Mazda EZ-6 (2026) im Test: Die Seele des Mazda 6 im Körper eines Roboters?

Es war ein Schock für die Fans: Der Mazda 6, die schönste Limousine der Mittelklasse, wurde eingestellt. Doch Mazda wäre nicht Mazda, wenn sie einfach aufgeben würden. Vorhang auf für den Mazda EZ-6. Aber Vorsicht: Das hier ist kein „echter“ Japaner aus Hiroshima. Er ist das Kind einer Zweckehe mit dem chinesischen Riesen Changan. Unter dem wunderschönen Blechkleid steckt die Technik des Deepal SL03. Haben die Mazda-Ingenieure ihre Seele an China verkauft? Oder haben sie es geschafft, dem chinesischen Computer das japanische „Jinba Ittai“ (Einheit von Pferd und Reiter) beizubringen? Ich habe den EZ-6 als vollelektrische Version getestet (es gibt ihn auch als Range Extender!) und bin der Frage nachgegangen: Ist das noch ein Mazda?

Design: Kodo-Design trifft Cyberpunk

Optisch ist der EZ-6 ein Meisterwerk. Punkt. Mazda hat die „Kodo“-Designsprache ins elektrische Zeitalter gerettet. Die Front ist aggressiv, die Scheinwerfer kneifen die Augen zusammen wie ein Samurai vor dem Schlag. Der Clou: Der beleuchtete Grill (beim E-Modell geschlossen) wirkt dreidimensional. Die Silhouette ist ein Fließheck (Liftback). Das sieht nicht nur sexy aus, sondern bietet (endlich!) eine riesige Heckklappe. Der Show-Effekt: Am Heck gibt es einen aktiven Heckspoiler. Er fährt ab 90 km/h automatisch aus (oder per Knopfdruck). Das kennt man sonst nur vom Porsche Panamera. An der Ampel sorgt das für neidische Blicke der Tesla-Fahrer, deren Autos aussehen wie Seifenstücke. Mit 4,92 Metern Länge ist er gewachsen. Er ist eine echte Oberklasse-Limousine, die Eleganz und Futurismus perfekt mischt.

Innenraum: Wo sind meine Knöpfe hin?!

Ich steige ein und bin… verwirrt. Mazda war immer die Marke, die sagte: „Touchscreens sind gefährlich. Wir nutzen Drehregler.“ Im EZ-6 ist alles anders. Ein riesiger 14,6-Zoll-Touchscreen dominiert die Mitte. Es gibt kaum noch physische Tasten. Alles läuft über Touch oder Sprache. Ist das schlecht? Jein. Die Verarbeitung ist phänomenal. Leder, Alcantara, schwebende Mittelkonsole. Es fühlt sich „Premium“ an, besser als im Model 3, fast auf Nio-Niveau. Der Zero-Gravity-Beifahrersitz lässt sich per Knopfdruck in eine Liegeposition fahren (mit Beinauflage). Perfekt für den Ladestopp. Aber: Die Bedienung ist weniger intuitiv als im alten Mazda 6. Man muss hinschauen, um die Klima zu verstellen. Hier hat Changan gewonnen und Mazda verloren. Platzangebot: Dank 2,90 Meter Radstand sitzt man hinten wie ein König. Die Kopffreiheit ist trotz Coupé-Dach okay (dank Glasdach), die Beinfreiheit riesig.

Fahrbericht: Jinba Ittai auf Chinesisch?

Das war meine größte Sorge. Fährt er sich wie ein schwammiges China-Auto? Wir starten. Heckantrieb. 190 kW (258 PS). 320 Nm. Mazda hat das Fahrwerk komplett neu abgestimmt. Und das spürt man. Szenario Landstraße: Der EZ-6 lenkt zackig ein. Er ist straffer als sein chinesischer Bruder Deepal. Er wankt kaum. Dank Heckantrieb und einer perfekten 50:50 Gewichtsverteilung kann man ihn schön aus der Kurve drücken. Er fühlt sich lebendig an. Die Lenkung ist präzise, aber – typisch für elektrische Lenkungen – etwas feedbackarm im Vergleich zum alten MX-5. Er ist kein Sportwagen, aber er ist eine Fahrer-Limousine. Er macht mehr Spaß als ein VW ID.7.

Szenario Autobahn: Er liegt satt. Die Dämmung ist exzellent. Bis 160 km/h ist Ruhe im Karton. Vmax ist bei 170 km/h begrenzt. Das Fahrwerk filtert kurze Stöße gut weg, ist aber verbindlicher (härter) als bei einem Mercedes EQE.

Verbrauch & Reichweite: Ich teste die Version mit der 66 kWh LFP-Batterie (es gibt auch 80 kWh NMC).

  • Verbrauch (Test): 16,5 kWh/100km.
  • Reichweite (Real): ca. 400 km. Das ist effizient. Die Aerodynamik (aktiver Grill, Spoiler) hilft. Laden? Er lädt von 30 auf 80 % in 20 Minuten. Das ist okay, aber keine 800-Volt-Technik wie bei Hyundai/Kia.

Die Alternative: Der EREV (Range Extender) Wer Angst vor dem Laden hat, nimmt den EZ-6 als EREV. Dann hat er einen kleinen Akku (ca. 200 km E-Reichweite) und einen 1.5 Liter Benziner, der nur Strom erzeugt. Gesamtreichweite: 1.200 km. Der Benziner treibt nie die Räder an. Das Fahrgefühl bleibt immer elektrisch (leise, linear). Für deutsche Vertreter eigentlich die genialste Lösung.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Mazda EZ-6 BEV (2026)
Alex Wind Kommentar
Antrieb
Heckantrieb (RWD)
Klassisches Layout für Fahrspaß.
Leistung
190 kW (258 PS)
Ausreichend, aber kein Tesla Performance.
0-100 km/h
6,9 Sekunden
Flott, aber nicht magenumdrehend.
Vmax
170 km/h
Reicht.
Batterie
66 kWh (LFP) oder 80 kWh (NMC)
LFP ist robuster, NMC kommt weiter.
Reichweite (WLTP)
bis ca. 600 km (großer Akku)
Real eher 400-480 km.
Besonderheit
Aktiver Heckspoiler
Serie bei Top-Modellen. Cool!
Kofferraum
Liftback (große Klappe)
Viel praktischer als Model 3.
Preis (Basis)
ca. 42.000 €
Kampfpreis gegen Model 3.
Preis (Testwagen)
49.500 €
Vollausstattung mit Leder & Spoiler.

Pro & Contra

  • Design: Sieht viel teurer aus, als er ist.
  • Fahrwerk: Mazda hat die „Schwammigkeit“ der Plattform erfolgreich wegtrainiert.
  • Heckklappe: Die große Öffnung macht ihn familientauglich.
  • EREV-Option: 1.000 km Reichweite für Diesel-Umsteiger.
  • Bedienung: Fast nur Touchscreen. Ein Bruch mit der Mazda-Tradition.
  • Software: Man merkt die chinesische Herkunft (verspielt, Avatar-Assistent), wirkt teils überladen.
  • Laden: 400-Volt-System ist nur Durchschnitt.

Konkurrenz-Check

  • Tesla Model 3 Highland: Der Benchmark. Effizienter, besseres Ladenetz, bessere Software. Aber: Kleine Kofferraumklappe, Fahrwerk oft polteriger, Design sieht man an jeder Ecke.
  • BYD Seal: Der direkte Gegner. Hat 800V-Technik (lädt aber nicht schneller), ähnliches Design, aber der Mazda fährt sich europäischer/sportlicher.
  • VW ID.7: Der Komfort-König. Viel größer, viel mehr Platz, komfortabler, aber teurer und emotionslos im Design.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Mazda EZ-6 (2026) ist eine Überraschung. Ich hatte Angst, dass es nur ein umgelabelter Chinese ist. Aber Mazda hat genug „Mazda-Gewürz“ in die Suppe getan. Das Design ist atemberaubend, das Fahrwerk macht Spaß und die Qualität stimmt. Er ist die perfekte Alternative für alle, die das Tesla Model 3 zu langweilig und den VW ID.7 zu bieder finden. Und wer noch nicht bereit für Full-Elektro ist: Der EZ-6 EREV (Range Extender) ist der heimliche Star. Elektrisch fahren im Alltag, Benziner für den Urlaub – ohne Reichweitenangst. Wem empfehle ich ihn: Design-Ästheten und Ex-Mazda-6-Fahrern, die den Schritt in die Moderne wagen. Wem rate ich ab: Hardcore-Mazda-Fans, die „analoge“ Bedienung suchen. Die Knöpfe sind weg, Freunde.

FAQ

1. Ist das ein echter Mazda-Motor? Nein. Der E-Motor und die Plattform kommen von Changan. Mazda hat aber das Design, die Abstimmung (Fahrwerk, Lenkung) und die Sicherheitsstandards definiert. Es ist eine Kooperation, kein reines Rebranding.

2. Was ist besser: BEV oder EREV? Wenn Sie zu Hause laden können und selten mehr als 400 km am Stück fahren -> BEV (weniger Wartung). Wenn Sie Laternenparker sind oder täglich 600 km Autobahn schrubben -> EREV (Range Extender). Der Benziner lädt den Akku, Sie müssen nie laden, können aber.

3. Kommt noch ein Kombi? Bisher (Stand 2026) leider nein. Der Liftback mit der großen Heckklappe ist der Kompromiss. Aber da Mazda Europa wichtig ist, stirbt die Hoffnung auf einen „EZ-6 Wagon“ zuletzt.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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