Honda Accord (2026) im Check: Der verbotene Traum

Es gibt Autos, deren Verlust man erst spürt, wenn man die Alternativen sieht. Der Honda Accord verschwand 2015 leise vom deutschen Markt, verdrängt von der Übermacht der SUVs und dem ewigen Platzhirsch VW Passat. Doch wer heute in die USA blickt, sieht das Modelljahr 2026 der 11. Generation – und muss als deutscher Autofahrer fast weinen.

Der neue Accord ist keine biedere Limousine mehr, sondern ein 4,97 Meter langer Gleiter mit einem der besten Hybrid-Antriebe der Welt. In den USA ist er ein Bestseller, gelobt für seine Unzerstörbarkeit und Effizienz. In Deutschland ist er ein Exot, den man nur noch auf Bildern sieht. Ist das Gras auf der anderen Seite des Atlantiks wirklich grüner? Wir werfen einen Blick auf das Auto, das eigentlich in jede deutsche Einfahrt gehören würde.

Das Herzstück: Ein Hybrid, der Spaß macht

Vergessen Sie alles, was Sie über zähe Toyota-Hybride der 2000er Jahre wissen. Honda geht mit dem e:HEV-Antrieb der vierten Generation einen ganz eigenen Weg. Das Prinzip ist genial einfach: Der 2,0-Liter-Benzinmotor dient die meiste Zeit nur als Kraftwerk, um Strom zu erzeugen. Den eigentlichen Vortrieb übernehmen zwei kräftige Elektromotoren.

Das Ergebnis ist verblüffend. Mit 207 PS Systemleistung und vor allem 335 Nm Drehmoment, die ab der ersten Sekunde anliegen, fährt sich der Accord in der Stadt wie ein reines Elektroauto. Er gleitet lautlos an, reagiert ansatzlos auf das Gaspedal und kennt keine Schaltpausen. Wer das nervöse Ruckeln eines modernen DSG-Getriebes im VW-Konzern gewohnt ist, wird diese geschmeidige Ruhe als Offenbarung empfinden. Und der Verbrauch? In US-Tests pendelt sich der fast fünf Meter lange Wagen bei 4,8 bis 5,2 Litern auf 100 Kilometer ein. Das sind Diesel-Werte – ohne Diesel-Nageln.

Innenraum: Google übernimmt das Steuer

Wer in einen alten Honda stieg, fühlte sich oft wie in einem Taschenrechner aus den 90ern. Das ist vorbei. Honda hat verstanden, dass Software heute so wichtig ist wie Pferdestärken. Im 2026er Accord arbeitet “Google Built-in”. Das bedeutet: Google Maps ist nicht nur eine App vom Handy, sondern fest ins Auto integriert. Die Sprachsteuerung versteht Befehle wie “Stell die Heizung auf 22 Grad” sofort und präzise.

Das Design folgt der neuen Linie, die wir schon vom aktuellen Civic kennen. Ein feines Wabengitter aus Metall zieht sich über das gesamte Armaturenbrett und versteckt elegant die Lüftungsdüsen. Die Drehregler für die Klimaanlage klicken so satt und wertig wie bei Audi in den besten Jahren. Es ist ein Cockpit, das nicht mit Effekten blendet, sondern durch logische Ergonomie überzeugt. Man setzt sich rein und findet sich blind zurecht.

Die Schattenseite: Warum er nicht nach Deutschland kommt

So faszinierend das Auto ist, Honda hat gute Gründe, Europa zu meiden. Das Problem ist schlicht die Physis. Der Accord ist auf gewaltige 4,97 Meter Länge gewachsen. Damit spielt er in einer Liga mit dem BMW 5er oder dem Tesla Model S.

Für amerikanische Highways ist das perfekt. Für deutsche Parkhäuser, die oft noch auf den Standard der 70er Jahre genormt sind, ist es ein Albtraum. Der Accord ist ein Cruiser, kein wendiger Kurvenräuber für die enge Innenstadt.

Dazu kommt das K.O.-Kriterium für den deutschen Markt: Es gibt ihn nur als Limousine. Der hierzulande vergötterte “Tourer” (Kombi) ist tot. Ein Kofferraum von 473 Litern ist zwar ordentlich für Koffer, aber wer einmal versucht hat, eine Waschmaschine oder einen großen Hund in eine Stufenheck-Limousine zu laden, kennt das Problem. Ohne große Heckklappe ist der Deutsche nicht glücklich.

Zuverlässigkeit: Der “Unzerstörbare”

Wenn es einen Grund gibt, dem Accord wirklich nachzutrauern, dann ist es die Qualität. Während deutsche Hersteller oft mit komplexer Abgasreinigung, anfälligen Turboladern oder Software-Abstürzen kämpfen, gilt für den Accord in US-Langzeitreports (wie von Consumer Reports): Er läuft einfach.

Der 2,0-Liter-Saugmotor im Hybrid-System ist technisch fast “unkaputtbar”. Er hat keinen Turbolader, der überhitzen kann. Er hat keinen klassischen Anlasser und keine Lichtmaschine mit Keilriemen, da diese Aufgaben von den E-Motoren übernommen werden. Weniger Teile bedeuten weniger Probleme. Wer ein Auto sucht, das er zehn Jahre lang nur zum Ölwechsel in die Werkstatt bringen muss, findet hier seinen Gral.

Konkurrenz-Check: Accord vs. Passat

Wie schlägt sich der US-Import gegen den deutschen Platzhirsch?

Feature
Honda Accord (US-Import)
VW Passat (B9)
Toyota Camry (EU-Import)
Länge
4,97 m
4,91 m
4,88 m
Antrieb
2.0 Hybrid (207 PS)
2.0 TDI / 1.5 eHybrid
2.5 Hybrid (218 PS)
Verbrauch (Real)
ca. 5,0 L/100km
ca. 5,5 L (Diesel)
ca. 5,3 L
Infotainment
Google (Top)
MIB4 (Verbessert)
Toyota Touch (Altbacken)
Status
Exot ohne Garantie
Platzhirsch
Taxi-Legende

Fazit: Ein schmerzhafter Verlust

Der Honda Accord (2026) ist vielleicht das beste Auto, das Sie in Deutschland nicht kaufen können. Er verbindet die Sparsamkeit eines Kleinwagens mit dem Komfort einer Oberklasse-Limousine und der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks.

Lohnt sich der Import? Seien wir ehrlich: Ein “Grey Import” aus den USA kostet Sie inklusive Zoll, Umrüstung und Fracht schnell 55.000 € bis 60.000 €. Dafür haben Sie ein Auto ohne offizielle Werksgarantie in Europa und warten bei einem Unfall wochenlang auf Karosserieteile. Das ist ein Abenteuer für Individualisten.

Die vernünftige Alternative: Weinen Sie nicht dem Accord nach, sondern gehen Sie zum Honda-Händler und fahren Sie den Civic e:HEV Probe. Er nutzt exakt die gleiche, geniale Hybrid-Technologie, ist aber kompakt genug für unsere Straßen und bietet als Fließheck fast so viel Nutzwert wie ein kleiner Kombi. Er ist der Accord, der in unsere Welt passt.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.