Wenn wir in Deutschland über Sportlimousinen sprechen, fällt reflexartig der Name BMW M5. Doch Ende 2025 hat sich die Welt verändert. Der neue M5 ist ein technologisches Wunderwerk, aber er wiegt 2,5 Tonnen und schleppt Batterien mit sich herum. Auf der anderen Seite des Atlantiks hat Cadillac den CT5 für das Modelljahr 2025/26 aufgefrischt. Und sie haben genau das getan, was wir uns alle heimlich gewünscht haben: Sie haben den Innenraum endlich auf Premium-Niveau gehoben (danke, 33-Zoll-Screen!), aber den Antriebsstrang unangetastet gelassen. Der CT5-V Blackwing ist immer noch da. Mit 6,2 Litern Hubraum, Kompressor, Hinterradantrieb und – halten Sie sich fest – einem manuellen 6-Gang-Getriebe. In einer Zeit, in der Mercedes Vierzylinder verbaut und BMW elektrifiziert, ist dieser Cadillac kein Auto mehr. Er ist ein politisches Statement. Ich bin den US-Import gefahren, um zu sehen, ob “Old School” im Jahr 2026 noch funktioniert.
Das Facelift: Endlich innen so gut wie außen
Der größte Kritikpunkt am “alten” CT5 war das Cockpit. Es sah aus wie in einem Opel Insignia von 2015. Damit ist Schluss. Das Modelljahr 2026 übernimmt das riesige, gebogene 33-Zoll-LED-Display mit 9K-Auflösung aus dem Lyriq. Es integriert Tacho und Infotainment in einer Glasfläche. Dazu gibt es eine aggressivere Frontpartie mit vertikalen LED-Lichtsignaturen.
Das war die Operation am offenen Herzen, die der Patient brauchte. Wenn Sie jetzt einsteigen, fühlen Sie sich nicht mehr wie in einem Mietwagen, sondern wie in einem High-Tech-Jet. Das Google-System läuft flüssig, die Grafiken sind gestochen scharf. Aber Cadillac hat – Gott sei Dank – die physischen Tasten für die Klimaanlage behalten. Keine Touch-Slider-Hölle wie im VW-Konzern. Es ist die perfekte Mischung aus moderner Optik und klassischer Bedienbarkeit. Endlich passt der Innenraum zum Preisschild von über 100.000 Euro (als Import).
Blackwing: Der letzte Tanz des V8-Kompressors
Der 6,2-Liter LT4 V8 leistet 498 kW (677 PS) und 893 Nm Drehmoment. Er ist der stärkste Cadillac aller Zeiten. Optional (und begehrt) ist das manuelle 6-Gang-Getriebe von Tremec.
Lassen Sie uns kurz innehalten. Sie können im Jahr 2026 eine fast 700 PS starke Limousine mit Handschaltung kaufen. Neu. Das ist, als würden Sie heute noch ein Ticket für ein Queen-Konzert mit Freddie Mercury bekommen. Der Motor ist ein Ereignis. Er hat kein Turboloch. Er hängt am Gas wie ein Nervenbündel. Und das Kompressor-Wimmern… es ist Musik. Im Vergleich zum neuen BMW M5 (G90), der sich oft synthetisch und schwer anfühlt, wirkt der Blackwing leichtfüßig. Er wiegt “nur” ca. 1.900 kg. Das sind fast 600 Kilo weniger als der M5. In Kurven merken Sie das sofort. Dank des Magnetic Ride 4.0 Fahrwerks (immer noch das beste der Welt, sorry Porsche) tanzt der Caddy. Er ist präzise, kommunikativ und wild. Er ist das, was der M5 E39 früher war – nur mit Atomkraftwerk unter der Haube.
Die zivilen Modelle: 2.0 und 3.0 für wen?
Neben dem Blackwing gibt es den normalen CT5 (2.0 Turbo, 237 PS) und den CT5-V (3.0 V6 Biturbo, 360 PS).
Hier muss ich als Import-Berater ehrlich sein: Vergessen Sie sie. Die Importkosten (Zoll, Fracht, Umrüstung, Steuer) machen einen “normalen” CT5 in Deutschland unattraktiv teuer. Ein CT5-V mit 360 PS kostet importiert schnell 75.000 Euro. Dafür bekommen Sie einen BMW M340i oder einen Audi S4 mit voller Garantie und besserem Händlernetz. Den Cadillac importiert man nur aus einem Grund: Blackwing. Alles andere ist Liebhaberei ohne rationalen Nährwert.
Import-Realität: Was kostet der Spaß?
Offiziell verkauft Cadillac in Europa fast nur noch Elektroautos (Lyriq, Optiq). Der CT5-V Blackwing kommt über Händler wie GeigerCars oder AEC. Der Preis für ein voll ausgestattetes Facelift-Modell liegt 2026 bei ca. 125.000 bis 135.000 Euro.
130.000 Euro sind viel Geld. Aber schauen Sie auf die Konkurrenz. Ein neuer BMW M5 startet bei 140.000 Euro – nackt. Mit Ausstattung sind Sie bei 160.000. Der Cadillac ist also günstiger. Aber Sie müssen Kompromisse eingehen:
- Verbrauch: Rechnen Sie mit 15-20 Litern. Der Blackwing säuft wie ein Loch, wenn Sie ihn fordern.
- Garantie: Sie sind auf die Garantie des Importeurs angewiesen. Wenn Sie in der Eifel liegenbleiben, hilft Ihnen der nächste Opel-Händler nicht weiter.
- Teile: Wenn Sie einen Kotflügel brauchen, warten Sie zwei Wochen auf Luftfracht aus Detroit.
Deutschland vs. USA (Stand Ende 2025)
Feature | Cadillac CT5-V Blackwing (Import) | BMW M5 (G90) | Mercedes-AMG E63 (Nachfolger?) |
Motor | 6.2L V8 Kompressor | 4.4L V8 + E-Motor (PHEV) | R6 PHEV (erwartet) |
Leistung | 677 PS | 727 PS | ca. 700 PS? |
Getriebe | 6-Gang Handschaltung / 10-Gang Auto | 8-Gang Auto | 9-Gang Auto |
Gewicht | ca. 1.900 kg | ca. 2.510 kg | ca. 2.400 kg |
Antrieb | Heck (RWD) | Allrad (AWD) | Allrad (AWD) |
Charakter | Analog, Wild, Pur | Digital, Perfekt, Schwer | Technokratisch |
Preis | ca. 130.000 € | ca. 160.000 € | ca. 150.000 € |
Fazit: Der letzte Samurai trägt Cowboyhut
Der Cadillac CT5-V Blackwing (Modelljahr 2026) ist ein Anachronismus. Er passt nicht in unsere Zeit, nicht auf unsere Straßen und schon gar nicht in unsere Klimaziele. Und genau deshalb ist er fantastisch. Mit dem neuen Innenraum hat Cadillac ihm das einzige Argument genommen, das gegen ihn sprach (die Billig-Optik). Jetzt ist er das komplette Paket. Wenn Sie das Geld haben und Fahrspaß über Rundenzeiten oder Image stellen: Kaufen Sie ihn. Nehmen Sie den Handschalter. Stellen Sie ihn in die Garage. In 20 Jahren werden die Leute vor diesem Auto knien und weinen, weil es so etwas nie wieder geben wird. Der M5 ist ein besseres Auto. Der Blackwing ist das bessere Erlebnis.





