Erinnern Sie sich an 2020? Der Start des ID.3 war ein Desaster. Die Software stürzte ab, der Innenraum wirkte billig. Sechs Jahre später steht der elektrische Kompakte immer noch im Showroom – aber er hat sich verändert. Volkswagen hat poliert, geschliffen und verbessert. Ist der ID.3 im Jahr 2026 endlich der „e-Golf“, den wir immer haben wollten?
Man muss Volkswagen zugutehalten: Sie haben Leidensfähigkeit bewiesen. Statt den ID.3 aufzugeben, haben sie ihn konsequent weiterentwickelt. Wer heute in einen aktuellen ID.3 des Modelljahres 2026 steigt, erkennt das Auto von damals kaum wieder. Das Grundkonzept – außen so groß wie ein Golf, innen so groß wie ein Passat – war schon immer genial. Aber jetzt stimmt auch die Ausführung.
Doch die Welt hat sich weitergedreht. 2020 war der ID.3 fast allein. 2026 muss er sich gegen chinesische Preisbrecher wie den MG4, den Technik-König Tesla Model 3 und den stylischen Bruder Volvo EX30 behaupten. Reicht „solide“ heute noch aus, oder ist der Zug für den Wolfsburger abgefahren? Wir haben den ID.3 Pro S und den sportlichen GTX auf die Probe gestellt.
Innenraum: Die Plastik-Wüste ist begrünt
Der größte Kritikpunkt am Ur-ID.3 war das billige Hartplastik. VW hat reagiert. Im Jahr 2026 fassen sich die Türverkleidungen weich an, Kunstleder-Nähte ziehen sich über das Armaturenbrett, und die Sitze sind aus hochwertigen Recycling-Materialien. Es riecht nicht mehr nach Chemie, sondern nach Qualität.
Und ja, sie haben es getan: Die berüchtigten Touch-Slider unter dem Bildschirm für Lautstärke und Temperatur sind endlich beleuchtet. Man kann nachts die Heizung verstellen, ohne das Deckenlicht einzuschalten. Ein kleines Detail für die Menschheit, ein großer Schritt für VW-Fahrer. Das Infotainment läuft auf einem mittlerweile 12,9 Zoll großen Screen. Die Software-Generation 5.0 reagiert so schnell wie ein iPad. Die Sprachassistentin „IDA“ (mit ChatGPT-Anbindung) beantwortet Wissensfragen und steuert das Schiebedach. Es funktioniert einfach. Einziger Wermutstropfen: Das Fahrer-Display hinter dem Lenkrad ist immer noch winzig. VW will, dass Sie das (exzellente) Head-up-Display mit Augmented Reality kaufen, das Pfeile virtuell auf die Straße projiziert.
Fahren & Antrieb: Der Wendekreis-König
Was viele vergessen: Der ID.3 hat Heckantrieb (außer GTX). Das macht ihn in der Stadt zum König. Da vorne kein Motor im Weg ist, können die Verräder extrem weit einschlagen. Der Wendekreis von 10,2 Metern ist absurd klein. Sie wenden auf einer normalen Straße fast in einem Zug. Das macht im Stadtverkehr von Hamburg oder Berlin richtig Spaß.
Wir haben den ID.3 Pro S mit der großen 77-kWh-Batterie getestet. Die Reichweite ist 2026 absolut alltagstauglich. Im Sommer sind 450 bis 500 Kilometer real drin, im Winter dank serienmäßiger Wärmepumpe immer noch 350. Der Clou ist die Ladeplanung: Wenn Sie im Navi eine Ladesäule als Ziel eingeben, konditioniert das Auto den Akku vor. Er wird geheizt oder gekühlt, damit er bei Ankunft sofort mit der maximalen Leistung (jetzt bis zu 175 kW) lädt. Die „Coldgate“-Probleme früherer Jahre (langsames Laden im Winter) sind Geschichte. In 28 Minuten ist der Akku wieder zu 80 Prozent voll.
Wer es wilder mag, greift zum ID.3 GTX. Mit über 300 PS drückt er ordentlich in den Sitz, bleibt aber eher ein schneller Gleiter als ein echter Kurvenräuber wie ein Golf GTI. Das hohe Gewicht der Batterie lässt sich physikalisch nicht wegdiskutieren.
Konkurrenz-Check: Der Preis ist heiß
Das Problem des ID.3 ist nicht die Technik, es ist der Preis.
Feature | VW ID.3 Pro (58 kWh) | MG4 Electric Luxury | Volvo EX30 Single Ext. |
Länge | 4,26 m | 4,29 m | 4,23 m |
Antrieb | Heck | Heck | Heck |
Reichweite (WLTP) | ca. 430 km | ca. 450 km | ca. 475 km |
Innenraum | Luftig (Viel Platz) | Okay | Eng (Fond) |
Software | Stabil (Endlich) | Teils buggy | Google (Top) |
Preis (Real) | ca. 36.000 € | ca. 31.000 € | ca. 39.000 € |
Analyse: Der MG4 fährt fast genauso gut, kostet aber 5.000 Euro weniger. Der Volvo EX30 ist stylischer und schneller, aber hinten viel enger. Der Tesla Model 3 (Facelift) bietet mehr Auto fürs Geld, ist aber eine unpraktische Limousine mit kleinem Kofferraumdeckel.
Fazit: Der Vernunft-Kauf
Der VW ID.3 (2026) ist endlich der „elektrische Golf“. Er ist unaufgeregt, sicher, komfortabel und bietet für seine Außenmaße extrem viel Platz im Innenraum. Die Kinderkrankheiten sind kuriert.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie ein sicheres Familienauto für die Stadt und Pendelstrecken suchen. Der Platz auf der Rückbank ist deutlich besser als im Volvo EX30 oder Polestar 2.
- Sie Wert auf ein dichtes Werkstattnetz und gute Ersatzteilversorgung legen (der Vorteil gegenüber MG oder BYD).
Lassen Sie es, wenn:
- Sie jeden Euro umdrehen müssen. Der MG4 bietet 90% des Autos für deutlich weniger Geld.
- Sie „Premium-Feeling“ suchen. Dann greifen Sie lieber zum Volvo EX30 oder BMW iX1, auch wenn es dort enger zugeht.





















