BMW X6 M60i (2026) im Test: Der letzte V8-Koloss

Man muss es so klar sagen: Er ist der Urvater aller SUV-Coupés. Ein Koloss, den bei seiner Premiere jeder Kritiker verteufelte – und den dann doch jeder Konkurrent von Stuttgart bis Ingolstadt hastig kopierte. Ende 2025 steht der BMW X6 der Baureihe G06 noch immer wie ein Fels in der Brandung. Er ist riesig. Er ist unfassbar breit. Und er ist herrlich unvernünftig.

Während in München bereits mit Hochdruck an der rein elektrischen „Neuen Klasse“ und dem kommenden iX6 gearbeitet wird, genießt der aktuelle X6 seinen Lebensabend in vollen Zügen. Für das Modelljahr 2026 gibt es keine Revolutionen mehr, nur noch feine Detailpflege. Adaptive Matrix-LED-Scheinwerfer sind nun serienmäßig an Bord, die Software (Operating System 8.5) läuft absolut stabil.

Die entscheidende Frage am Markt ist längst nicht mehr „Was ist neu?“, sondern „Wie lange gibt es ihn noch in dieser Form?“. Gerade das hier von uns gefahrene Topmodell, der X6 M60i mit seinem mild-hybridisierten V8-Biturbo, ist ein lautes Statement. Ein hochdrehender Mittelfinger an die reine Vernunft. Wir haben den V8-Koloss über unsere Teststrecken bewegt, um zu klären, ob dieser Antrieb noch immer die Krone im SUV-Segment verdient oder ob er ein sündhaft teures Relikt ist, das sich kaum noch jemand leisten kann.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
BMW X6 M60i xDrive (Modelljahr 2026)
Motor & Antrieb
4.4L V8-Biturbo (S68) + 48V Mild-Hybrid, Heckbetonter Allrad
Leistung / Drehmoment
530 PS (390 kW) / massive 750 Nm
Getriebe
8-Gang Steptronic Sport (Wandlerautomatik, ZF)
0-100 km/h / Vmax
4,3 s / 250 km/h (opt. 270 km/h)
Testverbrauch (Mix)
ca. 12,0 – 14,5 l/100 km (Super Plus)
Anhängelast (gebremst)
3.500 kg (Der absolute Benchmark)
Fahrzeugbreite (mit Spiegeln)
2.212 mm (Achtung Baustelle!)
Basispreis (Schätzung DE)
ab ca. 115.000 € (Testwagen kratzt an 135.000 €)
BMW X6 M60i - Bild 1

Unterhalt und Versicherung: Die Kosten des X6 V8 im DACH-Raum

Wer einen V8-Biturbo in der 120.000-Euro-Klasse ins Auge fasst, schaut für gewöhnlich nicht auf den letzten Cent an der Zapfsäule. Dennoch sollte man die massiven Folgekosten (TCO) kennen. In den Versicherungsklassen für Voll- und Teilkasko ist der X6 M60i extrem teuer eingestuft. Das hohe Diebstahlrisiko und die kostspieligen Karosserieteile fordern hier ihren Tribut. Auch die Kfz-Steuer langt dank des hohen CO2-Ausstoßes unbarmherzig zu. Die aufpreispflichtigen 22-Zoll-M-Leichtmetallräder sehen zwar spektakulär aus, doch ein frischer Satz Premium-Reifen verschlingt schnell über 1.500 Euro.

Es gibt allerdings ein gewichtiges finanzielles Argument für den V8: der zu erwartende Werterhalt. Während frühe Elektro-SUVs – und womöglich auch der kommende iX6 – in fünf Jahren wegen veralteter Batterietechnik massiv an Wert verlieren dürften, wird der S68-Achtzylinder auf dem Gebrauchtwagenmarkt extrem stabil bleiben. Er ist eine aussterbende Spezies. Ein sicherer Hafen für Petrolheads. Als Firmenwagen mit 1,0-%-Versteuerung ist er ein finanzielles Desaster, doch als privat gekauftes Liebhaberstück bietet er paradoxerweise eine beachtliche finanzielle Sicherheit.

Design, Abmessungen & Alltagstauglichkeit

Der X6 verbirgt seine Ambitionen nicht. Er will provozieren. Die Niere ist gewaltig und leuchtet bei Nacht dank „Iconic Glow“, während die abfallende Coupé-Dachlinie ihm die Statur eines muskulösen Türstehers im Smoking verleiht.

Diese einschüchternde Präsenz hat im deutschen Alltag allerdings ihren Preis. Ein Blick ins Datenblatt offenbart eine Breite von 2.212 Millimetern inklusive Außenspiegeln. Das bedeutet im Klartext: Die auf 2,1 Meter begrenzten linken Spuren in Autobahnbaustellen sind für den X6 gesetzlich tabu. Man muss sich mit dem 530-PS-Boliden zwingend rechts zwischen den Lkw einordnen. Wer das ignoriert, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern den kompletten Kaskoschutz bei einer Kollision. Auch in städtischen Parkhäusern aus den 80ern ragen die wuchtigen Flanken oft schmerzhaft weit aus den genormten Parkbuchten heraus. Ohne den brillanten „Parking Assistant Professional“, der auch selbstständig meterweit rückwärts aus engen Gassen manövriert, wäre man hier verloren.

BMW X6 M60i - Bild 2

Innenraum: Haptik-Check und Infotainment-Performance

Das Cockpit mit dem nahtlosen „Curved Display“ – 12,3 Zoll für die Instrumente plus 14,9 Zoll für den Touchscreen – ist uns seit dem großen Facelift vertraut. Im Modelljahr 2026 läuft darauf das weiterentwickelte Operating System 8.5 mit „QuickSelect“. BMW hat die Kritik der Anfangsjahre erhört: Die Klimaleiste ist nun permanent am unteren Bildschirmrand eingeblendet, das lästige Suchen in Untermenüs entfällt.

Ein Sieg für die Ergonomie: Während Konzerne wie VW oder Mercedes im Cockpit fast panisch alles auf teils unbedienbare Touch-Flächen umstellen, hält BMW eisern am physischen iDrive-Controller auf der Mittelkonsole fest. Das ist echte Premium-Ergonomie. Man kann bei 200 km/h auf der Autobahn völlig blind in die Navigationskarte zoomen oder Playlists wechseln, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Die Hand ruht dabei sicher auf dem Drehrücksteller.

Der Haptik-Check im Innenraum offenbart bayrische Perfektion. Das optionale BMW Individual Merino-Leder riecht teuer und fühlt sich streichelzart an. Die Carbon-Leisten sind echt, die Spaltmaße mikroskopisch klein. Schließt sich die schwere Tür per Soft-Close-Automatik, herrscht dank exzellenter Dämmung und Akustikverglasung absolute Stille. Zumindest, bis man den roten Startknopf drückt.

Antrieb und Fahrdynamik: Der S68-Motor ist eine Klasse für sich

Seien wir ehrlich: Rational braucht kein Mensch diesen Motor. Der bewährte Reihensechszylinder im X6 xDrive40i mit 381 PS ist ebenfalls ein fantastischer Antrieb, verbraucht drei Liter weniger und ist im Alltag mehr als ausreichend. Aber der V8 … der ist eine emotionale Naturgewalt.

Das Herzstück des M60i ist der neue 4,4-Liter-V8-Biturbo mit dem Motorcode S68, der nun auch eine 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik nutzt. Der kleine E-Motor, direkt im Getriebegehäuse untergebracht, leistet zwar nur 12 PS, eliminiert aber das kleinste Turboloch und sorgt für extrem geschmeidige Start-Stopp-Vorgänge. Wenn man das Gaspedal durchtritt, drückt der V8 nicht einfach nur. Er schiebt den 2,3-Tonnen-Koloss wie eine tektonische Platte nach vorn.

Und der Sound? Trotz des strengen Ottopartikelfilters (OPF) grollt der Achtzylinder tief, bassig und wunderbar böse. Das ist kein hysterisches Kreischen im AMG-Stil, sondern ein souveränes, wuchtiges Wummern. Auf der Autobahn ist der M60i der unangefochtene König. Er marschiert mit einer stoischen Gelassenheit bis 250 km/h (oder 270 km/h mit dem M Driver’s Package), die einem direkten Konkurrenten wie dem Porsche Cayenne S oft abgeht. Das serienmäßige M Sportdifferenzial und die mitlenkende Hinterachse kaschieren das massive Gewicht in schnellen Autobahnkurven auf eine fast schon unheimliche Weise. Der Verbrauch pendelt sich bei artgerechter Bewegung real bei 12 bis 14 Litern Super Plus ein.

BMW X6 M60i - Bild 3

Platzangebot für Familien und Freizeit

Der X6 wird selten als reines Familientaxi gekauft, er ist vielmehr ein luxuriöses Ego-Statement. Die kompromisslose Coupé-Form fordert im Heck ihren unvermeidlichen Tribut.

Während die Beinfreiheit im Fond dank des vom X5 übernommenen Radstands sehr üppig ausfällt, wird es über dem Scheitel eng. Personen über 1,85 Meter streifen unweigerlich mit dem Kopf am edlen Alcantara-Dachhimmel. Für die Urlaubsfahrt schluckt der Kofferraum ordentliche 580 Liter, erweiterbar auf 1.530 Liter. Die Ladekante ist SUV-typisch recht hoch und das Volumen leidet unter der schrägen Heckscheibe. Wer primär Kühlschränke oder Waschmaschinen transportieren will, muss zum praktischeren X5 greifen.

Anhängelast, Getriebe und Wintertauglichkeit

Wer ein großes SUV fährt, will oft auch schwere Lasten ziehen. Hier liefert der X6 M60i gnadenlos ab: Er darf brutale 3.500 Kilogramm (gebremst) an den Haken nehmen.

Das Geheimnis dieser Souveränität liegt nicht nur im V8, sondern in der famosen 8-Gang Steptronic Sport von ZF. Diese Wandlerautomatik ist schlicht das beste Getriebe auf dem Markt. Im Gegensatz zu Doppelkupplungsgetrieben, die an steilen Bootsrampen mit einem schweren Anhänger schnell überhitzen und ruckeln, meistert der ZF-Wandler das Anfahren völlig verschleißfrei und butterweich. Im Winter krallt sich das heckbetonte Allradsystem xDrive tief in den Schnee. Das Fahrzeug bleibt selbst bei widrigsten Bedingungen extrem spurtreu und kontrollierbar.

BMW X6 M60i - Bild 4

Konkurrenz-Check

Das Segment der Power-SUV-Coupés ist klein, aber extrem hart umkämpft.

Feature
BMW X6 M60i (2026)
Porsche Cayenne S Coupé
Mercedes-AMG GLE 53 Coupé
Motor
4.4L V8 Biturbo
4.0L V8 Biturbo
3.0L R6 Turbo + PHEV
Leistung
530 PS / 750 Nm
474 PS / 600 Nm
435 PS (System: 544 PS)
0-100 km/h
4,3 s
4,7 s
4,7 s
Bedienung
iDrive Controller (Top)
Touch-lastig
MBUX (Gut, teils Touch)
Fahrwerk
Souveräner Gleiter
Extremer Sportler
Straffer Allrounder
Preis (Basis)
ca. 115.000 €
ca. 120.000 €
ca. 112.000 €

Analyse: Das Porsche Cayenne S Coupé, das ja wieder einen V8 unter der Haube hat, fährt sich auf der Landstraße noch eine Spur zackiger und agiler, fordert von den Passagieren aber auch ein strafferes Fahrwerk. Bei der Bedienung im Innenraum mit seinen vielen Touchflächen unterliegt der Porsche dem BMW jedoch klar. Das Mercedes-AMG GLE 53 Hybrid Coupé lockt Steuersparer mit seiner Plug-in-Technik, kann bei der puren, wuchtigen Leistungsentfaltung und dem klassischen Klangbild aber nicht mit dem bayerischen 4,4-Liter-V8 mithalten.

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Der S68-V8-Biturbo ist ein Meisterstück: brutaler Schub, großartiger Sound.
  • ✅ Pro: Hervorragende Cockpit-Ergonomie dank des physischen iDrive-Controllers.
  • ✅ Pro: Exzellenter Langstreckenkomfort und erstklassige Geräuschdämmung.
  • ✅ Pro: Enorme Anhängelast von 3,5 Tonnen, perfekt gepaart mit der souveränen ZF-Automatik.
  • ❌ Contra: Hoher Realverbrauch von 12-14 Litern und enorme Unterhaltskosten.
  • ❌ Contra: Mit über 2,20 Metern Breite (inkl. Spiegel) sind linke Baustellenspuren tabu.
  • ❌ Contra: Eingeschränkte Kopffreiheit im Fond durch die Coupé-Dachlinie.

Alex Wind meint:

Der BMW X6 M60i des Jahrgangs 2026 ist kein Auto für die elektrifizierte Zukunft. Er ist ein massives, lautes und faszinierendes Denkmal für die Verbrenner-Gegenwart. Politisch inkorrekt, ausladend breit und gnadenlos durstig. Aber machen wir uns nichts vor: Er ist auch eines der am besten verarbeiteten und fahrdynamisch souveränsten Autos, die BMW je auf die Räder gestellt hat.

Viele Käufer stehen vor dem Dilemma: Auf den elektrischen Nachfolger iX6 auf Basis der „Neuen Klasse“ warten oder jetzt zuschlagen? Mein Rat ist eindeutig: Kaufen Sie ihn jetzt. Der X6 der Baureihe G06 ist extrem ausgereift. Er hat keine Software-Macken mehr, ist solide wie eine Burg und der S68-Motor markiert den Höhepunkt klassischer Verbrenner-Kunst. Eine erste Generation von Elektro-SUVs wird immer mit Kinderkrankheiten zu kämpfen haben. Wer das Budget hat und keine Lust auf Ladekabel-Salat an zugigen Raststätten verspürt, sollte sich genau diesen V8 sichern. In zehn Jahren werden wir uns mit leuchtenden Augen Geschichten über diesen Bad Boy im Maßanzug erzählen.

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