Blicke ich aus dem Fenster auf eine beliebige deutsche Vorstadtstraße, begegnet mir mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit ein Ford Kuga. Dieses Fahrzeug verkörpert für mich jene automobile Wahl, die man trifft, wenn man im Alltag keinerlei Experimente mehr eingehen möchte. Er hat sich als der unangefochtene „Golf“ unter den Familien-SUVs etabliert und ist seit Jahren Europas meistverkaufter Plug-in-Hybrid (PHEV) – ein durch und durch solides, maximal praktisches und völlig unaufgeregtes Gefährt.
Doch im Jahr 2026 steht der Kuga vor einer bemerkenswerten hausinternen Herausforderung: Im selben Showroom, nur wenige Meter entfernt, präsentiert sich der neue, mit einem ausgesprochen coolen Design versehene, vollelektrische Ford Explorer. Die Frage, die sich mir unweigerlich stellt, ist, warum man sich heute noch für den „alten“ Kuga mit Verbrennungsmotor entscheiden sollte. Ich habe das Erfolgsmodell nach seinem umfassenden Facelift sowohl als Kuga PHEV (mit Stecker) als auch als FHEV (Vollhybrid) ausgiebig getestet, und meine Antwort auf diese Sinnfrage ist erstaunlich pragmatisch und simpel: Weil er für die aktuelle Lebensrealität vieler Familien weiterhin das Beste aus zwei Welten auf eine Weise vereint, die kaum ein anderes Fahrzeug erreicht.
Technische Daten & Spezifikationen
| Kategorie | Ford Kuga 2.5 Duratec PHEV (2026) | Ford Kuga 2.5 Duratec FHEV AWD |
| Motor & Antrieb | 2.5L 4-Zyl. + E-Motor, Frontantrieb | 2.5L 4-Zyl. + E-Motor, Allradantrieb |
| Systemleistung | 243 PS (179 kW) | 183 PS (135 kW) |
| Batterie / Elektrische Reichweite | 14,4 kWh / ca. 50 – 65 km (real) | 1,1 kWh / reiner Puffer (kein Stecker) |
| Getriebe | Stufenloses CVT-Getriebe | Stufenloses CVT-Getriebe |
| 0-100 km/h / Vmax | 7,3 s / 200 km/h | 8,3 s / 196 km/h |
| Testverbrauch (Batterie leer) | 5,5 bis 6,5 l/100 km | 5,8 bis 6,8 l/100 km |
| Anhängelast (gebremst) | 2.100 kg | 2.100 kg |
| Kofferraumvolumen | 412 bis 553 Liter (Rückbank verschiebbar) | 412 bis 553 Liter |
| Basispreis (Schätzung DE) | ab ca. 44.500 € | ab ca. 42.500 € |
Design und Karosserie: Ein deutliches Plus an Präsenz
Mit dem jüngsten, umfassenden Facelift hat Ford dem Kuga endlich sein ehemals etwas bieder wirkendes „Hochgebockter-Focus“-Gesicht genommen. Er tritt nun deutlich amerikanischer und präsenter auf, was ich als eine willkommene Entwicklung empfinde. Die Frontpartie steht steiler im Wind, der Kühlergrill blickt aggressiver drein, und bei den höheren Ausstattungen wie der ST-Line zieht sich ein durchgehendes LED-Leuchtband, die sogenannte „Coast-to-Coast Lightbar“, elegant zwischen den Scheinwerfern entlang. Für mich wirkt er, als hätte er eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein getankt.
Wer den robusten Auftritt bevorzugt, findet in der „Active“-Version mit ihrer rustikalen Plastik-Beplankung und der Unterfahrschutz-Optik die passende Wahl. Im täglichen Einsatz erweist sich die Karosserie mit ihren 4,60 Metern Länge als ein absoluter Volltreffer. Er ist keineswegs so furchteinflößend riesig wie beispielsweise ein VW Touareg, was mir persönlich die Parkplatzsuche in der Stadt erheblich erleichtert, aber dennoch groß genug, um als vollwertiges Reise-SUV wahrgenommen zu werden. Ein scheinbar banales, doch im Familienalltag absolut geniales Detail, das ich besonders hervorheben möchte: Die Türgriffe verfügen nun an allen vier Türen über Keyless-Entry-Sensoren. Wer schon einmal mit Kleinkind und vollen Einkaufstüten im Regen vor der hinteren Tür stand, wird dieses Upgrade bedingungslos zu schätzen wissen.
Innenraum und Ergonomie: Der Bildschirm frisst die Knöpfe
Im Cockpit hat Ford radikal aufgeräumt, was leider auch zu Lasten der Ergonomie ging, wie ich bei meinen Fahrten feststellen musste. Das Armaturenbrett wird nun vom gigantischen 13,2-Zoll-Touchscreen dominiert, auf dem die neue SYNC 4 Software läuft. Das System reagiert erfreulich schnell, präsentiert sich modern und integriert Amazon Alexa tief in die Sprachsteuerung, was ich als durchaus praktisch empfinde.
Der massive Haken, der mich persönlich stört: Wie schon beim Focus und Explorer sind die einst genialen, physischen Drehregler für die Klimaanlage dem Rotstift zum Opfer gefallen. Man ist nun gezwungen, die Temperatur über den Bildschirm zu verstellen. Zwar bleibt die Klimaleiste permanent am unteren Rand eingeblendet, doch die alte, blinde Bedienung über echte Tasten war während der Fahrt wesentlich sicherer und intuitiver. Auch der verbaute Kofferraumteppich im Heck wirkt auf mich weiterhin etwas labberig und billig – hier spart Ford meiner Meinung nach an der falschen Stelle.
Hervorragend sind hingegen die optionalen AGR-Sitze (Aktion Gesunder Rücken), die ich jedem nur empfehlen kann. Sie lassen sich vielfach verstellen, bieten exzellenten Seitenhalt und verhindern auf einer 1.000-Kilometer-Urlaubsfahrt zuverlässig das typische Zwicken im Lendenwirbelbereich. Wer zu Rückenschmerzen neigt, wird den Kuga für dieses Gestühl lieben, das verspreche ich Ihnen.
Das Killer-Feature: Die verschiebbare Rückbank
Dieser eine Hebel ist für mich der entscheidende Grund, warum Familien den Kuga anderen SUVs vorziehen sollten. Die gesamte Rückbank lässt sich asymmetrisch geteilt um ganze 15 Zentimeter in der Länge verschieben , eine Flexibilität, die ich in dieser Klasse selten sehe.
Das löst jedes erdenkliche Platzdilemma, wie ich aus eigener Erfahrung weiß:
- Szenario 1 (Urlaubsfahrt): Sind die Kinder noch klein und ihre Beine kurz, schiebt man die Bank komplett nach vorne und maximiert so das Kofferraumvolumen auf sehr gute 553 Liter , was für das Urlaubsgepäck mehr als ausreichend ist.
- Szenario 2 (Teenager-Taxi): Hat man 1,85 Meter große Jugendliche an Bord, schiebt man die Bank ganz nach hinten und schafft damit eine Beinfreiheit im Fond, die ich als „Best-in-Class“ bezeichnen würde und die selbst manche Oberklasse-Limousine beschämt.
Diese mechanische Flexibilität ist es, die den Familienfrieden rettet. Man muss sich beim Kauf nicht dogmatisch zwischen Kniefreiheit und Kofferraumvolumen entscheiden, sondern kann das Auto einfach der aktuellen Tagesaufgabe anpassen, was ich als ungemein praktisch empfinde.
Antrieb (PHEV vs. FHEV): Die Qual der Wahl
Ford hat seinen Hybrid-Antrieb, der auf bewährten Toyota-Patenten basiert, über die Jahre hinweg kontinuierlich verfeinert. Zur Wahl stehen hier zwei völlig unterschiedliche Konzepte, die ich Ihnen näher erläutern möchte:
1. Der Bestseller (2.5 Duratec PHEV mit 243 PS): Hier arbeitet ein für mich nahezu unzerstörbarer 2.5-Liter-Saugbenziner im Team mit einem E-Motor und einer 14,4-kWh-Batterie. Die reale, elektrische Reichweite, die ich bei meinen Tests ermittelt habe, liegt bei 50 bis 65 Kilometern, was ideal für das lautlose Pendeln ist. Der Clou an der Sache, der mich immer wieder begeistert: Wenn der Akku auf der Autobahn leer ist, springt der Benziner an, und das System arbeitet als hocheffizienter Vollhybrid weiter. Ich habe den schweren SUV mit leerem Akku mit fantastischen 5,5 bis 6,5 Litern bewegt, ein Wert, der mich beeindruckt hat. Wichtig zu wissen: Den PHEV gibt es bauartbedingt ausschließlich mit Frontantrieb! Ein Allrad ist mit dem großen Stecker-Akku leider nicht lieferbar.
2. Die Laternenparker-Alternative (2.5 Duratec FHEV mit 183 PS): Diese Option richtet sich an all jene, die keine eigene Wallbox besitzen. Dieser Vollhybrid lädt sich beim Bremsen von selbst auf und rollt im langsamen Stadtverkehr erstaunlich oft rein elektrisch, wie ich beobachten konnte. Sein massiver Vorteil, den ich hervorheben möchte: Ihn gibt es optional mit Allradantrieb (AWD) . Wer in den Bergen wohnt oder regelmäßig in verschneite Skigebiete fährt, muss meiner Meinung nach zwingend zu diesem Antrieb greifen.
Das Getriebe-Dilemma, das ich bei beiden Versionen feststelle: Beide nutzen ein stufenloses CVT-Getriebe. In der Stadt ist das ein Traum an ruckelfreier Geschmeidigkeit, der das Fahren sehr angenehm macht. Wenn man jedoch auf der Autobahnauffahrt das Bodenblech durchtritt, heult der Benziner lautstark bei konstanter, hoher Drehzahl auf, ein Phänomen, das man als „Gummiband-Effekt“ kennt, bis das gewünschte Tempo erreicht ist. Daran muss man sich akustisch gewöhnen, es ist ein Kompromiss, den man eingehen muss.auf („Gummiband-Effekt“), bis das gewünschte Tempo erreicht ist. Daran muss man sich akustisch gewöhnen.
Zugfahrzeug und Fahrverhalten: Ford kann Fahrwerk
Ein massives Update, das ich besonders für Anhänger-Besitzer hervorheben möchte, gab es bei der Anhängelast. Der Kuga PHEV darf mittlerweile gigantische 2.100 kg (gebremst) an den Haken nehmen. Damit zieht er problemlos auch schwere Doppelachsen-Wohnwagen oder große Pferdeanhänger, was für mich einen riesigen, oft unterschätzten Pluspunkt gegenüber den meisten reinen Elektroautos darstellt.
Auf der Straße merke ich sofort, dass sich der Kuga die C2-Plattform mit dem Ford Focus teilt. Während ein Familien-SUV oft schwammig und undefiniert wirkt, ist der Kuga das genaue Gegenteil. Er lenkt extrem direkt ein und wankt in Kurven kaum, was ich als sehr angenehm empfinde. Die Fahrwerksabstimmung ist straff, aber stets verbindlich, was ein sicheres Fahrgefühl vermittelt. Für mich ist er das ideale Auto für Väter und Mütter, die ihr Leben lang dynamische Kompaktwagen gefahren sind und diese Agilität nun im SUV-Format suchen. Einziger Tipp von meiner Seite: Wer es komfortabel mag, sollte die ST-Line mit den optionalen 20-Zoll-Felgen meiden, da das Fahrwerk hier Querfugen recht trocken nach innen weitergibt und den Komfort spürbar mindert.
Konkurrenz-Check
- VW Tiguan (eHybrid): Der ewige deutsche Rivale. Der VW bietet das wesentlich aufwendigere Fahrwerk (DCC Pro) und dämmt auf der Autobahn souveräner ab, was ich bei meinen Testfahrten bestätigen konnte. Zudem lädt der neue Tiguan PHEV am Schnelllader mit 50 kW DC. Allerdings ist er ausstattungsbereinigt massiv teurer als der Ford, ein Punkt, der ins Gewicht fällt.
- Toyota RAV4 (Plug-in Hybrid): Für mich der Technik-Spender. Der Toyota leistet brachiale 306 PS, bietet einen serienmäßigen Allradantrieb (als PHEV!), und seine exzellente Zuverlässigkeit ist unbestritten. Sein Infotainment und das etwas rustikalere Cockpit-Design hängen der Zeit und dem modernen Ford-SYNC-4-System jedoch spürbar hinterher, was ich als deutlichen Nachteil empfinde.
- Kia Sportage (PHEV): Der mutige Koreaner. Er polarisiert mit seinem aggressiven Design und bietet eine exzellente 7-Jahres-Garantie, die Vertrauen schafft. Das Platzangebot ist ähnlich gut, doch das Fahrwerk des Ford Kuga agiert auf kurvigen Landstraßen spürbar leichtfüßiger und präziser, wie ich bei meinen Vergleichsfahrten feststellen konnte.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Die überragende Alltags-Flexibilität, die durch die um 15 cm verschiebbare Rückbank ermöglicht wird, ist für mich ein entscheidender Vorteil.
- ✅ Pro: Der extrem effiziente PHEV-Antrieb, der selbst mit leerem Akku einen Realverbrauch von unter 6,5 Litern ermöglicht, hat mich beeindruckt.
- ✅ Pro: Die fantastische Fahrdynamik und die präzise Lenkung, die der Ford-Focus-Plattform zu verdanken sind, machen jede Fahrt zum Vergnügen.
- ✅ Pro: Seine hohe Anhängelast von 2.100 kg macht ihn für mich zum perfekten Zugfahrzeug für Wohnwagen und andere Anhänger.
- ❌ Contra: Das sehr laute Motoraufheulen bei Vollgas, bedingt durch das stufenlose CVT-Getriebe, ist ein akustischer Kompromiss, den man eingehen muss.
- ❌ Contra: Der Verzicht auf echte Klima-Drehregler ist für mich ein massiver ergonomischer Rückschritt, der die Bedienung während der Fahrt erschwert.
- ❌ Contra: Den Plug-in-Hybrid (PHEV) gibt es leider nicht in Kombination mit Allradantrieb, was die Auswahl für bestimmte Nutzer einschränkt.
Alex Wind meint:
Der Ford Kuga (2026) ist ganz sicher nicht das wildeste oder aufregendste Auto der Welt, das muss ich klar festhalten. Er besitzt nicht diesen futuristischen „Wow“-Faktor, der den elektrischen Ford Explorer im eigenen Showroom umgibt und die Blicke auf sich zieht. Doch für mich ist er das weitaus bessere, pragmatischere Auto für den aktuellen Alltag, besonders wenn man selbst oder die heimische Ladeinfrastruktur noch nicht bereit für 100 Prozent Elektro ist. Er eliminiert jegliche Reichweitenangst, glänzt dank der verschiebbaren Rückbank mit einer enormen Flexibilität und verbraucht selbst ohne Ladekabel erfreulich wenig Kraftstoff. Ich sehe ihn als das absolute Schweizer Taschenmesser der Kompakt-SUVs. Man kauft dieses Auto vielleicht nicht aus glühender Leidenschaft, sondern aus einem viel besseren Grund: Weil er im echten Leben einfach kompromisslos funktioniert und genau das liefert, was Familien brauchen.raftstoff. Er ist das absolute Schweizer Taschenmesser der Kompakt-SUVs. Man kauft dieses Auto vielleicht nicht aus glühender Leidenschaft, sondern aus einem viel besseren Grund: Weil er im echten Leben einfach kompromisslos funktioniert.














