In Deutschland trauern Handwerker und Offroad-Fans immer noch einer Legende hinterher: Dem Nissan Navara. Ende 2022 hat Nissan den Verkauf in Europa eingestellt. „Zu schmutzig, zu wenig Absatz“, hieß es. Die Lücke füllen jetzt der Ford Ranger und der VW Amarok. Aber in den USA lebt die Legende weiter. Dort heißt sie Nissan Frontier. Und das Verrückte ist: Der aktuelle Frontier (Generation D41) hat mit unserem alten Navara technisch fast nichts mehr zu tun. Er ist eine eigenständige, bullige US-Entwicklung. Immer mehr dieser Pickups schwappen 2026 als Grauimporte über den Atlantik. Sie sehen fantastisch aus – kantig, aggressiv, retro. Aber sie haben ein Problem, das deutsche Pickup-Fahrer schockiert: Es gibt keinen Diesel. Wir haben den Frontier Pro-4X getestet. Ist der Benziner-Pickup eine Alternative zum Ford Ranger Raptor oder ein finanzielles Himmelfahrtskommando?
Der Motor: 3.8 Liter Hubraum – und kein Turbo?
Wenn Sie die Haube öffnen, finden Sie etwas, das in Europa fast ausgestorben ist. Kein 2.0-Liter-Biturbo-Diesel. Kein Downsizing. Sondern einen massiven 3.8-Liter V6-Saugmotor. 314 PS (310 hp). 381 Nm Drehmoment. Das klingt nach Musik in den Ohren von Puristen. Und es fährt sich auch so. Der Motor hängt direkt am Gas. Keine „Gedenksekunde“, bis der Ladedruck da ist. Er dreht willig hoch und klingt dabei kehlig und kraftvoll. Gekoppelt ist das Ganze an eine 9-Gang-Automatik (von Mercedes lizenziert, aber von Jatco gebaut). Die schaltet butterweich und schnell. Auf der Autobahn ist das ein Genuss. Der Frontier zieht sauber bis 180 km/h durch. Er wirkt spritziger als jeder Diesel-Pickup. Aber: Das Drehmoment fehlt. Ein Ford Ranger Diesel hat 500 oder 600 Nm. Der Frontier hat nur 381 Nm. Wer einen schweren Hänger (3,5 Tonnen) ziehen will, muss den V6 ausquetschen. Er braucht Drehzahl. Das entspannte „Dieseln“ im Drehzahlkeller gibt es hier nicht.
Der Durst: Ein Schock an der Zapfsäule
Kommen wir zum Elefanten im Raum. Ein Diesel-Pickup verbraucht in Deutschland etwa 9 bis 11 Liter Diesel. Der Nissan Frontier verbraucht Benzin. Und zwar viel davon. Im Drittelmix (ohne Anhänger!) haben wir 13 bis 15 Liter gemessen. Im Gelände oder mit Hänger sind es schnell 18 bis 20 Liter. Bei den deutschen Spritpreisen 2026 ist das ein teures Vergnügen. Die einzige Rettung: Eine LPG-Gasanlage. Der V6-Direkteinspritzer lässt sich (mit Aufwand) umrüsten. Dann halbieren sich die Treibstoffkosten, und der Frontier wird plötzlich wieder konkurrenzfähig zum Diesel. Ohne Gas-Umbau ist er nur etwas für Leute, denen Geld egal ist.
Das Design: „Hardbody“ Nostalgie
Warum kaufen Leute den Frontier trotzdem? Weil er verdammt gut aussieht. Nissan hat sich am legendären „Hardbody“-Pickup der 80er Jahre orientiert. Die Front steht senkrecht im Wind. Die Kotflügel sind breit ausgestellt. Er wirkt wie ein massiver Ziegelstein. Besonders cool: Die „Hardbody Edition“ (als Ausstattungspaket). Sie kommt mit Retro-Felgen im 80er-Look, schwarzem Überrollbügel und speziellen Decals. Das ist pure Nostalgie. Dagegen sieht ein VW Amarok fast schon zu „glattgebügelt“ und PKW-artig aus. Der Frontier ist ein ehrliches Arbeitstier, das auch vor der Eisdiele funktioniert.
Innenraum & Komfort: Rustikal trifft Modern
Innen ist der Frontier „typisch US-Truck“. Das heißt: Alles ist groß, alles ist robust, aber nicht unbedingt „Premium“. Es gibt viel Hartplastik. Aber das ist so texturiert, dass es hochwertig wirkt. Die Schalter sind riesig – man kann sie mit Arbeitshandschuhen bedienen. Das Infotainment (bis zu 9 Zoll, je nach Baujahr und Facelift auch größer) bietet Apple CarPlay und Android Auto. Das Highlight sind auch hier die Zero Gravity Sitze. Nissan verbaut sie vorne. Selbst auf langen Strecken steigt man ohne Rückenschmerzen aus. Die Dämmung ist für einen Pickup hervorragend (Akustikglas vorne). Man hört wenig Wind, nur das angenehme Grummeln des V6. Hinten (in der Crew Cab) ist der Platz okay, aber nicht riesig. Ein Ford Ranger bietet im Fond etwas mehr Beinfreiheit. Unter der Rückbank gibt es praktische Staufächer.
Offroad: Pro-4X beißt zu
Wir haben den Pro-4X in eine Kiesgrube geschickt. Das ist die Offroad-Version mit Bilstein-Stoßdämpfern, Unterfahrschutz und elektronischer Differentialsperre hinten. Das Fahrwerk ist brillant. Es schluckt harte Schläge weg, ohne nachzuwippen. Die Lenkung ist (im Gegensatz zum Vorgänger) direkt und präzise. Der Frontier klettert mühelos. Das Fehlen des Diesel-Drehmoments bei niedrigen Drehzahlen gleicht die kurze Übersetzung des ersten Gangs und die Untersetzung (Low Range) aus. Man muss ihm nur etwas mehr Gas geben. Das 360-Grad-Kamerasystem hat einen speziellen „Offroad-Mode“, damit man sieht, wo die Vorderräder stehen, um Felgenschäden an Felsen zu vermeiden.
Fazit: Für den Diesel-Hasser mit Gas-Anlage
Der Nissan Frontier (2026) ist ein exotischer Außenseiter. Er ist der Pickup für Individualisten, die keinen Ford Ranger fahren wollen, wie ihn jeder zweite Handwerker hat. Er bietet einen sensationell laufruhigen, starken V6-Motor, der ewig halten dürfte (kein Turbolader, kein komplexes AdBlue-System). Aber er erkauft sich diese Haltbarkeit mit extremem Durst. Ohne LPG-Umbau ist er in Deutschland kaum wirtschaftlich zu betreiben.
Kaufen Sie ihn (Import), wenn:
- Sie Diesel-Motoren und deren Abgasreinigungsprobleme (AGR, AdBlue) hassen.
- Sie einen Pickup suchen, der noch nach „echtem Auto“ klingt und aussieht.
- Sie bereit sind, eine LPG-Anlage nachzurüsten.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie schwere Anhänger (3,5t) über weite Strecken ziehen. Ein Diesel hat hier einfach mehr Drehmoment und Reichweite.
- Sie auf den Verbrauch schauen. Der V6 säuft.
- Sie volle Garantie und ein dichtes Werkstattnetz brauchen. Bei Importen sind Sie oft auf Spezialisten angewiesen.






















