Maserati Quattroporte (2026): Das große Schweigen und die letzte Chance

Wenn Sie heute, Ende 2025, zu einem Maserati-Händler gehen und einen neuen Quattroporte bestellen wollen, wird der Verkäufer Ihnen einen Espresso anbieten und betreten auf den Boden schauen. „Kommen Sie 2028 wieder“, wird er sagen. Das ist kein Scherz. Maserati hat eine Lücke im Portfolio gelassen, die so groß ist wie der Kühlergrill eines BMW. Die Produktion des alten Verbrenners wurde 2024 eingestellt, der elektrische Nachfolger auf die lange Bank geschoben. Wir leben also in der „Quattroporte-losen Zeit“. Doch für schlaue Käufer ist das eine Goldgrube. Denn während die Welt auf den (wahrscheinlich sterilen) Elektro-Nachfolger wartet, realisieren Kenner plötzlich, was wir verloren haben: Den letzten echten italienischen Supersport-Sedan mit Ferrari-Herz. Ich habe mir die Marktlage für 2026 angesehen. Ist der alte Quattroporte Trofeo jetzt ein Investment oder ein Groschengrab?

Die Situation: Warum gibt es keinen Neuen?

Maserati hat den Start des elektrischen Quattroporte Folgore (ursprünglich für 2025 geplant) offiziell auf 2028 verschoben. Grund: Man wolle sicherstellen, dass die Performance und das Geschäftsmodell stimmen. Das bedeutet: 3-4 Jahre Pause.

Lassen Sie uns das übersetzen: Stellantis hat kalte Füße bekommen. Die Verkaufszahlen des elektrischen GranTurismo Folgore waren wohl… „ausbaufähig“. Jetzt wird die Strategie überdacht. Für Sie bedeutet das: Es gibt keinen Neuwagen. Punkt. Wenn Sie italienische Eleganz mit vier Türen wollen, müssen Sie auf den Gebrauchtmarkt. Und dort passiert gerade etwas Spannendes. Die Preise für die letzten Baujahre (2023/2024), besonders für die V8-Modelle, stabilisieren sich. Der freie Fall, für den Maserati bekannt war, ist gestoppt. Warum? Weil es keinen Nachschub mehr gibt. Das Angebot ist endlich, die Nachfrage der Puristen steigt.

Der Motor: Warum Sie den V8 Trofeo suchen müssen

Der Quattroporte Trofeo (gebaut bis 2024) wird von einem 3,8-Liter-V8-Biturbo angetrieben, der bei Ferrari in Maranello gefertigt wurde (Code F154). Er leistet 427 kW (580 PS) und treibt (im Gegensatz zum Ghibli/Levante) nur die Hinterräder an.

Das ist der Heilige Gral. Vergessen Sie den V6. Der ist nett, aber er ist kein Ferrari-Motor. Der V8 im Trofeo ist ein Meisterwerk. Er hat dieses heisere, aggressive Bellen, das einem Elektroauto für immer fehlen wird. Und das Beste: Er hat Heckantrieb. 580 PS nur auf der Hinterachse. Das ist in der modernen Welt der weichgespülten Allrad-Limousinen (hallo M5, hallo E63) eine Rarität. Der Quattroporte Trofeo fährt sich nicht wie ein Computer, sondern wie ein wildes Tier im Maßanzug. Er fordert Respekt. Er zwingt Sie, zu fahren. Wenn Sie einen finden: Kaufen Sie ihn. Es wird nie wieder eine Limousine mit Ferrari-V8 geben. Nie wieder.

Technik & Infotainment: Die Achillesferse

Die Plattform des Quattroporte VI (M156) stammt im Kern aus dem Jahr 2013. Das letzte Facelift brachte das MIA-Infotainment (Android Automotive Basis) und neue Assistenten.

Hier müssen Sie tapfer sein. Wenn Sie aus einer S-Klasse von 2025 umsteigen, wirkt der Maserati wie ein Museumsstück. Ja, der Bildschirm ist touchfähig und hat CarPlay. Aber die Auflösung der Kameras? Mäßig. Das Head-up-Display? Existiert nicht (oder ist rudimentär). Die Assistenzsysteme? Nervös. Aber mal ehrlich: Kaufen Sie einen Maserati, um autonom zu fahren? Nein. Sie kaufen ihn, weil er schön ist. Und schön ist er. Das Leder („Pieno Fiore“) riecht auch nach 50.000 Kilometern besser als alles, was deutsche Hersteller verbauen. Die analogen Uhren, die echten Materialien – das ist „Old Money“. Der Maserati altert in Würde, während die Bildschirme der Konkurrenz einfach nur alt werden.

Unterhaltskosten: Der Preis der Schönheit

Rechnen Sie mit einem Realverbrauch von 15 bis 18 Litern Super Plus beim V8. Ein großer Service (Bremsen, Reifen) kostet schnell 4.000 Euro.

Lassen Sie uns keine Illusionen machen. Ein Quattroporte ist teuer. Wenn etwas kaputt geht, weint Ihre Kreditkarte italienische Tränen. Besonders die Reifen sind ein Thema. 580 PS und Heckantrieb fressen Hinterreifen zum Frühstück. Und die Elektronik? Nun, es ist ein Italiener. Warnleuchten können kommen und gehen wie das Wetter in den Alpen. Aber im Gegensatz zum Wertverlust eines Neuwagens sind diese Kosten kalkulierbar. Ein neuer 7er BMW verliert im ersten Jahr 40.000 Euro an Wert. Dafür können Sie den Maserati lange tanken und reparieren.

Alternativen im „V8-Vakuum“

Feature
Maserati Quattroporte Trofeo (Gebraucht)
Porsche Panamera Turbo S (Vorgänger)
Bentley Flying Spur V8
Motor
3.8L V8 (Ferrari-Gene)
4.0L V8 (VW-Konzern)
4.0L V8 (VW-Konzern)
Leistung
580 PS
630 PS
550 PS
Antrieb
Heck (RWD)
Allrad (AWD)
Allrad (AWD)
Emotion
Unschlagbar
Perfekt & Kühl
Herrschaftlich
Technik
Veraltet
Modern
Luxuriös
Preis (2026)
ca. 90.000 – 110.000 €
ca. 120.000 €
ca. 150.000 €

Fazit: Ein Kauf für die Seele, nicht für den Verstand

Der Maserati Quattroporte Trofeo ist im Jahr 2026 ein Anachronismus. Er ist technisch überholt, durstig und innen nicht perfekt. Aber genau deshalb sollten Sie ihn jetzt kaufen. In einer Welt, die auf 2028 und die Elektromobilität wartet, ist er der letzte Beweis für italienische Automobilkunst alter Schule. Suchen Sie ein gepflegtes Exemplar in „Blu Emozione“ oder „Verde Royale“. Stellen Sie es in die Garage. Fahren Sie es am Wochenende. Wenn der elektrische Nachfolger 2028 kommt, werden Sie vermutlich müde lächeln, den V8 starten und wissen: Das hier, das Echte, das kommt nie wieder.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Senior Technical SEO Analyst und Automotive-Experte mit Fokus auf Datenprüfung und Marktanalysen für den DACH-Raum.


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