BMW Z4 M40i „Pure Impulse“ (2026) im Test: Der letzte Tanz des Verbrenners – jetzt oder nie?

Ich stehe an einer Ampel im Schwarzwald. Neben mir summt ein VW ID.7 leise vor sich hin. Der Fahrer starrt auf sein Head-up-Display. Ich dagegen starre auf den Drehzahlmesser und umklammere mit der rechten Hand etwas, das im Jahr 2026 fast ausgestorben ist: einen Schaltknauf. Der BMW Z4 (G29) liegt in seinen letzten Zügen. Die Produktion läuft bald aus (vermutlich März 2026), es gibt keinen direkten Nachfolger. Aber bevor BMW das Licht in Graz ausmacht, haben sie den Fans noch ein Abschiedsgeschenk gemacht: Den Z4 M40i als Handschalter („Pure Impulse Edition“). Sechs Zylinder, drei Pedale, Hinterradantrieb. Keine Hybrid-Hilfe, kein „Boost-Button“, keine künstliche Intelligenz, die mir sagt, dass ich müde bin. Ist das Romantik pur oder im Jahr 2026 einfach nur anstrengend und veraltet? Ich habe den Roadster für eine letzte große Runde entführt.

Roadster-Proportionen und das Parkhaus-Problem

Optisch ist der G29 über die Jahre gut gealtert. Er wirkt breiter und flacher als sein Vorgänger mit dem Klappdach. Die lange Haube streckt sich gefühlt bis in den nächsten Landkreis, man selbst sitzt fast auf der Hinterachse. Das ist klassisches Roadster-Design, hat aber im deutschen Alltag seinen Preis. Szenario Parkhaus: Ich fahre in ein enges Parkhaus in Stuttgart. Die Übersichtlichkeit? Vorhanden – solange das Dach offen ist. Ist das Stoffverdeck zu (was in 10 Sekunden bis Tempo 50 passiert), sitzen Sie in einer Höhle. Der Blick nach schräg hinten existiert nicht. Man vertraut blind den Parksensoren. Und Vorsicht an der Bordsteinkante: Die lange Schnauze setzt extrem früh auf. Die Frontschürze ist der natürliche Feind jedes verkehrsberuhigten Bereichs. In der Baustelle auf der A8 fühle ich mich seltsam klein. Neben den monströsen Elektro-SUVs wirkt der Z4 wie ein Spielzeugauto. Aber er ist breit: Mit Spiegeln sind es 2,02 Meter. Das passt gerade so auf die linke Spur, aber entspannt ist anders, wenn rechts ein 40-Tonner schwankt.

Innenraum: Die letzte Bastion der echten Knöpfe

Ich lasse mich in den tiefen Sitz fallen. Der „Knock-Test“ am Armaturenbrett offenbart solide BMW-Qualität, auch wenn das Design noch aus der „vor-Touchscreen“-Ära stammt (OS 7). Und wissen Sie was? Es ist herrlich. Es gibt Tasten. Echte, physische Tasten für die Klimaanlage. Ich kann die Temperatur verstellen, ohne hinzusehen. Ich kann die Sitzheizung aktivieren, ohne in ein Untermenü zu tauchen. Im Jahr 2026 fühlt sich das an wie Luxus, nicht wie Rückstand. Das Cockpit umschließt einen eng. Es ist „snug“, wie der Engländer sagt. Maßgeschneidert. Wer über 1,90 Meter groß ist, bekommt allerdings Probleme mit dem Windschutzscheibenrahmen, der dann bedrohlich nah an die Stirn kommt. Der Stauraum-Check: Vergessen Sie es. Es gibt zwei Becherhalter unter der Mittelarmlehne. Wenn Sie dort Getränke lagern, können Sie nicht mehr schalten. Genial konstruiert (Ironie aus). Hinter den Sitzen ist ein kleines Netz, in das maximal eine Warnweste passt. Der Kofferraum schluckt 281 Liter – egal ob Dach offen oder zu. Das reicht für zwei Handgepäck-Koffer oder den Wocheneinkauf für Singles. Die Getränkekiste muss auf den Beifahrersitz.

Fahrbericht: Arbeit, die glücklich macht

Wir drücken den Startknopf. Der B58-Motor (3.0 Liter R6) erwacht mit einem heiseren Bellen, das man dank der strengen Lärmvorschriften 2026 kaum noch hört – aber im offenen Zustand ist es präsent genug.

Szenario Stadt: Kupplung treten. Der Widerstand ist knackig. Nichts für Stau-Liebhaber. Im Stop-and-Go Verkehr von München nervt der Handschalter nach 10 Minuten. Man arbeitet. Das linke Bein wird schwer. Hier wünscht man sich die ZF-8-Gang-Automatik zurück.

Szenario Landstraße: Ortsausgangsschild. Zweiter Gang. Vollgas. Das Heck zuckt kurz, die Reifen (Michelin Pilot Super Sport) krallen sich in den Asphalt. Der B58 zieht linear, wuchtig, unaufhaltsam. 340 PS treffen auf 1.500 Kilo. Und dann der Schaltvorgang. Klack-Klack. Das Getriebe ist typisch BMW: Knochig, präzise, aber man braucht Kraft. Es ist keine Honda-Schaltung, die man mit dem kleinen Finger bedient. Man muss den Gang reinzwingen. Und genau das ist die Magie. Sie sind der Chef. Keine Elektronik pfuscht Ihnen ins Handwerk. Wenn Sie den Gang verhauen, ruckelt es. Wenn Sie das Zwischengas (Rev-Matching macht das Auto automatisch, lässt sich aber abschalten) perfekt treffen, fühlen Sie sich wie Walter Röhrl. Der Z4 lenkt extrem direkt ein. Da man so weit hinten sitzt, fühlt es sich an, als würde sich die lange Nase wie ein Zeiger in die Kurve drehen.

Szenario Autobahn: Verdeck zu. Tempo 180. Es ist laut. Das Stoffdach ist gut gedämmt, aber ab 140 km/h dominieren Windgeräusche. Telefonieren über die Freisprechanlage wird anstrengend. Der Z4 liegt satt, aber der kurze Radstand macht ihn bei Bodenwellen nervöser als einen 4er BMW. Er ist kein GT für die Langstrecke, er ist ein Sportgerät.

Verbrauch Realitäts-Check: BMW sagt 8,7 Liter.

  • Landstraße (Spaß): 12,4 Liter.
  • Autobahn (Cruisen 130 km/h): 7,8 Liter. Für einen 3-Liter-Sechszylinder ist das effizient. Der B58 ist ein Wunderwerk der Thermodynamik.

Technische Daten & Realitäts-Check

Die Fakten zum Abschied.

Datenpunkt
BMW Z4 M40i „Pure Impulse“ (2026)
Alex Wind Kommentar
Motor
3.0 R6 Turbo (B58)
„Engine of the Decade“. Unzerstörbar und kraftvoll.
Leistung
340 PS (250 kW) / 500 Nm
Mehr als genug für die Landstraße.
Getriebe
6-Gang-Handschaltung
Nur im „Pure Impulse“ Paket. Knochig & ehrlich.
0-100 km/h
4,6 Sekunden
Automatik ist schneller (4,5s), aber langweiliger.
Vmax
250 km/h
Abgeregelt.
Testverbrauch
9,8 l/100km
Schnitt über alles.
Kofferraum
281 Liter
„Weekend-Getaway“-tauglich.
Preis (Basis)
ca. 69.000 € (M40i Auto)
Automatik ist günstiger!
Preis (Testwagen)
75.400 €
Handschalter-Paket kostet extra (ja, wirklich).

Konkurrenz-Check:

  • Porsche 718 Boxster GTS 4.0: Der Endgegner. Mittelmotor macht ihn agiler, präziser. Aber er kostet fast 30.000 € mehr und ist kaum noch neu zu bekommen, da der elektrische Nachfolger anrollt.
  • Mazda MX-5: Wiegt 500 kg weniger, kostet die Hälfte. Macht auf engen Straßen fast genauso viel Spaß, hat aber keinen Motor-Punch. Für Puristen die Budget-Wahl.

Pro & Contra

  • Motor: Der B58 ist seidig, stark und emotional.
  • Getriebe: Der Handschalter macht aus dem Cruiser einen Sportler.
  • Bedienung: Echte Tasten und iDrive-Controller (OS 7). Danke!
  • Ablagen: Wohin mit dem Handy? Wohin mit dem Kaffee?
  • Sicht: Geschlossen ein Bunker.
  • Preis: Über 75.000 € für ein Auslaufmodell ist happig.

Fazit: Alex Wind meint…

Der BMW Z4 M40i als Handschalter ist kein vernünftiges Auto. Er ist eng, unübersichtlich und teuer. Aber er ist eine Zeitkapsel. Im Jahr 2026, wo alles piept, assistiert und elektrisch surrt, ist dieser Wagen eine Offenbarung. Er fordert Sie. Er kommuniziert mit Ihnen. Er ist der letzte seiner Art. Wem empfehle ich ihn: Jedem, der 75.000 Euro übrig hat und ein Auto sucht, das in 10 Jahren mehr wert sein könnte als heute. Kaufen, wegstellen, sonntags fahren. Wem rate ich ab: Jedem, der ein Auto für den Alltag sucht. Kaufen Sie einen M240i, wenn Sie pendeln müssen. Der Z4 ist für die Seele, nicht für den Stau.

FAQ

1. Wird der Z4 2027 noch gebaut? Nein. Alle Anzeichen sprechen für ein Produktionsende (EOP) im Frühjahr 2026. Was jetzt bei den Händlern steht, sind die letzten Exemplare. Bestellungen werden bald nicht mehr möglich sein.

2. Ist der Handschalter wirklich besser als die Automatik? Objektiv: Nein. Die ZF-8-Gang-Automatik ist schneller, effizienter und komfortabler. Subjektiv: Ja! Der Handschalter gibt dem Auto den Charakter zurück, den der Z4 als reiner „Cruiser“ etwas verloren hatte. Er macht das Auto lebendig.

3. Wie hoch sind die Unterhaltskosten? Der B58 ist robust, aber Reifen (Hinterachse!) und Bremsen sind teuer. Versicherungsklassen sind hoch, da Roadster oft als Zweitwagen mit wenig Schadenfreiheitsrabatt laufen oder von „Sportfahrern“ in die Leitplanke gesetzt werden.

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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