Jaecoo 7 PHEV: Ein neuer Herausforderer im Kompakt-SUV-Segment

Jaecoo 7 PHEV: Ein neuer Herausforderer im Kompakt-SUV-Segment

Der deutsche Automarkt? Der ist im Umbruch. Alte Hierarchien bröckeln, neue Player drängen mit Macht auf die Bühne. Chery, einer der größten chinesischen Autobauer, schickt mit seiner Submarke Jaecoo nun ein weiteres Modell ins Rennen: den Jaecoo 7 PHEV. Dieser Plug-in-Hybrid-SUV tritt mit einem mutigen Design an, das Anleihen bei britischen Offroad-Ikonen nimmt. Und mit einem aggressiven Preis. Doch kann der Neuling, der ab 36.900 Euro startet, im hart umkämpften Segment der Kompakt-SUVs bestehen? Er muss hohe Erwartungen an Alltagstauglichkeit und Qualität erfüllen. Wir haben das Modell ausführlich unter die Lupe genommen.

Antrieb und Fahreindruck: Kraftvoll, aber mit Tücken

Unter der Haube des Jaecoo 7 PHEV arbeitet Cherys „Super Hybrid System“ (SHS). Das ist eine Kombination aus einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und einem Elektromotor. Die Systemleistung von 205 kW (279 PS) und ein Systemdrehmoment von 365 Nm klingen auf dem Papier vielversprechend. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in ordentlichen 8,5 Sekunden. Das ist für den 1,87 Tonnen schweren SUV mehr als ausreichend. Wir erlebten den Antritt, besonders aus dem Stand, als durchaus druckvoll. Das verdankt er dem Elektromotor.

Das Zusammenspiel zwischen Verbrenner und E-Maschine über das 1-Gang-Hybridgetriebe (DHT) ist überraschend harmonisch. Der Jaecoo 7 wechselt je nach Lastzustand fließend zwischen seriellem und parallelem Hybridmodus. Bei niedrigen Geschwindigkeiten agiert der Benziner oft als Generator. Ab etwa 60 km/h wird er direkt an die Antriebsachse gekoppelt. Ein Manko offenbarte sich jedoch bei nasser Fahrbahn: Die alleinige Frontantriebskonfiguration führt bei starker Beschleunigung schnell zu Traktionsproblemen. Die elektronischen Regelsysteme greifen dann recht grob ein, um Schlupf zu unterbinden. Ein Allradantrieb, der die Systemleistung besser auf die Straße bringen könnte, ist für die PHEV-Version derzeit nicht verfügbar.

Jaecoo 7 PHEV - Bild 1

Verbrauch in der Praxis: Die Realität jenseits des WLTP

Plug-in-Hybride leben von ihrer Effizienz im elektrischen und hybriden Betrieb. Die offiziellen WLTP-Angaben sind oft nur Laborwerte. Wir haben den Jaecoo 7 PHEV unter realen Bedingungen getestet, um ein klares Bild zu zeichnen.

ParameterOffizielle WLTP-Angabehh-autos.com Test (Sommer, 20°C)hh-autos.com Test (Winter, 2°C)
Elektrische Reichweite (rein EV)90 km78 km61 km
Kraftstoffverbrauch (Hybrid)2,4 L/100 km2,1 L/100 km (Akku voll)3,4 L/100 km (Akku voll)
Verbrauch (Batterie leer, Stadt)N/A5,4 L/100 km6,3 L/100 km
Verbrauch (Batterie leer, Autobahn 130 km/h)6,0 L/100 km7,2 L/100 km8,1 L/100 km
Elektrischer Verbrauch (EV)15,1 kWh/100 km18,9 kWh/100 km24,1 kWh/100 km

Die Diskrepanz zwischen Prospekt und Praxis zeigt sich besonders im Winter. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schrumpft die rein elektrische Reichweite der 18,3 kWh (brutto) Batterie auf knapp über 60 Kilometer. Das liegt an der fehlenden Effizienz des Heizungssystems, das bei Kälte viel Energie aus dem Akku zieht. Ist die Batterie leer, verwandelt sich der Jaecoo 7 in einen Benziner. Auf der Autobahn bei 130 km/h fließen dann zwischen 7,2 und 8,1 Liter Super durch die Einspritzdüsen. Angesichts des 60 Liter fassenden Kraftstofftanks ist das für lange Urlaubsreisen noch akzeptabel, aber nicht herausragend.

Ladeinfrastruktur: Die Achillesferse im Alltag

Die größte Enttäuschung des Jaecoo 7 PHEV ist die AC-Ladeleistung. Sie ist auf magere 6,6 kW begrenzt. Da der On-Board-Lader nur einphasig arbeitet, kann das Fahrzeug an vielen deutschen 11-kW- oder 22-kW-AC-Ladesäulen oft nur mit enttäuschenden 3,6 kW geladen werden (Stichwort: Schieflastverordnung). Eine vollständige Ladung dauert so quälend lange 5 Stunden. Wer gehofft hat, den Jaecoo während eines schnellen Einkaufs vollzuladen, wird enttäuscht.

Immerhin verfügt der Jaecoo 7 über einen DC-Schnellladeanschluss (CCS). Hier zieht der Chinese mit bis zu 40 kW Peak. Ein Ladevorgang von 30 % auf 80 % gelingt dadurch in respektablen 20 Minuten. Das rettet die Langstreckentauglichkeit ein Stück weit, sofern man bereit ist, für den PHEV teuren HPC-Strom zu bezahlen. Die LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit 18,3 kWh Bruttokapazität gilt als langlebig und unempfindlich gegenüber häufigem Laden auf 100 % SoC, reagiert aber empfindlicher auf niedrige Temperaturen.

Innenraum, Komfort und Ausstattung: Viel Auto fürs Geld

Mit 4.500 mm Länge, 1.865 mm Breite und 1.670 mm Höhe bewegt sich der Jaecoo 7 exakt im Revier des VW Tiguan. Der Radstand von 2.672 mm sorgt für ordentliche Platzverhältnisse im Passagierabteil. Auch Personen über 1,85 Meter genießen auf den hinteren Sitzen ausreichend Kniefreiheit. Die Kopffreiheit ist dank der kastenförmigen Karosserie hervorragend.

Weniger überzeugend ist das Kofferraumvolumen. Durch die Integration der Leistungselektronik und des Akkus unter dem Ladeboden schrumpft das Gepäckabteil auf bescheidene 340 Liter. Das ist für einen SUV dieser Größe extrem wenig. Erst durch das Umlegen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen entsteht ein flacher Laderaum mit bis zu 1.265 Litern Volumen. Die Anhängelast von 1.500 Kilogramm (gebremst) ist ein Pluspunkt. Damit taugt der Jaecoo 7 PHEV als Zugfahrzeug für kleinere Wohnwagen oder Pferdeanhänger.

Jaecoo 7 PHEV - Bild 3

Cockpit und Infotainment: Digitalisierung mit Nebenwirkungen

Im Innenraum dominiert eine futuristische Ästhetik. Fast alle physischen Tasten wurden zugunsten eines massiven, vertikal ausgerichteten 14,8-Zoll-Touchscreens verbannt. Das System, befeuert von einem schnellen Qualcomm Snapdragon 8155 Prozessor, reagiert extrem flüssig. Die Grafiken sind gestochen scharf.

Doch die totale Touch-Bedienung hat gravierende Nachteile im Alltag. Wer während der Fahrt die Temperatur der Klimaanlage oder die Sitzheizung anpassen möchte, muss den Blick zwangsläufig von der Straße abwenden und sich durch Untermenüs hangeln. (Gott sei Dank hat Skoda echte Tasten behalten.) Die Materialauswahl im Sichtbereich ist gut gelungen: weich unterschäumte Kunststoffe am Armaturenbrett, Kunstlederbezüge mit Kontrastnähte und schicke Applikationen vermitteln ein angenehmes Raumgefühl. In den unteren Zonen der Türen und der Mittelkonsole findet sich jedoch billiges, hartes Plastik. Die Geräuschdämmung ist im Stadtverkehr exzellent. Ab 120 km/h nehmen die Windgeräusche an den großen Außenspiegeln jedoch rapide zu.

Sicherheit und Assistenzsysteme: Fünf Sterne, aber aufdringlich

Der Jaecoo 7 PHEV erreicht im Euro NCAP Crashtest eine 5-Sterne-Bewertung. Das spricht für ein hohes Sicherheitsniveau. Er verfügt über Front- und Seitenairbags, Kopfairbags über die gesamte Länge des Innenraums sowie einen zentralen Airbag. Die Karosserie besteht aus hochfestem Stahl.

Die Liste der Assistenzsysteme ist umfangreich. Doch ihre Abstimmung ist gewöhnungsbedürftig. Viele Systeme, wie der Spurhalteassistent oder die Geschwindigkeitswarnung, greifen teils übervorsichtig ein. Sie sind mitunter aufdringlich akustisch präsent. Das Deaktivieren einiger dieser Funktionen ist vor jeder Fahrt notwendig. Das kann auf Dauer nerven.

Unterhaltskosten und Garantie: Ein Blick auf die Zahlen

Der Jaecoo 7 PHEV bietet ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Basisversion „Select“ startet bei 36.900 Euro, die Top-Ausstattung „Exclusive“ bei 39.900 Euro. Dies beinhaltet eine umfangreiche Serienausstattung, die bei europäischen Konkurrenten oft teuer extra bezahlt werden muss.

  • Kfz-Steuer (Deutschland): Für Plug-in-Hybride mit geringem CO2-Ausstoß ist die Kfz-Steuer in den ersten Jahren oft reduziert oder entfällt ganz, abhängig von der Erstzulassung. Für den Jaecoo 7 PHEV mit seinem geringen WLTP-Verbrauch von 2,4 l/100 km und 15,1 kWh/100 km ist die Steuerbelastung sehr gering, meist unter 50 Euro pro Jahr.
  • Versicherung (Typklassen): Die Typklassen für den Jaecoo 7 PHEV sind noch nicht final etabliert, da das Modell neu auf dem Markt ist. Wir erwarten jedoch, dass sie sich im mittleren Bereich für Kompakt-SUVs bewegen werden. Typklassen für Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko beeinflussen die jährlichen Prämien erheblich.
  • Garantie: Chery bietet eine großzügige Herstellergarantie von 7 Jahren oder 150.000 Kilometern auf das Fahrzeug. Dazu kommen 8 Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Komponenten des Elektroantriebs und die Batterie. Das unterstreicht das Vertrauen in die eigene Technik und bietet Käufern zusätzliche Sicherheit.
Jaecoo 7 PHEV - Bild 5

Stimmen aus der Praxis: Was Besitzer wirklich denken

Analysen deutscher Automobilforen (insbesondere Motor-Talk.de) zeigen ein gemischtes Bild des Jaecoo 7 PHEV.

Positive Rückmeldungen:

  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Viele Besitzer loben die umfangreiche Standardausstattung für den vergleichsweise niedrigen Preis.
  • Fahrkomfort: Der sanfte Übergang zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor sowie das ruhige Fahrverhalten im Elektromodus werden positiv hervorgehoben.
  • Raumangebot: Das großzügige Platzangebot im Innenraum, besonders auf den Rücksitzen, findet Anklang.
  • Garantie: Die lange Herstellergarantie wird als starkes Verkaufsargument wahrgenommen.
  • Kamera- und Parksysteme: Die Qualität der Rundumkameras und Einparkhilfen wird oft gelobt.

Häufige Kritikpunkte:

  • Ladeleistung (AC): Die langsame einphasige AC-Ladefähigkeit ist der am häufigsten genannte Kritikpunkt. Sie wird als großes Manko im deutschen Alltag empfunden.
  • Infotainment-Bedienung: Die rein touchbasierte Bedienung vieler Funktionen wird als ablenkend und unpraktisch während der Fahrt empfunden.
  • Assistenzsysteme: Die teils übergriffige und akustisch aufdringliche Abstimmung der Fahrassistenzsysteme führt zu Frustration.
  • Kofferraumvolumen: Der kleine Kofferraum wird als unzureichend für Familien oder größere Gepäckmengen empfunden.
  • Traktion: Der Frontantrieb in Kombination mit der hohen Systemleistung führt bei Nässe zu Traktionsproblemen.
  • Markenbekanntheit: Die noch geringe Bekanntheit der Marke Jaecoo in Deutschland ist ein Faktor, der bei einigen potenziellen Käufern Skepsis hervorruft.
Jaecoo 7 PHEV - Bild 7

Technische Daten im Überblick

MerkmalWert
Abmessungen
Länge4500 mm
Breite1865 mm
Höhe1670 mm
Radstand2672 mm
Gewichte
Leergewicht1870 kg
Zulässiges Gesamtgewicht2310 kg
Kofferraum & Tank
Kofferraum (min./max.)340 Liter / 1265 Liter
Tankvolumen60 Liter
Motor & Antrieb
Motor1.5 T-GDI (Benziner) + E-Motor
Leistung Benziner105 kW (143 PS)
Drehmoment Benziner215 Nm
Leistung E-Motor150 kW (204 PS)
Drehmoment E-Motor310 Nm
Systemleistung205 kW (279 PS)
Systemdrehmoment365 Nm
Getriebe1 DHT (Hybrid-Getriebe)
AntriebFrontantrieb (FWD)
Batterie & Laden
Batteriekapazität18,3 kWh (brutto)
AC-Ladeleistung (max.)6,6 kW (einphasig)
DC-Ladeleistung (max.)40 kW
Ladedauer AC (0-100%)ca. 5 Stunden (bei 3,6 kW) / 200 Min (6,6kW)
Ladedauer DC (30-80%)ca. 20 Minuten
Verbrauch & Reichweite
E-Reichweite (WLTP)90 km
Kraftstoffverbrauch (WLTP)2,4 L/100 km
Stromverbrauch (WLTP)15,1 kWh/100 km
Preise (Deutschland)
Basispreis (Select)ab 36.900 €
Top-Modell (Exclusive)39.900 €
Leasing (Beispiel)ab 298 €/Monat (variiert nach Konditionen)
Sicherheit
Euro NCAP Rating5 Sterne
Anhängelast (gebremst)1500 kg

Wettbewerbsumfeld: Wer sind die Rivalen?

Der Jaecoo 7 PHEV tritt in ein Segment ein, das von etablierten Modellen dominiert wird. Direkte Konkurrenten sind der VW Tiguan und der Ford Kuga, die ebenfalls als Plug-in-Hybride erhältlich sind. Auch andere chinesische Marken wie MG und BYD drängen mit ähnlichen Konzepten auf den Markt. Der Jaecoo 7 versucht, sich durch ein aggressives Preis-Leistungs-Verhältnis und eine umfangreiche Serienausstattung abzuheben. Während europäische Wettbewerber oft für vergleichbare Ausstattungen deutlich höhere Preise aufrufen, muss der Jaecoo 7 noch Vertrauen in puncto Langzeitqualität und Servicenetz aufbauen.

Fazit von Alex Wind

Der Jaecoo 7 PHEV präsentiert sich als optisch markanter und preislich attraktiver Newcomer im Kompakt-SUV-Segment. Für unter 37.000 Euro bietet der chinesische Hersteller eine Ausstattung, die bei etablierten europäischen Konkurrenten oft Tausende Euro extra kostet. Die großzügige Herstellergarantie von 7 Jahren oder 150.000 Kilometern unterstreicht das Vertrauen in die eigene Technik.

Doch der glänzende Auftritt bekommt durch das schwache AC-Ladesystem tiefe Risse. Die Limitierung auf einphasiges Laden mit maximal 6,6 kW ist für den deutschen Markt eine Fehlentscheidung. Wer keine eigene Wallbox besitzt und auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist, wird mit diesem Plug-in-Hybrid im Alltag keine Freude haben. Zudem trübt der kleine Kofferraum den Nutzwert für Familien spürbar, und die übergriffigen Assistenzsysteme können nerven.

Mein Fazit ist klar: Wer den Jaecoo 7 primär zu Hause über Nacht laden kann, ein markantes Design sucht und mit den Eigenheiten des Infotainments sowie dem kleinen Kofferraum leben kann, bekommt hier viel Auto fürs Geld. Allen anderen rate ich: Werfen Sie vor der Unterschrift einen genauen Blick auf die Konkurrenz oder die reine Benzin-Version des Jaecoo 7 ohne Stecker, sofern diese für den deutschen Markt verfügbar sein wird.

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