Kia Tasman (2026) im Test: Der „Ranger-Killer“ aus Korea – Design-Unfall oder Geniestreich?

Lange war es ein Gerücht. Dann sahen wir Erlkönige, die aussahen wie fahrende Schuhkartons. Jetzt ist er da: Der Kia Tasman. Es ist Kias erster echter Pickup. Kein weichgespülter Lifestyle-Laster wie der Hyundai Santa Cruz (USA), sondern ein Body-on-Frame Arbeitstier mit Leiterrahmen, Starrachse und Untersetzung. Er zielt direkt auf die heilige Dreifaltigkeit: Toyota Hilux, Ford Ranger und VW Amarok. Aber Kia wäre nicht Kia, wenn sie einfach nur kopieren würden. Der Tasman sieht… anders aus. Ist er nur ein Design-Statement, oder kann er wirklich malochen? Und – die wichtigste Frage – schlägt er den Platzhirsch Ford Ranger? Ich habe den Koreaner durch den Dreck gezogen.

Design: Minecraft auf Rädern

Über Geschmack lässt sich streiten. Beim Tasman muss man streiten. Er ist kantig. Extrem kantig. Die Motorhaube ist flach wie ein Tisch. Die Windschutzscheibe steht steil. Das kontroverseste Detail: Die Scheinwerfer, die weit außen in den riesigen, unlackierten Plastik-Kotflügeln sitzen. Manche sagen: „Sieht aus wie unfertig.“ Ich sage: „Endlich mal was Neues.“ Er wirkt extrem robust. Wo der VW Amarok den Gentleman spielt, zieht der Tasman die Arbeitsstiefel an. Die Pritsche: Kia hat mitgedacht. Es gibt Trittstufen in den Ecken der Stoßstange (wie beim Chevy Silverado). Es gibt eine 230V-Steckdose. Und die Ladefläche ist breit genug für eine Europalette zwischen den Radkästen.

Innenraum: SUV-Komfort im Baustellen-Büro

Ich klettere hinein. Wer einen Kia EV9 oder Sportage kennt, fühlt sich sofort wohl. Das Panorama Curved Display (zwei 12,3-Zoll-Screens) dominiert das Cockpit. Aber alles ist robuster verpackt. Die Türgriffe sind massive Bügel. Die Schalter sind groß genug für Handschuhe. Das geniale Feature: Die Mittelkonsole hat einen ausklappbaren Arbeitstisch. Man kann den Wählhebel flachlegen (oder er ist am Lenkrad, je nach Markt), den Tisch ausklappen und den Laptop daraufstellen. Für Bauleiter und Architekten ein Traum. Die Sitze sind bequem, optional gibt es die „Relaxation Seats“ (Liegefunktion) für die Mittagspause. Platzangebot: Hinten (Double Cab) sitzt man überraschend gut. Die Rücklehne ist nicht so steil wie im Hilux. Unter der Sitzbank gibt es riesige Staufächer (Hidden Storage).

Fahrbericht: Der Diesel lebt (und nagelt)

In Europa kommt er primär mit dem bekannten 2.2 Liter CRDi Diesel. 154 kW (210 PS) und 441 Nm. Gekoppelt an eine 8-Gang-Wandlerautomatik. (In anderen Märkten gibt es einen 2.5 Turbo-Benziner mit 281 PS, der aber in DE zu viel säuft). On-Road: Man merkt den Leiterrahmen. Der Tasman zittert leicht auf kurzen Bodenwellen (typisch Pickup). Aber Kia hat hydraulische Dämpferanschläge (Frequency Selective Dampers) verbaut. Er fährt sich komfortabler als ein Hilux, aber nicht ganz so PKW-like wie der neue Ford Ranger. Der Diesel ist gut gedämmt, hat genug Kraft für Überholmanöver, ist aber kein Rennmotor. Off-Road: Hier zeigt er Zähne. Zuschaltbarer Allrad (4H/4L), Hinterachs-Sperre und diverse Terrain-Modi (Sand, Mud, Snow). Die Wattiefe beträgt 800 mm. Ich habe ihn durch tiefen Schlamm gejagt. Die Traktionskontrolle regelt fein, die Verschränkung der Hinterachse ist top. Er steht der Konkurrenz im Gelände in nichts nach. Ein cooles Feature: Die „Ground View“ Kamera im Display macht die Motorhaube „durchsichtig“, damit man sieht, wo die Vorderräder stehen.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Kia Tasman 2.2 CRDi X-Pro (2026)
Alex Wind Kommentar
Motor
2.2 R-Series Diesel (4-Zyl)
Bewährt, robust, aber kein V6-Monster.
Leistung
154 kW (210 PS) / 441 Nm
Guter Durchschnitt. Ranger/Amarok bieten V6-Optionen.
Getriebe
8-Gang-Automatik
Schaltet unauffällig und weich.
Antrieb
4WD (zuschaltbar + Untersetzung)
Echter Offroader.
Anhängelast
3.500 kg
Der Industriestandard. Muss er haben, hat er.
Zuladung
ca. 1.000 – 1.100 kg
Echter „One-Tonner“.
Pritsche
1.512 mm lang
Europalette passt.
Garantie
7 Jahre / 150.000 km
Das stärkste Kaufargument gegen VW/Ford (2 Jahre).
Preis (Schätzung)
ab ca. 45.000 €
Wird aggressiv eingepreist sein.

Pro & Contra

  • Garantie: 7 Jahre sind im Nutzfahrzeug-Sektor eine Ansage.
  • Innenraum: Modernstes Cockpit der Klasse, toller Arbeitstisch.
  • Offroad: Bodenfreiheit und Sperren machen ihn zum echten Kraxler.
  • Design: Mutig und unverwechselbar (man liebt es oder hasst es).
  • Motor: Kein V6-Diesel im Angebot. Wer 6 Zylinder will, muss Ranger/Amarok kaufen.
  • Kunststoff: Die riesigen Plastik-Fender an den Rädern wirken billig und bleichen in der Sonne evtl. aus.
  • Fahrwerk: Auf Asphalt etwas unruhiger als der (sehr gute) Ford Ranger.

Konkurrenz-Check

  • Ford Ranger: Der König. Fährt sich am besten auf der Straße, bietet V6-Diesel, riesiges Zubehör-Angebot. Aber nur 2 Jahre Garantie.
  • Toyota Hilux: Der Unzerstörbare. Technisch veraltet (Cockpit, Getriebe), aber hält ewig. Der Tasman wirkt dagegen wie aus der Zukunft.
  • VW Amarok: Der Noble. Baugleich mit Ranger, aber schicker. Teurer als der Kia.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Kia Tasman (2026) ist eine Bereicherung. Endlich bricht jemand das Einerlei der Pickups auf. Er ist nicht der „Beste“ (dem Ranger fehlt der V6, dem Amarok die Eleganz), aber er ist der Schlaueste. Der Innenraum mit dem Klapptisch, die Trittstufen an der Pritsche und vor allem die 7 Jahre Garantie machen ihn für Handwerker und Flottenmanager extrem attraktiv. Er ist das Werkzeug, das auch noch cool aussieht (auf eine Cyberpunk-Art). Meine Empfehlung: Wenn Sie schwere Hänger (3,5t) über die Autobahn ziehen, testen Sie vorher, ob Ihnen der 4-Zylinder reicht. Wenn ja: Kaufen Sie den Kia und genießen Sie die Garantie. Wenn Sie Hubraum-Fanatiker sind, bleiben Sie beim Ranger V6.

FAQ

1. Kommt eine Elektro-Version? Kia hat angedeutet, dass eine elektrische Version (Tasman EV) für ausgewählte Märkte folgen könnte. Angesichts der Plattform (Leiterrahmen) wäre das aber ein schwerer Brocken. Wahrscheinlicher ist erst einmal keine Elektrifizierung in Europa zum Start.

2. Was ist „X-Pro“? Das ist die Offroad-Ausstattung (ähnlich wie „Tremor“ bei Ford oder „AT32“ bei Nissan). Sie beinhaltet All-Terrain-Reifen, etwas mehr Bodenfreiheit und robuste Unterfahrschutz-Platten. Für Jäger und Förster die richtige Wahl.

3. Passt er in die Garage? Er ist ca. 5,40 Meter lang und mit Spiegeln sehr breit. Messen Sie unbedingt nach! Er ist größer als ein Kia Sorento.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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