Der chinesische Automobilkonzern Chery Automobile beginnt eine umfassende Vertriebsstrategie in Europa. Bis Ende 2028 plant das Unternehmen die Einführung von exakt sieben eigenständigen Submarken, darunter Omoda, Jaecoo und Exeed. Parallel dazu werden 21 neue SUV-Modelle auf den europäischen Markt gebracht. Diese Expansion zielt darauf ab, signifikante Marktanteile im hart umkämpften europäischen Automobilsektor zu gewinnen.
Strategie und Modellflut
Chery setzt auf eine breite Marken- und Modellpalette. Die sieben Submarken sollen unterschiedliche Kundensegmente ansprechen. Omoda positioniert sich mit Lifestyle-orientierten Fahrzeugen, während Jaecoo auf robuste SUV-Modelle abzielt. Exeed, als Premium-Marke, konkurriert direkt mit etablierten europäischen Herstellern. Die Einführung von 21 SUV-Modellen innerhalb von vier Jahren unterstreicht die aggressive Wachstumsstrategie. Dies bedeutet durchschnittlich über fünf neue Modelle pro Jahr.
Ein zentraler Pfeiler der Vertriebsstrategie ist der Aufbau physischer Händlerpartnerschaften in Deutschland. Chery distanziert sich bewusst von reinen Online-Vertriebsmodellen, die von einigen neuen Marktteilnehmern bevorzugt werden. Stattdessen setzt man auf ein traditionelles Händlernetz, um Kundennähe, Serviceleistungen und Probefahrten zu gewährleisten. Dies soll Vertrauen bei europäischen Käufern schaffen.
Auswirkungen auf den deutschen Markt
Die aggressive Preisgestaltung und die vielfältige Modellauswahl von Chery werden den deutschen Markt für Familien-SUV signifikant beeinflussen. Etablierte europäische Marken wie Volkswagen, Opel und Ford sehen sich einem neuen, ernstzunehmenden Wettbewerber gegenüber. Chery-Modelle könnten durch ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis punkten.
Die Markteinführung des Omoda 5, eines Kompakt-SUV, wird voraussichtlich den Anfang machen. Der Omoda 5 misst 4.400 mm in der Länge, 1.830 mm in der Breite und 1.588 mm in der Höhe. Sein Radstand beträgt 2.630 mm. Die Motorisierung umfasst einen 1.6-Liter-Turbobenziner mit 145 kW (197 PS) Leistung und 290 Nm Drehmoment. Eine rein elektrische Variante mit 150 kW (204 PS) und einer 61 kWh Batterie ist ebenfalls geplant, die eine WLTP-Reichweite von ca. 450 km ermöglichen soll.
Der Jaecoo J7, ein mittelgroßer SUV, wird ebenfalls erwartet. Mit einer Länge von 4.500 mm, einer Breite von 1.865 mm und einer Höhe von 1.680 mm positioniert er sich im Segment des VW Tiguan. Der J7 wird voraussichtlich mit einem 1.6-Liter-Turbomotor und optionalem Allradantrieb angeboten.
Vergleich: Chery Omoda 5 vs. etablierte Konkurrenz
| Merkmal | Chery Omoda 5 (geschätzt) | VW T-Roc (Basis) | Opel Mokka (Basis) |
| Länge (mm) | 4.400 | 4.236 | 4.151 |
| Breite (mm) | 1.830 | 1.819 | 1.791 |
| Höhe (mm) | 1.588 | 1.573 | 1.531 |
| Radstand (mm) | 2.630 | 2.590 | 2.557 |
| Kofferraum (L) | ca. 375 | 445 | 350 |
| Motorisierung | 1.6T (145 kW), EV (150 kW) | 1.0 TSI (81 kW) | 1.2 Turbo (74 kW) |
| Preis (EUR, Start) | ca. 25.000 – 30.000 | ab 27.085 (Stand Q2 2024) | ab 26.100 (Stand Q2 2024) |
Die genauen Preise für die Chery-Modelle in Deutschland sind noch nicht finalisiert, aber die Erwartungshaltung liegt deutlich unter den vergleichbaren europäischen Modellen. Dies könnte zu einem erheblichen Preisdruck im Segment führen.
Herausforderungen und Chancen
Chery steht vor der Herausforderung, Vertrauen bei europäischen Kunden aufzubauen. Die Qualität der Verarbeitung, die Langzeitstabilität und der Wiederverkaufswert werden entscheidende Faktoren sein. Ein umfassendes Service- und Ersatzteilnetz ist unerlässlich. Die Einhaltung europäischer Sicherheitsstandards und Emissionsvorschriften ist ebenfalls von höchster Priorität.
Die Chance für Chery liegt in der schnellen Besetzung von Nischen und der Bereitstellung von Fahrzeugen, die ein hohes Ausstattungsniveau zu einem wettbewerbsfähigen Preis bieten. Die Vielfalt der Modelle ermöglicht es, verschiedene Käufergruppen anzusprechen.
Alex Wind meint: Cherys Europa-Wette
Cherys Offensive ist ein direkter Angriff auf das Herz des europäischen Automobilmarktes. Sie ist nicht nur ambitioniert, sondern auch hochriskant. Sieben Marken und 21 SUV-Modelle bis 2028 sind eine logistische und vertriebliche Mammutaufgabe. Die Strategie, auf physische Händler zu setzen, ist klug. Sie schafft Vertrauen, wo reine Online-Modelle oft scheitern.
Der Erfolg hängt maßgeblich von der Produktqualität ab. Wenn Chery die europäischen Erwartungen an Materialanmutung, Fahrwerkabstimmung und Software-Stabilität erfüllt, wird der Preisvorteil massiv wirken. Die etablierten Hersteller müssen ihre Strategien überdenken. Preisanpassungen und schnellere Modellzyklen könnten die Folge sein. Für den Konsumenten bedeutet dies mehr Auswahl und potenziell günstigere Fahrzeuge. Chery wird den Markt aufmischen. Ob es eine Erfolgsgeschichte wird, entscheidet sich in den nächsten 24 Monaten.

