Hyundai Santa Fe (2026): Der coolste Container, den man fahren kann

Als Hyundai den neuen Santa Fe enthüllte, dachten alle: “Haben die die CAD-Datei nicht zu Ende gerendert?” Er war ein Klotz. Ein Ziegelstein. Jetzt, Ende 2025, wissen wir: Es war genial. Der Santa Fe hat das Segment der langweiligen Familien-SUVs (sorry, Skoda Kodiaq) aufgemischt. Er sieht aus wie ein Land Rover Defender, bietet Platz wie ein VW Bus und kostet so viel wie ein Mittelklasse-Kombi. Zum Modelljahr 2026 bringt Hyundai nun endlich die XRT-Version nach Europa. Mit All-Terrain-Reifen, Höherlegung und schwarzen Anbauteilen macht er den Abenteuer-Look komplett. Aber kann ein Auto, das aussieht wie eine Schrankwand, mit einem kleinen 1.6-Liter-Motörchen wirklich souverän sein? Ich bin den Santa Fe PHEV (Plug-in-Hybrid) und den neuen XRT gefahren. Ist das Design nur Show oder steckt mehr dahinter?

Das Design: “H” wie Hammer

Der Santa Fe ist 4,83 Meter lang und extrem kantig. Die Scheinwerfer und Rückleuchten zeichnen ein “H”-Muster. Die Heckklappe ist gigantisch breit und verläuft senkrecht.

Über das Heck müssen wir reden. Die Rückleuchten sitzen tief in der Stoßstange. Das sieht… gewöhnungsbedürftig aus. Aber es hat einen Grund: Die Heckklappe ist so breit wie das Auto. Wenn Sie sie öffnen, haben Sie eine Terrasse. Das ist kein Marketing-Gag. Sie können sich zu zweit hinten reinsetzen, die Beine baumeln lassen und den Sonnenuntergang schauen. Das Auto ist um dieses “Tailgate-Erlebnis” herum gebaut. Der neue XRT-Trim (2026) mit den grobstolligen Reifen und der Leiter auf dem Dach (optional) lässt ihn noch martialischer wirken. Auf dem Schulparkplatz sind Sie damit der Coolste. Neben einem weichgespülten Mercedes GLE wirkt der Santa Fe wie ein Werkzeug.

Innenraum: Lounge statt Laster

Das Cockpit besteht aus einem gebogenen Panorama-Display (2x 12,3 Zoll) und einer Mittelkonsole mit zwei (!) induktiven Ladeschalen. Es gibt 6-Sitzer (Captain’s Chairs) oder 7-Sitzer Optionen.

Hier punktet Hyundai. Das Cockpit ist luftig, hell und modern. Die Materialien sind (zumindest obenrum) hochwertig. Mein Tipp: Nehmen Sie den 6-Sitzer. Die Einzelsitze in der zweiten Reihe sind elektrisch verstellbar und bieten einen Durchgang zur dritten Reihe. Das ist “Business Class” für die Kinder. In der dritten Reihe können (anders als im Vorgänger) tatsächlich Erwachsene sitzen, weil das Dach bis ganz hinten gerade durchläuft. Es ist ein Raumwunder. Ein skurriles Detail: Das UV-C-Sterilisationsfach im Handschuhfach (optional), um Handys oder Schnuller zu desinfizieren. Braucht man das? Nein. Ist es 2026 cool? Irgendwie schon.

Der Antrieb: 1.6 Liter gegen den Wind

In Europa gibt es den 1.6 T-GDI Hybrid (215 PS) und den 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid (253 PS, Allrad Serie).

Hier ist der Haken. Der Santa Fe wiegt leer fast 2,2 Tonnen. Und er hat die Aerodynamik einer Garage. Der 1.6-Liter-Motor muss kämpfen. In der Stadt und auf der Landstraße hilft der E-Motor (besonders im PHEV) kräftig mit. Da wirkt er souverän. Aber auf der Autobahn bei 150 km/h? Da säuft er. Rechnen Sie mit 10 bis 11 Litern, wenn der Akku leer ist. Der kleine Vierzylinder klingt dann angestrengt. Ein 3.0-Liter-Diesel im VW Touareg schüttelt das locker aus dem Ärmel. Der Santa Fe ist ein Cruiser. Er will mit 130 km/h gleiten. Wer das akzeptiert, wird glücklich. Wer einen Autobahn-Express sucht, ist hier falsch. Die elektrische Reichweite des PHEV (ca. 55 km real) ist 2026 nur noch Durchschnitt. Viele Konkurrenten (Tiguan, Kodiaq) schaffen 100 km.

XRT: Nur Show oder auch Go?

Der XRT hat 30 mm mehr Bodenfreiheit und All-Terrain-Reifen.

Erwarten Sie keinen Jeep Wrangler. Der Allradantrieb “HTRAC” ist gut für Schnee und Matsch, aber er hat keine Sperren. Aber die Reifen und die Höhe machen ihn robuster. Sie können über Feldwege bügeln, ohne Angst um die Felgen zu haben. Für den Weg zur Skihütte oder zum Campingplatz ist der XRT perfekt. Und er sieht einfach verdammt gut aus.

Preis-Check: Viel Auto fürs Geld

Ein Hyundai Santa Fe Hybrid “Prime” startet bei ca. 56.000 Euro. Der PHEV “Signature” oder “XRT” liegt bei ca. 64.000 bis 68.000 Euro.

Vergleich: Ein Land Rover Defender 110 startet bei 85.000 Euro (nackt). Ein VW Touareg ist ebenfalls deutlich teurer. Der direkte Konkurrent ist der Skoda Kodiaq. Der ist technisch moderner (DCC Pro Fahrwerk, 100 km E-Reichweite), aber er sieht halt aus wie ein Kombi. Der Santa Fe bietet für unter 60.000 Euro (Straßenpreis) eine Optik und einen Platz, für den Sie woanders sechsstellig zahlen.

Der Kanten-Vergleich

Feature
Hyundai Santa Fe PHEV XRT (2026)
Land Rover Defender 110 PHEV
Skoda Kodiaq iV (PHEV)
Leistung
253 PS
404 PS
204 PS
Optik
Boxy / Retro
Das Original
Konservativ
E-Reichweite
ca. 55 km
ca. 50 km
ca. 100 km
Sitze
6 oder 7
5 oder 6
5 (PHEV) / 7 (Diesel)
Kofferraum
Riesig / Kantig
Mittel
Groß
Preis (Start)
ca. 64.000 €
ca. 90.000 €
ca. 48.000 €

Fazit: Charakter gewinnt

Der Hyundai Santa Fe (2026) ist nicht das perfekte Auto. Der Motor ist etwas zu klein, der Verbrauch zu hoch. Aber er ist das coolste Familienauto auf dem Markt. Er macht den Alltag zum Abenteuer. Wenn Sie Platz für drei Kinder und einen Hund brauchen, aber nicht wie ein Busfahrer aussehen wollen: Kaufen Sie den Santa Fe. Nehmen Sie den PHEV, wenn Sie laden können (für die Steuer und die Stadt). Nehmen Sie den Vollhybrid, wenn Sie faul sind. Aber nehmen Sie ihn in “Earthy Brass Matte”. Das sieht aus wie Goldbarren auf Rädern.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.

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