Der Dacia Sandero Stepway TCe ECO-G hat sich in Deutschland als feste Größe etabliert. Seine bivalente Antriebsstrategie, die den Betrieb mit Benzin und Flüssiggas (LPG) ermöglicht, verspricht niedrige Betriebskosten. Doch der Premium-Anspruch schützt nicht vor teuren Konstruktionsfehlern. Wir haben die dritte Generation des Sandero Stepway, insbesondere die ECO-G-Variante, genau unter die Lupe genommen. Unsere Analyse konzentriert sich auf die technischen Spezifikationen und die häufigsten Schwachstellen, die uns aus Werkstattberichten und der deutschen Fahrergemeinschaft, etwa von Motor-Talk, bekannt sind.
Technische Basis: Effizienz trifft Pragmatismus
Der Dacia Sandero Stepway TCe 100 ECO-G, der seit 2020/2021 auf dem Markt ist, setzt auf einen 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbomotor. Dieser Motor, intern als H4D F4 (für Modelle 01/21 – 06/22) bezeichnet, leistet 74 kW (101 PS) bei 4600-5000 U/min und liefert ein Drehmoment von 170 Nm bei 2000 U/min. Die Kraftübertragung erfolgt über ein 6-Gang-Schaltgetriebe an die Vorderräder.
Die bivalente Auslegung ist das Kernstück des ECO-G-Konzepts. Mit einem 50-Liter-Benzintank und einem 40-Liter-LPG-Tank (spätere Modelle auch 49,6 Liter) erreicht der Sandero Stepway eine beeindruckende kombinierte Reichweite von bis zu 900 km, bei neueren Modellen sogar bis zu 1480 km. Der WLTP-Verbrauch liegt bei 7,0-7,4 l/100 km im LPG-Betrieb und 5,4-5,8 l/100 km mit Benzin. Diese Werte unterstreichen die Wirtschaftlichkeit, die Dacia verspricht.
| Parameter | Wert/Beschreibung |
| Motorcode | H4D F4 (01/21 – 06/22) |
| Hubraum | 999 cm³ |
| Leistung (LPG) | 74 kW (101 PS) |
| Drehmoment | 170 Nm bei 2000 U/min |
| Getriebe | 6-Gang-Schaltgetriebe |
| LPG-Tank | 40 L (später 49,6 L) |
| Benzin-Tank | 50 L |
| Reichweite (komb.) | Bis zu 1480 km |
| Bodenfreiheit | 201 mm |
| Kofferraum | 328 L |
Bekannte Schwachstellen: Wo der Rotstift spürbar wird
Trotz der attraktiven Preisgestaltung und der hohen Zuverlässigkeit in der ADAC Pannenstatistik – der Sandero gehört zu den Gewinnern 2023 und 2024 – zeigen sich im Detail einige wiederkehrende Probleme.
LPG-System: Injektoren und Drucksensoren
Ein wiederkehrendes Ärgernis sind die LPG-Injektoren. Fahrer berichten von unruhigem Motorlauf im Gasbetrieb, Leistungsverlust oder aufleuchtenden Warnleuchten. Oft sind defekte oder verstopfte Injektoren die Ursache. Eine Reinigung kann Abhilfe schaffen, doch nicht selten ist ein Austausch notwendig. Auch Probleme mit dem Magnetventil am Gastank können den LPG-Betrieb verhindern, was sich durch eine blinkende Kontrollleuchte bemerkbar macht. Ausfälle des Drucksensors sind ebenfalls dokumentiert und führen dazu, dass der Gasbetrieb nicht aktiviert werden kann. Besonders im deutschen Winter, bei Temperaturen um 3 °C, kann der Motor im LPG-Modus kurzzeitig ruckeln, bevor sich das Problem nach wenigen hundert Metern von selbst behebt.
Getriebe: Geräusche und Kupplungsprobleme
Das 6-Gang-Schaltgetriebe des Sandero Stepway ist grundsätzlich robust. Bei Automatikversionen mit CVT-Getriebe wurden jedoch Ruckeln und verzögertes Schalten beobachtet. Der sogenannte „Gummibandeffekt“, bei dem die Beschleunigung nicht linear erfolgt, ist ein typisches Merkmal von CVT-Getrieben und kann als störend empfunden werden.
Ein gravierenderes Problem sind die Kupplungsprobleme, die beim Dacia Sandero generell häufig auftreten. Symptome wie schwergängiges Schalten, ein Rutschen der Kupplung oder ungewöhnliche Geräusche können bereits nach 60.000 bis 80.000 km auftreten. Besonders betroffen sind hier die 1.2-Liter-Motoren, aber auch die TCe-Varianten sind nicht gänzlich immun. Ein Kupplungswechsel kann, wenn nicht frühzeitig gehandelt wird, erhebliche Kosten verursachen.
Motor: Steuerkette, Ölverbrauch und Undichtigkeiten
Der TCe 90 Motor, der auch in anderen Dacia-Modellen zum Einsatz kommt, ist bekannt für eine vorzeitige Längung der Steuerkette. Dies kann im schlimmsten Fall zu kapitalen Motorschäden führen. Ein erhöhter Ölverbrauch, insbesondere bei älteren Modellen, ist ebenfalls ein bekanntes Phänomen. Motorruckeln im kalten Zustand und ungleichmäßige Beschleunigung bei warmem Motor wurden auch bei der dritten Generation des Sandero Stepway berichtet.
Die älteren 1.2-Liter-Benziner neigen zudem zu Undichtigkeiten an der Ventildeckeldichtung, was zu Ölverlust führt. Der Zahnriemenwechsel muss hier strikt nach Wartungsplan erfolgen, da ein Riss kostspielige Motorschäden nach sich zieht. Auch die Wasserpumpe kann vorzeitig ausfallen.
Elektrik und Fahrwerk: Kleine Ärgernisse
Elektrische Störungen sind ein wiederkehrendes Thema. Beschwerden über die Lichtmaschine, flackernde Armaturen oder den Ausfall der Beleuchtung im Kombiinstrument sind nicht selten. Auch die Zentralverriegelung kann sporadisch versagen, und der Wischermotor neigt zu vorzeitigem Ausfall. Oft sind minderwertige Kontakte und unzureichende Abdichtung gegen Feuchtigkeit die Ursache.
Das Fahrwerk zeigt ebenfalls Schwächen. Stoßdämpfer und Schraubenfedern verschleißen schneller als erwartet. Spurstangenköpfe und Querlenker-Gummilager zeigen oft bereits nach 50.000 km Verschleißerscheinungen, was zu ungleichmäßigem Reifenverschleiß und einer schlechteren Straßenlage führt. Eine regelmäßige Kontrolle der Radlager ist ratsam, da diese ebenfalls häufiger ausfallen können.
Betriebskosten und Wartung in Deutschland
Die Wartung des LPG-Systems ist ein wichtiger Kostenfaktor. Eine spezialisierte LPG-Wartung kostet in Deutschland rund 199 € (inkl. Material). Hinzu kommt die obligatorische GAP-Prüfung (Gasanlagenprüfung) ab 80 €. Reparaturen an LPG-Komponenten wie Reglern, Injektoren oder Sensoren können variieren und den Austausch von Neuteilen inklusive Kalibrierung umfassen.
Die jährlichen Gesamtkosten für den Dacia Sandero Stepway werden auf 650-1.200 € geschätzt. Ersatzteile sind aufgrund der Beliebtheit und des günstigen Preises des Modells gut verfügbar. Für einen umfassenden Überblick über die Alltagstauglichkeit und weitere Details empfehlen wir unseren dacia sandero Testbericht.
Fazit von Alex Wind
Der Dacia Sandero Stepway TCe ECO-G ist ein ehrliches Auto, das mit seinem bivalenten Antriebskonzept und niedrigen Anschaffungskosten punktet. Er ist ein Champion der ADAC Pannenstatistik, was seine grundlegende Zuverlässigkeit unterstreicht. Doch die aufgeführten Schwachstellen, insbesondere die LPG-Injektor-Probleme und die potenziellen Kupplungsschäden, sind nicht zu unterschätzen.
Mein Rat: Wer einen Sandero Stepway TCe ECO-G in Betracht zieht, sollte unbedingt ein Modell mit lückenloser Wartungshistorie wählen. Eine Probefahrt, die auch den LPG-Betrieb und das Schaltverhalten des Getriebes intensiv prüft, ist unerlässlich. Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche aus dem Motorraum oder dem Getriebe. Wenn Sie bereit sind, kleinere elektrische Ärgernisse und einen potenziellen Kupplungswechsel in Kauf zu nehmen, bietet der Sandero Stepway eine unschlagbare Wirtschaftlichkeit. Für den deutschen Markt ist die LPG-Variante attraktiv, aber die Verfügbarkeit von schnellen Ladesäulen wie EnBW, Ionity oder Aral Pulse ist für Elektrofahrzeuge mittlerweile so gut, dass man die Wirtschaftlichkeit genau gegenrechnen sollte. Kaufen Sie ihn jetzt, wenn Sie ein günstiges, sparsames Alltagsauto suchen und bereit sind, die bekannten Schwächen im Blick zu behalten. Warten Sie, wenn Sie absolute Sorgenfreiheit suchen. Vermeiden Sie ihn, wenn Sie keine Kompromisse bei der Langzeitqualität eingehen wollen.

