Kia e-Soul (2026): Der Kult-Toaster im Schatten des neuen EV3

Es ist das klassische Drama: Der junge, talentierte Prinz betritt die Bühne und schiebt den alten König ins Abseits. Bei Kia heißt der Prinz EV3. Er ist modern, hat die neueste Software und lädt schneller. Der alte König ist der e-Soul. Seit 2019 in dieser Form auf dem Markt, wirkt er Ende 2025 technisch etwas angestaubt. Das Infotainment ist nicht mehr „State of the Art“, und die Ladekurve gewinnt keine Pokale mehr. Eigentlich müsste ich sagen: „Kaufen Sie den EV3.“ Aber so einfach ist es nicht. Während Sie auf den EV3 warten müssen und Listenpreise zahlen, werfen Händler den e-Soul jetzt mit Rabatten auf den Markt, die einem die Tränen in die Augen treiben – vor Freude. Ist der kantige Charakterkopf im Modelljahr 2026 also Elektroschrott oder das smarteste Schnäppchen im Showroom? Ich bin den „Toaster auf Rädern“ noch einmal gefahren, um genau das zu klären.

EV3 vs. e-Soul: Technik gegen Charakter

Der neue EV3 basiert auf der E-GMP (Small) Plattform. Der e-Soul nutzt noch die Misch-Plattform des Niro-Vorgängers. Das bedeutet: Der e-Soul hat weniger Platz im Fond, keinen Frunk und lädt langsamer (Peak ca. 80 kW vs. 130+ kWbeim EV3).

Das sind die Fakten. Objektiv ist der EV3 das bessere Auto. Aber der e-Soul hat etwas, das dem EV3 fehlt: Kult-Status. Dieses Design – man liebt es oder man hasst es. Er sieht aus wie ein Stormtrooper-Helm. Er ist hoch, er ist übersichtlich wie ein Leuchtturm. Im Stadtverkehr ziehe ich den e-Soul immer noch vor. Er ist schmaler, er ist wendiger. Man sitzt kerzengerade und sieht genau, wo die Motorhaube endet. Der EV3 ist breiter und „erwachsener“, aber der e-Soul ist der bessere City-Guerrilla. Wer das Auto als reines Stadt- und Pendlerfahrzeug nutzt, wird die „alte“ Technik kaum als Nachteil empfinden.

Der Akku: 64 kWh sind immer noch eine Ansage

Der e-Soul (große Batterie) bietet 64 kWh und einen 150 kW (204 PS) Motor. Die reale Reichweite liegt auch nach heutigen Maßstäben solide bei 380 bis 420 km (Sommer).

Lassen Sie uns nicht vergessen, wie effizient dieser Antrieb ist. Der e-Soul war schon immer ein Knauserer. Ich habe ihn im Test mit 14,8 kWh/100 km bewegt. Da kann manch moderneres Auto nicht mithalten. Das Problem ist das Laden auf der Langstrecke. Er braucht für 10-80% gut 45 Minuten. Im Jahr 2026, wo wir uns an 20-30 Minuten gewöhnen, fühlt sich das ewig an. Die Regel lautet also: Wenn Sie regelmäßig mehr als 400 km am Stück fahren, kaufen Sie den EV3. Wenn Sie zu 95% zu Hause oder bei der Arbeit laden, sparen Sie sich den Aufpreis und nehmen den Soul. Der Akku ist robust und hat sich über die Jahre als extrem langlebig erwiesen (Degradation ist kaum ein Thema).

Innenraum: Knöpfe statt Touch-Wahn

Das Cockpit des e-Soul wirkt 2026 fast schon retro. Es gibt viele physische Tasten für Klima, Sitzheizung und Radio. Das Infotainment (UVO Connect) ist funktional, aber nicht so flüssig wie das neue ccNC-System.

Ich nenne es „Ergonomie-Paradies“. Im neuen EV3 suchen Sie manche Funktionen in Untermenüs. Im e-Soul drücken Sie einen Knopf. Für Menschen, die mit der kompletten Digitalisierung fremdeln, ist der e-Soul eine Wohltat. Das Head-up-Display ist zwar nur eine ausfahrbare Plexiglas-Scheibe (nicht in die Windschutzscheibe projiziert), aber es funktioniert. Das Soundsystem von Harman Kardon mit den pulsierenden Lichtern in den Türen („Sound Mood Lighting“) ist auch 2026 noch ein Party-Gag, der bei jedem Mitfahrer für Grinsen sorgt. Es ist ein Auto, das sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Die Preisschlacht: Warum Sie jetzt zuschlagen müssen

Ein neuer EV3 mit vergleichbarer Ausstattung kostet schnell über 45.000 Euro. Einen e-Soul „Spirit“ oder „Inspiration“ aus dem Lagerbestand bekommen Sie Ende 2025 oft für unter 33.000 Euro (Barpreis) oder zu Leasingraten unter 200 Euro.

Das ist der Punkt. Sie bekommen:

  • 204 PS (die immer noch Spaß machen).
  • Vollausstattung (Leder, Belüftung, Assistenten).
  • 7 Jahre Garantie. Und das für den Preis eines nackten VW ID.3 oder eines Fiat 500e. Der e-Soul ist das „Smart Money“-Auto. Der Wertverlust ist bereits im Rabatt eingepreist. Wer das Auto „zu Ende fährt“ (also 8-10 Jahre hält), macht hier den Deal seines Lebens.

Alt gegen Neu

Feature
Kia e-Soul 64 kWh (Auslaufend)
Kia EV3 Long Range (Neu)
Plattform
Verbrenner-Basis (K3)
E-GMP (Elektro-Basis)
Reichweite (WLTP)
452 km
ca. 600 km
Laden (10-80%)
ca. 45 Min (langsam)
ca. 30 Min
Platzangebot
Gut (Kofferraum klein)
Besser (Frunk + Raumgefühl)
Bedienung
Viele Tasten (Top)
Touch-lastig
Preis (Real)
ca. 32.000 €
ca. 44.000 €

Fazit: Die letzte Chance für Individualisten

Der Kia e-Soul wird 2026 wohl sein letztes Gnadenbrot erhalten, bevor er endgültig vom EV3 verdrängt wird. Ist er das bessere Auto? Nein. Ist er der bessere Kauf? Für Pfennigfuchser und Individualisten: Ja. Er ist ausgereift, macht keine Software-Zicken und bietet eine Ausstattung, für die man anderswo tief in die Tasche greifen muss. Wenn Sie über das langsame Laden hinwegsehen können, sichern Sie sich jetzt einen der letzten „roten Würfel“. Es ist ein Auto mit Seele – der Name war selten so passend wie heute.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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