Wir kennen das Spiel. Hyundai baut den Ioniq 5 N, und die Welt flippt aus, weil er Fahrspaß neu definiert (simulierte Gänge, Motorgeräusch). Aber was macht die Nobel-Schwester Genesis? Sie schaut zu, nimmt die Technik, zieht ihr einen maßgeschneiderten italienischen Anzug an und nennt es „Magma“. Der Genesis GV60 Magma ist das erste Modell der neuen High-Performance-Linie (vergleichbar mit BMW M oder Mercedes-AMG). Mitentwickelt von der Rennfahrer-Legende Jacky Ickx. Er leuchtet im charakteristischen „Magma Orange“. Er liegt tiefer, er ist breiter. Aber ist er nur ein Ioniq 5 N im Smoking, oder hat er einen eigenen Charakter? Ich habe das „heiße Gestein“ in der Eifel getestet.
Design: Breit, Breiter, Magma
Vergessen Sie den knuffigen Look des normalen GV60. Der Magma sieht aus, als wäre er im Fitnessstudio gewesen – und hätte Steroide genommen. Die Kotflügel sind verbreitert. In den Radhäusern stecken riesige 21-Zoll-Schmiedefelgen mit Aero-Discs (zur Kühlung der Bremsen). Vorne gibt es riesige Lufteinlässe (die Technik braucht Luft!), hinten einen feststehenden Dachflügel und Finnen („Fins“) auf dem Dach, die den Luftstrom leiten. Er kauert 40 mm tiefer über dem Asphalt. In der Signature-Farbe Magma Orange ist er der absolute Blickfang. Ein Porsche Macan Electric wirkt daneben fast konservativ. Das Detail: Die Radlaufverbreiterungen sind nahtlos in die Karosserie integriert, nicht drangeklebt. Das wirkt extrem hochwertig.
Innenraum: Schalensitze treffen auf Kristallkugel
Ich öffne die Tür. Der Innenraum ist eine Mischung aus Luxus und Rennsport. Die Schalensitze (mit Rückenschalen in Wagenfarbe) sind mit Nappaleder und Wildleder bezogen. Kontrastnähte in Orange (natürlich) überall. Das Lenkrad ist dicker aufgepolstert. Aber das Genesis-Markenzeichen bleibt: Die Crystal Sphere. Wenn das Auto aus ist, leuchtet eine Kristallkugel auf der Mittelkonsole. Startet man (per Fingerabdruck oder Knopf), dreht sie sich um und wird zum Wählhebel. Das ist auch 2026 noch das coolste Start-up-Theater der Autoindustrie. Die Bildschirme (ccIC Infotainment) haben eine spezielle „Magma“-Grafik (rote/orange Dials). Unterschied zum Hyundai: Es ist leiser (bessere Dämmung). Die Materialien sind edler. Es klappert nichts, alles ist mit Leder oder Alcantara bezogen.
Fahrbericht: Jacky Ickx’ Handschrift
Wir starten. Unter dem Blech steckt die Technik des Ioniq 5 N, aber verfeinert. Dual Motor. 478 kW (650 PS im Boost). 0-100 km/h in 3,4 Sekunden. Das Fahrgefühl: Der Ioniq 5 N ist ein verspielter „Boy Racer“. Er will driften, er ist hart. Der GV60 Magma ist ein Grand Tourer. Das Fahrwerk ist zwar straff, aber dank adaptiver Dämpfer bügelt es Bodenwellen feiner weg. Er wirkt souveräner, gesetzter. Aber wehe, man drückt den „Magma“-Knopf am Lenkrad. Dann spannt er die Muskeln an. Die Lenkung wird schwer und präzise. Er lenkt gierig ein (Torque Vectoring hilft). Er hat nicht ganz die aggressive „Simulierte Schalt-Rucke“ (N e-Shift) des Hyundai – Genesis hat das System sanfter abgestimmt. Es soll sich anfühlen wie ein starker V8-Sauger, nicht wie ein Doppelkupplungsgetriebe im Rennmodus. Der Sound: Das „Active Sound Design“ klingt tiefer, bassiger als im Hyundai. Weniger Computerspiel, mehr „fetter Motor“. Auf der Nordschleife liegt er satt. Die breitere Spur (gegenüber dem normalen GV60) gibt ihm irrwitzigen Grip. Man vergisst die 2,2 Tonnen Gewicht fast.
Verbrauch & Laden: Batterie: 84 kWh (Gen 4). Das ist das Update zum alten 77 kWh Akku.
- Sportliche Fahrt: 24 – 28 kWh/100km.
- Autobahn (130 km/h): 22 kWh/100km.
- Reichweite (Real): ca. 360 – 400 km. Wer die 650 PS nutzt, kommt 250 km weit. Laden: Hier ist er König. 800-Volt-Technik. Max. 350 kW (Peak). 10 auf 80 % in 18 Minuten. Man kann auf der Rennstrecke ballern, kurz laden, Kaffee trinken und weiterfahren. Besser geht es 2026 nicht.
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Genesis GV60 Magma (2026) | Alex Wind Kommentar |
Leistung | 478 kW (650 PS) / 770 Nm | Supersportwagen-Niveau. |
0-100 km/h | 3,4 Sekunden | Schneller als ein Porsche Macan Turbo. |
Batterie | 84 kWh (Netto) | Größerer Akku als beim Standard-GV60. |
Laden (DC) | 350 kW (800V) | Benchmark. 18 Min Ladezeit. |
Vmax | 260 km/h | Endlich kein 180 km/h Limit mehr! |
Fahrwerk | Adaptiv + Tieferlegung | Perfekter Spagat zwischen Sport & Komfort. |
Reifen | 21 Zoll Michelin Pilot Sport 4S | Kleben wie Kaugummi. |
Preis | ca. 85.000 – 90.000 € | Teuer, aber günstiger als Porsche. |
Pro & Contra
- ✅ Performance: 650 PS und Rennstrecken-Tauglichkeit im Luxus-Kleid.
- ✅ Laden: 800V-System ist der Konkurrenz (außer Porsche/Audi/Hyundai) überlegen.
- ✅ Exklusivität: Sie werden ihn seltener sehen als jeden Porsche.
- ✅ Innenraum: Top-Verarbeitung, Crystal Sphere, tolle Sitze.
- ❌ Reichweite: Der breite Aufbau und die Spoiler kosten Effizienz.
- ❌ Infotainment: Viele Funktionen, teils verschachtelte Menüs.
- ❌ Kofferraum: Kleiner als beim Ioniq 5 N, hohe Ladekante.
- ❌ Auffälligkeit: In Orange fast schon zu laut für manche Geschäftstermine (gibt es aber auch in Grau/Schwarz).
Konkurrenz-Check
- Hyundai Ioniq 5 N: Der Bruder. Technisch fast gleich, aber günstiger (~75k €), innen plastik-lastiger und optisch mehr „Rallye“. Wer sparen will und nur Spaß sucht, nimmt den Hyundai. Wer Luxus will, den Genesis.
- Porsche Macan Electric (Turbo): Der Gegner. Perfektes Fahrwerk, Image, aber mit vergleichbarer Ausstattung schnell über 120.000 €. Lädt auch sehr schnell (800V).
- Maserati Grecale Folgore: Der Italiener. Wunderschön, aber technisch (400V) beim Laden unterlegen und softwareseitig oft zickiger.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Genesis GV60 Magma (2026) ist das überzeugendste High-Performance-SUV des Jahres. Er nimmt die brillante Technik des Ioniq 5 N (Fahrspaß, 800V) und verpackt sie so, dass man ihn auch zum Opernball fahren kann (zumindest, wenn man ihn in Schwarz bestellt). Er ist der „Gentleman’s Racer“ der Elektromobilität. Jacky Ickx hat nicht nur seinen Namen hergegeben, man spürt die Abstimmung. Er ist verbindlicher, reifer als der wilde Hyundai. Ist er den Aufpreis zum Ioniq 5 N wert? Ja. Für die Materialien, das Design und den Restkomfort: Definitiv. Mein Tipp: Seien Sie mutig. Bestellen Sie ihn in Magma Orange. Das Leben ist zu kurz für graue Autos.
FAQ
1. Ist „Magma“ nur eine Ausstattungslinie? Nein. „Magma“ ist bei Genesis jetzt das, was „AMG“ bei Mercedes oder „M“ bei BMW ist. Es bedeutet: Anderes Fahrwerk, anderer Motor (bzw. Software-Tuning), breitere Karosserie, andere Bremsen. Es ist ein echtes Performance-Modell.
2. Wie unterscheidet er sich vom Ioniq 5 N? Der Ioniq 5 N simuliert ein 8-Gang-Getriebe mit harten Schaltrucken („N e-Shift“). Der GV60 Magma macht das sanfter oder gar nicht (je nach Modus). Der Genesis ist komfortabler abgestimmt, hat bessere Materialien (Leder statt Stoff/Plastik) und ist leiser im Innenraum.
3. Hat er Drift-Mode? Ja. Man kann auch im GV60 Magma die Kraftverteilung so einstellen, dass er zum reinen Hecktriebler wird („Drift Optimizer“). Aber seien wir ehrlich: Wer macht das mit einem 90.000 Euro Luxus-Crossover? (Antwort: Ich, im Test. Es macht Spaß.)












