massiv ab. Die haptischen Klick-Rückmeldungen der Bildschirme sind zwar nett gemeint, ersetzen aber keinen echten, blinden Drehregler.

Eine Warnung für die Optionsliste: Besonders unnötig ist der dritte Bildschirm für den Beifahrer. Dank einer speziellen Privacy-Folie sehe ich als Fahrer (aus Sicherheitsgründen) nur schwarz, während meine Frau nebenan Videos schaut. In der Realität starrt sie aber ohnehin lieber auf ihr eigenes Smartphone. Sparen Sie sich diese 1.200 Euro!

Der Knock-Test im Innenraum zeigt Licht und Schatten: Das Armaturenbrett ist mit einem weichen Stoff („Softwrap“) bezogen, der sich extrem wohnlich und edel anfühlt. Aber wenn die Hand unter die Gürtellinie wandert – an die Mittelkonsole oder die unteren Türfächer – klingt es beim Klopfen unangenehm hohl. Hier wurde sichtbar gespart, was nicht ganz zum drastisch gestiegenen Preisanspruch passt.

Dafür profitieren die Passagiere im Fond massiv vom Wachstum. Der Radstand ist um knapp 8 Zentimeter gewachsen. Endlich kann ich (1,85 m) hinter meinem eigenen Fahrersitz entspannen, ohne die Knie schmerzhaft in die Lehne zu bohren. Der A5 Avant ist zum echten Reiseauto für vier Erwachsene mutiert. Der Kofferraum ist mit 476 Litern allerdings eher Lifestyle-Kombi als Lastesel (ein Passat bietet massiv mehr).

Audi A5 Avant - Bild 3
Foto: Audi AG

Antrieb und Fahrdynamik: Der TDI ist tot? Lang lebe MHEV plus!

Wir drücken den Startknopf. Der bewährte 2.0 TDI (204 PS) erwacht. Aber Moment: Er schüttelt sich beim Anlassen nicht. Er startet seidenweich. Das brillante Geheimnis dahinter heißt MHEV plus. Audi verbaut einen starken Elektromotor (Triebwerksgenerator) direkt am Getriebe (der serienmäßigen 7-Gang S tronic) und nutzt eine leistungsstarke 48-Volt-Batterie. Das Ergebnis im Alltag ist verblüffend:

  • Szenario Stadtverkehr: Ich rolle an die rote Ampel. Der Motor geht extrem früh aus. Die Ampel wird grün, ich gehe aufs Gas. Der schwere Wagen rollt rein elektrisch und geräuschlos an! Erst bei ca. 15-20 km/h schaltet sich der Diesel unfassbar sanft dazu. Kein Ruckeln, kein Nageln beim Anfahren. Das ehemals berühmte „Turboloch“ und die berüchtigte Anfahrschwäche des DSG sind komplett weggebügelt. Das System füllt die Drehmoment-Lücke mit reinem Strom. Genial: Auch das Rangieren und Einparken erledigt der A5 oft rein elektrisch – das schont die Umwelt und die Ohren der Nachbarn.
  • Szenario Autobahn: Hier ist der A5 in seinem absoluten Element. Bei 160 km/h liegt er satter und unaufgeregter als der Vorgänger. Der längere Radstand bringt eine herrliche Ruhe ins Chassis. Die Geräuschdämmung agiert auf absolutem A6-Niveau. Der TDI drückt mit 400 Nm (plus den E-Boost) jederzeit souverän nach vorn. Es ist keine bissige Sportwagen-Explosion, sondern stetiger, kräftiger Schub.

Der Verbrauch: Audi verspricht auf dem Papier Wunderdinge. Ich habe nachgemessen. In der Stadt (dank E-Anfahren) brauchte er 5,8 Liter. Auf der Autobahn (flott, 160 km/h) lag er bei 6,9 Litern. Der Schnitt im harten Test: 6,2 Liter Diesel.

Der entscheidende Kauf-Tipp: Bestellen Sie unbedingt den optionalen 63-Liter-Tank (Serie ist deutlich kleiner!). Damit sind 1.000 Kilometer Reichweite am Stück absolut realistisch. Das ist das Killer-Feature gegen jeden aktuellen Elektro-Konkurrenten. Sie fahren morgens in Hamburg los und kommen entspannt in München an, ohne auch nur ein einziges Mal anhalten zu müssen.

Audi A5 Avant - Bild 5
Foto: Audi AG

Konkurrenz-Check

Feature
Audi A5 Avant 2.0 TDI (2026)
BMW 3er Touring (G21 LCI)
VW Passat Variant (B9)
Motor (Diesel)
2.0L + MHEV plus (204 PS)
2.0L Mild-Hybrid (190 PS)
2.0L TDI (193 PS)
Fahrwerk
Satt, leise, extrem komfortabel
Sportlicher, lenkt präziser ein
Weich (DCC Pro), ausgewogen
Bedienung
Fast nur Touch (OLED-Screen)
iDrive mit echtem Drehregler!
Touch & Slider (MIB4)
Kofferraum
476 Liter
500 Liter
690 Liter
Preis (Basis)
ca. 56.000 €
ca. 55.000 €
ca. 45.000 €

Analyse: Der BMW 3er Touring bleibt der fahraktivere Gegner. Er lenkt eine Spur präziser ein, und sein iDrive-System (inklusive echtem Drehregler!) ist blind während der Fahrt besser zu bedienen. Er wirkt im Innenraum mittlerweile aber etwas enger und älter als der brandneue Audi.

Der VW Passat Variant ist der absolute Vernunft-König. Er basiert technisch auf vielen ähnlichen Konzern-Komponenten, bietet aber unfassbar viel mehr Platz im Kofferraum und Fond und kostet ausstattungsbereinigt locker 10.000 bis 15.000 Euro weniger. Wer die vier Ringe fürs Ego nicht zwingend braucht, kauft den Passat.

Audi A5 Avant - Bild 7
Foto: Audi AG

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Neues MHEV-plus-System eliminiert die Diesel-Schwäche (Turboloch/Anfahren) absolut perfekt.
  • ✅ Pro: Überragender Reisekomfort: Extrem leise, satt und langstreckentauglich wie ein Oberklassewagen.
  • ✅ Pro: Mit dem 63-Liter-Tank sind 1.000 km Reichweite am Stück ein unschlagbares Argument.
  • ✅ Pro: Deutlich mehr Platz und Beinfreiheit im Fond durch gewachsenen Radstand.
  • ❌ Contra: Massiver Touch-Zwang im Innenraum lenkt während der Fahrt stark ab.
  • ❌ Contra: Fahrzeuggröße (fast 4,90 m) macht ihn in Tiefgaragen und engen Baustellen unhandlich.
  • ❌ Contra: Bei 80.000 Euro (Testwagen) darf man im Innenraum untenrum kein Hartplastik spüren.
  • ❌ Contra: Der Kofferraum ist für einen Mittelklasse-Kombi relativ bescheiden (476 Liter).

Fazit von Alex Wind: Der Audi A5 Avant 2.0 TDI im Härtetest

Der Audi A5 Avant (2026) ist zweifellos ein fahrerisch hervorragendes Auto, das aber an der Kasse und in der Garage unter einem kleinen Identitätsproblem leidet. Er will partout kein bodenständiger A4 mehr sein, er will mit aller Macht zur elitären Oberklasse gehören. Technisch gelingt ihm das bravourös: Der neue MHEV-Hybrid-Diesel ist ein akustisches und dynamisches Gedicht, das Fahrwerk ist ein absoluter Traum für Vielfahrer.

Aber er hat ein wenig die Bodenhaftung verloren – preislich und physisch. Für fast 80.000 Euro (wie bei unserem Testwagen) bekommt man hier einen wuchtigen Kombi, der in keine normale 70er-Jahre-Parklücke mehr passt, keinen wirklich großen Kofferraum bietet und innen an manchen Stellen unter der Gürtellinie schnödes Hartplastik zeigt.

Die redaktionelle Empfehlung: Der A5 Avant eignet sich hervorragend für Dienstwagenberechtigte und Vielfahrer mit Jahresfahrleistungen jenseits von 40.000 Kilometern, die maximalen Geräusch- und Abrollkomfort auf der Langstrecke schätzen. Weniger ratsam ist das Modell für kostenbewusste Privatkäufer mit großem Raumbedarf oder für reine Stadtfahrer. Ein VW Passat bietet bei spürbar günstigerem Tarif deutlich mehr Ladevolumen, während ein BMW 3er fahrdynamisch agiler einlenkt. Der A5 Avant bleibt jedoch ein souveräner Langstrecken-Gleiter für die Autobahn.

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