Kia EV3 (2026): Schluss mit durchdrehenden Reifen – der GT kommt

Ein Jahr lang war der Kia EV3 der unangefochtene Reichweiten-König der Kompaktklasse. Niemand sonst bot 81 kWh Akku und 600 km WLTP in einem 4,30-Meter-Auto. Aber er hatte eine Achillesferse, die wir alle spürten, sobald es nass wurde: Der Frontantrieb. 204 PS und 283 Nm an der Vorderachse waren eine Garantie für blinkende Traktionsleuchten. Doch für das Modelljahr 2026 hat Kia zugehört. Die Koreaner rollen die AWD-Version und das Topmodell Kia EV3 GT an den Start. Damit verwandelt sich der vernünftige Sparfuchs plötzlich in einen ernsthaften Jäger, der dem Volvo EX30 Twin Motor und dem Smart #1 Brabus ans Leder will. Ich habe die ersten Daten und Eindrücke zum 2026er Line-up analysiert. Ist der Allradler das Update, auf das wir gewartet haben?

Der Kia EV3 GT: Wenn der “Kühlschrank” plötzlich sprinten kann

Für 2026 spendiert Kia dem EV3 einen zweiten Elektromotor an der Hinterachse. Die GT-Version wird voraussichtlich eine Systemleistung von ca. 220 kW bis 240 kW (rund 300-320 PS) bieten. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll in unter 5,5 Sekunden gelingen. Das Fahrwerk wurde von der N-Abteilung (Hyundai/Kia Performance) nachgeschärft.

Endlich. Das ist das Puzzlestück, das gefehlt hat. Der normale EV3 ist ein tolles Auto, aber er fährt sich emotionslos wie eine Mikrowelle. Der GT ändert das. Kia hat hier nicht einfach einen Motor reingeworfen. Die Techniker haben das “Torque Vectoring” vom großen Bruder EV6 GT adaptiert. Das bedeutet: Der EV3 GT wird hecklastig ausgelegt sein. In Sport-Modus schiebt er von hinten, statt vorne zu scharren. Braucht man das in einem Familien-Crossover? Rational gesehen: Nein. Aber emotional gesehen: Ja, verdammt. Der Volvo EX30 hat gezeigt, dass Kunden kleine Raketen wollen. Der EV3 GT liefert genau das, aber mit – und das ist der entscheidende Punkt – deutlich mehr Platz im Fond als der Volvo.

Das Software-Update 2026: KI zieht ein

Mit dem Modelljahr 2026 rollt das Update “ccNC 2.0” aus. Highlight ist der integrierte “Kia AI Assistant”, der auf Generativer KI basiert und natürliche Sprache versteht. Zudem wird die Ladeplanung nun dynamischer und bezieht Echtzeit-Wetterdaten (Wind, Temperatur) präziser in die Reichweitenprognose ein.

Wir kennen das alle: “Hey Kia, mir ist kalt.” – “Ich habe verstanden: Navigation nach Buxtehude.” Damit soll 2026 Schluss sein. Der neue KI-Assistent soll Kontexte verstehen. “Wo kann ich hier gut Sushi essen und dabei laden?” soll eine valide Antwort liefern, statt einer Fehlermeldung. Viel wichtiger für den Alltag ist aber das Update der Ladeplanung. Der EV3 war 2025 im Winter oft etwas zu optimistisch. Die neue Software kalkuliert den “Gegenwind-Faktor” und die “Regen-Dichte” mit ein. Das klingt nach Nerd-Kram, rettet Ihnen aber auf der Autobahn A7 bei Sturm den Hintern, weil das Auto Sie früher zum Laden schickt, bevor Sie liegenbleiben.

AWD vs. RWD: Warum der Allrad den Akku “frisst” (und warum es egal ist)

Der neue Dual-Motor-Antrieb (AWD) wiegt rund 80-100 kg mehr und verbraucht mehr Energie. Die WLTP-Reichweite des 81-kWh-Akkus sinkt beim GT voraussichtlich von 605 km (RWD) auf ca. 540 km.

Hier werden die Internet-Foren wieder brennen. “Oh nein, 60 Kilometer weniger Reichweite!” Beruhigen Sie sich. 540 km WLTP sind immer noch mehr, als fast jeder Konkurrent in dieser Klasse bietet. Ein VW ID.3 GTX kommt nicht so weit. Ein Smart #1 erst recht nicht. Der Tauschhandel ist simpel: Sie geben theoretische Reichweite ab (die Sie eh selten am Stück fahren) und bekommen dafür Sicherheit. Wer einmal versucht hat, mit dem frontgetriebenen EV3 bei Nässe schnell in eine Lücke im Kreisverkehr zu springen, weiß, wovon ich rede. Die Räder drehen durch, die Elektronik regelt die Leistung weg, Sie stehen fast. Mit dem AWD 2026 treten Sie drauf, und das Ding beamt sich weg. Dieser Sicherheitsgewinn ist mir persönlich 50 km Reichweite wert.

Preis-Check 2026: Wird der GT unbezahlbar?

Während der Basis-EV3 (FWD, kleiner Akku) preislich stabil bei ca. 36.000 Euro bleibt, wird der GT mit großem Akku und Vollausstattung wohl die 50.000-Euro-Marke knacken.

50.000 Euro für einen Kompaktwagen. Lassen Sie das sacken. Das waren mal 100.000 Mark (für die Boomer unter uns). Ist er das wert? Wenn Sie ihn mit einem Verbrenner-Golf vergleichen: Nein. Aber wenn Sie ihn mit einem Tesla Model Y Performance vergleichen (der teurer ist) oder einem Volvo EX30 (der hinten so eng ist wie eine Zwangsjacke): Ja. Der Kia EV3 GT bietet Oberklasse-Features (belüftete Sitze, V2L-Steckdose, Head-up-Display) in einem kompakten Format. Es gibt derzeit kein anderes Auto, das so viel “Luxus pro Quadratmeter Verkehrsfläche” bietet.

Unerwarteter Vorteil: Der EV3 als Stromspeicher (V2G ready)

Ab Modelljahr 2026 bereitet Kia die Fahrzeuge in Deutschland technisch auf “Vehicle-to-Grid” (V2G) vor. In Kombination mit einer passenden Wallbox kann der 81-kWh-Akku als Heimspeicher dienen.

Das ist der eigentliche Gamechanger für Hausbesitzer. 81 kWh. Wissen Sie, was ein 10-kWh-Heimspeicher für Ihre Solaranlage kostet? Etwa 5.000 bis 7.000 Euro. Der Kia hat die achtfache Kapazität. Wenn die Gesetzgebung in Deutschland 2026 endlich mitspielt (und es sieht danach aus), können Sie tagsüber Solarstrom tanken und abends damit Ihr Haus betreiben oder bei hohen Börsenstrompreisen einspeisen. Das macht den hohen Kaufpreis plötzlich relativ. Das Auto verdient Geld, wenn es steht. Rechnen Sie das mal in Ihre Leasingrate ein.

Vergleich: Die “Hot Hatches” der Neuzeit

Feature
Kia EV3 GT (2026)
Volvo EX30 Twin Motor
VW ID.3 GTX Performance
Leistung
ca. 320 PS (AWD)
428 PS (AWD)
326 PS (RWD)
0-100 km/h
ca. 5,3 s
3,6 s
5,6 s
Reichweite (WLTP)
ca. 540 km
450 km
601 km
Platz (Fond)
Sehr Gut
Mangelhaft
Gut
Infotainment
Sehr Gut (Kia ccNC)
Gut (Google)
Verbessert (MIB4)
Preis (Start)
ca. 49.000 €
ca. 48.000 €
ca. 52.000 €

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt

Wenn Sie 2025 gezögert haben, einen EV3 zu kaufen, weil Sie Angst vor dem Frontantrieb hatten: Herzlichen Glückwunsch. Ihre Geduld zahlt sich aus. Der Kia EV3 des Modelljahres 2026 ist mit dem Allradantrieb (egal ob als ziviler AWD oder als sportlicher GT) das “fertige” Auto. Er eliminiert den einzigen wirklichen Kritikpunkt des Vorgängers (Traktion) und behält alle Stärken (Raum, Software, Effizienz). Ja, er ist teuer. Aber er ist das Schweizer Taschenmesser unter den Elektroautos: Klein genug für die Stadt, schnell genug für die linke Spur und groß genug für den Urlaub. Der GT ist der neue König im Kompakt-Dschungel.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.