Schauen Sie mal aus dem Fenster. Wahrscheinlich sehen Sie einen. Der Ford Kuga ist das Auto, das man kauft, wenn man keine Experimente machen will. Er ist seit Jahren Europas meistverkaufter Plug-in-Hybrid (PHEV). Er ist der „Golf“ unter den SUVs. Solide, praktisch, unaufgeregt. Aber im Jahr 2026 hat er ein Problem: Im eigenen Showroom steht der neue, coole, vollelektrische Ford Explorer. Warum sollte man also noch den „alten“ Kuga kaufen? Wir haben den Kuga PHEV (Plug-in-Hybrid) und den Vollhybrid (FHEV) getestet. Die Antwort ist überraschend einfach: Weil er das Beste aus zwei Welten kann.
Das Design: Jetzt mit „Mustang“-Attitüde
Nach dem großen Facelift sieht der Kuga nicht mehr aus wie ein hochgebockter Focus. Er wirkt jetzt amerikanischer. Die Front ist steiler, der Grill aggressiver, und zwischen den Scheinwerfern zieht sich (bei den höheren Ausstattungen wie ST-Line) ein LED-Leuchtband („Coast-to-Coast Lightbar“). Er sieht jetzt aus, als hätte er Selbstbewusstsein getankt. Besonders in der „Active“-Version (mit Plastik-Beplankung und Unterfahrschutz-Optik) wirkt er robust. Im Alltag: Er ist mit 4,60 Metern genau richtig. Nicht so riesig wie ein VW Touareg, dass man Parkplatz-Panik bekommt, aber groß genug, um auf der Autobahn Respekt zu ernten. Die Türgriffe haben jetzt endlich Sensoren an allen Türen (Keyless Entry). Das klingt banal, aber wenn Sie mit dem Kind auf dem Arm an der hinteren Tür stehen, ist das ein Segen.
Innenraum: Der Bildschirm frisst die Knöpfe
Hier hat Ford radikal aufgeräumt. Der Innenraum wird dominiert vom 13,2-Zoll-Touchscreen mit SYNC 4. Das System ist rasend schnell, sieht top aus und integriert Amazon Alexa. Aber: Wie beim Focus und Explorer sind die Drehregler für die Klimaanlage verschwunden. Sie müssen die Temperatur jetzt auf dem Screen verstellen (immerhin ist die Leiste permanent eingeblendet). Man gewöhnt sich daran, aber ergonomisch war die alte Lösung besser. Dafür punkten die AGR-Sitze (Aktion Gesunder Rücken). Sie sind vielfach verstellbar und bieten auf der Langstrecke hervorragenden Komfort. Wer Rückenprobleme hat, wird den Kuga lieben.
Das Killer-Feature: Die verschiebbare Rückbank
Das ist der Grund, warum Familien den Kuga lieben (und warum er praktischer ist als viele Konkurrenten). Die gesamte Rückbank lässt sich um 15 Zentimeter verschieben.
- Szenario 1 (Urlaub): Bank ganz nach vorne schieben. Der Kofferraum wächst auf riesige 553 Liter.
- Szenario 2 (Teenager-Taxi): Bank ganz nach hinten. Die Beinfreiheit im Fond ist gigantisch (Best-in-Class). Diese Flexibilität rettet den Familienfrieden. Man muss sich nicht beim Kauf entscheiden, ob man Platz für Koffer oder Knie will. Man hat beides.
Der Antrieb: Warum der PHEV so beliebt ist
Ford hat den Hybrid-Antrieb (zusammen mit Toyota-Patenten) perfektioniert.
- Der Bestseller: 2.5 Duratec PHEV (243 PS) Ein großer 2.5-Liter Sauger + E-Motor. Die elektrische Reichweite liegt real bei 50 bis 65 Kilometern. Das reicht für das Pendeln zur Arbeit. Wenn der Akku leer ist, springt der Benziner an und arbeitet als effizienter Vollhybrid weiter. Verbrauch (Akku leer): ca. 5,5 bis 6,5 Liter. Das ist der Witz an der Sache: Selbst ohne Laden ist er sparsam. Das CVT-Getriebe (stufenlos) ist in der Stadt ein Traum an Geschmeidigkeit. Der Nachteil: Wenn Sie auf der Autobahnauffahrt Vollgas geben, heult der Motor kurz auf („Gummiband-Effekt“), bis das Tempo passt. Das ist akustisch gewöhnungsbedürftig, aber technisch effizient.
- Die Alternative: 2.5 FHEV (Vollhybrid) Für alle, die keine Wallbox haben. Er lädt sich beim Bremsen selbst. Er fährt in der Stadt oft elektrisch. Und: Es gibt ihn mit Allradantrieb (beim PHEV nur Frontantrieb!). Wer im Gebirge wohnt, nimmt den Vollhybrid AWD.
Fahrverhalten: Ford kann Fahrwerk
Ein SUV ist meistens schwammig. Der Kuga nicht. Er teilt sich die Plattform mit dem Ford Focus, und das spürt man. Er lenkt direkt ein, er wankt wenig in Kurven. Er ist straff, aber nicht hart (außer man nimmt die ST-Line mit 20-Zoll-Felgen, dann wird es etwas rumpelig). Er ist das Auto für Väter und Mütter, die eigentlich einen Sportwagen wollten, aber Kinder bekommen haben. Er macht auf der Landstraße tatsächlich Laune.
Fazit: Die „Eierlegende Wollmilchsau“
Der Ford Kuga (2026) ist nicht das aufregendste Auto der Welt. Er hat nicht den „Wow“-Faktor des elektrischen Explorers. Aber er ist das bessere Auto für den Alltag, wenn Sie noch nicht bereit für 100% Elektro sind. Er nimmt Ihnen die Reichweitenangst. Er bietet dank der verschiebbaren Rückbank enorme Flexibilität. Er verbraucht wenig. Er ist das Schweizer Taschenmesser der Kompakt-SUVs. Man kauft ihn nicht aus Leidenschaft. Man kauft ihn, weil er einfach funktioniert.
Die ungeschminkte Wahrheit:
- Nervig: Der Kofferraumteppich ist etwas labberig und wirkt billig.
- Gut zu wissen: Der Kuga PHEV darf bis zu 2.100 kg ziehen (je nach Ausstattung, früher waren es weniger). Damit zieht er jetzt auch große Wohnwagen. Ein riesiger Pluspunkt gegenüber vielen E-Autos.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie elektrisch pendeln wollen (PHEV), aber am Wochenende 1.000 km in den Urlaub fahren müssen.
- Sie maximale Variabilität im Fond brauchen (verschiebbare Bank).
- Sie Rückenprobleme haben (hoher Einstieg + AGR-Sitze).
Lassen Sie es, wenn:
- Sie das CVT-Geheule beim Überholen hassen.
- Sie Allradantrieb und Steckdose wollen (PHEV gibt es nur als Fronttriebler).
- Sie die Bedienung der Klimaanlage über echte Knöpfe bevorzugen.














