Es ist ein offenes Geheimnis: Der Mazda 3 ist eines der schönsten Autos der Kompaktklasse. Aber die Kunden wollen SUVs. Also hat Mazda den 3er höhergelegt, ihm dicke Kunststoff-Planken verpasst und ihn CX-30 genannt. Das Ergebnis ist ein Phänomen. Der CX-30 verkauft sich besser als das Original. Er ist die goldene Mitte zwischen dem (zu) kleinen CX-3 (R.I.P.) und dem großen CX-5. Aber ist er nur ein hochgebockter Designer-Schuh oder ein echtes SUV? Wir haben den CX-30 e-Skyactiv X 186 getestet. Ein Auto, das technisch so eigenwillig ist wie sein Design.
Das Design: Liebe oder Hass (wegen Plastik)
Der CX-30 ist wunderschön. Punkt. Die „Kodo“-Designsprache sorgt dafür, dass sich das Licht in den Flanken bricht wie ein „S“. Er wirkt flüssig, organisch, teuer. Aber dann sind da die Radläufe. Mazda hat dem CX-30 extrem breite, schwarze Kunststoff-Beplankungen verpasst. Die Designer sagen: „Das lässt die Karosserie schlanker wirken.“ Kritiker sagen: „Es sieht aus, als hätte er Gummistiefel an.“ Im aktuellen Modelljahr 2026 hat Mazda die Farbpalette erweitert („Zircon Sand“ ist der Hit), aber die Planken bleiben. Man muss sie mögen.
Der Antrieb: Der „Diesotto“ lebt
Unter der Haube steckt Mazdas technisches Einhorn: Der e-Skyactiv X. Ein 2.0-Liter Vierzylinder mit 186 PS. Das Besondere: Er arbeitet mit einer Kompressionszündung (SPCCI), ähnlich wie ein Diesel, tankt aber Benzin. Das Ziel: Die Drehfreude eines Benziners mit dem Verbrauch eines Diesels. Klappt das? Jein. Der Motor ist faszinierend. Er läuft seidenweich, viel ruhiger als jeder Diesel. Er hängt gut am Gas. Aber das versprochene Sparwunder (5 Liter?) schafft man nur, wenn man ihn streichelt. Im realen Mix landeten wir bei 6,5 bis 7,0 Litern. Das ist gut für 186 PS, aber kein Quantensprung. Dafür macht er Spaß. Da er keinen Turbo hat, gibt es kein Turboloch. Die Kraftentfaltung ist linear. Kombiniert mit dem genialen 6-Gang-Schaltgetriebe (kurze Wege, mechanisches Einrasten) ist er einer der letzten „Fahrer-Crossover“ am Markt. Wer schaltfaul ist, nimmt die 6-Stufen-Automatik, aber die raubt dem Motor etwas Temperament.
Innenraum: Audi-Niveau zum Mazda-Preis
Hier spielt der CX-30 seine stärkste Karte aus. Setzen Sie sich rein. Schließen Sie die Augen. Tasten Sie alles ab. Das geschäumte Armaturenbrett, das dicke Lederlenkrad, die klickenden Schalter der Klimaanlage (echte Tasten!). Das fühlt sich an wie in einem Audi Q3 oder BMW X1, kostet aber 10.000 Euro weniger. Das Infotainment (10,25 Zoll) sitzt weit vorne im Blickfeld. Und – Gott sei Dank – es wird immer noch über den Dreh-Drück-Steller bedient. Keine Fingerabdrücke auf dem Screen, keine Ablenkung. Mazda bleibt hier stur, und das ist gut so. Das Soundsystem von Bose ist in dieser Klasse eines der besten. Druckvoll und klar.
Platzangebot: Wer schön sein will…
Jetzt kommt der Haken. Die elegante Dachlinie fordert ihren Tribut. Hinten ist es dunkel und eng. Die Fensterlinie steigt steil an, die C-Säule ist breit. Kinder können kaum rausgucken („Höhlen-Gefühl“). Die Beinfreiheit reicht für Erwachsene nur, wenn vorne keine Riesen sitzen. Der Kofferraum schluckt 430 Liter. Das ist okay (ein Golf hat weniger), aber die Ladekante ist hoch. Für den Kinderwagen reicht es gerade so, für den großen Ikea-Einkauf muss die Rückbank fallen.
Fahrverhalten: Straff, aber leise
Der CX-30 basiert auf dem Mazda 3, und das merkt man. Er liegt satter auf der Straße als der höhere CX-5. Die Lenkung ist direkt, das Fahrwerk eher straff abgestimmt. Querfugen spürt man deutlich. Dafür wankt er in Kurven kaum. Was wirklich beeindruckt: Die Ruhe. Mazda hat massiv in die Dämmung investiert (doppelte Bodenbleche, Dichtungen). Selbst bei Tempo 160 ist es im Innenraum flüsterleise. Das ist echtes Langstrecken-Niveau. Der (optionale) Allradantrieb (i-Activ AWD) arbeitet unauffällig und bringt Sicherheit im Winter, macht den CX-30 aber keinem Geländewagen.
Fazit: Das Premium-Schnäppchen
Der Mazda CX-30 (2026) ist kein Raumwunder. Wer Platz für drei Kinder und einen Hund braucht, muss den CX-5 kaufen. Der CX-30 ist ein Lifestyle-Crossover für Singles, Paare oder kleine Familien. Er kauft man wegen der Optik, wegen des grandiosen Interieurs und wegen der Freude am Schalten. Er ist das Auto für Leute, die eigentlich Premium (Audi/BMW) wollen, aber nicht bereit sind, die absurden Aufpreise der deutschen Hersteller zu zahlen. Hier bekommen Sie „Premium light“ zum fairen Kurs.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie Wert auf Haptik und Verarbeitung legen. Innen ist er Klassenbester.
- Sie Touchscreens hassen. Der Dreh-Regler ist ein Segen.
- Sie meistens zu zweit unterwegs sind.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie oft hinten Erwachsene mitnehmen. Es ist eng und dunkel.
- Sie eine „Sänfte“ suchen. Das Fahrwerk ist sportlich-straff.
- Sie allergisch auf unlackiertes Plastik reagieren. Die Radläufe sind dominant.

























