BMW X4 (2026): Der letzte Sechszylinder-Samurai im Test, TCO-Falle und der Triumph der Klimatasten

Wir schreiben das Jahr 2026. Wer heute durch die hell erleuchteten Showrooms der bayerischen Premiummarke schlendert, erblickt eine völlig neue automobile Welt: Futuristische Designs, gigantische „Curved Displays“ mit Touch-Bedienung und immer mehr Ladebuchsen. Der brandneue BMW X3 (G45) ist längst auf dem Markt – hochmodern, effizient und gnadenlos glattgebügelt.

Doch abseits des digitalen Rampenlichts steht er noch: Der BMW X4 (G02 LCI). Er ist der letzte Mohikaner einer automobilen Ära, die sich unweigerlich dem Ende zuneigt. In der Branche gilt es als offenes Geheimnis, dass es keinen direkten Verbrenner-Nachfolger für dieses SUV-Coupé mehr geben wird; die Zukunft gehört dem rein elektrischen iX4 auf der „Neuen Klasse“.

Exakt diese Gewissheit macht den aktuellen X4 zu einem der begehrtesten Fahrzeuge für Traditionalisten. Er basiert auf der legendären CLAR-Architektur (Cluster Architecture), verweigert sich dem Touchscreen-Wahn und bietet das, was seinem kleinen Bruder (dem frontgetriebenen X2) restlos fehlt: Echten Heckantriebsfokus und seidenweiche Reihensechszylinder. Wir haben den X4 M40i und den effizienten Langstrecken-Champion xDrive30d zum großen Abschieds-Test gebeten. Ist dieser Wagen nur noch veraltetes Eisen oder der „Golden Oldie“, den man sich jetzt noch schnell sichern muss?

Technische Daten & Spezifikationen

Datenpunkt
BMW X4 xDrive30d (MHEV)
BMW X4 M40i (MHEV)
Motor & Antrieb
3.0L R6 Turbodiesel (B57) + 48V-System, AWD
3.0L R6 Turbobenziner (B58) + 48V-System, AWD
Leistung / Drehmoment
286 PS (210 kW) / 650 Nm
360 PS (265 kW) / 500 Nm
Getriebe
8-Gang-Steptronic Sport (ZF 8HP)
8-Gang-Steptronic Sport (ZF 8HP)
Fahrwerk
Adaptives M Fahrwerk (Doppelquerlenker/Mehrlenker)
Adaptives M Fahrwerk
0-100 km/h / Vmax
5,7 s / 245 km/h
4,9 s / 250 km/h (Abgeregelt)
Testverbrauch (Mix)
ca. 6,5 – 7,2 l/100 km (Diesel)
ca. 8,5 – 9,5 l/100 km (Super Plus)
Anhängelast (gebremst)
2.400 kg
2.400 kg
Länge / Breite (m. Spiegel)
4.751 mm / 2.138 mm (Baustellen-Verbot!)
4.751 mm / 2.138 mm
Listenpreis (Real DE)
ab ca. 73.000 €
ab ca. 83.000 €
BMW X4 - Bild 1

Unterhalt, Dienstwagensteuer und das TCO-Kalkül

In der Total Cost of Ownership (TCO) fordert der X4 von Flottenkunden absolute kaufmännische Überzeugung. Da BMW bei dieser Baureihe konsequent auf großvolumige Motoren mit 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik setzt und keinen Plug-in-Hybrid (PHEV) anbietet, entfallen jegliche steuerlichen Subventionen. Für Dienstwagenfahrer greift in Deutschland unbarmherzig die volle 1,0%-Dienstwagenversteuerung auf den Bruttolistenpreis. Wer steuerlich sparen muss, ist gezwungen, zum X3 30e xDrive (PHEV) oder zum elektrischen iX2 zu wechseln.

Für Privatkäufer ist der X4 in der Anschaffung spürbar teurer als ein identisch motorisierter X3. Doch diese Investition zahlt sich beim Restwert aus: Da es der letzte Verbrenner seiner Art ist, prognostizieren Marktbeobachter eine extrem hohe Wertstabilität für gepflegte Sechszylinder-Modelle (speziell den M40i). Die laufenden Kosten des xDrive30d sind dank seines phänomenal niedrigen Verbrauchs auf der Langstrecke überschaubar, während die Kaskoprämien für den M40i naturgemäß auf Sportwagen-Niveau rangieren.

Design, Abmessungen & die fatale Baustellen-Sperre

Als die erste Generation des X4 präsentiert wurde, nannten ihn böse Zungen den „Quasimodo aus Spartanburg“. Beim aktuellen Modell (G02 LCI) ist diese Kritik völlig verstummt. Der X4 ist massiv gereift. Er sieht aus wie ein X6, der im Trockner leicht eingelaufen ist – und das ist ein absolutes Kompliment! Die Proportionen stimmen perfekt: Er wirkt flüssig, organisch und duckt sich muskulös auf den Asphalt. Im direkten Kontrast zum stark kantigen, neuen X2 beweist der X4 zeitlose automobile Eleganz. Die schmalen 3D-LED-Rückleuchten und die mächtigen trapezförmigen Endrohre des M40i signalisieren unmissverständlich pure Kraft.

Doch diese brachiale Präsenz liefert auf der Autobahn ein böses Erwachen. Mit voll ausgeklappten Außenspiegeln wuchtet sich das SUV-Coupé auf 2.138 Millimeter Breite. Das juristische Urteil für Pendler lautet: Die Nutzung der klassischen, auf oftmals exakt 2,1 Meter limitierten linken Überholspur in deutschen Autobahnbaustellen ist für Sie ein gesetzliches Tabu! Sie müssen sich zwingend auf der rechten Spur zwischen den Lkw einordnen, andernfalls riskieren Sie den Kaskoschutz.

BMW X4 - Bild 2

Innenraum: Haptik-Triumph, OS 7 und der Sieg der Tasten

Wir öffnen die Tür und betreten das vermutlich ergonomisch beste Interieur, das BMW im 21. Jahrhundert gebaut hat. Ja, das „Live Cockpit Professional“ (Operating System 7) mit getrenntem Tacho- und Navigationsbildschirm mag im Jahr 2026 neben den riesigen „Curved Displays“ der Neuheiten optisch fast schon klassisch wirken. Doch in der Praxis ist es ein absoluter Segen!

Dieses Cockpit ist die letzte Bastion der sicheren Bedienbarkeit! Es gibt massive, physische Tasten für die Klimaautomatik. Sie finden die acht geliebten, frei programmierbaren Favoritentasten für Radiosender oder Navigationsziele. Und vor allem: Auf der Mittelkonsole thront der echte iDrive-Controller. Sie bedienen dieses Fahrzeug bei Tempo 200 völlig blind, sicher und fehlerfrei – ein Erlebnis, das in modernen, touch-verseuchten Cockpits unwiederbringlich verloren ist.

Die Verarbeitungsqualität ist exzellent, teils solider als in den komplett neu entwickelten Baureihen. Weiches Vernasca- oder Merino-Leder und kühles Aluminium dominieren. Die Sitzposition ist sportlich und angenehm tief in das Fahrzeug integriert.

Antrieb und Fahrdynamik: Der B58-Kult und das CLAR-Chassis

Unter dem Blechkleid beweist München seine absolute, unangefochtene Motorenkompetenz. Hier liegt der elementare Grund, warum man den X4 jedem neuen X2 vorziehen muss: Längs eingebaute Motoren und hecklastiger Allradantrieb.

Der X4 M40i ist der „Sweetspot“ der Baureihe. Unter der Haube arbeitet der legendäre B58-Motor (3.0-Liter-Reihensechszylinder-Turbo). Mit 360 PS und 500 Nm hängt dieses Aggregat derart gierig am Gas, dass es eine wahre Freude ist. Er dreht jubelnd hoch, klingt (trotz Otto-Partikelfilter) sonor und metallisch. Gekoppelt an die seidenweich, aber bei Bedarf peitschenartig schaltende 8-Gang-Steptronic Sport (ZF 8HP) absolviert er den Sprint in 4,9 Sekunden. Wer entspannt cruist, drückt den Verbrauch auf beeindruckende 8,5 Liter. Den extrem nervösen und brettharten X4 M Competition (510 PS) braucht im Alltag absolut niemand.

Der xDrive30d ist der Kilometerfresser. Sein 3.0-Liter-Diesel (B57) wuchtet 650 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Er drückt Sie in den Sitz wie ein startender Jet, konsumiert auf der Langstrecke aber unfassbare 6,5 Liter. Mit diesem Motor fahren Sie problemlos 1.000 Kilometer am Stück. (Die kleinen Vierzylinder 20i/20d sollten Sie ignorieren – sie werden dem emotionalen Charakter dieses Autos nicht gerecht).

Fahrdynamisch profitiert der X4 von der CLAR-Architektur. BMW stimmt das Coupé spürbar straffer ab als den brüderlichen X3. Der Schwerpunkt ist niedriger, die Spur breiter. Der Wagen lenkt extrem gierig ein, das Fahrwerk (mit Doppelquerlenkerachse vorn) kommuniziert mechanisch und verbindlich. Mit den großen 20- oder 21-Zoll-M-Leichtmetallrädern gibt das adaptive M Fahrwerk Unebenheiten zwar „ehrlich“ in den Innenraum weiter, poltert aber niemals. Es ist ein Sportwagen im SUV-Pelz. Das NVH-Niveau ist dank exzellenter Aerodynamik bis Tempo 180 km/h hervorragend.

BMW X4 - Bild 3

Platzangebot für Familien und Freizeit

Hier fordert die elegante Coupé-Linie ihre gnadenlosen, pragmatischen Kompromisse. Vorne residiert man königlich, doch im Fond beginnt die Strafbank. Wer über 1,85 Meter groß ist, muss den Kopf schief legen oder auf der Sitzbank nach vorne rutschen, da die Dachlinie extrem früh und steil abfällt.

Der Kofferraum fasst 525 Liter. Er ist zwar erfreulich tief, durch die stark abfallende Heckscheibe jedoch sehr flach. Sperrige Güter oder ein ausgewachsener Kühlschrank bleiben zwingend draußen. Die ungeschminkte Wahrheit im Alltag: Die Ladekante des X4 ist verdammt hoch! Wer einen schweren Hund in den Kofferraum wuchten muss, benötigt zwingend ein Fitnessstudio-Abo oder eine Einstiegsrampe. Zudem gleicht die Sicht nach hinten im Innenspiegel einem Witz: Man blickt faktisch nur auf die Kopfstützen und einen winzigen Schlitz Himmel. Wer ohne die exzellenten Parkkameras rückwärts rangiert, spielt Russisches Roulette mit dem Heckstoßfänger. Immerhin dürfen alle Sechszylinder-Modelle satte 2.400 Kilogramm ziehen.

Konkurrenz-Check

Das SUV-Coupé-Segment im finalen Duell:

Feature
BMW X4 (G02 LCI)
Mercedes GLC Coupé (C253)
Porsche Macan Coupé (Benzin)
Motor (Benzin)
3.0L R6 (B58, 360 PS)
3.0L R6 (390 PS)
2.9L V6 (380 PS)
Fahrwerk
Straff, extrem agil
Sehr komfortabel (Luft)
Dynamik-Referenz
Ergonomie
Echte Tasten & iDrive!
Touch-Wüste (MBUX)
Tasten-Mix
Sicht nach hinten
Katastrophal
Mäßig
Akzeptabel
Preis (Start)
ab ca. 73.000 € (30d)
ab ca. 78.000 €
ab ca. 85.000 € (Macan S)

Analyse: Rational betrachtet ist der neue elektrische Macan die Zukunft, doch bei den verbliebenen Verbrennern bleibt der Porsche Macan S (Verbrenner-Restbestände) fahrdynamisch das Maß der Dinge – fordert aber exorbitante Preise und hohe Wartungskosten. Das Mercedes GLC Coupé ist der absolute Langstreckengleiter: Es federt weicher als der BMW, enttäuscht aber bei sportlicher Fahrweise durch starkes Wanken und nervt mit einer rein touch-basierten, ablenkenden Bedienung. Der BMW X4 gewinnt dieses Duell bei allen Traditionalisten: Er bietet den kultiviertesten Sechszylinder, die mit Abstand beste und sicherste Bedien-Ergonomie und das attraktivste Preis-Leistungs-Verhältnis für Sechszylinder-Fans.

BMW X4 - Bild 4

Pro & Contra

  • Ergonomie-Triumph: Der iDrive-Controller, die 8 Favoritentasten und echte Klima-Knöpfe sind die Spitze des automobilen Bedienkomforts.
  • Der B58-Motor: Der Reihensechszylinder im M40i ist ein seidenweiches, klangstarkes und verblüffend effizientes Meisterwerk.
  • Fahrdynamik: Hecklastiger Allrad, eine steife Karosserie und die CLAR-Plattform machen ihn agiler als fast jeden Konkurrenten.
  • Wertstabilität: Da kein Verbrenner-Nachfolger geplant ist, dürfte der Wertverlust für gepflegte Sechszylinder extrem gering ausfallen.
  • Baustellen-Tabu: Mit 2,138 Metern Außenbreite (inkl. Spiegel) ist die linke Autobahn-Baustellenspur gesetzlich ein striktes No-Go.
  • Sicht & Ladekante: Rückwärtsfahren ohne Kamera ist ein Blindflug, die hohe Ladekante macht das Beladen beschwerlich.
  • Platz im Fond: Die stark abfallende Dachlinie raubt Erwachsenen auf der Rückbank jegliche Kopffreiheit.
  • TCO für Flotten: Keine Steuervorteile (volle 1,0%-Dienstwagenbesteuerung), da es den X4 nicht als Plug-in-Hybrid gibt.

Alex Wind meint:

Der BMW X4 (2026) ist ein Auslaufmodell im denkbar allerbesten Sinne. Er ist technologisch restlos ausgereift, leidet unter keinen nervigen Software-Bugs mehr und bietet jene klassischen bayerischen Tugenden (sahniger Sechszylinder, heckbetonter Antrieb, perfekte Haptik), die in der neuen, hyper-digitalisierten Welt rücksichtslos wegrationalisiert werden.

Natürlich ist dieses Auto zutiefst unpraktisch, bietet eine schlechtere Übersicht als ein Leopard-Panzer und ist teurer als der wesentlich vernünftigere X3. Aber der X4 hat eine automobile Seele, die man nicht auf einem Datenblatt messen kann.

Wem empfehle ich dieses Fahrzeug? Jedem Genussfahrer, Traditionalisten und Individualisten, der den grandiosen Reihensechszylinder (B58) erleben will und echte Tasten im Cockpit fordert. Kaufen Sie den M40i oder den 30d, solange Sie noch können! Wem rate ich jedoch strikt ab? Familien mit großgewachsenen Teenagern, Hundebesitzern und Flottenmanagern auf der Suche nach 0,5%-Steuergeschenken. Wenn Sie nur ein praktisches SUV suchen, nehmen Sie den X3. Wenn Sie jedoch eines der fahraktivsten SUV-Coupés der Verbrenner-Historie besitzen wollen, ist der G02 LCI jetzt Ihr absoluter „Golden Oldie“. In zehn Jahren werden wir genau diesen Autos nachtrauern.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Senior Technical SEO Analyst und Automotive-Experte mit Fokus auf Datenprüfung und Marktanalysen für den DACH-Raum.


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