Honda e:Ny1 (2026) im Test: Das Auto mit dem unaussprechlichen Namen – Ein verkanntes Genie?

Beginnen wir mit dem Elefanten im Raum. Der Name. Honda e:Ny1. Spricht man es „Ernie“? „Anyone“? „E-En-Ypsilon-Eins“? Honda sagt „E-N-Y-One“. Das Marketing-Team, das diesen Zungenbrecher durchgewunken hat, sollte zur Strafe den Namen 100 Mal an die Tafel schreiben. Aber wir schreiben das Jahr 2026. Der e:Ny1 ist nun seit einiger Zeit auf dem Markt. Er ist der elektrische Bruder des HR-V und Hondas Versuch, im hart umkämpften B-SUV-Segment Fuß zu fassen. Er hatte einen schweren Start (hoher Preis, seltsamer Name). Aber mittlerweile wird er oft mit massiven Rabatten in den Markt gedrückt. Ist der „Ernie“ vielleicht der Geheimtipp für Schnäppchenjäger, die einfach nur einen soliden Honda wollen und auf Marketing-Sprech pfeifen? Ich habe den Japaner mit dem komplizierten Namen getestet.

Design: Der HR-V aus der Zukunft

Optisch ist der e:Ny1 ein HR-V ohne Kühlergrill. Er sieht glatt, sauber und unaufgeregt aus. Die hinteren Türgriffe sind „versteckt“ in der C-Säule (ein Honda-Klassiker), was ihm eine Coupé-Linie gibt. Er gewinnt keinen Designpreis für Extravaganz, aber er wirkt zeitlos. Das Nasen-Feature: Die Ladeklappe sitzt vorne mittig in der Nase. Das ist im Alltag genial und nervig zugleich.

  • Gut: Man fährt vorwärts an die Ladesäule (oder an den Bürgersteig) und das Kabel reicht immer. Kein Rangieren nötig.
  • Schlecht: Im Winter friert die Klappe bei Eisregen gerne mal fest, und nach einer Autobahnfahrt im Regen hat man beim Öffnen dreckige Finger. Der Parkhaus-Check: Mit 4,39 Metern Länge ist er kompakt. Die Übersichtlichkeit ist Honda-typisch gut, die Spiegel sind groß. Er ist ein stressfreies Auto. Man setzt sich rein und fährt los, ohne sich von den Dimensionen eingeschüchtert zu fühlen.

Innenraum: Ein riesiger Bildschirm und der Verlust der Magie

Ich steige ein. Der erste Blick fällt auf den 15,1-Zoll-Touchscreen im Hochformat. Er ist riesig. Er ist unterteilt in drei Zonen:

  1. Oben: Navi / Apple CarPlay.
  2. Mitte: Audio / Fahrzeugeinstellungen.
  3. Unten: Klimasteuerung (permanent eingeblendet). Das funktioniert überraschend gut. Obwohl es Touch ist, muss man nicht in Untermenüs wühlen, um die Temperatur zu ändern. Die Verarbeitung ist solide, aber nicht luxuriös. Es gibt unterschäumte Flächen, aber auch Hartplastik. Der große Schmerz: Honda war berühmt für die Magic Seats (hochklappbare Rücksitzbank wie im Kino). Der e:Ny1 hat sie nicht. Da die Batterie im Boden liegt, war kein Platz für die Mechanik. Das Platzangebot hinten ist trotzdem gut (viel Beinfreiheit), aber durch den hohen Boden (Akku) sitzen Erwachsene mit stark angewinkelten Beinen („Froschhaltung“). Der Kofferraum ist mit 344 bis 1.176 Litern eher unterdurchschnittlich. Ein Hyundai Kona oder MG ZS EV schluckt mehr.

Fahrbericht: Seidig weich, aber traktionsarm

Wir starten. 150 kW (204 PS) und 310 Nm. Der Motor treibt die Vorderräder an. Honda hat die Gaspedal-Kennlinie meisterhaft abgestimmt. Viele E-Autos mit Frontantrieb reißen beim Start am Lenkrad (Torque Steer) oder lassen die Räder durchdrehen. Der e:Ny1 nicht. Er fährt sanft an, fast wie ein Sechszylinder-Sauger. Er fühlt sich geschliffen an. Honda-Ingenieurskunst eben. Das Fahrwerk ist komfortabel. Er ist kein Sportler, er wankt in Kurven, aber er filtert schlechte Straßen souverän weg. Es ist ein Auto zum „Runterkommen“.

Das Problem in 2026: Die Konkurrenz ist weiter. Die Lenkung ist etwas gefühllos und bei Nässe kämpfen die Vorderräder trotz der guten Abstimmung doch manchmal um Grip, wenn man es eilig hat.

Verbrauch & Reichweite: Batterie: 68,8 kWh (Brutto) / ca. 62 kWh (Netto).

  • Stadt: 15,5 kWh/100km.
  • Autobahn (120 km/h): 21,5 kWh/100km. Realistische Reichweite: 300 bis 330 km. Das ist okay, aber nicht berauschend.

Laden (Der Dealbreaker?): Hier merkt man das Alter der Plattform. Maximal 78 kW (DC). Das ist im Jahr 2026, wo selbst Kleinwagen oft mit 100 kW+ laden, einfach zu langsam. Von 10 auf 80 % dauert es 45 Minuten. Auf der Langstrecke ist das zäh. Neben dir lädt ein Hyundai Ioniq 5 in 18 Minuten voll, du stehst und wartest. Für Heimlader egal, für Urlaubsfahrer ein Geduldsspiel.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Honda e:Ny1 (2026)
Alex Wind Kommentar
Motor
E-Motor vorne (150 kW / 204 PS)
Genug Power, sehr harmonisch abgestimmt.
0-100 km/h
7,6 Sekunden
Fühlt sich flott an.
Vmax
160 km/h
Standard.
Batterie
68,8 kWh (Brutto) / 61,9 kWh (Netto)
Solide Größe, aber hoher Verbrauch.
Ladeleistung
max. 78 kW (DC)
Die Achillesferse. Zu langsam für 2026.
Verbrauch (Test)
18,5 kWh/100km
Mix-Wert.
Reichweite (Real)
~310 km
Autobahn eher 250 km.
Kofferraum
344 – 1.176 Liter
Eher klein für die Klasse.
Preis (Liste)
ca. 45.000 €
Listenpreis ist Mondpreis.
Preis (Real)
ca. 34.000 €
Mit Rabatten oft sehr attraktiv!

Pro & Contra

  • Komfort: Fährt sehr leise und geschmeidig.
  • Bedienung: Großer Screen mit logischer Aufteilung (Klima fix).
  • Qualität: Wirkt solide zusammengeschraubt, nichts klappert.
  • Ladeport: Vorne in der Nase ist praktisch beim Vorwärtsparken.
  • Laden: 78 kW sind veraltet.
  • Name: Niemand kann ihn aussprechen oder merken.
  • Sitze: Keine „Magic Seats“ mehr.
  • Preis: Der Listenpreis ist viel zu hoch für die gebotene Technik.

Konkurrenz-Check

  • Hyundai Kona Elektro: Der Musterschüler. Lädt schneller, fährt weiter, hat bessere Software. In fast allem objektiv besser.
  • Volvo EX30: Kleiner, aber viel moderner, schneller und „cooler“.
  • BYD Atto 3: Bietet mehr Ausstattung fürs Geld und eine robustere Batterie (LFP), lädt aber auch nicht viel schneller.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Honda e:Ny1 (2026) ist ein gutes Auto mit einem schlechten Datenblatt. Wenn man nur auf die Zahlen schaut (78 kW Laden, Preis), fällt er durch. Aber wenn man ihn fährt, mag man ihn. Er ist komfortabel, unkompliziert und solide. Er ist das perfekte Auto für Menschen, die zu 95% zu Hause laden und selten Langstrecke fahren. Der entscheidende Faktor ist der Preis. Kaufen Sie ihn niemals zum Listenpreis. Aber wenn der Händler ihn Ihnen (wie aktuell oft üblich) mit 10.000 Euro Rabatt oder einer extrem günstigen Leasingrate anbietet, dann schlagen Sie zu. Für 35.000 Euro ist er ein toller, zuverlässiger Begleiter. Für 45.000 Euro gibt es Besseres.

Wem empfehle ich ihn: Honda-Fans, Heimladern und Schnäppchenjägern. Wem rate ich ab: Tech-Nerds und Außendienstlern, die am Schnelllader keine Zeit verlieren dürfen.

FAQ

1. Wie spricht man den Namen aus? Offiziell: „I-En-Wai-One“ (Englisch ausgesprochen). Inoffiziell sagen alle: „Ernie“ oder „Der elektrische HR-V“. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken.

2. Hat er einen Frunk (Kofferraum vorne)? Nein. Obwohl der Ladeport vorne ist, ist unter der Haube nur der Motor und Leistungselektronik. Die Kabel müssen in den Kofferraum (es gibt ein Fach unter dem Boden).

3. Ist er winterfest? Ja, Sitzheizung ist (je nach Ausstattung) an Bord, Lenkradheizung oft auch. Eine Wärmepumpe war zum Start nicht in allen Märkten Serie, prüfen Sie das im Angebot genau! Ohne Wärmepumpe steigt der Verbrauch im Winter deutlich.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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