Es ist kompliziert geworden bei MINI. Früher gab es den MINI. Im Jahr 2026 müssen wir differenzieren. Wollen Sie Benzin verbrennen? Dann bekommen Sie den Cooper C oder S (Baureihe F66). Der sieht neu aus, ist unter dem Blech aber eigentlich noch der Alte. Made in Oxford. Wollen Sie elektrisch fahren? Dann bekommen Sie den hier getesteten Cooper SE (Baureihe J01). Der ist komplett neu, wurde mit Great Wall Motors entwickelt und kommt (zunächst) aus China. Verwirrt? Egal. Denn optisch sind sie fast Zwillinge. Die Frage ist nicht, wo er gebaut wird. Die Frage ist: Hat der elektrische MINI im Jahr 2026 noch seine Seele, oder ist er nur noch ein schickes Smartphone auf Rädern mit „Spike“-Hund auf dem Display? Wir haben den Cooper SE mit 218 PS durch den Stadtverkehr und über Landstraßen gescheucht.
Das Design: Glattgebügelt
Der neue MINI ist „reduziert“. Die wilden Plastik-Radläufe sind weg. Die Chrom-Ornamente sind weg. Die Türgriffe sind bündig eingelassen. Er wirkt wie ein Kieselstein, den das Wasser über Jahre glattgeschliffen hat. Hinten gibt es die kontroversen „Spider-Man“-Rückleuchten (dreieckig pixelig), die man aber per Software im Design ändern kann (Union Jack ist natürlich Pflicht). Er sieht kleiner aus, als er ist. Und er sieht teuer aus. In „Blazing Blue“ mit dem kontrastierenden Dach ist er immer noch der unangefochtene Style-König im Kleinwagensegment. Ein Fiat 500e wirkt dagegen fast schon barock.
Innenraum: Die Pizza in der Mitte
Setzen wir uns rein. Wo ist der Tacho? Weg. Wo sind die Schalter? Fast alle weg. Alles konzentriert sich auf die OLED-Unit in der Mitte. Ein hauchdünner, runder Bildschirm mit 24 cm Durchmesser. Die Grafikqualität ist brillant. Schwarz ist echtes Schwarz. Die Farben knallen. Aber die Bedienung? Es ist gewöhnungsbedürftig. Die Geschwindigkeit steht oben in der Mitte des Kreises (oder im optionalen Head-Up-Display – Kaufpflicht!, sonst schielen Sie ständig zur Seite). Die Klimaanlage wird per Touch bedient. Das nervt. Dafür hat MINI das Armaturenbrett mit einem gestrickten Stoff („Knit“) bezogen, der von hinten beleuchtet wird. Das sieht unfassbar gemütlich und hochwertig aus. Viel besser als das kalte Plastik der Konkurrenz. Unter dem Screen gibt es noch die „Toggle-Bar“ mit fünf echten Schaltern (Gangwahl, Start/Stop, Experience Mode). Ein haptischer Anker in der digitalen Welt.
Der Antrieb: 218 PS gegen die Physik
Der Cooper SE hat 218 PS (160 kW) und 330 Nm. Das klingt nach viel für einen Kleinwagen. Aber er wiegt auch rund 1,7 Tonnen. Das ist das Gewicht eines 5er BMWs von vor 20 Jahren. Spürt man das? Jein. MINI hat das Fahrwerk so abgestimmt, dass es das Gewicht kaschiert. Der Schwerpunkt liegt extrem tief (Akku im Boden). Lenkt man ein, zackt der MINI sofort in die Kurve. Das „Go-Kart-Feeling“ ist da. Es ist künstlicher als früher, digitaler, aber es macht immer noch verdammt viel Spaß. Der „Go-Kart-Mode“ strafft die Lenkung und spielt einen synthetischen Sound ein, der an einen wütenden Staubsauger erinnert (kann man ausschalten). 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden. An der Ampel lässt man fast alles stehen. Aber auf der Bremse merkt man die Masse. Die Physik lässt sich nicht komplett austricksen.
Reichweite & Laden: Das ewige Thema
Im Boden steckt ein 54,2 kWh Akku. WLTP sagt: Über 400 km. Realität 2026: 300 bis 330 km. Auf der Autobahn bei 130 km/h schmilzt die Reichweite auf 220 km. Das ist okay für einen City-Flitzer. Aber für die Fahrt von Hamburg nach München braucht man Geduld. Denn die Ladegeschwindigkeit ist mittelmäßig. Maximal 95 kW am Schnelllader. Das ist im Jahr 2026, wo Hyundai und Co. mit 200+ kW laden, einfach zu wenig. 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent sind Standard, aber nicht „Premium“. Hier merkt man, dass die Plattform nicht „High-End“, sondern „Cost-Efficient“ sein musste.
Der Verbrenner (Cooper C/S): Für die Nostalgiker
Nur kurz zur Info: Wenn Sie keine Ladesäule haben, kaufen Sie den Cooper S (F66). Er hat einen 2.0-Liter Vierzylinder mit 204 PS. Er hat das gleiche Cockpit (Rund-Display), sieht außen fast gleich aus (hat aber noch Auspuffrohre, wenn auch versteckt). Er fährt sich mechanischer, leichter, „echter“. Aber er wirkt technologisch wie von gestern. Er ist das „Best of“ der alten Welt.
Fazit: Das teuerste Spielzeug der Stadt
Der MINI Cooper SE (2026) ist kein Vernunftauto. Er ist eng (hinten sitzen nur Kinder oder Taschen). Er ist teuer (mit Ausstattung knacken Sie locker die 45.000 Euro). Er lädt nicht besonders schnell. Aber er hat Charme. Er macht den grauen Montagmorgen bunt. Das Interieur ist ein Design-Meisterwerk, das Fahren macht süchtig. Er ist das iPhone unter den Kleinwagen: Es gibt rational bessere Geräte für weniger Geld, aber man will halt das Original.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie Design lieben und „gestrickte“ Armaturenbretter cool finden.
- Sie meistens in der Stadt und im Umland unterwegs sind (Kurvenräuber!).
- Sie das Budget für das Head-Up-Display haben (ohne ist es nervig).
Lassen Sie es, wenn:
- Sie oft Langstrecke fahren. Die 95 kW Ladeleistung bremsen Sie aus.
- Sie Platz brauchen. Der Kofferraum ist ein Witz (200 Liter).
- Sie echte Knöpfe für die Klimaanlage wollen.




































