Es ist Donnerstagmorgen, kurz vor acht vor einer deutschen Grundschule. Was sehen Sie? Richtig: Ein Meer aus SUVs. Aber zwischen den riesigen Audi Q7 und den kantigen VW Tiguans wuselt ein Auto herum, das wie das Schweizer Taschenmesser des urbanen Dschungels wirkt. Der Renault Captur. Auch im Jahr 2026, zwei Jahre nach seinem großen Facelift, ist der Captur eine feste Größe im Straßenbild. Er ist der Clio auf High Heels. Er ist das Auto für Leute, die “hoch sitzen” wollen, ohne einen Panzer zu fahren. Wir haben den französischen Bestseller – in der schicken “Esprit Alpine”-Ausstattung – dort getestet, wo er hingehört: Im Kampf um die letzte Parklücke vor dem Bäcker, im Stau auf dem Mittleren Ring und auf der Landstraße. Ist er nur ein aufgeblasener Kleinwagen oder der bessere Golf?
Der Innenraum: Der geniale “Ritsch-Ratsch”-Trick
Steigen wir ein. Man fällt nicht in den Sitz wie im Clio, man rutscht hinein. Die Hüfthöhe ist perfekt für geplagte Bandscheiben. Das Cockpit hat sich 2024 massiv verändert und wirkt auch 2026 noch frisch. Warum? Wegen Google. Das OpenR Link System (hochkant, 10,4 Zoll) basiert auf Android Automotive. Das bedeutet: Sie sagen “Hey Google, fahr mich zum Baumarkt”, und es funktioniert. Einfach so. Keine fummelige Adresseingabe, keine veralteten Karten. Es ist schneller und logischer als alles, was VW im T-Roc anbietet. Die Materialien im “Esprit Alpine” sind ein haptischer Genuss. Stoffe mit blauen Nähten, weiche Oberflächen am Armaturenbrett, sogar eine kleine französische Flagge ist eingenäht. Es wirkt liebevoll.
Aber das eigentliche Highlight versteckt sich hinten. Greifen Sie unter die Rücksitzbank. Da ist ein gelber Hebel. Ziehen Sie ihn. Ritsch-Ratsch. Die gesamte Rückbank lässt sich um 16 Zentimeter verschieben. Das ist das “Killer-Feature” des Captur. Brauchen Sie Platz für die Knie von Teenagern? Bank nach hinten. Müssen Sie den Wocheneinkauf für vier Personen und den Kinderwagen transportieren? Bank nach vorne. Der Kofferraum wächst so von mickrigen 326 Litern (beim Hybrid) auf stattliche 440 Liter (oder über 500 beim reinen Benziner). Diese Variabilität macht den Captur im Alltag wertvoller als viele größere Autos, die eine starre Bank haben.
Der Antrieb: Komplizierte Ingenieurskunst
Wir fahren den E-Tech Full Hybrid 145. Das ist die Technologie, auf die Renault stolz ist. Zurecht? Jein. In der Stadt ist es ein Gedicht. Der Captur fährt fast immer elektrisch an. Das Surren ist leise, der Antritt an der Ampel ist zackig. Er “segelt” viel, der Verbrenner (ein 1.6 Liter Sauger) schaltet sich oft nur kurz dazu, um den Akku zu laden. Wir kamen im Stadtverkehr auf 4,5 Liter. Das ist sensationell.
Aber dann fahren wir auf die Autobahnauffahrt. Beschleunigungsstreifen. Vollgas. Und plötzlich wirkt das System gestresst. Das Getriebe (ein “Multi-Mode”-Getriebe ohne Kupplung) braucht eine Gedenksekunde, um die richtige Übersetzung zu sortieren. Dann heult der Motor auf, bleibt bei hoher Drehzahl hängen, während das Auto beschleunigt. Es fühlt sich an wie ein Gummiband. Bei Tempo 130 ist alles wieder ruhig. Aber bei 150 km/h wirkt der Antrieb zäh. Er ist nicht für die linke Spur gemacht. Er ist ein Cruiser, kein Raser.
Die Sparfuchs-Alternative: LPG lebt!
Wenn Ihnen die Hybrid-Technik zu komplex (oder zu teuer) ist, hat Renault 2026 immer noch ein Ass im Ärmel: Den TCe 100 Eco-G. Das ist der Dreizylinder mit Autogas-Tank ab Werk. Er kostet tausende Euro weniger als der Hybrid. Er hat ein manuelles 6-Gang-Getriebe (ja, selbst schalten!). Und Sie tanken für 90 Cent bis 1 Euro den Liter (Preise 2026). Der Motor ist knurrig und kein Rennwagen, aber er ist ehrlich. Wer rechnen muss, kauft diesen Motor. Es ist unverständlich, warum andere Hersteller diese einfache Spar-Technik ignorieren.
Fahrwerk: Die 19-Zoll-Falle
Unser Testwagen steht auf wunderschönen 19-Zoll-Felgen (“Elixir”). Sie sehen fantastisch aus. Sie füllen die Radhäuser satt aus. Aber unser Rücken meldet Zweifel an. Der Captur ist straff abgestimmt, um das Wanken der hohen Karosserie zu verhindern. In Kombination mit den flachen Reifen der 19-Zöller dringen Kanaldeckel und Querfugen trocken in den Innenraum. Es ist nicht “hart” wie in einem Sportwagen, aber es ist “stößig”. Unser Tipp für den Alltag: Nehmen Sie die 17- oder 18-Zoll-Räder. Das sieht vielleicht nicht ganz so aggressiv aus, aber Ihr Kaffeebecher schwappt weniger über, und der Bordstein verzeiht auch mal einen Rempler.
Platzangebot: Die Grenzen des Wachstums
Trotz der verschiebbaren Bank: Der Captur bleibt ein Kleinwagen-SUV (B-Segment). Vorne sitzt man fürstlich. Die Sitze sind bequem, die Übersicht ist dank der erhöhten Position gut (typisch SUV-Feeling). Aber hinten wird es eng, wenn der Fahrer groß ist. Die abfallende Dachlinie kostet Kopffreiheit. Wer dauerhaft Familie transportieren muss, sollte sich den neuen Renault Symbioz ansehen. Das ist im Prinzip ein um 17 cm verlängerter Captur. Der normale Captur ist eher für Singles, Paare oder junge Familien mit kleinen Kindern gedacht.
Konkurrenz-Check: Wo steht er 2026?
Der VW T-Roc wirkt im Innenraum im Vergleich zum Captur (Google-System!) inzwischen altbacken. Der Ford Puma fährt sportlicher, ist aber innen enger und dunkler. Der Toyota Yaris Cross ist noch sparsamer, aber lauter und innen viel rustikaler (“Plastikwüste”). Der Captur positioniert sich genau in der Mitte: Er ist der Komfortable, der Schicke, der Praktische.
Fazit: Das perfekte Auto für den Alltag (aber nicht für die Autobahn)
Der Renault Captur (2026) macht fast alles richtig. Er sieht gut aus, er ist innen variabel wie kaum ein anderer, und das Infotainment ist Referenzklasse. Der Hybrid-Antrieb ist genial für die Stadt, aber gewöhnungsbedürftig für Pendler mit schwerem Gasfuß.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie ein Auto suchen, das in jede Parklücke passt, aber innen groß wirkt (Verschiebebank!).
- Sie Google Maps lieben. Die Integration ist perfekt.
- Sie meistens in der Stadt oder über Land fahren.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie täglich 100 km Autobahn fahren. Der Hybrid wird dann laut und durstig.
- Sie maximalen Komfort suchen. Das Fahrwerk ist (mit großen Felgen) eher straff.
- Sie Platz für riesige Hundeboxen brauchen. Dann lieber den Kombi oder den längeren Symbioz.












