Mazda MX-5 (2026) im Test: Der letzte Samurai kämpft mit 132 PS

Autos wiegen durchschnittlich 2 Tonnen, piepen ständig und fahren zur Not alleine. Und dann gibt es den Mazda MX-5 (Baureihe ND). Er ist ein Anachronismus. Ein Fehler im System. Während selbst Porsche den 718 Cayman elektrifiziert hat, baut Mazda diesen kleinen Roadster immer noch so, wie sie es 1989 beim ersten Miata getan haben. Leicht. Offen. Heckantrieb. Handschaltung. In Europa mussten wir uns (leider!) vom grandiosen 2.0-Liter-Motor verabschieden (danke, EU-Abgasnormen). Übrig geblieben ist der 1.5-Liter Skyactiv-G mit 132 PS. Ist das der „Spar-Roadster“, oder reicht der kleine Motor, um das legendäre „Jinba Ittai“-Gefühl am Leben zu halten? Wir haben den vielleicht letzten bezahlbaren Sportwagen der Welt getestet.

Der Motor: 1.5 Liter Freiheit

Reden wir nicht um den heißen Brei herum. Ja, die 184 PS des alten 2.0-Liters fehlen auf der Autobahn und am Bergpass, wenn man bergauf überholen will. Aber: Der 1.5-Liter Vierzylinder ist eigentlich der charmantere Motor. Er hat weniger Drehmoment (152 Nm – das hat heute jeder Scheibenwischermotor), aber er dreht höher. Er jubelt bis 7.500 Umdrehungen. Er hängt gieriger am Gas als der alte Große. Man muss ihn auswringen wie ein nasses Handtuch. Und genau das ist der Spaß. Sie fahren nicht schnell (0-100 in 8,3 Sekunden reißt niemanden vom Hocker), aber Sie fühlen sich schnell. Das 6-Gang-Schaltgetriebe ist nach wie vor das beste der Welt. Kurze Wege, mechanisches „Klack-Klack“. Wer hier eine Automatik bestellt (gibt es eh kaum noch), hat das Auto nicht verstanden.

Das Fahrwerk: Wanken als Feature

Moderne Sportwagen haben adaptive Dämpfer und liegen flach wie ein Brett. Der MX-5 nicht. Er neigt sich in der Kurve. Er taucht beim Bremsen ein. Ist das schlecht? Nein. Es ist Kommunikation. Das Auto sagt Ihnen genau: „Hey, das Gewicht verlagert sich gerade nach vorne rechts.“ Es ist spielerisch. Da er nur knapp 1.000 Kilogramm wiegt (ein Wert, von dem Lotus heute nur träumen kann), braucht er keine harten Federn. Er tänzelt über die Landstraße. Die Lenkung wurde zum Modelljahr 2024/25 nochmal überarbeitet und ist jetzt präziser um die Mittellage. Und dank des neuen „DSC-Track“-Modus lässt die Elektronik kleine Drifts zu, fängt Sie aber ein, bevor Sie im Graben landen. Perfekt für Helden des Alltags.

Soft-Top oder RF?

Es gibt zwei Versionen:

  1. Den Roadster mit Stoffverdeck.
  2. Den RF (Retractable Fastback) mit Blechdach-Targa-Konstruktion.

Unsere Empfehlung für 2026: Nehmen Sie den Roadster. Warum? Er ist leichter. Er ist günstiger. Und das Verdeck ist genial simpel. Sie entriegeln es mit einer Hand und werfen es nach hinten. Dauert 2 Sekunden. Keine Elektromotoren, die kaputt gehen können. Der RF sieht geschlossen sexy aus (wie ein Mini-Coupe), aber offen rauscht der Wind an den feststehenden Säulen unangenehm. Der Roadster ist das reinere Erlebnis.

Innenraum: Maßanzug oder Zwangsjacke?

Der MX-5 ist klein. Wenn Sie über 1,85 Meter groß sind, stoßen Sie mit dem Kopf an das Stoffdach (oder schauen gegen den Scheibenrahmen). Der Fußraum ist eng, es gibt kein Handschuhfach (nur ein Fach zwischen den Sitzen). Aber wenn Sie reinpassen, sitzt er wie angegossen. Die Pedale sind perfekt für „Heel-and-Toe“ angeordnet. Das Lenkrad ist endlich auch längsverstellbar (war früher ein Problem). Das Infotainment (8,8 Zoll) ist da, aber unwichtig. Es unterstützt Wireless CarPlay, was reicht. Der Drehzahlmesser ist analog und sitzt mittig. So muss das sein.

Alltag: Man lernt Verzicht

Kofferraum? 130 Liter. Das reicht für zwei weiche Taschen oder den Wocheneinkauf für Singles. Eine Getränkekiste? Vergessen Sie es (oder auf den Beifahrersitz). Aber der Verbrauch versöhnt mit allem. Wir haben den kleinen 1.5er im Schnitt mit 5,5 bis 6,0 Litern bewegt. Wenn man ihn tritt, werden es 7. Das bedeutet: Sportwagen fahren zum Preis eines Kleinwagens.

Fazit: Kaufen. Jetzt.

Der Mazda MX-5 (2026) ist nicht perfekt. Er ist laut, eng und nach modernen Maßstäben langsam. Aber er ist Medizin gegen die automobile Depression. Jeder Kilometer zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Der 1.5-Liter-Motor reicht völlig aus, um Spaß zu haben, weil es im MX-5 nicht um Geschwindigkeit geht, sondern um Schwung. Er ist der Beweis, dass 1.000 kg und 132 PS mehr Emotionen wecken können als 2,5 Tonnen und 600 Elektro-PS. Sichern Sie sich einen, bevor Mazda beim Nachfolger (NE) irgendwann doch einen Hybrid-Akku einbauen muss und das Gewicht steigt.

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie das Autofahren lieben. Das reine, mechanische Fahren.
  • Sie nicht größer als 1,85 Meter sind.
  • Sie ein Zweitauto suchen, das kaum Unterhalt kostet, aber maximalen Spaß bringt.

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie Ampelrennen gewinnen wollen. Jeder Golf GTD zieht Sie ab.
  • Sie Platzangst haben.
  • Sie Komfort auf der Autobahn suchen. Offen fahren ist ab 120 km/h ein Orkan.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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