Lexus LS (2026): Der letzte Samurai legt sein Schwert nieder

Es gibt Momente, da muss man innehalten. 1989 schockte Lexus die Welt mit dem LS 400. Ein Auto, das besser war als die S-Klasse, aber billiger. Ein Auto, das so leise war, dass man den Motor neu startete, weil man dachte, er sei aus. 36 Jahre später stehen wir am Ende dieser Geschichte. Lexus hat bestätigt: Das Modelljahr 2026 ist das letzte für den LS in seiner jetzigen Form. Es wird keinen direkten Nachfolger geben – zumindest keinen, der wie eine klassische Limousine aussieht. Die Zukunft ist elektrisch, hochbeinig und futuristisch (LF-ZL Concept lässt grüßen). Damit wird der aktuelle Lexus LS 500h zum letzten seiner Art. Er ist technisch nicht mehr der Jüngste. Sein Touchpad war ein Fehler (der zum Glück korrigiert wurde), und sein V6-Hybrid ist kein Rennmotor. Aber in einer Welt, in der ein BMW 7er aussieht wie eine Festung und ein Mercedes EQS wie ein Stück Seife, ist der LS eine Oase der Eleganz. Ich habe mir den „Final Edition“ Jahrgang angesehen. Ist das ein Kauf für die Ewigkeit oder ein veralteter Ladenhüter?

Takumi-Kunst vs. Hyperscreen

Das Cockpit des LS ist auch 2026 noch einzigartig. Statt riesiger Glaswände gibt es hier „Kiriko“-Glas (geschliffen von Hand), gefalteten Stoff in den Türen und Holz, das sich nach Holz anfühlt.

Hier liegt der wahre Wert dieses Autos. Steigen Sie in eine aktuelle S-Klasse. Sie werden von Bildschirmen angeschrien. Ambiente-Licht pulsiert wie in einer Disco. Steigen Sie in den LS. Es ist ruhig. Die Materialien sind von einer Qualität, die deutsche Controller längst weggespart haben. Lexus nennt das „Takumi“-Handwerkskunst. Ich nenne es: Respekt vor dem Kunden. Ja, das Infotainment (jetzt endlich mit gutem Touchscreen) ist nicht so verspielt wie bei BMW. Aber dafür finden Sie sich blind zurecht. Wer „Old Luxury“ sucht – also Qualität statt Quantität an Pixeln –, der findet ihn nur noch hier.

Der Antrieb: Hybrid statt V8-Wehmut

In Deutschland ist der LS 500h (Multi Stage Hybrid) die Hauptoption. Ein 3.5-Liter V6 Sauger kombiniert mit E-Motoren und einer komplexen Getriebe-Kombination (4-Gang-Automat + CVT). Systemleistung: 359 PS.

Lassen wir die Kirche im Dorf: Dieser Antrieb ist speziell. Er ist kein Drehmoment-Monster wie ein S 400 d. Wenn Sie Vollgas geben, heult der V6 kurz auf (der Gummiband-Effekt ist minimiert, aber nicht weg). Aber beim Gleiten? Ein Traum. Der LS 500h ist im Stadtverkehr und auf der Landstraße flüsterleise. Er wechselt so unmerklich zwischen Strom und Benzin, dass man auf den Drehzahlmesser schauen muss. Der Verbrauch von real 8 bis 9 Litern ist für einen 2,3-Tonnen-Luxusliner aller Ehren wert. Er ist kein Auto für die linke Spur der A8 (bei 250 km/h wirkt er angestrengt), er ist ein Auto für die entspannte Reise nach Südfrankreich.

Der Komfort: „Omotenashi“ in Stahl gegossen

Die Luftfederung des LS bügelt nicht einfach die Straße glatt. Sie entkoppelt Sie von der Realität.

Das ist „Omotenashi“ – japanische Gastfreundschaft. Der Sitz fährt zurück, wenn Sie einsteigen. Das Gurtschloss hebt sich an. Die Klimaanlage („Climate Concierge“) misst Ihre Körpertemperatur per Infrarot. Im Fond (besonders mit dem Executive-Paket) sitzen Sie besser als in der First Class der Lufthansa. Der „Ottoman“-Sitz fährt fast in Liegeposition. Massagefunktion inklusive. Anders als bei den deutschen Konkurrenten wirkt diese Technik aber nie aufdringlich. Sie ist einfach da. Der LS dient Ihnen, er belehrt Sie nicht.

Marktlage 2026: Das letzte Angebot

Da das Produktionsende naht, räumen Händler die Lager. Einen neuen LS 500h, der Liste über 120.000 Euro kostet, bekommt man als Tageszulassung oder jungen Vorführer oft für unter 85.000 Euro.

Das ist der Deal des Jahrzehnts. Sie bekommen S-Klasse-Niveau zum Preis einer E-Klasse. Und Sie bekommen Exklusivität. Einen 7er BMW sieht man an jeder Ecke. Einen LS? Vielleicht einmal im Monat. Der Wiederverkaufswert war bei Lexus immer ein Thema (hoch in den ersten Jahren, dann stabil). Da es keinen Nachfolger gibt, prognostiziere ich eine stabile Wertentwicklung für gepflegte Exemplare. Er wird zum Sammlerstück für Kenner.

Der Abschieds-Vergleich

Feature
Lexus LS 500h (Final Year)
Mercedes S 450 d
Genesis G90 (LWB)
Motor
V6 Hybrid (359 PS)
R6 Diesel (367 PS)
V6 Biturbo (415 PS)
Charakter
Japanische Kunst
Deutscher Technokrat
Koreanischer Aufsteiger
Innenraum
Glas/Stoff/Holz (Edel)
Hyperscreen (Digital)
Mix aus beidem
Bedienung
Touch + Tasten
Touch + Sprache
Touch + Regler
Exklusivität
Extrem Hoch
Gering (Taxi-Image)
Hoch
Preis (Real)
ca. 85.000 €
ca. 120.000 €
ca. 115.000 €

Fazit: Kaufen Sie ihn nicht, wenn Sie angeben wollen. Kaufen Sie ihn, wenn Sie ankommen wollen.

Der Lexus LS (2026) ist kein Auto für Rapper oder Fußballstars. Er ist zu leise, zu unauffällig. Er ist ein Auto für den Architekten, den Dirigenten, den Kenner. Mit dem Produktionsende 2026 verschwindet die letzte Alternative zum deutschen Einheitsbrei. Wenn Sie die Chance haben, sich einen der letzten LS 500h (am besten in „Mangan Luster“ mit „Crimson“-Interieur) zu sichern: Tun Sie es. Es ist ein Abschiedsgeschenk an sich selbst. Und ein Auto, das auch in 20 Jahren noch funktionieren wird, wenn die Software der heutigen S-Klasse längst keine Updates mehr bekommt.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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