Citroën ë-C4 (2026) im Test: Die elektrische Zen-Kapsel für die Stadt

Die Welt der Elektroautos ist anstrengend geworden. Jeder neue Stromer aus China oder den USA will Sie mit aberwitzigen Beschleunigungswerten unter vier Sekunden in den Sitz pressen. Die Fahrwerke werden immer härter abgestimmt, um das immense Gewicht der Batterien in Kurven zu kaschieren. Autofahren wird zum Stresstest. Und dann steigen Sie in den frisch gelifteten Citroën ë-C4 (Modelljahr 2026). Er macht da nicht mit. Er weigert sich schlichtweg, sportlich zu sein. Mit seiner neuen 54-kWh-Batterie und dem 156-PS-Elektromotor ist dieser kompakte Franzose das absolute Gegengift zur hektischen Tesla-Welt. Ich habe den ë-C4 durch den Großstadtdschungel und über ländliche Flickenteppiche gesteuert, um Ihnen zu sagen: Wer nicht ständig auf der linken Spur der Autobahn wohnt, findet hier das wahrscheinlich entspannendste Kompaktauto des Jahres.

Das OLI-Facelift und die Kunst der Entschleunigung

Optisch hat der C4 mit dem aktuellen Facelift massiv gewonnen. Die Frontpartie wurde begradigt, trägt nun stolz das neue, ovale Retro-Logo (inspiriert vom OLI-Konzept) und die Lichtsignatur wirkt aufgeräumter. Er sieht jetzt weniger nach Raumschiff und mehr nach einem ernsthaften, erwachsenen Crossover-Hatchback aus.

Aber das eigentliche Highlight beginnt, sobald Sie losrollen. Elektroautos sind ohnehin leise, aber Citroën treibt die akustische Isolation auf die Spitze. Akustikglas und massig Dämmmaterial sperren die dröhnende Stadt aus. Dazu kommt das Herzstück der Marke: Die „Advanced Comfort“-Federung mit den hydraulischen Anschlägen. Fahren Sie in einer verkehrsberuhigten Zone über einen fiesen „Speed Bump“ (Temposchwelle) – wo ein VW ID.3 trocken poltert und Ihre Wirbelsäule staucht, wogt der ë-C4 einfach samtig darüber hinweg. Die Lenkung ist extrem leichtgängig und bietet fast null Rückmeldung von der Straße. Ist das schlimm? Nein. Für das Einparken vor dem Supermarkt und das entspannte Pendeln ins Büro ist es ein Traum.

Wohnzimmer-Flair und der 380-Liter-Kofferraum

Im Innenraum empfängt Sie die gleiche Philosophie. Die Sitze mit dem extradicken Spezialschaum sind eher Sessel als Autositze. Und Gott sei Dank hat Citroën beim Facelift nicht die Ergonomie ruiniert: Unter dem auf 10 Zoll gewachsenen, nun deutlich flüssigeren Touchscreen (inklusive kabellosem Apple CarPlay/Android Auto) finden sich weiterhin große, physische Drehregler für die Klimaanlage. Ein massiver Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz aus Wolfsburg!

Im Fond sitzt man auch als Erwachsener mit 1,85 Metern Körpergröße kommod, die Kopffreiheit ist besser als beim flacheren Bruder C4 X. Der Kofferraum schluckt klassenübliche 380 Liter. Das ist exakt Golf-Niveau. Wer den Kinderwagen, den Wocheneinkauf und den Hundespielplatz-Bedarf gleichzeitig transportieren will, stößt hier allerdings an Grenzen. (Kleiner Tipp: Wer 510 Liter Kofferraum braucht, sollte sich unseren Test zum Citroën C4 X ansehen).

Reichweite und die 100-kW-Grenze

Unter dem Blech arbeitet der modernisierte Antrieb von Stellantis: Die Batterie fasst nun 54 kWh (brutto), der E-Motor leistet 156 PS (115 kW). Im Stadtverkehr und auf der Landstraße ist dieser Antrieb fantastisch effizient. Ich kam im Test problemlos auf Werte um die 14,5 kWh pro 100 Kilometer. Das ergibt eine reale Alltagsreichweite von echten 340 bis 360 Kilometern (WLTP gibt über 415 km an). Für Pendler und den urbanen Raum in den Niederlanden oder Deutschland ist das mehr als üppig.

Der einzige wirkliche Wermutstropfen zeigt sich auf der Langstrecke. Die Ladeleistung an der Schnellladesäule (DC) ist auf maximal 100 kW begrenzt. Von 10 auf 80 Prozent dauert es knapp 30 Minuten. Das ist 2026 nicht mehr bahnbrechend. Konkurrenten wie der MG4 laden teils mit 140 kW spürbar schneller. Der ë-C4 zwingt Sie also auch bei der Kaffeepause zur Entschleunigung.

Technische Daten & Realitäts-Check

Kategorie
Citroën ë-C4 (Facelift 2026)
Plattform
e-CMP (Stellantis)
Motor & Antrieb
1 E-Motor vorne (FWD)
Systemleistung / Drehmoment
156 PS (115 kW) / 260 Nm
0-100 km/h / Vmax
9,2 s / 150 km/h (abgeregelt)
Akkukapazität (brutto / netto)
54 kWh / 50,8 kWh
Ladeleistung (DC)
max. 100 kW
Testverbrauch (Stadt/Land)
14,5 kWh/100 km
Kofferraumvolumen
380 Liter (bis 1.250 Liter)
Basispreis (Schätzung DE)
ab ca. 35.000 Euro

Konkurrenz-Check

  • VW ID.3 (Pro): Der ewige deutsche Rivale. Der VW bietet dank Heckantrieb einen sensationell kleinen Wendekreis, was in der Stadt toll ist. Er lädt schneller und bietet minimal mehr Platz im Fond. Allerdings ist das Fahrwerk des ID.3 spürbar straffer, die Sitze sind härter und die Bedienung (Touch-Slider) nervt im Alltag. Der Citroën ist das weichere, unkompliziertere Auto.
  • MG4 Electric (Standard/Luxury): Der Preisbrecher aus China. Er sieht aggressiver aus, fährt sich dynamischer (Heckantrieb) und ist deutlich günstiger als der Franzose. Aber: Der MG4 federt viel holpriger, die Fahrassistenzsysteme bevormunden den Fahrer oft durch aggressives Piepsen, und die Software ist fehleranfälliger. Wer absolute Ruhe sucht, muss zum Citroën greifen.

Pro & Contra

  • Pro: Sensationeller Federungskomfort dank hydraulischer Anschläge.
  • Pro: Hervorragende „Advanced Comfort“ Sitze – keine Rückenschmerzen.
  • Pro: Sehr leiser Innenraum und effizienter Stadt-Verbrauch (14,5 kWh).
  • Pro: Physische Drehregler für die Klimatisierung.
  • Contra: Ladeleistung (DC) mit max. 100 kW nur noch durchschnittlich.
  • Contra: Lenkung völlig gefühllos und indirekt.
  • Contra: Keine „One-Pedal-Driving“-Funktion bis zum völligen Stillstand.

Fazit: Alex Wind meint…

Klartext: Der Citroën ë-C4 des Modelljahres 2026 ist kein Auto für Rundenzeiten auf dem Nürburgring und auch kein Langstrecken-Bomber für Vertreter, die jeden Tag von München nach Hamburg rasen (dafür lädt er schlichtweg zu langsam). Aber er ist ein meisterhaftes Pendler-Auto. Er ist die perfekte, elektrische Zen-Kapsel für den urbanen Wahnsinn. Wenn Sie nach einem stressigen Arbeitstag in dieses Auto steigen, dämmt es den Lärm der Welt ab, massiert Ihren Rücken mit weichem Schaumstoff und gleitet über kaputte Straßen, als gäbe es keine Schlaglöcher.

Wem empfehle ich ihn: Stadtbewohnern, Pendlern, Pflege- und Lieferdiensten im urbanen Raum. Wer sein Auto zu Hause oder auf der Arbeit an der Wallbox lädt und einfach nur maximalen Komfort im Kompaktformat sucht, wird hier glücklich. Wem rate ich ab: Autobahn-Vielfahrern und sportlich orientierten Fahrern. Wer regelmäßig 600 Kilometer am Stück fährt, wird von der 100-kW-Ladeleistung genervt sein. Und wer Rückmeldung von der Straße sucht, greift besser zum Cupra Born oder MG4.

FAQ

Ist eine Wärmepumpe im ë-C4 serienmäßig? Ja, in den für Deutschland und die Niederlande wichtigen Märkten ist die hochmoderne Wärmepumpe bei der 54-kWh-Version serienmäßig an Bord. Das sorgt dafür, dass die Reichweite im Winter bei eingeschalteter Heizung nicht so dramatisch einbricht wie bei älteren Elektroautos ohne diese Technik.

Gibt es einen „Frunk“ (Kofferraum vorne) für die Ladekabel? Leider nein. Da der Citroën ë-C4 auf einer Mischplattform (e-CMP) basiert, die auch Verbrennungsmotoren aufnehmen muss, ist der Platz unter der vorderen Motorhaube mit Elektronik und dem E-Motor belegt. Das Ladekabel muss klassisch im Kofferraum (es gibt ein kleines Fach unter dem Ladeboden) verstaut werden.

Gibt es den normalen C4 auch noch als Benziner/Diesel? Ja! Wer noch nicht bereit für ein Elektroauto ist, bekommt den C4 (genau wie den C4 X) auch mit dem neuen, sehr empfehlenswerten „Hybrid 136 e-DCS6“ (Mild-Hybrid mit Steuerkette statt Zahnriemen). Der reine Diesel (BlueHDi) wird hingegen bei vielen kompakten Stellantis-Modellen nach und nach aus dem Programm genommen.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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