Jeep Avenger 4xe (2026) im Test: Endlich ein echter Jeep? – Der Allrad-Zwerg im Matsch-Check

Als der Jeep Avenger 2023 startete und direkt „Car of the Year“ wurde, gab es ein Murren in der Offroad-Community. „Ein Jeep ohne Allrad? Das ist nur ein Fiat im Kostüm!“ Stimmte ja auch. Er war ein reiner Fronttriebler (egal ob elektrisch oder als Benziner). Doch jetzt, 2026, löst Jeep das Versprechen ein. Der Jeep Avenger 4xe ist da. Er kombiniert den 136-PS-Hybrid-Motor mit einem Elektromotor an der Hinterachse. Endlich 4×4. Endlich „Trail Rated“-Ambitionen? Oder ist das nur Marketing-Allrad für die Bordsteinkante vor der Kita? Ich habe den kleinsten Jeep dorthin gebracht, wo er (vielleicht) hingehört: in den Dreck.

Design: Der coolste Kasten der Klasse

Man muss es Jeep lassen: Design können sie. Der Avenger sieht auch im dritten Modelljahr noch frisch aus. Die Sieben-Slot-Front ist ikonisch. Die ausgestellten Kotflügel lassen ihn breiter wirken, als er ist. Der Clou beim 4xe (2026): Er steht etwas höher (+10 mm Bodenfreiheit). Er hat robustere Stoßfänger, die Kratzer verzeihen („Anti-Scratch“). Die Nebelscheinwerfer sitzen höher, damit sie beim ersten Kontakt mit einem Stein nicht brechen. Mit 4,08 Metern Länge ist er winzig. Kürzer als ein VW Polo. Aber er hat die Ausstrahlung eines Großen. Die Rückleuchten mit dem „X“-Design (angelehnt an die alten Benzinkanister) sind immer noch ein nettes Detail.

Innenraum: Praktisch, aber Plastik-fantastisch

Ich steige ein. Der Innenraum ist… ehrlich. Das Gute: Die Ablage über die ganze Breite des Armaturenbretts ist genial. Handy, Schlüssel, Sonnenbrille – alles reinwerfen. Die Bedienung ist logisch. Es gibt echte Tasten für die Klimaanlage (Danke, Jeep!). Das Infotainment (10,25 Zoll) läuft flüssig und drahtlos mit Apple CarPlay. Das Schlechte: Jeep (bzw. Stellantis) liebt Hartplastik. Die Türverkleidungen, das Armaturenbrett unten – alles ist hart. Es wirkt robust, ja. Man kann es abwischen, ja. Aber für Preise über 30.000 Euro erwartet man 2026 etwas mehr schmeichelnde Oberflächen. Platzangebot: Vorne sitzt man gut (auch mit 1,90 m). Hinten? Es ist eng. Sehr eng. Das ist ein Auto für Singles, Paare oder kleine Kinder. Der Kofferraum: 380 Liter. Das ist okay für die Größe, aber die Ladekante ist hoch.

Fahrbericht: Was kann der 4xe-Allrad?

Ich fahre den 4xe. Das ist ein 48-Volt-Mild-Hybrid. Vorne: 1.2 Liter Dreizylinder-Benziner (136 PS) + E-Motor im Getriebe. Hinten: Ein zweiter E-Motor (21 kW). Das ergibt einen „elektrischen Allrad“. Keine Kardanwelle, die Gewicht kostet. Auf der Straße: Er fährt sich spritzig. Der E-Boost hilft beim Anfahren. Das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (e-DCT) schaltet weicher als früher. Er ist straff abgestimmt, wankt wenig. In der Stadt ist er dank des 10,5-Meter-Wendekreises ein Wiesel. Im Gelände (Der Test): Ich fahre auf eine nasse Wiese und einen steilen Schotterweg. Ich drehe den Selec-Terrain-Schalter auf „Mud“ (Schlamm). Und siehe da: Er klettert. Die Hinterachse schaltet sich sofort zu. Klar, es ist kein Wrangler. Er hat keine Untersetzung. Aber er kommt deutlich weiter als ein VW T-Cross oder ein Opel Mokka. Dank 210 mm Bodenfreiheit und guten Böschungswinkeln setzt er nicht auf. Für den Jäger, den Winzer oder den Bewohner der Voralpen ist das genau das richtige Werkzeug.

Und die Elektro-Version (BEV)? Die gibt es natürlich auch noch (156 PS, 54 kWh Akku). Sie fährt leiser, geschmeidiger, hat aber (Stand 2026) immer noch keinen Allrad. Wer 4×4 will, muss den Hybrid nehmen.

Verbrauch (4xe Hybrid):

  • Stadt: 5,5 Liter/100km. (Viel E-Unterstützung).
  • Autobahn (130 km/h): 7,2 Liter/100km.
  • Gelände/Mix: 6,2 Liter/100km. Das ist fair.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Jeep Avenger 4xe (2026)
Alex Wind Kommentar
Antrieb
1.2 Turbo Hybrid + E-Achse hinten
Cleverer Allrad ohne Kardanwelle.
Leistung
100 kW (136 PS) Systemleistung
Reicht für 1.300 kg völlig aus.
0-100 km/h
9,5 Sekunden
Fühlt sich dank E-Punch schneller an.
Bodenfreiheit
210 mm
Best-in-Class für Kleinwagen.
Wattiefe
400 mm
Durch tiefe Pfützen? Kein Problem.
Antriebsart
AWD (Bedarfsgesteuert)
Hinten rein elektrisch.
Länge
4.084 mm
Parkplatz-Garantie.
Preis (Basis 4xe)
ab ca. 32.000 €
Der Allrad kostet Aufpreis.
Preis (Testwagen)
ca. 37.500 €
The North Face Edition.

Pro & Contra

  • Optik: Der sympathischste Klein-SUV am Markt.
  • Geländetauglichkeit (4xe): Er kann mehr, als man ihm zutraut. Echter Mehrwert.
  • Größe: Perfekt für die volle Innenstadt.
  • Bedienung: Echte Tasten sterben nicht aus!
  • Platz hinten: Die Kniefreiheit ist sehr begrenzt.
  • Material: Zu viel Hartplastik für den Preis.
  • Autobahn: Ab 140 km/h wird es laut (Windgeräusche an der A-Säule).
  • Preis: Fast 40k für einen Kleinwagen sind happig.

Konkurrenz-Check

  • Fiat 600 Hybrid: Der technische Zwilling. Runder, weicher, günstiger, aber (meist) ohne Allrad und mit weniger Bodenfreiheit.
  • Toyota Yaris Cross AWD-i: Der Sparmeister. Verbraucht noch weniger, hat auch Allrad, ist aber innen noch enger und lauter (CVT-Geheul).
  • Dacia Duster 4×4: Der Preisbrecher. Größer, billiger, echter mechanischer Allrad, aber weniger Lifestyle und „coolness“.
  • Volvo EX30: Nur elektrisch. Viel schneller, viel edler, aber im Gelände chancenlos und hinten auch eng.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Jeep Avenger (2026) ist endlich „erwachsen“ geworden. Der Fronttriebler war ein schickes Stadtauto. Der 4xe ist ein echter Jeep(chen). Er schließt eine Lücke, die der Suzuki Jimny hinterlassen hat (klein, Allrad, bezahlbar), ist dabei aber viel alltagstauglicher und komfortabler. Wenn Sie in der Stadt wohnen, aber am Wochenende zum Skifahren oder Wandern über schlechte Wege müssen, ist das Ihr Auto. Meine Empfehlung: Vergessen Sie den reinen Benziner. Nehmen Sie den 4xe. Der Aufpreis lohnt sich für die Sicherheit im Winter und den Spaß im Dreck. Und nehmen Sie eine knallige Farbe („Sun“ Gelb oder „Lake“ Grün). Ein Jeep darf nicht grau sein.

FAQ

1. Ist der Avenger ein „echter“ Amerikaner? Nein. Er wurde in Italien designt, nutzt Technik aus Frankreich (Stellantis) und wird in Polen (Tychy) gebaut. Aber er trägt den Jeep-Spirit glaubhaft.

2. Kann er rein elektrisch fahren (als Hybrid)? Ja, aber nur sehr kurz. Beim Einparken oder im Stau („e-Creep“) fährt er elektrisch. Sobald man Gas gibt, springt der Benziner an. Es ist kein Plug-in-Hybrid!

3. Wie lädt der vollelektrische Avenger 2026? Der Avenger Elektro (BEV) lädt weiterhin mit max. 100 kW. Das ist 2026 nicht mehr rekordverdächtig (ca. 26-30 Min für 10-80%). Für die Stadt reicht es, für Langstrecken gibt es schnellere Autos.

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    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.