Erinnern Sie sich an den Nissan Micra K11? Dieses unzerstörbare Auto, das jeder Pizzabote fuhr? Oder an den K12, den „Frosch“ mit den Glupschaugen? Nissan hatte den Micra zuletzt etwas vernachlässigt. Er war ein solider, aber langweiliger Kleinwagen, der im Schatten des VW Polo stand. Doch das ändert sich jetzt. Mit dem Modelljahr 2026 kehrt der Micra zurück – und wie! Er ist vollelektrisch, er ist rund, und er lächelt uns an. Aber machen wir uns nichts vor: Unter dem niedlichen Blech steckt knallharte französische Technik. Der Micra ist der technische Zwilling des Renault 5, gebaut im selben Werk in Nordfrankreich. Ist das nun ein „Japaner“ mit französischem Flair oder ein Franzose, der sich als Japaner verkleidet hat? Und warum könnte er die schlauere Wahl sein als der gehypte R5?
Design: Die Rache des K12
Während der Renault 5 auf die kantigen 80er-Jahre setzt, geht Nissan einen anderen Weg. Der Micra 2026 zitiert den runden K12 aus den 2000ern. Große, runde LED-Ringe als Scheinwerfer, weiche Formen, keine Ecken.
Das ist cleveres Marketing. Der Renault 5 ist aggressiv, maskulin, retro-sportlich. Der Micra ist freundlich, feminin, zugänglich. Er ist das Auto, das man umarmen möchte. Nissan nennt das „Emotional Geometry“. Ich nenne es: Endlich wieder ein Auto mit Gesicht. In einer Zeit, in der viele E-Autos wie Roboter aussehen (hallo Hyundai), ist der Micra eine Wohltat. Er wirkt kleiner, als er ist (knapp 4 Meter), und er polarisiert weniger als der Renault. Wer den Fiat 500 mag, wird diesen Nissan lieben.
Technik: AmpR Small – Ein gutes Herz
Der Micra nutzt die AmpR Small Plattform (ehemals CMF-B EV). Er kommt voraussichtlich mit zwei Batteriegrößen: 40 kWh (ca. 300 km WLTP) und 52 kWh (ca. 400 km WLTP). Der Motor treibt die Vorderräder an und leistet zwischen 125 und 150 PS.
Hier profitieren wir von der Allianz. Nissan musste das Rad nicht neu erfinden. Sie haben einfach ins Regal von Renault gegriffen. Und das ist gut so. Die Plattform verfügt über eine Mehrlenker-Hinterachse. Das ist in der Kleinwagenklasse eine Sensation. Das bedeutet: Der Micra fährt nicht wie eine hoppelnde Einkaufs-Box, sondern erwachsen. Er liegt satt, federt komfortabel. Der große 52-kWh-Akku ist der „Sweetspot“. Damit sind reale 300 Kilometer auch im Winter drin. Die Ladetechnik (100 kW DC) ist okay, aber nicht bahnbrechend. Aber mal ehrlich: Wer fährt mit einem Micra täglich von Hamburg nach München? Für die Stadt und das Umland ist das Setup perfekt.
Innenraum: Japanischer Pragmatismus?
Während der Renault 5 innen sehr verspielt ist (Stoffe, Farben, Retro-Tacho), setzt Nissan beim Micra auf etwas mehr Ruhe. Das Google-basierte Infotainment ist an Bord, aber die Grafik ist eigenständig.
Das ist der Punkt, der für den Nissan spricht. Der Renault 5 kann innen etwas… überwältigend sein. Zu bunt, zu viel „Chichi“. Der Micra wirkt aufgeräumter. Nissan hat verstanden, dass manche Kunden einfach nur einsteigen und fahren wollen, ohne von einem Avatar begrüßt zu werden. Die Sitze sind bequem, die Materialien (viel Recycling-Stoff) fühlen sich wertig an. Und dank der Elektro-Plattform ist das Platzangebot riesig – zumindest vorne. Hinten bleibt es ein Kleinwagen, aber der Kofferraum schluckt mehr als der eines Verbrenner-Micra.
Preis & Positionierung: Der günstige Bruder?
Es wird erwartet, dass Nissan den Micra preislich leicht unter oder gleichauf mit dem Renault 5 positioniert. Der Einstieg könnte (mit kleinem Akku) bei ca. 24.500 Euro liegen.
Hier wird es spannend. Der Renault 5 ist das „Lifestyle“-Produkt. Der Micra könnte das „Vernunft“-Produkt werden. Nissan bietet oft längere Garantien als die europäischen Hersteller. Wenn sie den Micra mit 5 Jahren Garantie (statt 2 oder 3) anbieten, haben sie ein Killerausrufezeichen gesetzt. Der Micra ist damit der gefährlichste Gegner für den VW ID.2 (der 2026 endlich kommen soll). Er ist schon da, er hat Technik, die funktioniert, und er sieht nicht aus wie ein Langweiler.
Der Allianz-Bruderkampf
Feature | Nissan Micra (2026) | Renault 5 E-Tech | VW ID.2 (Erwartet) |
Plattform | AmpR Small | AmpR Small | MEB Entry |
Design | Rund & Freundlich (2000er) | Eckig & Retro (80er) | Klassisch & Schlicht |
Akku (Max) | 52 kWh | 52 kWh | ca. 56 kWh |
Reichweite | ca. 400 km | 410 km | ca. 450 km |
Fahrwerk | Komfort-Fokus | Sportlich-Straff | Ausgewogen |
Zielgruppe | Alle, die „süße“ Autos mögen | Design-Hipster | Golf-Fahrer |
Fazit: Das Comeback des Jahres
Der Nissan Micra (2026) ist eine positive Überraschung. Nissan hätte einfach das Renault-Logo abkleben und ein Nissan-Logo draufkleben können (wie beim Mitsubishi Colt/Clio). Haben sie aber nicht. Sie haben ein eigenständiges Auto auf die Räder gestellt, das den Charme der alten „Knutschkugel“-Micras in die Zukunft rettet. Technisch ist er dank Renault-Genen auf der Höhe der Zeit (Google, Mehrlenkerachse). Optisch ist er eine herzerwärmende Alternative zur aggressiven Design-Sprache vieler Konkurrenten. Wenn Sie ein Stadtauto suchen, das Sie morgens anlächelt: Warten Sie auf den Micra.

















