Erinnern Sie sich an den Nissan Pathfinder R51? Dieser kantige Kasten aus den 2000ern, der halb Geländewagen, halb Familienbus war und in Deutschland an jeder zweiten Pferdekoppel stand? Er war eine Legende. Dann kam der Nachfolger (R52), der aussah wie ein rundgelutschtes Seifenstück, ein stufenloses CVT-Getriebe hatte und bei Fans Brechreiz auslöste. Nissan nahm ihn in Europa zurecht vom Markt. Aber in den USA hat Nissan den Fehler korrigiert. Der aktuelle Nissan Pathfinder (Generation R53) – und speziell das Facelift-Modell 2026 – sieht wieder aus wie ein Auto, mit dem man Bäume ausreißen kann. Er ist kantig, breit und maskulin. Offiziell gibt es ihn hier nicht mehr. Aber als Import ist er eine spannende Alternative für Großfamilien, denen ein VW Multivan zu „bus-artig“ und ein Toyota Highlander zu langweilig ist. Wir haben den US-Bestseller getestet.
Das Design: Lego für Erwachsene
Nissan hat verstanden: Ein SUV muss nach Abenteuer aussehen, auch wenn es nur zum Ballettunterricht fährt. Der 2026er Pathfinder trägt stolz den „V-Motion“-Grill, aber er ist breiter und aggressiver als beim kleinen Bruder X-Trail. Die C-Säule ist abgeschrägt (ein Zitat des Ur-Pathfinders). Hinten prangt der Modellname in riesigen Buchstaben über die gesamte Breite. Besonders die „Rock Creek“-Edition ist ein Hingucker. Mit grobstolligen All-Terrain-Reifen, einem massiven Rohr-Dachgepäckträger und viel schwarzem Plastik sieht er aus, als käme er gerade von einer Dakar-Etappe. Auf deutschen Straßen wirkt er wuchtig (über 5 Meter lang, knapp 2 Meter breit), aber nicht so einschüchternd riesig wie ein Nissan Armada. Er passt gerade noch so in moderne Parklücken.
Der Antrieb: Tschüss CVT, Hallo 9-Gang-Automatik
Das Wichtigste zuerst: Das verhasste CVT-Gummiband-Getriebe ist tot. Nissan verbaut im Pathfinder eine klassische 9-Gang-Wandlerautomatik (von ZF). Und das ändert alles. Gekoppelt ist sie an den bewährten 3.5-Liter V6 Sauger (VQ35). 284 PS (Standard) bis 295 PS (Rock Creek). 351 Nm Drehmoment. Das ist „Old School“ im besten Sinne. Der Motor hat keinen Turbo, den man erst aufwecken muss. Er hat Hubraum. Er zieht linear und kraftvoll durch. Die Automatik schaltet sauber und unauffällig. Hängerbetrieb? Das ist seine Paradedisziplin. Während moderne Hybrid-SUVs oft bei 1,5 oder 2 Tonnen schlappmachen, darf der Pathfinder (mit US-Anhängerpaket) bis zu 2,7 Tonnen (6.000 lbs) ziehen. Das reicht für das große Boot oder den Doppel-Pferdehänger. Und dank des Wandlergetriebes raucht beim Rangieren keine Kupplung ab.
Der Preis dafür? Der V6 ist durstig. In den USA ist Benzin billig. In Deutschland tun 11 bis 13 Liter Super weh. Im reinen Stadtverkehr sind es auch mal 15. Einen Diesel oder Hybrid gibt es nicht.
Innenraum: Der 8-Sitzer-Trick
Der Pathfinder ist einer der wenigen SUVs, die man als echten 8-Sitzer (2+3+3) konfigurieren kann. Meistens wird er aber als 7-Sitzer mit „Captain’s Chairs“ in der zweiten Reihe importiert. Das Geniale ist das EZ FLEX Sitzsystem. Sie können den Sitz der zweiten Reihe nach vorne klappen und schieben, ohne einen montierten Kindersitz ausbauen zu müssen. Das ist für Eltern ein „Killer-Feature“, das viele deutsche Hersteller nicht hinbekommen. Der Platz in der dritten Reihe ist okay. Erwachsene halten es dort für kurze Strecken aus, Kinder lieben es („die Höhle ganz hinten“). Das Cockpit ist 2026 modernisiert. Große Screens, digitale Instrumente, Head-Up-Display. Aber Nissan hat (Gott sei Dank!) die physischen Drehregler für Klima und Audio behalten. Man muss sich nicht durch Menüs touchen, um die Sitzheizung zu aktivieren. Die Ablagen sind gigantisch. Es gibt eine „Brücke“ unter der Mittelkonsole, wo eine Damenhandtasche oder ein Tablet verschwinden kann.
Rock Creek Edition: Coolness mit Nebenwirkungen
Viele Importe sind „Rock Creek“ Modelle. Sie sehen am besten aus. Aber Vorsicht:
- Reifen: Die Offroad-Reifen singen auf der Autobahn. Ab 120 km/h wird es lauter als im normalen Modell.
- Dachgepäckträger: Der massive rohrförmige Träger sieht toll aus, verursacht aber Windgeräusche und kostet ca. 0,5 Liter Sprit extra. Wer nur Straße fährt, sollte nach einer „Platinum“-Ausstattung suchen. Die ist leiser, luxuriöser (Leder statt Kunstleder/Stoff-Mix) und hat normale Straßenreifen.
Der Import-Check: Toyota oder Nissan?
Der natürliche Feind des Pathfinder ist der Toyota Highlander. Den Toyota gibt es offiziell in Deutschland. Er ist ein Hybrid. Er verbraucht nur 7 Liter. Rational gewinnt der Toyota haushoch. Aber der Nissan Pathfinder ist emotionaler. Er hat den besseren Sound (V6), die höhere Anhängelast (der Toyota schafft meist nur 2 Tonnen) und das robustere Getriebe für schwere Arbeit. Zudem ist der Nissan als US-Import oft günstiger. Einen jungen gebrauchten Pathfinder bekommt man oft für 40.000 bis 50.000 Euro. Ein Highlander kostet neu deutlich mehr.
Nachteile beim Import:
- Navi: US-Kartenmaterial (nutzlos), aber CarPlay/Android Auto retten den Tag.
- Radio: Frequenz-Problem (ungerade US-Schritte).
- Teile: Verschleißteile für den VQ35-Motor sind verfügbar (er ist millionenfach gebaut), aber Karosserieteile brauchen Zeit.
Fazit: Der bessere Multivan für Offroad-Fans
Der Nissan Pathfinder (2026) ist kein Auto für Sparfüchse. Der Verbrauch ist nicht mehr zeitgemäß. Aber er ist ein fantastisches Auto für aktive Familien. Er bietet Platz ohne Ende, zieht schwere Hänger souverän weg und sieht dabei nicht aus wie ein langweiliger Familien-Van, sondern wie ein Action-Film-Requisit. Er ist der „Anti-Hybrid“. Ehrliche Mechanik, viel Platz, null Elektro-Surren.
Kaufen Sie ihn (Import), wenn:
- Sie mehr als 2 Tonnen ziehen müssen. Das ist das K.O.-Kriterium für viele Hybride.
- Sie 3 Kinder haben, die alle noch im Kindersitz sitzen (EZ FLEX System!).
- Sie den Charakter eines großvolumigen Saugers lieben.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie Sprit sparen wollen. Nehmen Sie den Toyota Highlander Hybrid.
- Sie in einem engen Parkhaus in der Innenstadt parken müssen.
- Sie Angst vor der Ersatzteilversorgung bei Unfallschäden haben.




















